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Nr. 117 (1. Blatt) Samstag, den 29. September 1928 80. Jahrg.

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Amtliche Bekanntmachungen.

Land rat samt.

I .-Nr. 8327. Der Herr Kreismedizinalrat wird am Dienstag, dem 2. Oktober d. 3s. von 9,30 Uhr ab im hie­sigen Kreishaufe Sprechstunde halten.

Schlüchtern, den 25. September 1928.

Der Landrat. 3. D.: Schultheis.

I.-Nr. 8322. Die Ortspolizeibehörden werden auf die im Regierungs-Bmtsblatt Nr. 35, S, 192 veröffentlichte Polizeiverordnung über die Lagerung von Bmmonsalpeter sowie ammonsalpeterhaltigen Mischsalzen und Gemengen aufmerksam gemacht und ersucht, für deren Bekanntgabe in den beteiligten Kreisen Sorge zu tragen.

Schlüchtern, den 25. September 1928.

Der Landrat. 3. D.: Schultheis.

I.-Nr. 8226. Im Verlag Franz Kahm in Frankenberg ((Eber) ist die Polizeiverordnung über die Polizeistunde und öffentliche Tanzlustbarkeiten vom 23. Iuni 1928 zum preise von 25| Rfg. und die Polizeiverordnung über Feld- und Zorstschutz vom 23. Iuli 1928 zum preise von 60 Nfg. in Heftform in handlichem Format erschienen.

Ich stelle den Ortspolizeibehörden die Beschaffung an­heim und ersuche, Bestellungen binnen 14 Tagen hierher einzusenden.

Schlüchtern, den 24. September 1928.

Der Landrat. 3. D.: Schultheis.

Kreisausschuß.

Ruflösung der Gulsberirte.

I.-Nr. 4196 K. B. Durch Beschluß des preußischen Staatsminiftcriums vom 22. August 1928 (I St. M. I. 9850/28 M. d. 3. IV a. I Gutsbez. AHg. 10) sind y % stehende Gutsbezirke in Gemäßheit des Gesetzes vom 27. Dezember 1927 fG. S. S. 211) mit Wirkung vom 30. Sep= tember 19 28 aufgelöst worden.

1. Gutsbezirk Hundsrück,

2. Gutsbezirk Lindenberg und

3. Gutsbezirk Namholz.

Dom gleichen Tage ab sind diese Gutsbezirke vereinigt worden

zu 1 mit der Stadtgemeinde Steinau

zu 2 mit der Landgemeinde Hohenzell

zu 3 mit der Landgemeinde vollmerz.

Dom 1. Oktober 1928 ab geht die Verwaltung der ein- verleibten Gutsbezirke auf die vorgenannten Gemeinden! über. Die Herren Gutsvorsteher ersuche ich, ihre sämtli­chen Akten, Dienstsiegel usw. am 1. Oktober 1928 den nun= mehr zuständigen Herren Bürgermeistern zu übergeben. Die Herren Bürgermeister der vorgenannten Gemeinden wollen über die Uebergabe eine Verhandlung aufnehmen und mir eine Abschrift derselben bis spätestens 5. Oktober k 3s. einreichen. Formulare zu dieser Verhandlung werden beim Landgemeindenverlag in Berlin W 9, Potsdamer- ^aße 22 a vorrätig gehalten.

Schlüchtern, den 26. September 1928.

Der Landrat: Dr. Müller.

Stadt Schlüchtern.

Bekanntmachung

Anträge auf Erteilung von Wandergewerbescheinen für

Iahr 1929 sind bis zum 10. Oktober d. 3s. bei der Mizeiverwaltung Zimmer Stadtsekretär einzureichen.

Auf die in der Schüchterner Zeitung Nr. 112 veröffent- We Bekanntmachung des Herrn Landrats vom 12. Septem- ber 1928 I.-Nr. 7754 wird hiermit besonders hin- Sewiesen.

Schlüchtern, den 26. September 1928.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

. In einer am Donnerstag in Benndorf abgehal- tenen Funktionärkonferenz der Bergarbeiterverbände wur- ^.der für das Mansfelder Revier gefällte Brbeitszeit- ichwdsspruch gegen 7 Stimmen angenommen. Die Stellung- uahme der Arbeitgeber steht noch aus.

