Schlüchterner Heilung
Kreis-Amtsblatt * Mgemeiner mntlicherKureiyer für Kar Kreis Schlüchtem
Semtconb vorto-:H.Steinftld SLhoe* Geschäfts ^atflchofstr.b * frrnspv.Nr.l4d * postfih«^^mKstwtLLa.r)Wo
Nr. 94 (1. Blatt) Dienstag, den 7. August 1928 80. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
Nr. 6684. Nachdem die- Stundenvergütungssätze der Zortbildungsschullehrer erhöht und allgemein aus 2,50 9LM, festgesetzt worden sind, müssen auch die Vergütungen für die Handarbeitslehrerinnen, die bestimmungsgemäß 50 bis 75 o/o derjenigen für die Zortbildungsschullehrer betragen sollen, anderweit festgesetzt werden.
Die Herren Bürgermeister bezw. Schulverbandsvorste- her werden deshalb ersucht, soweit noch nicht geschehen, das Erforderliche in dieser Hinsicht alsbald zu veranlassen und mir innerhalb 4 Wochen mitzuteilen, aus welchen Betrag die Vergütung für die Handarbeitslehrerin festgesetzt worden ist.
Schlüchtern, den 2. August 1928.
Der Landrat: Dr. Müller.
I.-Nr. 6622. Bezugnehmend auf die in der Schlüchter- ner Zeitung Nr. 56 von 1928 veröffentlichte Bekanntmachung des Herrn Negierungs-Präsidenten zu Kassel vom 18. April d. 3s. mache ich darauf aufmerksam, daß nunmehr die neue Gesellenprüfungsordnung für das Stickerei- Handwerk während der Dienststunden im Landratsamt — Zimmer Nr. ? — zur Einsichtnahme ausliegt.
Schlüchtern, den 2. August 1928.
Der Landrat. 3. v.: Schultheis.
I.-Nr. 6467. Nach § 38 der Polizeiverordnung zum Zischereigesetz (Fischerei-Grdnung) vom 29. März 1917 (Reg. Amtsblatt S. 165) müssen Cntenbesitzer ihre Enten von fremden Fischgewässern fernhalten, wenn ihnen der §ischereiberechtigte die Einlassung nicht gestattet hat. Zuwiderhandlungen sind nach § 53 der genannten Verordnung strafbar und können die Beschädigung oder Tötung der Enten nach § 228 des Bürgerlichen Gesetzbuches nach sich ziehen.
Die Ortspolizeibehörden weise ich an, diese Vorschriften erneut öffentlich bekannt zu machen und ihre Durchführung zu überwachen.
Zu dieser Ueberwachung können die Grtspolizeibehör- den die Mitwirkung der Landjägereibeamten gemäß Ziffer 122 und 123 der Dienstvorschrift für die preußische Landjägerei vom 20. Iuli 1906 in Anfprud) nehmen.
Schlüchtern, den 2. August 1928.
Der Landrat: Dr. Müller.
Stadt Schlüchtern.
Oeffentlichr Mahnung.
Die noch rückständigen Gewerbesteuerrestzahlungen für 1926 (in 1927 veranlagt), Gewerbesteuerzahlungen für 1927 (in 1928 veranlagt), Gewerbesteuervorauszahlungen für das i. Vierteljahr 1928 (ein Viertel der für 1927 festgesetzten Gewerbesteuern), städt. Grundvermögenssteuer-Zuschlage, Holzgelder, Losholz, Schulgelder, Wassergelder, Pachtgelder, Polizeistrafen, Kanal- und Anerrkennungsgebühren, sowie alle anderen Abgaben werden hierdurch angemahnt.
Ueber die Abgaben sind Benachrichtigungen zugestellt worden. Die Zahlung hat bei der Stadtkaste Schlüchtern zur Vermeidung der Beitreibung schnellstens zu erfolgen. Anträge und Eingaben halten die Zahlung nicht auf.
Mahnungen erfolgen nur öffentlich, nicht durch Behän- digung von Mahnzetteln.
Schlüchtern, den 2. August 1928.
