tmLuab V«la-:H.Stetaftlö Söhne* Geschäft-^ "^ahuhofstr.6 * Irrnsp^.Nr.^ * Postscherkk: srunksuttLAc-rsroo
M. HO (1. Blatt) Donnerstag, den 13. September 1928
80. Jahrg.
Zur allgemeinen Beachtung!
Das erstmals im Iahre des Heils (1923) begründete und nach kurzem Erscheinen wieder eingegangene „Schlüchterner Tageblatt" tauch damals Kopfblatt des Geln- Häuser Tageblatts, F. W. Kalbfleisch, Amllt^ ches Kreisblatt für den Kreis Gelnhausen), das dieser Tage wieder inkognito von neuem ins Leben getreten ist, will sich nach fachmännischen Begriffen bei den Lesern des Kreises Schlüchtern auf unfaire Weise Zugang verschaffen. Mit einer allumfassenden Stinnesnatur will es mit Hilfe des jüngsten Sd,lüsterner Unternehmens Mitteldeutsches Druckereikontor H. (Hertha) Hohmeister, Vreibrüderstraße als „meistgelesenste Zeitung zwischen Gelnhausen und Fulda" (ohne den Kreis Zchlüchtern) nun auch diesen bezw. dessen Zeitungsleser erobern. Ungeachtet eines reellen Wettbewerbs führt sich das „Schlüchterner Tageblatt" (Kopfblatt des Gelnhäuser Tageblatts) mit der ersten werbenummer ohne jegliches Ursprungszeugnis ein und erhöht diese dem Pressegesetz widersprechende Rbsicht noch durch Beifügung der Zeitungsnum- mer 211, um den zu werbenden nicht eingeweihten Lesern und Inserenten vorzutäuschen, schon seit längerer Zeit ein bewährtes Rnsehen zu genießen. Obwohl dieses Kreisfremde Unternehmen auch schon um Unterstützung bei hiesigen Behörden nachgesucht hat, wünschen wir, daß die Öffentlichkeit des Kreises Zchlüchtern in anbetracht schon erfahrenere (wir erinnern nur an die Zei- tungsgründung, von der die Leser letztmalig mitten Monat nur mit einer Romanfortsetzung beliefert wurden) nun auch vor weiteren Enttäuschungen bewahrt bleibt, wozu selbst die Einwohnerschaft beitragen kann als Dauerabonnent der im SO. Jahrgang erscheinenden Schlüchterner Zeitung (Stmt* licheS Kreisblatt).
Amtliche Bekanntmachungen.
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung.
In der Zeit vom 17. bis einschl. 19. September 1928 folgt die Reinigung der Schornsteine in der Hanauer- fa^e, Hohenzellerstraße, Zchloßstratze, Sandgartenstraße, Wassergasse, Kirchstraße, Sackgasse, Ultebahnhofstraße und Wäckerweg.
Zchlüchtern, den 10. September 1928.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Bekanntmachung.
Auf Grund der Umlegungsordnung vom 21. September 1920 (Ges. S. S. 453) wird beabsichtigt, die vermengt Agenden und unwirtschaftlich gestalteten Grundstücke der Feldmark Weichersbach behufs bester Bewirtschaf- lun9 einer Umlegung zu unterziehen.
Dom Herrn Präsidenten des Landeskulturamts zu Kaf= zum Kommissar ernannt, habe ich zur (Erörterung über w Voraussetzungen ber, Umlegung und die Bildung des wu.legungsbezirks Termin auf ulttwoch/den 1 7. Oktober 1 928, vormittags . 0 Uhr in die Gastwirtschaft Karl Schlott
Veicher sbach anberaumt.
Etwaige Einwendungen müssen im Termin münblid) ^gebracht und begründet werden.
Sulba, den 28. August 1928.
Der Kulturamtsvorsteher: Dr. Blad, Regierungsrat.
. Bei dem Zusammenstoß eines Motorradfahrers mit zo jährigen Radfahrer zwischen Schwenningen und ^^lingen wurden beide so schwer verletzt, daß sie bald ^uuf starken.
