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M. 101 (1. Blatt) Donnerstag, den 23. August 1S28 80. Jahrg.

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Vorbereitungen.

Wie aus einer amtlichen Mitteilung zu ersehen ist, hat Rcichsaußennünister Dr. Stresemann wieder die Leitung des Auswärtigen Amtes übernommen, und die Sitzung des Rethskabinetts, die bekanntlich für Mittwoch anberauml ist, wird sich vornehmlich mit auße nP o li ti sch e n Fra­gen befassen, besonders mit der bevorstehenden Tagung des Völkerbundes. Dr. Stresemann ist übrigens noch sehr schonungsbedürftig und wird auch bei seinem Aufenthalt in Paris und Genf nur an den Veranstaltungen teilnehmen, an denen seine Abwesenheit aus politischen Gründen nicht gut Möglich ist.

, Nach den neueren Beschlüssen fährt Dr. Stresemann am Samstagmittag nach Paris, wo er Sonntag um 14 Uhr eintrifft. Er wohnt in Paris in der Deutschen Botschaft. Am Montag, dem 27. August, findet am Quai d'Orsay am Nach­mittag die feierliche Unterzeichnung des Kriegs- verzicht Paktes statt; an demselben Tage ist auch der Empfang beim Präsidenten der französischen Republik und am Abend ba§ Diner, das die französische Regierung den Teil- Mhmern an der Unterzeichnungs-Zeremonie gibt. Für Diens­tag, den 28., hat Staatssekretär Kellogg zu einem Frühstück geladen. Dr. Stresemann, der allein nach Paris reift, wird «m 28. August, abends, die französische Hauptstadt verlassen, um nach Genf zu reifen, wo am 29. die Tagung des Völker­bundsrates beginnt.

Zu einem etwas früheren Termin wird die deutsche Dele­gation für die Völkerbundstagung, unter der Füh­rung des Staatssekretärs Dr. v. Schubert, sich nach Genf bcgeben. Wie im vergangenen Jahr, werden außer den Refe­renten des Auswärtigen Amtes auch Mitglieder des Reichs- lagcs zur deutschen Delegation gehören und in die einzelnen Delegationen delegiert werden. Es sind von der Regierung zum Eintritt in die Delegation eingeladen worden: Graf Bernstorff, der frühere demokratische Abgeordnete, der zwar für den neuen. Reichstag kein Mandat hat, aber als Ver­treter des Reiches in der Abrüstungskommission sich hervor- Ageird bewährt hat und eine reiche Erfahrung in Angelegen- yüen des Bölkerbunles besitzt; ferner Abg. Dr. Brc i ü scheid von der Sozialdemokratie, Abg. Dr. Kaas vom Zen-

Abg. v. Rheinbaben (Deutsche Volkspartei) und Abg. v. L i u d e i n e r - W i l d a u, der Vorsitzende der deutsch- rationalen Reiehstagsfraktion, von dem aber eine zusagende Antwort bisher nicht eingegangen ist.

In Berliner offiziösen Kreisen vertritt man die Auf- i^lsung, daß es in Paris Wohl kaum möglich sein wird, die Müßen politischen Fragen, die Deutschland ant Herzen liegen, onzusch neiden, wenn man sich auch aus der Begegnung Poin- «reStresemann und StresemannKellogg,' die übrigens Echwalig stattfindet, maucherler Vorteile verspricht. Die eigeut- politische Arbeit wird Genf Vorbehalten fein, und die Staatsmänner der Westmächte sind darauf vorbereitet, daß Et das, Rheinlandproblem mit allem Nachdruck zur Dis- fft wird. Aus Paris kommen immer wieder Näch- r das voraussichtliche Zugeständnis einer früheren der zweiten Zone, und aus London wird ge- Regierung wiederholt ihre Bereit- betäubet habe, sich einem Räumnngsbefchluß anzu- ^beßen, aber die Fühmng in diesen Verhandlungen Frauk- N überlassen wolle. Das klingt sehr zurückhaltend, dient r k v wohl dem Zweck, wieder einmal in Deutschland den Moruck zu erwecken, als ob alle Hindernisse von »rankreich ausgingen.

