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»r. 114 (1. Blatt)
Samstag, den 22. September 1928
80. Jahrg.
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Mtliche Bekanntmachungen.
Kretsausschuß.
I.-Nr. 4107 K. A. Diejenigen Herren Bürgermeister Lr Landgemeinden, welche mit der Erledigung der diess. Derfügung vom 7. April d. 3s. — 3.=Rr. 1513 K. A. — ei$Matt Hr. 47) betr. Abschließung der Nechnungs- biicher für 1927 noch im Rückstände sind, werden hieran mit 8 tägiger Frist erinnert.
Zchlüchtern, den 18. September 1928.
Der Vorsitzende des lireisausschusses. 3. D.: preiß.
tztadt Schlüchtern.
Bekanntmachung.
Hm Montag, den 24. September 1 928 wird te Vbst von den. städtischen Bäumen an ©rt und Stelle isfentlich verkauft. Zusammenkunft vormittags 8 Uhr an der Gärtnerei Dörr.
Zchlüchtern, den 19. September 1928.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Bekanntmachung.
Hm Mittwoch, den 26. September 1928 nachmittags 2 Uhr werden nachstehende Grundstücke (Beete) an ©rt und Stelle öffentlich verpachtet:
stubeete, Beete auf den höbäcken, Beete an der Bahnhof- straße, Lindenbeete (Dor dem alten israelitischen Friedhof), Ürenzgartenbeete und Neuengartenbeete.
Zusammenkunft an der Dreschhalle.
Schlächtern, den 19. September 1928.
Der Magistrat.
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Zum Besuch des Reichspräsidenten in Schlesien.
Reichspräsident von Hindenburg hat sein Versprechen, den s ch l e s i s ch e n Provinzen einen Besuch abzustatten, knigclöst Er hat die Hauptplätze Schlesiens, vor allem gud)^ in der unmittelbaren Nachkriegszeit schwer mitgeno nicne Oberschlesien besucht. Ueberall wurde er herzlich und begeistert gefeiert. Man weiß im Süden und im Westen des Reiches viel zu wenig von all dem, was das oberschlesische Deutschtum gegen den Ansturm des Polentums geleistet hat ™ wst.stkw es auch noch heute unter den polnischen Expan- nonsgelüsten leidet. Auch an dem Besuch Hindenburgs knüpft
Polnischen Presse jetzt gehässige Kommentare. Sie nimmt raran Anstoß, daß der Reichspräsident in seiner Rede zu ^fpeln seinem Schmerze darüber Ausdruck gab, daß das "Mchlesische Industriegebiet, obgleich 60 Prozent der Be- dolkenlng bei der Volksabstimmung sich für Deutschland erwarten, Polen zugesprochen worden ist. Wegleugnen kann das polnische Presse natürlich nicht, denn es ist ein Faktum. sie beschwert sich jetzt darüber, daß man davon spricht.
Mgt nicht gerade von einem sehr guten Gewissen. Die ungerechtfertigten Angriffe der polnischen Presse auf Deutsch- M vermögen aber sicherlich nicht, den guten Eindruck der Lchlesienfahrt des Reichspräsidenten abzuschwächen.
Rite nichts anderes sein, als die Anerkennung für die tapfere Haltung, der schlesischen Bevölkerung in schwerer Zeit. So wurde sie auch in Schlesien selbst allgemein aufgefaßt, und 16 herzliche Aufnahme, die der Reichspräsident überall fand, war ein Ausdruck der Dankbarkeit für diese Anerkennung.
Sie
Hindenburg in Wahlstatt und Liegnitz.