~ F Die Typhusepidemie in Hohenlimburg hat sieben Todesopfer gefordert. Ruch in Hagen i. W. sind Typhus- Kränkungen festgestellt worden, von denen zwei tödlich ^laufen sind.
In Spanien ist eine weitverzweigte Verschwörung ^8on die Diktatur aufgedeckt worden. Ueber 300 Perso- len wurden verhaftet.
Das Echo der Rede Vriands.
Ueberall Aufsehen und Verwunderung. — Ablehnung in Deutschland. — Die Pariser Presse ist einverstanden. —
Londoner Stimmen. — Briand reist nach Paris.
Die Berliner Auffassung. — Vor der deutschen
Antwort.
Die Rede Briands auf der Genfer Völkerbundsiagung hat überall größtes Aufsehen erregt wegen der Schärfe, mit der sich der französische Außenminister gegen Deutschland wandte. In der gesamten deutschen Presse werden die Einwände Briands'gegen das deutsche Abrüstungsverlangen. zurückgewiesen, allgemein wird die Rede bedauert. Briand selbst empfing übrigens in Genf die Vertreter der Presse und gab ihnen Erklärungen ab, die offensichtlich dazu bestimmt waren, den katastrophalen Eindruck seiner Rede in der Vollversammlung abzuschwächen. Im wesentlichen wiederholte Briand aber dabei seine Angriffe gegen Deutschland. Auch Staatssekretär v. Schubert gab er abschwächende Erklärungen ab.
In Berliner politischen Kreisen ist man einmütig der Auffassung, daß auch die Erklärungen, die Briand. vor der internationalen Presse abgegeben hat, nicht geeignet seien, den schlechten Eindruck seiner Rede abzuschwächen. Obgleich nicht die Rede sein könne von einer großen Bestürzung in Genf, so könne man doch zumindest von einem großen Befremden sprechen. In Frankreich sei die Rede des Kanzlers vielfach als ein völliger Versager der deutschen Außenpolitik hingestellt worden. ' Demgegenüber müsse darauf hingewiesen werden, daß sich die deutsche und die französische These in der Abrüstung und Minderheitenfrage einander schroff gegenüberständen. Es bleibe abzuwarteü, wie sich die Rede Briands taktisch einglie- dern lasse.
Im übrigen sei es selbstverständlich, daß die Ausführungen Briands von deutscher Seite nicht unerwidert bleiben würden. Die Erwiderung werde wahrscheinlich erst in acht bis zehn Tagen erfolgen, nachdem die Hauptaussprache wieder ausgenommen worden sei. Ob der Reichskanzler selbst antworten werde, stehe im Augenblick noch nicht fest. Falls der Kanzler .ammVa ^w>in s^c, .ocrve ein anderes MitgriO . deutschen Abordnung das Wort ergreifen.
Die Rede Briands findet denn auch in der Berliner Presse eine herbe Kritik. Der „Vorwärts" spricht von Ent- Läuschung und Niedergeschlagenheit bei vielen Völkerbunds- nationen. Auch bei ruhiger Lektüre des Stenogramms bleibe das Arteil unverändert. Die Rede bedeutet einen Rückschlag in der auswärtigen Politik nicht nur Deutschlands und Frankreich, sondern ganz Europas. Mit ungewöhnlicher aber durchaus berechtigter Schärfe äußert sich die „Köln. Ztg.": . _ e ,
Was kann Deutschland tun? Soll es die Ohrferge etn- stecken und schweigen, oder gar, einem verbakelten Schüler gleich, weinend erklären: ich will es nicht wiedertun? Vn- ands Rede war niederschmetternder Hagelschlag in ein ern- teverheißendes Kornfeld. Darüber möge er und möge Frankreich sich klar sein. Was die deutsche Abordnung tun wird, wissen wir nicht, aber gerade, weil wir uns frei von lebet nationalistischen Anwandlung im üblen Sinne des Wortes wissen: weil wir an die Panzerwagen in der Cifel denken, die den hohen Verbündeten Frankreich und England gehören, und daran, daß bei deutschen Manövern mit Hölzer- nen Atrappen von Panzerwagen geübt wird und der Fluch der Lächerlichkeit auf unsere Reichswehr fallen würde., wollte sie annehmen, daß sie dem französischen Heer ge- wachsen sei, wie Briand es ihr zugestand — gerade darum scheint es uns nur eine Lösung dieser verfahrenen politischen Lage zu geben: Koffer packen und wenigstens diese Genfer Tagung mit öffentlichem Protest gegen solche men- tcbenunwürdiae Behandlung verlassen!