Der Magistrat: Fenner.
Behördliche Formulare jeglicher Art liefert aus Vorrat und auf Sonderbestellung
Buchbruckerei Ä. Gteinfelb Söhne Schlüchterner geitung (Kreisamisblatt).
Urbarmachung russischer Steppe?
m — London, 6. August. Wie die „British United *reß" aus Moskau berichtet, hat die Sowjetregie- u-ng Pläne ausgearbeitet, um 390 000 Acres Step- Penland in der Ukraine fruchtbar zu machen. ' Das soll in Staatsgüter aufgeteilt werden, die alle pursten Maschinen erhalten sollen. Die 1200 Dampf- PRuge, die für die Urbarmachung notwendig sind, '“Oen in Deutschland und in den Vereinigten Staa- in Auftrag gegeben werden.
15 Tote bei einer Explosion.
, Konben, 6. August. In der Nähe von Ca« mina in Chile flog am Sonnabend die Dupont-Ex- i'ivpvstvffabrik am Fluß Lon in die Luft. 15 Per- wurden auf der Stelle getötet. Die Zahl der Verletzten soll sehr groß sein.
Zusagende deutsche Antwort an Rumänien.
Bukarest, 6. August. Der deutsche Geschäftsträger, Dr. Kirchholtes, überreichte im Ministerium des Auswärtigen die deutsche Antwort auf die rumänische Note, die die Wiederaufnahme der Wirtschaftsverhandlungen zwischen Deutschland und Rumänien vor- schlägt. Die deutsche Note besagt, daß eine deutsche Kommission für die Verhandlungen bereits gebildet sei und die rumänische Kommission zur Wiederaufnahme der Verhandlungen erwartet werde. Deutschland sei bereit, unter den bekannten Voraus- setzungen an der rumänischen Anleihe und an der Stabilisierungsmaßnahme teilzunebmen.
Ihre» Vater erschossen und sich dann vor den Zng geworfen.
Köln, 6. August. In Hürth wurde ein 60- jähriger Metzgermeister von feiner 56 Jahre alten Tochter erschossen. Nach einem vorausgegangenen Streit gab die Tochter sieben Schüsse auf ihren Vater ab, der sofort tot war. Nach der Tat warf sich die Tochter vor einen Zug der Köln-Bonner Kreisbahn und erlitt schwere Verletzungen am Kops und an den Beinen. Sie wurde in ein Krankenhaus übergeführt. Lebensgefahr soll nicht bestehen.
Ausländerrazzia in Paris.
Paris, 6. August. Der Gegensatz zwischen der französischen Regierung und der Kommunistischen Partei spitzt sich immer mehr zu. Die „Humanite" hat noch Sonnabend mit außerordentlichem Nachdruck er- Llärt, daß die kommunistischen Arbeiter sich dem Verbot der Regierung nicht beugen und am Sonntag ihre große öffentliche Kundgebung in Jvry abhalten würden. Daraufhin hat die Polizei erneut jede Kundgebung verboten und die schärfsten polizeilichen Maßregeln angedroht. Da die Pariser Polizei der Auffassung ist, daß die kommunistischen Veranstaltungen vor allem durch die in Paris lebenden kommunistischen Ausländer unterstützt werden, hat sie in der Nacht zum Sonnabend eine großangelegte Razzia verunstaltet, bei der zahlreiche Ausländer verhaftet wurden. In Nebereinstimmuüg mit dem Justizminister hat der Polizeipräsident angeordnet, daß jeder Ausländer, der an einer kommunistischen Kundgebung teilnimmt, sofort ausgewiesen werden soll.
Todesfahrt einer Frankfurter Familie.
Bei Zwingenberg rannte Samstag nachmittag das Auto des Frankfurter Schlossermeisters 3ung aus der Günthersburgallee, der auch in Hanau eine Schlosserei besitzt, in einem 70 bis 80 Kim. Tempo in einer Kurve gegen einen Baum und wurde vollständig zerstört. Den Besitzer war sofort tot, seine Frau und die älteste Tochter erlitten schwere Verletzungen, denen die Tochter am Abenb erlegen ist. Die jüngste Tochter kam mit dem Schrecken davon.