, Wie aus Buenos Aires gemeldet wird, sind in, der vinz Santiago bei Estro mehrere Todesfälle infolge eulenpest festgestellt worden.

, " Wie zuverlässig verlautet, wird die französische Be= pngsarmee in den nächsten Wochen größere Truppenver- Webungen vornehmen, die insbesondere die Pfalz betref- werden.

Reichsjustizminister Koch über den neuen Staat.

Berlin, 28. 9. fw. B.) Der Gewerkschastsbund der Angestellten hielt am Donnerstag abend im Reichswirt- schaftsrat aus Bnlaß des Beginns seiner Winterbildungs- arbeit eine ausgezeichnet besuchte Feier ab. AIs Haupt­redner des Abenbs sprach Reichsjustizminister Dr. Koch- Weser über das Thema:Der neue Staat". Er betonte/ daß der Staat trotz Bekämpfung von außen und innen sich immer mehr habe festigen können. Das sei nach außen nur möglich gewesen durch die Verständigungspolitik. Es bestehe immer noch die Frage, ob wir Ost- oder Westpolitik machen müßten. Es sei auch heute noch richtig, hier die Fäden nach keiner Seite abreißen zu lassen. Aber man dürfe nicht den Osten gegen den Westen ausspielen, son­dern man müsse Verständigung nach beiden Seiten suchen. Die Verständigungspolitik sei unter allen Umständen richtig und müsse weiter gemacht werden. Der Minister führt weiter aus, das Nationalgefühl sei in Deutschland gestie­gen. Das zeige sich in unserer positiven Stellung zu den, Buslandsdeutschen, ^ie Allgemeingut geworden sei. Nicht nur die Gesterreicher, die über kurz ober lang in den Schoß der Heimat zurückkehren würden, sondern auch die Ferndeutschen fänden heute allgemeines Interesse bei uns. Die Beziehungen zu ihnen weiter zu pflegen, sei eine der großen Aufgabe des neuen Staates. Imperialistische Macht­politik könne heute nicht mehr gemacht werden. Statt dessen gebe es heute den Handelsimperialismus. Ein fortschrittlicher Pazifismus, d. h. die Durchsetzung des Nechts auf friedliche Weise, fei eine vorzügliche Waffe im Verkehr mit den ande­ren Staaten. Die Weimarer Verfassung habe die Revolution nicht hervorgerufen, sondern sie beendet. Diese Verfassung habe sich die besten Gedanken zu eigen gemacht, die im deutschen Volke lebten. Natürlich sei sie nicht etwas Unab­änderliches. Die Frage der Verantwortlichkeit der Minister vor dem Parlament sollte man nur insoweit ändern, daß die Regierung nicht mehr alles zu Kabinettsfragen

müßte. Von der Frage des Einheitsstaates hingen alle anderen Reformen ab, z. B. die Iustizreform und die Ver- waltungsreform. Auf kulturellem Gebiete brauchten wir eine Erleichterung der Aufstiegsmöglichkeiten. Auf keinem Gebiete sei die Entwickelung im neuen Staat so unerfreulich, wie auf dem Wirtschaftsgebiet. Die Unternehmerschaft balle ffch immer stärker zusammen und ^eige heute eine Bürokra­tie, die beinahe so stark sei, wie die des Staates. Die Kon­trolle der Kartelle sei eine Hauptaufgabe des Staates. Es komme darauf an, der Arbeit neben dem Kapital die Rechte einzuräumen, die ihr zukämen, und durch ein weit­gehendes Reformprogramm einer revolutionären Entwicke­lung rechtzeitig Herr zu werden. Gegenüber einer allge­meinen Nivellierung müsse der Persönlichkeitsgedanke ge­stärkt werden. Aber auch das Volk müsse hineinwachsen in die Verantwortlichkeit am Staat. Die Aufgabe solcher verbände, wie die des G. d. A., sei es, das Volk mit Staatsgeist zu erfüllen. Dann sei ihm die Zukunft des deut­schen Staates nicht bange.

Abbau der Pahmauer.