Zufriedenheit in Paris.
Die Rede Briands hat in der Pariser Presse ein vielstimmiges Echo gefunden. Am besten hat die „Chicago Art» bune" die Folgen der Briand-Rede in die Worte gefaßt, baß die Hoffnungen für eine engere deutsch-französische Annäherung mit einer bevorstehenden Rheinlandräumung und baldigen Regelurch des Reparativnsproblems sich verflüchtigen.
Das „Petit Journal" sieht in der Rede einen der kühnsten Akte des ganzen politischen Lebens Briands. Am Vorabend der Besprechungen, die vielleicht zu Verhandlungen mit Deutschland führen würden, habe Brrand geglaubt, nicht m der Zweideutigkeit verhandeln zu können. Er habe es an der Zeit erachtet, nicht zu verteidigen, sondern sich zu erttaren.
Die Pariser Rechtspresse ist außerordentlich zufrieden mit Briand, den sie bisher besonders scharf bekanrpfte. Der „Avenir" erklärt: Briand habe gezeigt, daß die Armee Deutschlands eine bedeutende Macht sei und daß das Reich, das ein derartiges Werkzeug in seiner Hand habe, sicherlich keinen Grund habe, von anderen Völkern das zu verlangen, was es selbst nicht durführt.
Der „Figaro" sagt u .a.: Die Politik der Entspannung sei fast verfrüht und unklug gewesen, und es ser ein Irrtum gewesen, sich mit Deutschland versöhnen zu wollen, bevor Deutschland sich nicht mit der Wahrheit versöhnt habe.
Londoner Kommentare.
Wie der -bekannte französische Publizist Per ti na x, der gute Beziehungen zu Briand hat, M «tzNÄLMl „Dasty Tele
graph" berichtet, wird die Rede Briands als ein Mittel zur Verstärkung seiner Stellung in den Verhandlungen für ine Rheinlandräumung angesehen. Die deutsche Vertretung habe ihre Enttäuschung über die Rede nicht verhehlt und die Persönlichkeiten, die gewöhnlich als Vermittler zwischen der französischen und deutschen Delegation tätig seien, hätten Briand erklärt, daß er zu weit gegangen sei.
Briand sei durch eine Redewendung Müllers irritiert gewesen, aus der er die Beschuldigung der Doppelzüngigkeit gegen sich herausgelesen habe. Ebenso hatten ihn die Kommentare einiger deutscher Blätter beeinflußt, so daß der Außenminister offensichtlich ohne den üblichen humorvollen Ton gesprochen habe. Pertinax meint, es erscheine als sehr zweifelhaft, ob Briands Rede die Rheinlandverhandlungen merklich beeinflussen werde.
Die „Daily Mail" ist der Ansicht, die Rede Briands habe jeden Zweifel über die Unzweckmäßigkeit einer bedingungslosen Räumung des Rheinlandes beseitigt. Die Erklärungen des Reichskanzlers in Genf hätten zu nichts anderem geführt als zu einer akademischen Erörterung.
Die „Daily News" nimmt Deutschland gegen die Beschuldigungen Briands in Schutz, daß Deutschland noch nicht völlig abgerüstet habe und stellt im Gegenteil fest, daß die deutsche Abrüstung so vollständig sei, wie es überhaupt für eine in den Krieg verwickelte Nation möglich sei.