Vreslau, 21. September. Der Besuch Hindenburgs in ^ahhtatt gestaltete sich zu einem persönlichen Erlebnis besonder Art. Im Hose der alten Kadettenanstalt hatten sich die hemaligen Schüler der Anstalt ausgestellt, unter ihnen zwei aunmerkameraden Hindenburgs, Exzellenz von Paczinski und Mllenz von Hanstein, mit denen sich der Reichspräsident engere Zeit unterhielt. Der Reichspräsident durchschritt die alten Räume der Anstalt und erzählte von feinen Mgenderinerungen. Darauf wurde der Reichspräsident nach 's Aula geleitet, wo eine kurze Begrüßungsfeier 'Esand. Nach der Ansprache des Oberstudiendirektors Dr. a n i e l sprach der Reichspräsident seinen Dank aus, orauf die Versammlung das Deutschlandlied sang. Der s> ch s prä si de n t erhob sich dann nochmals und sprach M erhobener Stimme, zu den Schülern gewandt: „Denkt .mxx an die gr oße vergangene Zeit und mmer an die gefallenen Helden, an meine j *e n Kameraden, deren Namen hieran den anden sto. hen. Ein Volk, das seine Helden ^rgißt, entehrt sich selbst."
h Auch turnerischen Vorführungen verlies Hindenburg, ^r Bevölkerung lebhaft begrüßt, Wahlstatt und begab nach Liegnitz. Auch hier wurde dem Reichspräsidenten ws überaus herzlicher Empfang bereitet. Dann setzte er seine nach G^gau fort
Ein Riesenbrand im lothringischen Grenzgebiet.
Saarbrücken, 21. September. Die große Rcmsinger L^lhütte ist durch ein Großfeuer vollständig vernichtet wör- »Der Schaden wird auf mindestens eine Million Franken > schätzt. Der größte Teil der etwa 500 Arbeiter ist beschäs. !»Sslos. Die Löscharbeiten gestalteten sich bei der abgeschlos- W "nge des Werkes recht schwierig, um so mehr, als keine M^leitung vorhanden war und das Wasser aus einem Bach L^eigeschafft werden mußte. Außer der Feuerwehr von Mbach und Merlenbach war auch Militär zur Hilfeleistung lttaugezogen worden.
Teutscher Abrüstungsantrag in Genf
Der deutsche Antrag.
In der Abrüstungskommisiion des Völkerbundes, die jtnter bem Vorsitz des Holländers London in Genf tagt, machte her deutsche Vertreter, Graf Bernstorff, einen energischen Vorstoß, indem er nachstehende Resolution ein» brächte:
„Die Völkerbundsversammlung erklärt, daß die gegenwärtigen Sicherheitsverhältnisse, wie sie durch den Völkerbund-Pakt, durch die Rüstungsvereinbarungen aus den Friedensverträgen, ferner durch die Locarno- Verträge und den Pakt von Paris, dessen Inkrafttreten bald erhofft werden kann, gegeben sind, schon jetzt erlauben, eine erste Etappe zu erreichen, indem eine erste allgemeine Abrüstungs-Konvention ausgestellt wird, die die Beschränkung und Herabsetzung der Rüstungen zum Ziel hat und geeignet wäre, das gegenwärtige Mißverhältnis der Rüstungen fühlbar zu vermindern."
Sowohl der Antrag wie die Begründung durch den deutschen Vertreter machten starken Eindruck. Der Vorschlag des Grafen Bernstorff, die erste Abrüstungskonferenz im Jahre 1929 einzuberufen, rief eine längere Aussprache hervor.
Der Verlauf der Debatte,
Lord Cushenduu legte zunächst Verwahrung ein gegen das geschäftsordnunAsmäßige Verfahren, vor der Abstimmung über den französischen bereits den deutschen Antrag zur Erörterung zu stellen.
Der Schwede Unden stellte sodann die Frage, ob es möglich sei, die Vorbereitende Abrüstungskommission ein- mberufeu, bevor eine Einigung zwischen den Großmächten über die grundsätzliche Frage der Abrüstung erzielt worden sei. Man müsse jedoch, falls die Schwierigkeiten nicht überwunden werden könnten, die Kommission einberufen und in einem Bericht der Kommission lediglich die bestehenden Gegensätze festsiellen.
Nachdem weitere Redner gegen ben Antrag gesprochen hatten, erklärte Graf Bernstorff Mit großem N^chdr^ck, er habe die formelle Anweisung seiu-rr Negi^ung, ss seslaugen, daß das Datum für die W«hrr«sÄ^ der erfe i nllgemeinen Abrüstungskonferenz bereits setzt durch die BoLdersammlung fest- ge legt werde.