Wenn die zweite Zone geräumt Werben sollte, so will das nlvl- ^r vertraglichen Verpflichtung, die eine Räumung Mhin 1930 vorsieht, gar nichts bedeuten, um so mehr, als tat e.tnftc Befürchtung nicht von der Hand zu weisen ist, »» die dritte Zone dann abermals vermehrte Lasten zu tragen - -ie deutsche Bevölkerung steht allen Gerüchten über eine ti« tl^ Räumung des Rheinlandes so lange skep- gegenüber, als nicht von leiten he*r Kwtcmte ffrhb mrS tmV

ti«; ^ Räumung des Rheinlandes so lange skep- V»gegenüber, als nicht von feiten der Entente klipp und klar 3-^ wird, der letzte Soldat verläßt an dem und dem das Rheinland.

iiiau» - andere ist nämlich schönes Gerede, mit dem praktisch ^^anzufangen ist. Diesen Gedaicken sollten unsere Völker- ^^^delegierten in Genf auch mit allem Nachdruck ber»

Severiug über den Panzerkreuzer.

., Berlin, 22. August. In Bielefeld sprach Minister Severiug ver bog ThemaPanzerkreuzer und Reichsregieruug". Er we mit, daß in der fraglichen Sitzung der Reichsregierung »er den Bau gar nicht abgestimmt worden ist. Man lM der . Rate zugestimmt, nachdem der Reichswehrminister aus

W @tat der letzten Jahre Reste in Höhe von 41 Millionen L^erfügung gestellt und erklärt habe, daß für den gesamten ^uzcrkrcuzerbau neue Etatsmittel nicht angefordert werden m^den. Die sozialdemokratischen Minister hätten die erste bewilligt, iveil sie sonst aus der Regierung hätten aus- b müssen. Selbstverständlich werde alles versucht werden, b" Abstimmung über die neuen Raten im Reichstag ein ~ Ergebnis herbcizusühren. Bor allen Dingen denke die ^Mldemokratie nicht daran, die Konsequenzen des Panzer- ^"beschlusses der Bürgerblockregicrung des vorigen Reichs«

Hinsichtlich weiterer Bauten auf sich zu nehmen. Die ^paldemokratic denke nicht daran, die einmal errungene Opposition in der Regierung aufzugeben, da es andere und ,(^Te Aufgaben gebe als die Panzerkreuzerfrage, vor »3 ^^gen auf dein Gebiete der Sozialpolitik und der rwaltuugsreform.

Ein Markstein auf dem Wege zum Frieden.

Der Telegrammwechsel zwischen Kellogg und Chamberlain.

Staatssekretär Kellogg hat von Bord derJsle de France" auf das Telegramm des britischen Außenministers u. a. ge­antwortet: Ich teile Ihren Glauben, daß der Vertrag für die Aechtung des Krieges einen Markstein auf dem Wege zum «gemeinen Frieden darstektt. Es wäre eine große persönliche Genugtuung für mich gewesen, wenn Sie an der Unterzeich­nung des Paktes hätten teilnehmen Wune«. Ich hoffe, daß Sie sich i« Bälde wieder voller Gesundheit erfreuen werden.

Sowohl in amerikanischen als auch in englischen diplo­matischen Kreisen rrwartet man von dem Telearammwerl^ günstige Rückwirkungen, da hierdurch der ungünstige Eindruck des englisch-französischen Flottenabkommens etwas verwischt werben sei. In London vermerkt man mit Genugtuung, daß Präsident Coolidge jede weitere Behandlung des französischen Flottenabkommens durch amerikanische Amtsstellen unter­bunden habe, bis Kellogg wieder nach Amerika zurückgekehrt sei. Dieser Vorstoß des Präsidenten habe jedoch nichts an der amerikanischen Einstellung zu dem Abkommen geändert, in dem man nach wie vor eine Bedrohung der amerikanischen Seestellung sieht. Auf englischer Seite setzt man ganz offen­sichtlich alle Hebel in Bewegung, um wenigstens den amerika­nischen Partner bei der Unterzeichnung des Kriegsverzichts­paktes in gute Stimmung zu bringen.

Um Sowjetrutzlands Beitritt zum Kellogg-Pakt.

Wie aus New Dork gemeldet wird, bestätigte der Stell­vertreter Kelloggs im amerikanischen Staatsdepartement, daß dem Beitritt Rußlands, Spaniens und anderer Länder zum Kriegsverzichtspakt keine Schwierigkeiten im Wege ständen. Allen Ländern stände es frei, unmittelbar nach der Unter­zeichnung in Paris der amerikanischen Regierung entsprechende Wünsche zu unterbreiten. Das amerikanische Staatsdeparte­ment werde formell von diesem Verlangen Kenntnis nehmen, auch in dem Falle, daß Sowjetrußland die Vermittlerdienste einer Macht in Anspruch nimmt, die diplomatische Beziehungen zu Moskau unterhält. Aber in keinem Falle könne die Aner- ^«u«Rg eines russischen UuLeLzcichnnngsaniraZ-s m» gUm,- bedeutend mit der diplomatischen Anerkennung Sowjet- rußlands durch die Vereinigten Staaten angesehen werden.

