St. 111
(1. Blatt)
Samstag, den 15. September 1928
80. Iahrg.
Amtliche Bekanntmachungen. xandratsaMt.
I.-Nr. 7891. Wegen Umbauarbeiten wird die Mies- diiicke über die Iossa bei den Varackenhöfen (Gemarkung arjoß) bis auf Weiteres gesperrt. Die Umgehung kann f dem nördlichen Talrand- (Wald-) Weg erfolgen. Ueber- ngen werden nach der Straßenverkehrsordnung vom 24. September 1926 — Beilage zum Regierungsamtsblatt .40 von 1926 — bestraft.
Zchlüchtern, den 13. September 1928.
Der Landrat. 3. V.: Schultheis.
Z.-Nr. 7826. Der Landweg von Seidenroth nach Ahl «d bis auf Weiteres für Lastkraftwagen gesperrt.
Die Umleitung kann auf dem Landweg Seidenroth-Stei- u erfolgen.
Uebertretungen werden nach der Straßenverkehrsordnung 24. September 1926 — Beilage zum Regierungsamts- Nr. 40 von 1926 — bestraft.
Schlächtern, den 12. September 1928
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
K r e i s a « s s ch u ß«
Betr. Offene Lehrstelle«.
3.=Rr. 1684 A. vom Arbeitsamt sind noch einige Lehrten zu besetzen, und zwar: Former und Kernmacher, Kmacher, Spengler, Gold- und Silberschmiede, Diamant- leifer, Schneider und Metzger.
Ich ersuche die Herren Bürgermeister, geeignete 3u= Endliche zu veranlassen, ihre diesbezüglichen Vewerbun- M bei dem hiesigen Kreisarbeitsamt einzureichen.
Schlächtern, den 13. September 1928.
Der Vorsitzende des Kreisarbeitsamtes. Dr. Müller.
Bekanntmachung.
Betr. Erweiterung der Arbeitslosen- verstcherungspflicht.
Durch die Verordnung des Herrn Keichsarbeitsministers Pflichtversicherungsgrenze, Gehalts- und keitragsklas- ^ in der Angestelltenversicherung und der knappschaftlichen " nsionsversicherung der Angestellten vom 10. 8. 1928 I S. 372) sind die Angestellten mit einem Zahres- ommen bis zu Mk. 8400.— ab 1. September '928 angestelltenversicherungspflichtig und damit auch in diesem Umfange versicherungs- und beitragspflichtig in der mbeitslosenversicherung geworden. Bei der Errechnung des Jahreseinkommens (Mk. 8 400.—) bleiben die Zuschläge
Ansatz, welche mit Kücksicht auf den Familienstand mrauen- und Kinder- usw. Zuschläge) gezahlt werden. N hierzuj § 3 Abs. 1 Satz 2 des Angestelltenversicherungs- SMs vom 28. 5. 1924, KGM. I S. 563.
^anau, den 3l. August 1928.
Der Vorsitzende des öffentl. Arbeitsamtes hanau ____3. v. gez. Dr. Müller, Bürgermeister.
, Die unter dem 21. v. Mts. von mir angeordnete und 'n der Schlüchterner Zeitung Nr. 103 bekanntgegebene Wung der Hanau—Vachaer Landstraße innerhalb der fasten (Eiters und Neustadt wird bis zum 2 0. d. Mts. ^rlänger t.
Umleitung: vom 12. bis 20. 9. Über Kommerz— jueoen.
5ulda, den 8. September 1928.
Der Landrat. 3. D. Dr. Lorscheider, Negierungsassessor
Verschärfte Lage in Oesterreich.
^ach Klättermeldungen soll der österreichische Vundes- ^»zler Dr. Zeipel seine Verhandlungen in Genf abgebro- M und sich nach Wien begeben haben. Man hofft, daß s seiner Autorität gelingen wird, eine Katastrophe zu ver- 2,n, die durch die schon in Vorbereitung stehende große ^imwehren-Demonstration in Wiener-Neustadt am 7. Okto- ^ hervorgerufen werden könnte. Das Endziel der Heim- /yn soll sein, die Sozialdemokraten zu zwingen, im Parlament die Mieterschutznovelle der Regierung anzuneh-
^evorstehender Start des Zeppelinluftschiffes.
wenn die Witterungsverhältnisse es irgendwie zulassen, no ba$ neue Zeppelin-Luftschiff am Samstag vormittag ^^5riedrichshafen aus seine erste Werkstättenfahrt un=
Brianb hat Gens verlassen, um Morgen an einem .Werrat in Rambouillet teilzunehmen. Samstag Abend ™ er wieder in Gens sein.