Schwere Sturmkatastrophe.
Aus verschiedenen Teilen Bayerns werden schwere Unwetterschäden berichtet, so aus der Bamberger und Koburger Gegend. Besonders schwere 'Schäden "haben die Hagelschlossen angerichtet, denen größtenteils die ganze Ernte zum Opfer gefallen ist. Ruch Personen sind durch die Hagelschläge verletzt worden. In Bamberg selbst blieb fast kein einziges Haus unbeschädigt. Innerhalb kurzer Zeit waren sämtliche Anlagen, Gärtnereien und Felder wie durch Artilleriefeuer verwüstet. Das Stabion wurde vollkommen zerstört. Auf Eisenbahnstrecken und Fahrstraßen liegen umgerissene Telegraphen- und Telephonmasten umher, so daß die Strecken für lange Zeit gesperrt und die Züge umgeleitet werden mußten. Bei den Aufräumungsar« beiten leisteten die Reichswehr, Lp-ndespolizei und Feuerwehr tatkräftige Hilfe. Der Schaden wird auf über eine Million Mark geschätzt.
— Die beiden polnischen Dzean-Flieger sind am Samstag Nachmittag über dem Atlantischen Ozean abgestürzt. Der Apparat wurde vollkommen zertrümmert. Die Piloten wurden von dem deutschen Dampfer „Samos" gerettet.
— Die deutsche Fliegerin Thea Nasche hat auf dem Dampfer „Albert Ballin" die Rückreise nach Deutschland angetreten.
— In Agram wurde am Sonntag früh der Thesredak- teur des Belgrader Blattes „Iedinstvo", ein Gegner Ra= Kitschs, auf offener Straße von einem jungen Arbeiter erschossen.
— Bei einem Straßenbahnzusammenstoß in der Nähe von La Rochelle (Frankreich) wurden 23 Personen verletzt, davon mehrere schwer.
— Beim Görlitzer Rundstreckenrennen kam ein Fahrer zu Fall und war auf der Stelle tot. Die Maschine wurde in die Zuschauermenge geschleudert und verletzte einige Personen schwer. Ein zweiter Fahrer kam ebenfalls mit seiner Maschine zu Fall und wurde mit schweren inneren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert.
— Auf dem Rhein bei Bingen ist am Sonntag Abenb das neue Rennboot „Opel IV" in Brand geraten und explodiert. Die Besatzung konnte sich nur mit Mühe durch Schwimmen retten.
Die Zeiriebssicherheit der Reichsbahn.
Bildung des Untersuchungsausschusses.
Der Untersuchungsausschuß für die Reichsbahn, dessen Einsetzung in der parlamentarischen Konferenz vereinbart wurde, ist jetzt vom R e i ch s v e r k e h r s m i n i st e r gebildet worden. Der Ausschuß steht unter dem Vorsitz des Geh. Oberbaurats Z i r k l e r vom Reichsverkehrsministerium und trägt den Namen „Ausschuß zur Untersuchung der Betriebssicherheit auf der Reichsbahn".
AIs Mitglieder gehören dem Ausschuß an: die Reichstagsabgeordneten Dr. Quaatz (Dntl.) und Scheffel (Soz.), die Professoren für Eisenbahnwesen Dr. Halter von der Technischen Hochschule in München und Dr. Pirath von der Technischen Hochschule in Stuttgart, der frühere Zentrumsabg. Verbandsgeschaftsführer Groß; vom Hauptbeamtenrat bei der Deutschen Reichsbahn der Vorsitzende Eisenbahninspektor Mondorf, vom Hauptbetriebsrat der Vorsitzende Hatje, beide in Berlin; von der Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer der Lokomotivführer Paul Seite aus Dittersbach (Walden- burg), vom Reichsverkehrsministerium Geh. Oberbaurat Zirkler (Betrieb) und Oberregierungsrat Dr. Reingruber (Eisenbahnsicherungswesen), und von her Deutschen Reichsbahngesellschaft Reichsbahndirektor Dr. Fromm (Dienstdauer- angelegenheiten) und Vizepräsident Senst (Oberbaufragen).