Die Amnestie.

Die Begnadigungen in Preußen.

Auf Grund der Reichsamnestie vom 14. Juli sind bis zum 1. August 1560 Beschuldigte oder Verurteilte begnadigt, gegen 436 Beschuldigte ist das Verfahren eingestellt worden. 1124 Verurteilten wurde Straferlaß oder Strafmilderung zuteil. Von ihnen waren 117 zu Zuchthaus und 14 zum Tode verurteilt. Von den Begnadigten waren 1005 wegen politischer Straftaten verurteilt. In einer Anzahl von Fällen schweben die Erörterungen noch, so daß die endgültigen Zahlen über die Auswirkung der Amnestie erst Ende September vor­liegen werden.

Der amerikanische Arbeitsminister in Berlin.

Berlin, 22. August. Der Arbeitsminister der Vereinigten Staaten, Davis, weilt gegenwärtig in Berlin. Am Dienstag- Vormittag machte er dem Reichskanzler Müller einen Besuch. Nachmittags ist er Gast der Karl-Schurz-Vereinigung.

In Minnesota haben Wirbelstürme schwere Ver­wüstungen angerichtet. 8 Personen sind umgekommen, ioo verletzt.

Von dem DampferWilliam Mc Kenney" wurden 14 Mann der Besatzung bei dem kürzlich an der kalifornischen Küste herrschenden Orkan ins Meer gespült und ertranken.

Durch die Veruntreuungen bei der Stadtkaste von St. Jngbert, die sich auf ca. 4 Millionen Mark belaufen, war die Stadtverwaltung gezwungen, sich für zahlungs­unfähig zu erklären. Gegen den Leiter der Kasse, Finanzrat Kircher, ist Strafantrag gestellt worden.

Vor der Einfahrt in den Bahnhof Feilitzsch ist der Personenzug Plauen-Hof mit Lokomotive und Packwagen entgleist. Verletzt wurde niemand.

Präsident Coolidge hat das Rücktrittsgesuch des Handelssekretärs Hoover angenommen und zu seinem Nach­folger William F. Whiting ernannt.

In Braunschweig ist am Dienstag Nachmittag der Neuball der großen Kongreßhalle auf dem Schützenplatz zusammengebrochen. Zwei Bauarbeiter wurden verletzt, ein Zimmermann getötet.

In, Reichsernahrungsministerium fanden am Diens­tag Besprechungen über Finanzierung der Getreideernte mit den Spiyenkreditinstituten statt Beschlüsse wurden nicht gefaßt.

Die Aeußerungen Vandervcldcs über die Räumung betonen, daß die Aufrechterhaltung der Besetzung vom Stand­punkt der Sicherheit wie von demjenigen der Reparationen vollkommen haltlos geworden sei und anderseits für alle, nicht zuletzt für Belgien eine Belastung bedeute. Die Rhein landbesetzung ist weder rechtlich noch tatsächlich zu rechtferti­gen. Sie bildet ein Hindernis für den Frieden und eine ständige Ursache für Reibungen und Konflikte.

40 Millionen Mark Mehreinnahmen durch die neue Angestelltenversicherung.

Berlin, 22. August. Im Zusammenhang mit der von der Presse aufgeworfenen Frage über die Gründe für die Erhöhung Der Angestelltenversicherung wird von zuständiger Stelle darauf hingewiesen, daß es sich um eine alte, schon längst spruchreife Angelegenheit handele. Die alte Regierung habe sich mit der Frage der Erhöhung nicht befassen können, weil der Reichstag aufgelöst worden sei. Nach einem Berichr der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte hätten die Gehälter von nicht weniger als 8 v. H. aller Angestellten die zulässige Höchstgrenze überschritten. Hinzu komme noch, daß zahlreiche Angestelltenverbände, darunter auch die führenden Verbände die Erhöhung gefordert hätten. Das Direktorium bei Reichs- Versicherungsanstalt habe darauf 8400 Mark als Höchstgrenze vorgeschlagen. Das Reich erwartet aus der Erhöhung Mehr­einnahmen in Höhe von 40 Millionen Mark. Im übrigen hätten sich auch' die Arbeitgeber im positiveu Sinne für die Erhöhung ausgesprochen.

