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M118 (1. Blatt) Dienstag, den 2. Oktober 1928 80. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

3 .=Hr. 7977. Die Werten Bürgermeister und Gutsvor­steher werden zu einer Besprechung dienstlicher Angelegen­heiten (Zigeunerunroesen, Sonntagsheiligung, Polizeistrafen u[tD.) auf

Montag, den 8. Oktober d. 3s., vormittags SV- Uhr. in den Sitzungssaal des hiesigen Kreishauses eingeladen.

Schlüchtern, den 27. September 1928.

Der Landrat: Dr. Müller.

Kreisausschuß.

Mädchenklasss der landwirtschaftlichen Schule.

Der Unterricht der Mädchenklasse an der Landwirt­schaftsschule Schlüchtern beginnt Montag, den 5. November 1928 im Gebäude des früheren Lehrerseminars und dau­ert bis Ende März 1929. $ür die Aufnahme ist ein Min- destalter von 16 Iahren erforderlich. Anmeldungen unter Beibringung des Geburts-, Leumunds- und letzten Schul- zeugnisses sind an den Unterzeichneten zu richten, der auch nähere Auskunft erteilt.

Schlüchtern, den 27. September 1928.

Der Direktor: Müller, Landwirtschaftsrat.

*

I.-Nr. 4273 K. A. Die Herren Bürgermeister des Kreises werden ersucht, vorstehende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.

Schlüchtern, den 29. September 1928.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses. 3. D.: preist.

Landwirtschaftliche Schule SchlSchtern.

Der Unterricht an der Landwirtschaftlichen Schule schlüchtern beginnt Dienstag, den 6. November 1928 im Sebäube des früheren Lehrerseminars. Schülern aus ent­fernt liegenden Orten kann gegen geringes Tntgeld Unter- bunft gewährt werden. Anmeldungen sind bis zum 15. Oktober er. an den Unterzeichneten zu richten. Neu Eintre­tende haben bei der Anmeldung Geburtsschein, Leumunds­zeugnis und letztes Schulzeugnis vorzulegen.

Schlüchtern, den 27. September 1928.

Der Direktor: Müller, Landwirtschaftsrat.

3 .=Rr. 4272 K. A. Die Herren Bürgermeister des Leises, werden ersucht, vorstehende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.

Schlüchtern, den 29. September 1928.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses. 3. V.: preist.

Ortskrankenkasse Schlüchtern.

Bekanntmachung.

Nachdem Herr prakt. Arzt $ömmel zu Schlüchtern an Stelle des verstorbenen Herrn Sanitätsrat Dr. med. ^reudenthal, als Kassenarzt für den Arztbezirk Schlüch- iII zugelassen worden ist, gehen bis auf Weiteres Nassenarztgeschäfte vorerst ab 1. Oktober 1928 auf | ^>m Hämmel über, was hiermit Versicherten und Ar- t Zeitgebern zur Kenntnis gebracht wird.

Schlüchtern, den 29. September 1928.

Vorstand der Allgemeinen Ortskrankenkasse für den Kreis Schlüchtern. preist, Vorsitzender.

Stadt Schlüchtern.

Bekanntmachung.

L, Huf Grund des § 76 der Neichsstimmordnung vom l4. ^orz 1924 und der Verordnung über Zulassung eines Mrbegehrens betr.Panzerkreuzerverbot" wird hierdurch okannt gegeben, daß die Eintragungslisten in der Zeit vom L b,$ einschl. 16. Oktober 1928 im Nathaus Dienstzim- , bes Stadtoberinspektors offen liegen. Während die- l k oeit können an den Wochentagen vormittags von 9 L 2 Hfjr und nachmittags von 56 Uhr am Sonnabend . / vormittags und am Sonntag, den 7. und 14. Ok- vormittags von 1112 Uhr die Unterschriften in J ^^ eingetragen werden. Nach § 78 der Neichsstimm- ist ßur Eintragung zugelassen:

I wer in die zuletzt abgeschlossene oder laufend geführte Stimmliste oder Stimmkartei eingetragen ist, es sei s^vn, dast das Stimmrecht inzwischen verloren gegangen I oder während der Eintragungsfrist ruht, I ' ®er einen Eintragungsschein hat.