Donnerstag nachmittag wurde der verstorbene Bot= Wer Graf Kro'ckdorff-Kantzau aus Schloß Annettenhöhe Schleswig zur letzten Kühe bestattet.
Um Räumung und Abrüstung.
Eine Geheimabmachung?
In der gesamten internationalen Presse werden die Genfer Besprechungen über die Räumungsfrage eifrig weitererörtert. Wie der Genfer Berichterstatter des „Daily Herald" berichtet, sei in die erste Konferenz burd) eine Erklärung des deutschen Reichskanzlers eine sensationelle Not« hineingetragen worden. Müller habe eine am 16. Juni 1919 in Paris von Wilson, Clemenceau und Lloyd George unterzeichnete Geheimabmachung verlesen, die kürzlich von dem amerikanischen Mitglied der Friedensabordnung Baker veröffentlicht worden sei, und in der sich die Alliierten zu einer früheren Beendigung der Besetzung verpflichteten, wenn Deutschland befriedigende Beweise der Erfüllung seiner Verpflichtungen geben sollte.
Briand habe nach Verlesung dieser Urkunde erklärt, sie sei lediglich ein Fetzen Papier mit Rücksicht auf die Tatsache, daß eine der Signatarmächte — Amerika — den Versailler Vertrag nicht unterzeichnet habe. Cushendun habe sich nicht geäußert. Umso mehr werde zwischen den Mächten die rechtlich Bedeutung dieser Urkunde erörtert.
Die zweite Räumungskonferenz.
An der zweiten Zusammenkunft der Mächte der Botschafterkonferenz mit Deutschland nahmen teil: Lord Cushendun, Briand, Scialoja, an Stelle des belgischen Außenministers der Delegierte Belgiens, Baron Moncheur, Botschafter Adatschi, owie von deutscher Seite Reichskanzler Müller und Staatsekretär v. Schubert, ferner die drei Dolmetscher: der Privat- ekretär von Lord Cushendun, Selby, der Dolmetscher der fran- ösischen Botschaft in Berlin, Prof. Hesnard, und der Dolmetscher der deutschen Delegation, Dr. Schmidt.
Die heutige Aussprache soll eine Klärung herbeiführen, ob eine Wetterführung der durch den Räumungsschritt der deutschen Regierung emgeleiteten Verhandlungen unter den gegenwärtigen Umständen noch möglich ist. Die Verhandlungen werden in erster Liste der grmr-fätzlicheu Frage gelten, ob eine Verquicknng der Räsmnngsftage mit der Reparationsfrage angenovunsn wird oder sicht- Der deutsche Bwadpunkt iftchn dieftr Frage «ach wie vor unverändert.
Sonntag Fortsetzung.
Die zweite Besprechung am Donnerstag zwischen den Mächten der Botschafterkonferenz und Deutschland dauerte von 10 Uhr bis kurz vor ^13 Uhr. Die Lage hat auf Grund der Besprechungen hinsichtlich der Weiterfichrung der Verhandlungen eine kleine Aenderung erfahren.
Reichskanzler Müller, der als erster das Hotel „Beau Rivage" verließ, erklärte, daß die Verhandlungen am Sonntag fortgeführt ivcrden würden. Briand trifft schon am Samstagabend von Paris wieder in Genf ein. Die bisherigen Dispositionen, nach denen die zweite Besprechung voraussichtlich die letzte sein und der Reichskanzler am Freitag Genf verlassen sollte, sind somit als überholt anzuschen.
Frankreich will eine Rheinland-Kontrollkommission.