Neue Verhaftungen im Kriegsanleihe-Skandal.

Berlin, 22. August. Das Sonderdezernat der Staats­anwaltschaft für Aufklärung des Betrugsversuchs mit Kricgs- anleihe-Altbesib-Aumcldungen, in deren Verlauf der frühere Privatfekretär Hugo Sttunes jun., Herr von Waldow, verhaftet wurde, hat in den letzten Tagen eine Reihe weiterer Festnahmen vorgenommen. Die Staatsanwaltschaft hält die Namen der neuerdings in Haft genommenen im Interesse der Untersuchung noch geheim.

Belgrad bedauert die Entsendung der kroatischen Abgeordneten nach Berlin.

Belgrad, 22. August. Der Beschluß der Leitung des kroatischen Bauernbundes, wegen der Bluttat in der Skupsch« tina die ganze Skupschtina vor der Interparlamentarischen Union anzuklagen und die kroatischen Abgeordneten Dr. Kruje- Witsch und Pernar als Zeugen nach Berlin zu entfenben, hat in Belgrad lebhaftes Bedauern hervorgerufen. In politischen dreien wird erklärt, Wi der ney.e P^rtzikiter $r» Mischet durch tnefen Beschluß offenbar dem von Stefan Raditsch vor sechs Jahren gegebenen Beispiel gefolgt wäre, innerpolitifche Angelegenheiten des eigenen Volkes Fremden zur Entscheidung vorzulegen.

228 Sitze fit Venizelos.

Das vorläufige amtliche Wahlergebnis.

London, 22. August. Nach Meldungen aus Athen haben nach dem vorläufigen amllichev Ergebnis die Anhänger Venizelos 228, die übrige« ^artetet 22 Sitze im griechischen Parlament erhalten.

Die Eröffnung der kommunistischen Jugend- Internationale.

Kowno, 22. August. Moskauer Meldungen zufolge wurde die fünfte Tagung der kommunistischen Jugend-Internationale eröffnet. Die Begrüßungsansprache hielt der Sekretär der Internationale, der die gegenwärtige politische Lage in Europa behandelte und kurz die Aufgaben der Jugenb-Juternationale besprach. Ferner sprachen Bucharin, Frau Krupstaja, Thäl- inann, Cachin und anbere.

Der Typhus in Potsdam. Derbste Todesfall.

Potsdam, 22. August. In den Potsdamer Kranken­häusern ist ein Todesfall an Typhus, der erste seit dem Aus­bruch der Epidemie, vorgekommeu. Von Montag bis Dienstag sind den Krankenhäusern Weitere Typhuskranke überführt worden, so daß die Zahl jetzt über 40 beträgl.

Das Große Los gezogen, aber vorher weiterverkauft.

Berlin, 22. August. Wie gemeldet wurde, hatte ein Dessauer Prokurist vor Wochen bei einem Bernburger Kollek- teur alle Achtellose der Nummer 359 651 der Preußischen Klasseulotterie gekauft. Da er plötzlich eine kleine Rechnung zu bezahleu, aber nicht ausreichend bares Geld zur Verfügung hatte, gab er die acht Achtellose in aller Eile an feine besten Freunde ab. Drei Tage spätev mußte er erfahren, daß er das ganze Große Los gehabt hatte. Die Gewinner haben be­schloßen, dem Unglückseligen zum Dank für seine glückliche Hand einen beträchtlichen Teil ihres Geldes zu schenken.

Diebische Bahnbeamte.

Breslau, 22. August. In den letzten Monaten wurden bei der Reichsbahudire'ktion Breslau immer wieder aus Gepäck­stücken Wertgegenstände und Kleidungsstücke entwendet. Die Feststellungen ergaben, daß langjährige Beamte die Täter Waren. Die ungetreuen Beamten öffneten, die Koffer im Pack­wagen mit Nachschlüsseln und verschlossen sie dann wieder ordnungsgemäß. Jeweils arbeiteten immer ein Zugführer und ein Packmeister zusammen. Insgesamt handelt es sich um drei Zugführer und drei Packmeister.

Ein Kind durch brennendes Fett getötet.

Harburg-Wilhelmsburg, 22. August. In der Wohnung einer hiesigen Familie kochte in der Küche ein Topf Fett über. Das Fett ergoß sich über einen am Fußboden liegenden zwei­jährigen Knaben. Obwohl die Flammen sofort von der licrbei- qecilten Mutter erstickt wurden, hatte das Kind so schwere Brandwunden erlitten, daß es an den Folgen derselben im Krankenhaus starb.