. 9en der Eintragungsscheine wird auf die BestiM- k,9 im § 79 und § 80 der Neichsstimmordnung hinge- u|en- die in dem angegebenen Lintragungsraum einge- P werben kann. ' '

schlüchtern, den 1. Oktober 1928

Der Magistrat: Gaenßlen.

Bekanntma'chung

Anträge auf Erteilung von Wandergewerbescheinen für das Iahr 1929 sind bis zum 10. Oktober d. 3$. bei der Polizeiverwaltung 3immer Stadtsekretär einzureichen.

Auf die in der Schlüchterner Zeitung Nr. 112 veröffent­lichte Bekanntmachung des Herrn Landrats vom 12. Septem­ber 1928 I.-Nr. 7754 wird hiermit besonders hin­gewiesen.

Schlächtern, den 26. September 1928.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

Stadt Steinau

Bekanntmachung.

Zufolge der Verordnung des Neichsministeriums vom 17. d. Mts. über die Zulassung eines Volksbegehrens ist die Eintragungsfrist in die Listen auf die Zeit vom 3. Oktober bis einschl. 16. Oktober 1928 festgelegt worden.

während dieser Zeit liegen die Eintragungslisten nebst dem Entwurf eines Gesetzespanzerkreuzerverbot" vormit­tags von 8 bis 12 und nachmittags von 1 bis 5 Uhr 13 bis 17 Uhr im Nathaus, im Zimmer Nr. 3, zur Ein­tragung für die Stimmberechtigten aus. Am Sonntag, den 7. und Sonntag, den 14. Oktober liegen die Listen zur Lin- zeichnung nur vormittags von 10 bis 12 Uhr offen.

Steinau, den 27. September 1928.

Der Magistrat: Dr. Kraft.

Macdonald fordert die Veröffentlichung des franzö­sisch-britischen Marineabkommens.

London, 3 0. 9. (WV) Macdonald sagte heute in einer Rebe in Birmingham, Baldwin müsse endlich das franzö­sisch-britische Marineabkommen veröffentlichen, und zwar nicht nur das Abkommen, sondern auch die Briefe und Noten, die bei den voraufgegangenen Verhandlungen ausge­tauscht wurden. Auf der nächsten Sitzung der vorbereitenden Rbi'äfiuiigsRctiim müsse die Regierung Vorschläge ma­chen, um so schnell wie möglich den Zusammentritt einer Abrüstungskonferenz herbeizuführen.

Der Großindustrielle Haas gestorben.

Brosiau, 1. Okt. Der bekannte Magdeburger Groß- industrielle Haas ist in der Nacht von Freitag zu Sonn­abend in Breslau auf der Straße einem Schlagaufall erlegen. Haas stand im Jahre 1926 unter dem Ver­dacht seinen Buchhalter Helling ermordet zu haben. Er wurde damals verhaftet und erst wieder aus freien Fuß gesetzt, als nach dem Geständnis des Mörders Schröder sich der Tatverdacht als haltlos erwiesen hatte.

Die Auslieferung des Direktors Bela Groß genehmigt.

Wien, 1. Oktober. Dem Enthaftungsersuchen des in der Stinnes-Angelegenheit verhafteten Direktors Bela Groß ist nicht Folge geleistet worden. Dagegen wurde dem Auslieserungsantrag stattgegeben, so daß Beta Groß vermutlich schon in der nächsten Zeit die Reise nach Berlin wird antreten müssen.

In der Zündhülsenfabrik der Rhein-Westfälischen Spreng­stoff A.-G. in Troisdorf ereignete sich eine Explosion, wobei ein Arbeiter getötet und ein anderer schwer verletzt wurde.