Das „Echo de Paris" glaubt zu wissen, daß die Frage der Kontrolle der entmilitarisierten Rheinlanltzone, auf die Paul Boncour ohne Unterlaß die Aufmerksamkeit Briands lenke, sehr wohl unter einer unerwarteten Form wiederauf- genommen werde könne. Die Deutschen zeigten sich zwar entschlossen, keine Weiterung des Artikels 213 des Versailler Vertrages anzunehmen.
Es sei aber nicht sicher, ob sie ebenso hartnäckig eine in das Locarno-System eingefügte Kontrollkommission zurückweisen würden, die aus französischen, englischen, deutschen, italienischen und belgischen Mitgliedern zusammengesetzt sei und deren Rolle darin bestehe, gleicherweise die beiden Seiten der deutsch-französischen Grenze zu überwachen. ‘
Die Abrüstungsdebatte.
Wie aus Genf gemeldet wird, gab in der dritten Kommission für Abrüstungsfragen Graf Bernstorff, der deutsche Vertreter in der Vorbereitenden Abrüstungskommission, eine Erklärung ab, in der er nochmals mit großem Nachdruck den Standpunkt Deutschlands zu der Abrüstungsfrage darlegte.
Der weitere Verlauf der Sitzung brächte eine bedeutungsvolle Aussprache zwischen dem Franzosen Paul Boncour und dem Engländer Lord Cushendun, wobei sich herausstellte, daß Paul Boncour sich mit der deutschen Auffassung über die baldige Einberufung der Vorbereitenden Abrüstnngskommis- sion und im Anschluß daran der Weltabrüstungskonferenz einverstanden erklärte, während Lord Cushendun die Festsetzung eines Zeitpunktes für den Zusammentritt der Vorbereitenden Abrüstungskommission ablehnte.
Ärnerika und die Briand-Rede.
Wie aus Washington gemeldet wird, hat die Unterredung zwischen Coolidge und dem aus Europa zurückgekehrten Kellogg nahezu eine Stunde gedauert. Die Unterredung bezog sich insbesondere auf die Rückwirkungen der Briand-Rede auf den Kellogg-Vertrag.
Kellogg hat zwar jede Auskunft über den Inhalt der Besprechung verweigert, doch wird in den Washingtoner Meldungen unterstrichen, daß man in unterrichteten Kreisen Briand für schlecht beraten hielt, als er in diesem Augenblick eine solche Rede hielt. Die Rede des französischen Außenmini- sters habe in Washington einen sehr ungünstigen Eindruck gemacht.
Der deutsche Standpunkt.
Dr. H. P. Das muß man dem Herrn Reichskanzler Müller lasten: Die Rede, die er in Genf gehalten hat, war gut. So rückhaltlos, so eindringlich ist dem Völkerbund fettem die Wahrheit gesagt worden. Die Antwort, die Herr Briand dem deutschen Reichskanzler erteilt hat, ist nur ein Beweis dafür, wie notwendig und richtig es war, daß endlich einmal von deutscher Seite das Gespinst von Lug und Trug, das sich in der Völkerbunds- atmosphäre in den letzten Jahren entwickelt hatte, zerrisien worden ist. In den Hauptfragen, zu deren Lösung er be- rufen ist, hat der Bund die auf ihn gesetzten Erwartungen enttäuscht. Immer mehr Hoffnungen wurden konstatiert, nie aber wurden sie erfüllt. Drei Jahre lang tagt die Vor- bereitende Abrüstungskommission, ohne irgend ein greifbares Ergebnis erzielt zu haben. Die Gefahren einer ungehemmten Rüstungspolitik bestehen fort. Man sucht nicht ernsthaft nach Mitteln zum friedlichen Ausgleich von Streitig- keiten, verwendet vielmehr Hunderte und Aberhunder- te von Millionen zum Bau von Schiffen, Flugzeugen, zur Gewinnung von Sprengstoffen, die Tod und Verderben über ganze Länderstrecken bringen. Ebenso fehlt es an dem ernsten Willen, das Recht der Minderheiten zur Geltung zu bringen. Die Klagen der vergewaltigten Volksteile verhallen ungehört. Daß auch die von der Weltwirtschaftskonferenz aufgestellten Grundsätze nicht durchgeführt wurden, ist bei dieser Sachlage nur allzu begreiflich.