Zwischen der deutschen und der französischen Regierung schweben Verhandlungen über die Erleichterung des Grenz- verkehrs zwischen beiden Ländern. Nachdem Frankreich seit kurzer Zeit die' bisher hohen Visumgebühren herabgesetzt hat, sind deutsche Verkehrsverbände beim Auswärtigen Amt vorstellig geworden, damit auch von deutscher Seite aus eine Herabsetzung der Gebühren für die Einreisege­nehmigung ober ein Wegfall des Visums überhaupt ein= tritt, wie demB. T." zufolge verlautet, ist das Auswärtige Amt bereit, diesen wünschen in weitester Form zu entspre­chen. Die Verhandlungen über den Wegfall des Visums zwischen Deutschland und Frankreich sollen im Oktober wieder allgemein ausgenommen werben.

Der Tod des Generals gagorski.

DasB.T." meldet aus Kowno: Ueber das verschwinden des polnischen Generals sagorski hat ein in Litauen fest­genommener polnischer Generalstabsoffizier unter Eid Bus- sagen gemacht, aus denen sich ergibt, daß Zagorski von hohen polnischen Offizieren in Wilna erschaffen worden ist.

Die neuen Beamtenlaufbahn-Richtlinien.

Die vom Reichsminister des Innern Seoering in Aussicht genommene Besprechung mit den Beamtenspitzenverbänden über Aenberung der Richtlinien für die Laufbahnen der Reichsbeamten ist nunmehr endgültig aus den 19. Oktober einberufen worden.

Der Hausbrand wird teurer.

In der Sitzung der Neichskohlenverbände und des Gro­ßen Busschusses des Reichskoblenrats am Donnerstag wurde dem Antrag des Mitteldeutschen Braunkohlensyndikats auf Erhöhung der Hausbrandbrikettpreise um 1 Mk. je Tonne zugestimmt, desgleichen dem Antrag des Syndikats für das rechtsrheinische Bayern auf Erhöhung der Preise für bayerische Preßkohle in der gleichen Höhe.

Von Woche zu Woche.

Von Argus.

In Schlesien hat sich in der letzten Woche unter den Augen des Reichspräsidenten von Hindenburg das große Herb st manöver der deutschen Armee abgespielt. Im ganzen haben 15 000 Soldaten daran teilgenommen, eine ge­ringe Zahl, wenn man bedenkt, welchen Umfang die Manöver bei unseren bisherigen Gegnern haben.

Gleichfalls in Schlesien, und zwar in der Landeshaupt­stadt Breslau, hielten der Deutsche Städtetag und der Preußische Städtetag nacheinander ihre Haupt­versammlungen ab. Begreiflicherweise beschäftigte man sich auf beiden Tagungen hauptsächlich mit der Frage des Finanz­ausgleiches, d. h. der Aufteilung der direkten Steuern zwischen Reich, Ländern und Gemeinden. Seitdem wir birehe Reichs­steuern haben, ist das Lied nicht verstummt, bah die Gemeinden zu wenig von den Steuern des Reiches erhalten und daß das Reich ihnen die Besteuerungsmöglichkeit fast überall abschneidet. Diese Klagen erklangen auch wieder auf den beiden Städte- tagen.