Nach solchen Grundsätzen, wie sie Briand dargelegt ^rbe, lasse sich keine Abrüstung durchführen. Die Ergebnisse von Locarno seien gleich Null. Wenn nach einer Reihe von Jahren auch der Kellogg-Pakt keine anderen Früchte trage, dann werde die Welt berechtigt sein, Untersuchungen darüber anzuftellen, ob Frankreich eine Nation sei, die in Frieden leben könne.
Briand reist für zwei Tage nach Paris.
Wie der Genfer Berichterstatter des „Matin" berichtet, wird Außenminister Briand am Freitag und Samstag in Paris weilen, um an den Sitzungen des Ministerrates teilzu- nehmen. Am kommenden Sonntag werde er wieder nach Genf zurückkehren, um die Besprechungen über die Rheinlandfrage fortzusetzen.
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"^ Kriegsächtungspakt und Seeabkommen.
Staatssekretär Kellogg ist von seiner Europareise wieder zurückgekehrt. Bei seiner Ankunft in New Dork erklärte er Pressevertretern auf die Frage, ob das englisch-französische Flottenabkommen mit dem Kellogg-Vertrag in Ueberemstim- mung zu bringen sei, er glaube nichl, daß zwischen beiden eine Verbindung bestehe, aber soviel er wisse, meinte Kellogg zweideutig, bestehe ja kein englisch-französischer Vertrag. Wenigstens hätten das beide Länder erklärt.
Erneut gefragt, ob er glaube, daß infolge des englisch- französischen Abkommens ein neuer Krieg in dieser Generation möglich sei, erwiderte Kellogg, er wünsche nicht darüber zu sprechen. Auf die Frage, warum er London nicht besucht habe, antwortete Kellogg, seine Zeit sei zu kurz gewesen. Irland habe er besuchen müssen, um den Besuch des irischen Staatspräsidenten zu erwidern.
Die SozüKdrmskratic gegen das Volksbegehren.
Einmütige Ablehnung des Panzerkreuzerbaues.
Berlin, 12. September. In der Dienstagssitzung des sozialdemokraiischen Parteiausschusses wurde folgender Beschluß gefaßt: Der von den Kommunisten eingeleitete Volks- entscheid ist nicht geeignet, die Streitfrage des Panzerschiffsbaues zur Entscheidung zu bringen.
Wie weiter verlautet, stellte der Parteiausschuß die einmütige Ablehnung des Panzerkreuzerbaues durch die Partei fest.
Der Kriegsanleihefchwindel zieht weitere Kreise.
Wien, 12. September. Regierungskommissar Direktor H e i n z m a n n und Kriminalkommissär K r a f s o w sind i u Wien eingetroffen, um Ermittlungen im Kriegsanleihebetrug vorzunehmen. Man nimmt an, daß über Wien größere Sendung« Kriegsanleihe von und nach dem Auslande gegangen sind. Der mehrfach genannte Wiener Kaufmann Erwin Polower ist zunächst nicht verhaftet, sondern als Zeuge vernommen worden. Polower hat mit der Familie Stiuncs freundschaftlich verkehrt. Dagegen ist der frühere Generaldirektor des italienisch-rumänischen Holztrustes Foresta, Bela Goß in Untersuchungshaft genommen worden. Goß soll mit dem verstorbenen Hugo Stinnes befreundet gewesen sein und auch mit dem jungen Stinnes in Verbindung gestanden haben.
— In dem Bremer D-Zug ist Dienstag Nacht zwischen Hamburg und Bremen der Direktor Nordmann von einem bisher unbekannten Täter ermordet, beraubt und aus dem fahrenden Zuge geworfen worden.
— Dienstag nachmittag hat in Genf eine gemeinsame Besprechung der Hauptdelegierten Deutschlands, Englands, Frankreichs, Italiens, Belgiens und Iapans über die Rhein- landräumung stattgefunden, die am Donnerstag vormittag fortgesetzt werden soll.
— In Putbus auf Rügen wurde ein Rrzt von einem Schwärm Wespen überfallen. Der Rrzt ist an den Folgen der durch die Wespenstiche verursachten Blutvergiftung gestorben.