KriegsgerüHle im Rordosten.
Erregung an der polnisch-litauischen Grenze.
Wie ein Warschauer Blatt aus Wilna berichtet, seien unter der Bevölkerung des Wilnagebietes, besonders unter den Litauern, Gerüchte über einen bevorstehenden polnischlitauischen Krieg im Umlauf. Im Gebiet von Swienziany herrschten unter der dortigen überwiegend litaui^ en Bevölkerung größte Erregung und Panik, da die Einwohner befürchten, im Falle eines Ausbruchcs der Feindseligkeiten von polnischer Seite großen Trangsalierungen ausgesetzt zu i^-
Von polnischer amtlicher Seite werden diese Nachrichten als absichtlich von litauischer Seite ausgesprengte böswillige Gerüchte hingestellt, wodurch die Bevölkerung unruhig werden solle. Die tatsächliche Stärke der an den Wilnaer Militärübungen teilnehmenden polnischen Truppen wird streng geheim gehalten.
Eine Unterredung mit Woldemaras.
Ein Berliner Pressevertreter hatte eine Unterredung mit dem litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras. Danach glaubt Woldemaras nicht an eine kriegerische Entwicklung des polnisch-litauischen Konfliktes. Er sieht allerdings der Legionärtagung, die am 12. August in Wilna stattfinden soll, mit einiger Besorgnis entgegen, aber er hält es nicht für ausgeschlossen, daß Pilfudskis ,-großes Geheimnis", das auf dieser Tagung enthüllt werden soll, auch darin bestehen könne, daß es gar kein Geheimnis gebe. Seiner Ueberzeugung nach werde Frankreich im entscheidenden Augenblick genug Machtmittel zur Verfügung haben, um Polen zurückzuhalten. Frankreichs diplomatische Lage sei heute viel komplizierter als bei Abschluß des französisch-polnischen Militärvertrages.
Entstehe ein bewaffneter litauisch-polnischer Konflikt, so stehe Frankreich vor dem Dilemma, entweder den Militärvertrag mit Polen oder die Locarnobindungen und ähnlichen Abmachungen zu brechen. Alles weise darauf hin, daß Frankreich seine Friedenspolitik fortzusetzen wünsche und darauf sei es zurückzuführen, daß in Frankreich niemand die Unzufriedenheit mit der unvorsichtigen Politik Pilfudski verberge.
„Keine wirkliche Abrüstung."
Staatssekretär Kellogg über das englisch-französische Abkommen.
Der amerikanische Staatssekretär des Auswärtigen, Kellogg, gab nach eingehender Prüfung des englisch-französischen Abkommens der Presse eine vorläufige Erklärung ab. äkellogg betonte, daß das Abkommen Fragen enthalte, die bereits von Vertretern Amerikas, Frankreichs und Großbruan- niens während der Sitzungen der vorbereitenden Abrüstungskonferenz in ben letzten beiden Jahren erörtert wurden.
Es befasse sich nur mit dem Grundsatz der RüstungS- begrenzungen, ohne eine wirkliche Abrüstung zu sichern. Nach seiner Ansicht enthalte das Abkommen nichts, was der vorbereitenden Abrüstungskonferenz als Grundlage für eine allgemeine Abrüstung unterbreitet werden könnte. Kellogg legte weiter Nachdruck auf die Feststellung, daß das englisch-sran- zösische Abkommen und der Kriegsverzichtsvertrag in keinerlei Beziehungen zueinander ständen. Im Augenblick sei er noch nicht in der Lage,, die Zusammensetzung der amerikanischen Abordmlyg für die vorbereitende Abrüstungskonferenz bckannt- zugrbqn.
— Wie aus Marseille berichtet wird, brach in einer Petroleumraffinerie Grotzfeuer aus. Mehrere ^grotze Petroleum- behälter standen in Flammen. Die benachbarten Häuserviertel muffen geräumt werden.