Der internationale Verband der beim Völkerbund tätigen Journalisten stattete der Kölner Pressa einen Besuch ab.

Aus Südfrankreich kommen Meldungen über starke Regen­güsse, die zu Neberschwemmungen führten.

Ganz Norwegen ist bis hinunter nach Oslo mit Schnee bedeckt. Ans fast allen Gegenden wird Kälte bis zu 10 Grad unter Null berichtet.

Der Führer der verunglückten italienischen Polarexpedition, Nobile, erstattete in l%ftünbigct Privataudienz dem Papst Bericht über die Expedition und dieJtalia"-Katastrophe. Nobile äußerte nach der Audienz seine Bewunderung über das Wissen des Papstes in arktischen Fragen. .

- Die etwa 9 ständige Fahrt des LuftschiffesGras Zeppelin" am Freitag führte über München nach Salz­burg, wo das Luftschiff lebhaft begrüßt mürbe und ging dann zurück über Regensburg, Ingolstadt wieder nach Friedrichshafen. Auf dieser Fahrt wurde zum ersten Mal der Antrieb mittels Blaugas ausprobiert. Die Resultate sind als sehr günstig zu bezeichnen.

In Leipzig wurde ein 61 jähriger Arbeiter von seiner Stieftochter, die schwer unter den Mißhandlungen ihres Stiefvaters zu leiden hatte, während eines Streites mit einem Küchenmesser so schwer am Arm verletzt, daß er verblutete, ehe ärztliche ksilfe zur Stelle war.

Bei einem Tunneleinsturz in Spanien wurden neun Arbeiter verschüttet. 200 Arbeiter bemühen sich, einen Zugang zu den verschütteten freizulegen.

Der spanische DampferUrquijo" hat auf der Höhe der Ties-Inseln Hilferufe ausgesandt. Zwei Schleppdampfer, die in See gegangen sind, um ihn zu suchen, haben Keine Spur von ihm gefunden.

In den vereinigten Staaten wird der Bau zweier Luftschiffe für die amerikanische Marine, von denen jedes 6 500 000 Kubikfuß umfassen soll, vorbereitet. Zur Zeit verhandelt man noch mit einer Lustschiffbaugesellschaft.

Wirtschastspolitische Zeitsragen.

Eine Rede des Reichswirtschaftsministers.

In Anwesenheit einer großen Anzahl amtlicher Persön­lichkeiten aus Thüringen und dem Reiche wurde in Eisenach die Hauptversammlung des Verbandes der Mitteldeutschen Industrie abgehalten. Reichswirtschaftsminister Dr. C u r t i u s war als Vertreter der Reichsregierung zugezogen. Er betonte, daß das Nebeneinander zur Exportförderung und Pflege des Jnnenmarktes nicht in ein Gegeneinander verwandelt werden dürfe. Als Wirtschastspolitische Ziele gab er den Ausbau der Handelsvertragspolitik besonders nach Osten hin und den Auf­bau des Exportkredites an.

Auf sozialpolitischem Gebiet forderte er die geplante Refor- mierung des Arbeitsschutzgesetzes, deren Ergebnis die Wirt­schaft nicht durch unnötige Schematismen fesseln dürfe, sowie die Umformung des Schlichtungswesens unter möglichster Be­grenzung der staatlichen Eingriffsmöglichkeiten.

Referate über Handelspolitik von Ministerialdirektor Poppe-Berlin und Sozialpolitik von Professor Dr. Molden- hauer-Köln schlössen sich an. In seiner Rede wandte sich der Vorsitzende des Verbandes, Konmlerzienrat Dr. h. c. Temmer, scharf gegen die Zentralisierungsbestrebungen der Reichshaupt­stadt und gegen die unerträglichen Steuern und Res-arations- lasten.

Die Sobenreformer tagen.

Damaschke berichtet.