B e n e s ch bat sodann den Grafen Bernstorff, seinen Antrag über Einberufung der Abrüstungskonferenz zurückzuziehen. Man müsse sich zunächst über die Grundsätze der Abrüstungs- methode klar werden. — Der Schweizer Bundesrat Motto lehnte gleichfalls den deuffchen Antrag ab, desgleichen der japanische Delegierte Sato, der erklärte, er stehe dem Vorschlag auf Einberufung der Seemächte sympathisch gegenüber. Der italienische Delegierte, General de Marines, erklärte sich für die Einsetzung einer Unterkommission, die den französischen und den deutschen Antrag prüfen und in Einklang bringen solle. Auch er lehnte die Festsetzung eines Dattrms ür die Abrüstungskonferenz ab und schlug vor, daß der Prä- ident der Vorbereitenden Abrüstungskommisiion das Saturn ur die Einberufung der Vorbereitenden Abrüstungskommisiion estsetzen solle.
Eine Redaktionskommission.
Nach der Aussprache wurde beschlosien, ein Redaktionskomitee einzusetzen, das die Vorschläge der französischen und der deutschen Delegation zu einem neuen einheitlichen Ent- schlicßungsentwurf zusammenfasien soll. Dem Redaktionskomitee gehören an: Benesch, Bernstorff, Paul-Boncour, Lord Cushendün, Laudon, der Pole Sokal, der Norweger Lange und der Deleqierte von Salvador. Guerero.
Weiterer Wechsel in den hohen Marinestellen.
Gleichzeitig mit dem Chef der Marineleitung, Hbmiral Zenker, verläßt lt. Deutscher Nllg. Ztg. auch der Chef der Nordseestation, Vizeadmiral Bauer, sein Nmt und scheidet damit aus dem Marinedienst ganz aus. Durch Bauers Ausscheiden und Raebers Beförderung zum Chef der Marineleitung ist nunmehr sowohl die Nordsee- wie die Dstsee- station neu zu besetzen.
Berhaftnng des Raubmörders Hopp.
Mainz, 2 1 9. (w. B.) Gestern abend konnte vor dem Kasteiter Bahnhof der Mörder (Emil hopp, der den Direktor der Delmenhorster Margarinewerke Nordmann am 10. September in dem Cilzug RItona=Bremen überfallen und beraubt hatte, festgenommen werden. (Er wurde in das Landgerichtsgefängnis eingeliefert.
— 3n München ist am Donnerstag der Kongreß des Internationalen christlichen Gewerkschaftsbundes zu einer Tagung zusammengetreten.
— 3n pakokee (Zlorida) sind Negerunruhen ausgebro- chen, da zahlreiche bei dem Orkan ums Leben gekommene Neger infolge Fehlens von Särgen verbrannt wurden. (Eine Abteilung Nationalgarde ist dorthin entsandt worden.
— v. Hünefeld ist Donnerstag früh mit seinem Flugzeug „(Europa" von Angora nach Bagdad gestartet.
Kultusminister Dr. Becker wird, wie der „Amtliche preußische Pressedienst" mitteilt, in der Seit vom 24. bis 29. September in der Provinz Zchleswig-Holstein weilen,, um die kulturellen Einrichtungen in der Provinz zu besichtigen. In seiner Begleitung wird sich Ministerialdirektor Dr. Kaeftner befinden.
Die Siegesfahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin".
Die Teilnehmer an der Fahrt.
An der ersten öffentlichen Fahrt des „Graf Zeppelin" nahmen insgesamt 75—80 Personen teil, und zwar war die Besatzung mit 39 Mann vollzählig vertreten. Die Werst hatte 17—20 Mann technisches Personal an Bord, um Messungen und Prüfungen vorzunehmen. Die Zahl der Gäste betrug 22 Mann. An der Fahrt nahm außer Commander Rosendahl noch der amerikanische Konsul in Stuttgart, Kehl, teil.
Der erste Fahrtbericht.