Eine weitere Tagung größten Stils ist in der abgelau­fenen Woche gleichfalls zu Ende geganen: Die Tagung des Völkerbundes und des Völkerbundsraies. Der Völker­bund wollte sich mit Abrüstungsfragen beschäftigen, es wurde viel geredet; aber diese Reden blieben ohne nachfolgende Taten, und sie verpufften wie ein hübsches Feuerwerk, "ohne etwas Bleibendes zu hinterlassen. In recht geschickter Weise hat sich der deutsche Delegierte Graf Bernstorff beim Völkerbünde für die vollständige Abrüstung eingesetzt. Seine Ausführungen fanden aber nur auf den Banken der kleineren Staaten sympathifchen Beifall, sie bedeureten in ihren wesent­lichen Punkten eine Richtigstellung der in der Rede Briands gegen Deutschland erhobenen Angriffe. Graf Bernstorff brächte eine Entschließung ein, in der ausgesprochen wurde, daß die gegenwärtigen Sicherheitsderhältnisse, wie sie durch den Völkerbundspakt, durch die Rüstungsvereinbarungen aus den Friedensverträgen, ferner durch die Verträge von Locarno «nd den Pakt von Paris gegeben fw\ schon jetzt.erlaubeM eine >^ W^e zu erreichen, 'indem emc erste allgemeine Ab- Bistungskonvention aufgestellt wird, die die Beschränkung und Herabsetzung der Rüstungen zum Ziele hat. Um diesen An­trag, der also die baldige Einberufung einer ersten internatio­nalen Abrüstungskonferenz verlangte, entspann sich in der Kommission ein recht erbitterter Kampf, an dem sich am wider­spenstigsten gegen den deutschen Antrag der Vertreter Englands beteiligte, wogegen das französische Kommissionsmitglied eine freundlichere Haltung einnahm. Statt der Entschließung des Grafen Bernstorff wurde der Vollversammlung eine andere Resolution von der dritten Kommission vorgeschlagen, in der nur empfohlen wurde, den Ausschutz am Ende dieses Jahres oder auf alle Fälle am Anfang des Jahres 1929 einzuberufen. Diese Entschließung wurde auch gebilligt.

Man muß den Eindruck mehr und mehr bekommen, daß man es auf der englisch-französischen Seite nicht sehr ernst und ehrlich mit der Abrüstungssrage meint. Zu dieser Anschauung kommt man auch, wenn man den Notenwechsel verfolgt, der zurzeit zwischen A m e r i k a a u f der einen und England u nd Frankreich auf der anderen Seite er­folgt. In Amerika ist man nicht davon überzeugt, daß das französisch-englische Flottenabkommen dem Bedürfnisse nach Frieden entspränge, sondern daß es seine Spitze gegen Amerika richte. Auch Sowjetrußland befürchtet Unfreundlichkeiten, die aus dem Abkommen für den europäischen, slawischen Osten entstehen könnten. Diese Befürchtungen scheinen eine Bestäti­gung zu finben durch Veröffentlichungen des LondonerDaily Telegraph", wonach die englisch-französische Flottenverständi- gung nur einen Teil des französisch-englischen Abkommens Hilde, daß es in Wirklichkeit eine neue Entente zwischen Groß­britannien und Frankreich darstellt und die Zusammenarbeit -wischen den beiden Ländern auf diplomatischem, militärischem, Maritimem Gebiete und in der Luftfahrt Vorsicht. Falls ein solches Bündnis Tatsache ist, stellt es eine bedeutendere Macht bar, als die frühere Entente, denn jetzt ist der große Gegen­spieler Deutschland völlig machtlos und Frankreich hat sich durch eine Schar von kleinen Trabanten eine weitere Siche­rung geschaffen, deren Wirksamkeit nicht unterschätzt werden darf. Auf der englischen Seite und bei den französischen Diplo­maten ist man freilich bemüht, die Sache so darzustellen, als ob gar nichts daran wäre. Man wird gut tun, diese Dementis mit aller Vorsicht und mit dem größten Mißtrauen aufzu- nehmen. Denn es wird hier wohl nicht anders sein als sonst­wo: wo Rauch ist, ist auch Feuer. Ganz ohne Grundlage wer­den die Vermutungen Amerikas und Rußlands und die Mit- teilungen desDaily Telegraph" gewiß nicht sein. Auf alle Fälle hat die Tagung des Völkerbundes und alles, was damit zusammen hing, gezeigt, haft wir n o ch sehr weit von einem W e l ts r i e d e n entfernt sind.

Das Amerika-FlugzeugBremen" wieder daheim.

Das FlugzeugBremen", mit dem Kohl, v. Hünefeld und Fitzmanrice den Ozean überflogen, ist Donnerstag mittag an Borb eines Dampfers in Bremen eingetroffen, von wo es zu den Iunkerswerken nach Dessau zwecks Wieder­herstellung weiterbefördert wird.

Der Reichsverkehrsminister hat dem Reichswasser- straßenbeirat mitgeteilt, daß er sich genötigt gesehen habe, gleichzeitig auf den Binnenwasserstraßen die Schiffahrts- abgaben für Güter ebenso wie die Gütertarife der Reichs­bahn um 11 °/g zu erhöhen.