In Koblenz sind die Bodenreformer zu ihrer 32. Tagung zusammengetreten. Die Grüße der Reichsre­gierung überbrachte Ministerialrat Eve, der darauf hinwies, daß eine Million Familien ohne Wohnung sei und die Notwendigkeit betonte, diesem Elend ab- zuhelfen. Nach weiteren Begrüßungsansprachen ergriff Bundesvorsitzender Damaschke das Wort.

Der Redner verwies aus die bodenreformerische reine Grundwertsteuer in Anhalt und forderte für das ^^ ^Rneme^inbeuRcSung^ Dafe zur Entlastung des kleinen Landwirtes die Möglichkeit einer Trennung von Boden und Bau offen bleibe. Es sei auch eine Beseitigung der erbbaufeindlichen Bestimmungen des Gesetzes notwendig. Zum Schluß beschäftigte sich der Redner mit der Haltung der Wirtschaftspartei, die notwendigerweise auf die Dauer dem Haus- und Grund­besitz fchweren Schaden zusügen müsse, da durch sie alle anderen Parteien von einer Rücksichtnahme aus die Hausbesitzer entbunden wären.

Hieraus sprach Reichstagsabgeordneter Lemmer überGewerkschaftsbewegung und Bodenreform". U. a. führte er dabei aus: Die Inflation ließ die Tatsache begreifen, daß nominelle Höhe des Lohnes nichts, re­ale Kaufkraft aber alles "bedeute. Diese Erkenntnis führte viele aus den Weg zur Bodenrefdrm. Das heutige Bodenrecht bedeutet eine ernstliche Gefährdung des sozialen Friedens. Die Gewerkschaften können sich die fortgesetzte Schmälerung des Reallohnes nicht ge­fallen lassen. Der Redner forderte zum Schluß be­schleunigte Verwirklichung des Bodenreformgesetzes.

Zugzusammenstoß in Spanien

Zahlreiche Tote «nv Verletzte.

Nachdem Spanien soeben erst von schweren Brand- und Explosionskatastrophen heimgesucht wurde, hat sich dort jetzt wieder ein folgenschwerer Zugzusammenstoß ereignet, der bisher acht Menschenleben forderte.

Wie aus Madrid berichtet wird, stieß am Sonn­abend früh auf der Strecke von Madrid nach Anva- lusn nahe der Stadt Baeza der Madrider Schnell- zug iR dem aus der entgegengesetzten Richtung kom- «Mum Schnellzug in voller Fahrt zusammen. Dre ur,awe ist Fahrlässigkeit des Personals, an der Kren- znngSstelle auf der eingleisigen Strecke. Telephon- und Telegraphenleitungen waren bis Sonnabend nachmit­tag zerstört. Der Verkehrsminister erklärte, daß acht Tote nnd elf Verwundete, zum Teil sehr schwer, bis­her festgestellt wurden. Man vermutet aber unter den Trümmern noch mehr Verunglückte.

Bei Huelva ist ebenfalls ein Zug entgleist, wobei eine Person getötet wurde.

Ein weiteres Unglück hat sich in der Nähe von Sargossa ereignet, wo ein Tunnel einstürzte und eine Anzahl Arbeiter unter sich begrub. Die genaue Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt.

Konferenz der Justizminister der Länder.

Berlin, 1. Oktober. Reichsjustizminister Dr. Koch-Weser hat die Justizminister der Länder zum 24. Oktober zu einer Besprechung nach Berlin eingela­den, bet der u. a. die Frage der einheitlichen Aus­bildung der Referendare im ganzen Reich und Fragen der Strasprozeßreform erörtert werden sollen.

Schacht wiedergewählt.

Berlin, 1. Oktober. In der letzten Sitzung des Generalrates der Reichsbank wurde Reichsbankpräsident Dr. Schacht für eine neue Amtsdauer von vier Jahren einstimmig wiedergewählt. Die gesetzlich vorgeschrie­bene Bestätigung durch den Reichspräsidenten ist nach- gejucht.