Es gibt auch genug Völkerbundsvertreter, die ebenso schmerzlich empfinden, daß der Völkerbund versagt, nur sind sie nicht da zu suchen, wo Macht und Einfluß liegt, nicht in Frankreich, nicht in England. Diese beiden Staaten haben ein Abkommen getroffen, das sie zu Herren von Europa macht. Amerika fühlt sich dadurch bedroht, auch Italien, erst recht die Schar der Kleinen, die dagegen nicht aufkommen. Die so geschaffene Annäherung der beiden Großen verhindert es überdies, daß der größte Stein des Anstoßes, die Verletzung der deutschen Gebietshoheit durch die fremden Truppen aus dem Wege geräumt wird. Alle Hin- mufc jarauf, daß Deutschland seine Pflichten erfüllt habe unb weiter pünktlich erfülle, sind vergebens, Frankreich will nicht und England deckt den schlechten Willen seiner Vun- desgenossen.
Die Geister haben eben noch nicht abgerüstet, der grüße- re Teil des französischen Volkes denkt chauvinistisch, heute wie ehedem. Auf ihn trifft das Wort nicht zu, daß die Masten den Krieg geächtet wissen wollen. Im Gegenteil, die Massenstimmung jenseits des Rheins ist es, die die Minister abhält, von Friedensworten ju Friedenstaten Überzugehen, Briand möchte entgegenkommen, vielleicht sogar Poincarc. Aber sie müssen Rücksicht auf die Wähler- schaft nehmen. Hat doch sogar die französische Sozialdemo- kratie dem Verteidigungsgesetz zugestimmt, das nicht die männliche Bevölkerung allein, sondern auch die weibliche zum Kriegsdienst verpflichtet. And sind die Kommunisten nicht gleichfalls bereit, für die militärische Ausstattung ihres Landes alles herzugeben? Nur Deutschland soll entwaffnet bleiben.
Darum wird auch der Pakt von Paris, so sehr er zu begrüßen ist, kaum einen Wendepunkt in der Weltgeschichte bedeuten. Man sagt, der Krug sterbe am Kriege, die Kriegslust gehe an der Kriegstechnik zugrunde. Zu wünschen wäre es. Denn die Technik hat sich derart vervollkommnet, daß im Augenblick einer ^Kriegserklärung die Pro- duktions- und Bevölkerungszentren in Trümmer- und Lei- chenfelder verwandelt sein werden. Mögen noch so viel Paragraphen gegen den Gaskrieg auf dem Papier stehen, kein Feldherr schrickt davor zurück, Massen von Giftgase», von weißem Phosphor aus den Lüften auf die Erde ab- zuwerfen. Besiegt er damit den Gegner, so werden ihm Kränze gewunden als dem Retter seines Vaterlandes.
Man sagt ferner, unpopuläre Kriege seien in Sutunft nicht möglich. Ach, es gelang noch stets, <^nen Krieg als notwendige Landesverteidigung populär zu" machen. Man muß nur auf dem Instrument der Volksseele zu spielen wissen. Neberdies benötigt der Zukunftskrieg nicht mehr so viel Heeresmassen wie der Krieg der Vergangenheit. Die nötige Zahl von Menschen findet sich selbst dann, wenn et- liche Kreise den Kriegsdienst verweigern sollten. Die Ge- fahr also bleibt.
Eben deshalb ist alles aufzubieten, um ihr zu begegnen. Der deutsche Vertreter forderte in Genf ben alsbaldigen Zusammentritt einer wirklichen Abrüstungskonferenz, in der die Teilnehmer sich verpflichten, wenn zunächst nicht ganz, so doch teilweise abzurüsten. Ein Anfang solle wenigstens gemacht werden, dem dann die Fortsetzung zu folgen hätte. Diese Forderung ist schon in den, Vertrag von Versailles enthalten.
Geht auch die jetzige Genfer Tagung vorüber, ohne daß zyr Befriedung der' Welt etwas Ernsthaftes geschieht, dann kann man sich nicht wundern, daß dem Völkerbund auch der letzte Rest von Vertrauen entzogen wird
— Ein schwerer Orkan hat Donnerstag früh Porto« rico heimgesucht. Der Geschäftsverkehr ist eingestellt. Ueber Todesfälle liegen bisher keine Meldungen vor.