Ein Berichterstatter hat folgenden Fahrtbericht am Donnerstagvormittag über Basel aus dem Luftschiffe abgeworfen:
Um 7.45 Uhr wird das Schiff bei ruhigem, sonnigem Wetter aus der Halle gebracht und wieder, wie bei der ersten Ausfahrt, mit dem Bug nach Osten völlig umgedreht. Im Speisesaal, wo Dr. E ck e n e r den Fahrgästen noch kurz vor der AusfaHrt als Beweis dafür, daß an alles gedacht wor
den ist, die Schiffsärztin Dr. Opitz vorgestellt hat, erfährt man von alldem nichts. Durch die Fenster stellt man fest, daß das Schiff wieder still liegt. Es ist jetzt Punkt 8 Uhr.
Hoch! Die Haltemannschaften geben das Schiff frei.
Die Motoren setzen ein. Ihr Geräusch ist nicht stärker zu W u- M da? MÄSM der Eisenbahnräder im Schnellzug. Nur fthft ftd< Erschütterung, und Seekrankheit ist wirklich nicht zu befürchten. Nach einer Schleife über Frie- drichshafen ist das Schiff in wenigen Augenblicken über dem Bodensee. Schon sind wir so hoch, daß der von Romanshorn kommende Dampfer wie ein Kinderspielzeug aussieht. Jetzt gibt uns einer der Steuerleute, von Schiller, das Fahrtziel an. Zugleich die erste Ueberraschung: Zürich- Basel. Schon überfahren wir das wellige Hügelland zwischen bent Bodensee und dem Züricher See. Es geht in 100—200 Meter Höhe zeitweise zwischen leichten Wolkeirfetzen hindurch. Dann aber breitet sich das Land unter uns wieder wie eine lebende Landkarte aus. Eine Herde Vieh läuft, von dem ungewöhnlichen Lärm erschreckt, davon. Nun wird das Garten- und Wiesenland von kräftigen Wäldern abgelöst. Ein Flugzeug begleitet das Schiff zur Aufnahme von Filmen. Wir sind über F r a u e n f c l d.
Zehn Minuten später sind wir schon über Zürich, der ersten großen Stadt aus unserer Reise. Während die nahen Voralpen im Morgendunst liegen, ist in der Stadt selbst alles genau zu erkennen. Der Verkehr ist in dieser Zeit noch nicht 4 lebhaft. In den Hauptstraßen sieht man überall lebhaft diskutierende Menschengruppen. Die Dächer füllen sich rasch und lebhaft winkt alles dem „Graf Zevpelin" zu. Nach einer Schleife über dem Züricher See geht es über Waldshut den
Rhein entlang nach Basel."
Ueber dem deutschen Süden.
Am Oberrhein.
Von Basel aus flog das Luftschiff nach F r e i b u r g zu nach Baden-Baden, dann gegen Mittag nach Karlsruhe. Da starker Dunst über der Stadt lag, waren nur die Umrisse des Schiffes zu sehen, das mit starkem Jubel von der Bevölkerung begrüßt wurde. Nach kurzen Schleifen über der Stadt flog "das "Schiff 11.50 Uhr in nördlicher Richtung nach Mannheim weiter.
Der zweite Fahrtbericht.
Einem Bericht, der über Mannheim aus dem Luftschiff abgeworftu wurde, entnehmen wir: In Baden-Baden benutzten die an Bord befindlichen Journalisten die Gelegenheit, um dem hier zur Kur weile irden R e i ch s a u ß e n m i n i st e r Dr. Stresemann einen Karten grüß abtverfenzu lassen.
Im Führer- und Navigationsraum, i m Nerven- zenirum des Schiffes, steht Dr. Eckener mit dem Führer urrd den Steuerleuten vom Dienst und gibt seine Weisungen. Alles geht mit einer bewunderungswürdigen Ruhe und Selbstverständlichkeit vor sich. Die Führer, außer Dr. Eckener sind: Lehinann und Flemming. Sie wechseln sich alle vier Stunden ab, während die Steuerleute alle zwei Stunden wechseln. Die Funkstation ist inzwischen mit der Werft in Friedrichshafen in Verbindung getreten und gibt von Zeit zu Zeit eine Standortsmeldung durch.
Weiter rheinabwärts.
In Mannheim wurde „Graf Zeppelin" um 12 Uhr 21 gesichtet. Um 12.30 Uhr überflog das Luftschiff, von L u d w"i g s h a f e n kommend, unter dem Jubel der Bevölkerung Worms und flog dann rheinabwärts tveiter.