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Nr. 93

Schlüchterner Zeitung

2 Blatt

^ng dcs Mtt-iiilsftMg dcs Kchrkvtt- toto für hn Rtgicriulssbchrk Kassel.

Die Landesverwaltung lLandeshanptmann in Hessen (in Kassel) teilt uns mit:

Vor Eintritt in die Tagesordnung verlieh der Vor- sitzende des Landesausschusses. Herr Präsident Thone, in warmen Worten dem Bedauern des Landesaus­schusses über die schwere Erkrankung des Herrn Lan­deshauptmanns von Gehren Ausdruck.

Er sprach seine Freude darüber aus. oatz inzwischen eine wesentliche Besserung eingetreten sei und über­mittelte die herzlichsten Wünsche des Landesausschusses auf eine baldige völlige Gensung. dobe der dem Lan­desausschutz angehörende Partei entsandte emen Ver­treter, um diese Wünsche dem Herrn Landeshauptmann persönlich zu überbringen.

Für die Dauer der Behinderung des Herrn Landes­hauptmanns in Hessen wurde Serr Landesrat Stoehr zum Vertreter bestellt. o Q

Einen wesentlichen Teil der Sitzung oes Landes­ausschusses nahm die Verhandlung über die Forderung der Ostsiedlung in Anspruch.

Die Besiedelung der östlichen Grenzprovmzen an deutschen Landwirtsfamilien ist sowohl eine wirtichatt- lich-soziale, als auch nationale Notwendigkeit, um die dünn bevölkerten Gebiete vor einer Ueberfremdung zu schützen. Wirtschaitlich gilt es. durch intensive Bearber- tung des Bodens möglichst viel Nahrungsmittel nu eigenen Lande zu erzeugen und damit die Ennuhr von Lebensmitteln zu verringern. In den verflossenen 10 Jahren sind, unterstützt durch oas Reich und Brennen, viele Tausend Landwirte sowie zahlreiche Rück­wanderer und Flüchtlinge aus dem Ausland angeste- delt worden. Zehntausende können ntDenen tu den Oüvrovinzeu noch die Möglichkeit einer sicheren land­wirtschaftlichen Existenz finden Die Schwierigkeit lieg; in der Beschaffung der zirr Siedlung erforderlichen Geldmittel. Reich und Staat stellen zwar hierfür gering verzinsliche Kapitalien den Siedlungsgefellichatten zur Verfügung. Immerhin benötigt der Siedler noch ein erhebliches Eigenkapital. Im allgemeinen braucht ein Landwirt, der eine Vollsiedlung mit 60 bis 80 Morgen Land erwerben will, für den Ankauf und, die Be­schaffung des lebenden und toten FnvMtars ein Eigen­kapital zwischen 8 und 12 000 RM. Für Sandwerker­und Landarbeitersiedlungen werden entsprechend ge­ringere Beträge benötigt. Um die Beschafsung dieses Kapitals zu erleichtern, sind die westlichen Provinzen dazu übergegangen, stedlungslustige Bauern. Hand­werker und Arbeiter dadurch bei Der Beichaffung des Geldes für eine Neusiedlung im Osten zu unterstützen, daß sie einen Teil des für die aufgenommenen Kapi­talien notwendigen Zinsendienstes übernehmen.. Im übrigeil helfen sie durch ihre Landesbanken bei der Aufnahme von Hypotheken auf den eigenen Besitz bey Siedlers oder, wenn es sich um anzusiedelnde Bauern­söhne handelt, auf den väterlichen oder sonstigen ver­wandtschaftlichen Besitz. Dadurch ist es speziell der Provinz Westfalen bereits gelungeii, zahlreichen Sied­lern im Osten die Gründung einer neuen Existenz zu ermöglichen. .., , m

Auch der Landesausschuß hatte sich bereits im Vor­fahr mit der Frage der Ostsiedlung besagt und Dem Kommunallandtag voraefMagen, für die Gewährung voll Zinszuschüssen den Betrag von zunachit 1000(1 NM. in den Etat einzusiellen. Der Komniunallandtaa hat dein zugestimini. In einem besonderen Unteraus­schutz sind die Siedluvasmöglichkeiten unter Zuziehung von Siedlungssachverständigen eingehend beivrochen' worden. Der Landesausschutz hat nunmehr in der heutigen Sitzung beschlossen:

Landwirten, Landwirssöhnen, Handwerkern und landwirtschaftlichen Arbeitern aus Dem Regierungsbe­zirk Kassel, sofern sie die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und die erforderliche landwirtschaitliche Eignung Nachweisen, Zuschüsse m Verringerung der Zinslast für das vom Siedler aufzubringende Eigerikamtal dann zu gewähren, wenn die zu erwerbende Siedlung in den Grenzbezirken der Provinzen Ober- oder Ni,e- schlesien, Grenzmark, Pommern , Schleswig-Holstein und Brandenburg liegt. Solange sich Siedler für dmic Gebiete nicht in ausreichender Zahl au» dem Re- aierungsvezirk Kassel melden, kann auch für NMsied- ler in anderen dünn bevölkerten Gebieten des Reichs ein Zinszufchutz gegeben werden. Gedacht ist dabei, daß der Siedler einen Teil des erforderlichen Kapitals selbst ausbringt. fei es, daß er seine Ersparnisse zum Ankauf benutzt, oder, andere Leistungen des väter­lichen Haushalts. wie totes und lebendes Inventar für die Landwirtschaft, für die Siedlung verwendet. Der restliche Betrag soll möglichst durch hypothekarische Belastung des väterlichen Gutes oder eines anderen Don dem Siedler vorzuschlagenden Besitztums ge­wonnen werden, dessen Eigentümer die Belastung übernehmen will. Die Landeskreditkasie ist zur For­derung dieser Geldbeschaffung bereit, die einzelnen Grundstücke bis zu 50 Prozent des Berkaufswertes ohne Bürgschaft, bis zu 70 Prozent des Berkaufs­wertes gegen Bürgschaft eines Dritten zu beleihen. Da erfahrungsgemäß zur Zeit aufgenommene Hypo- beken mit 9 Prozent und mehr verzinst werden müssen, beschloß der Landesausschutz, denjenigen Teil der Zins- ast zunächst auf die Dauer von 3 Fahren, erforder- lnhenfalls bis zur Dauer von 5 Fahren, zu ubcr- nehmen. der Den Zinssatz von 3^ Prozent übersteigt.

Prozent muß also der Siedler selbst oder feine An- aehörigen für die Verzinsung des amzunehmenden ^avitals tragen.

, Anträge aus derartige Zinszuschüsse für Neusied­ler im Osten sind an den Herrn Lanoeshanotmann durch gen jeweils zuständigen Herrn Landrat zu sichtelt. Ueber die Anträge entscheidet ein Ansschnn. bestehend aus dem Herrn Landeshauptmann oder 'einem Stellvertreter, aus den Mitgliedern des Landes- ürsschusses, den Herren Thöne, Fustt, Linker sowie einem Vertreter der Landkreise, Herrn Laudrat Prange in Hofgeismar. Die Vorgenannten werden in nächster ^eit einzelne, für hessische Siedler besonders geeignete, "wdlnnasuirternehmungen besichtigen, damit die Sted- ier zweckmäßig beraten werden können.

, r Darüber hinaus soll dem Kommunallandtag eine besondere Vorlage über Kredithilfe für Ostsiedler unterbreitet werden, deren Umfang von dem Bedurf- "s abhängt. Vorgesehen ist unter, Umstanden die bilfsweise Beschaffung von Zusatzdarlehen für solche ^alle, in Denen der Siedler trotz bestem Willen durch Be Belastung eigenen Grnndvesitzes usw. ni^: das volle zum Ankauf einer Siedlung notwendige Kapital unfbringen kann.

. Von besonderer Bedeutung waren auch die Frage oer Landstraßen- und Landwegebanverwaltung, d om Landesausschutz in dieser Sitzung beschäftigten.

.. Die Verhauolungen mit den streuen über die Uebernahme solcher Landwegestrecken, die als Durch-

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gangsstratzen vom Herrn Oberpräsidenten anerkanni sind, auf den Bezirksverband schreiten erfreulich fort.

Die Unterstützungen an die Landkreise für die Landwegeunterhaltung in 1928 wurden beschlossen und für das Geschäftsjahr Der Betrag von 894 599 RM. vorgesehen. ,

Die feit der Gründung der Exterralbahn A. G. völlig veränderten Verhältnisse bedingen eine Er- höümra der Baukosten der Bahn. Nach oem Vorgang vom Reich und Preußen ist dementsprechend eine Er­höhung der Beteiligung des Bezirksverbandes um rd 43 000 NM. erforderlich.

Die Stratzenbauverwaltung gab einen Ueberblict über Die bisherige Entwicklung des Ausbaues der Durchgangsstratzen im Geschäftsjahr 1928. Aus dem Landwegeneubaufonds wurden für die Verlegung des Landweges RockensützKönigswald, für den Landweg FraukenberaLangenoorf und für einen Brückenneu­bau über die Aue bei Rehren den Kreisen Rotenburg. Frankenberg und Rinteln Unterstützungen bewilligt.

Der Umbau der Werrabrücke in Witzenhaufen wurde nach eingehendem Vortrag unter Hinzuziehung des Bezirkskonservators beschlossen. Man einigte sich dahin, daß die Art der Sersteellung der Bedeutung des Bauwerkes für das gesamte Landschaftsbild angevatzt werden müsse. , . .

Die Herstellung der -Umgehungsstratze um Sternau Kreis Schlüchtern. wurde grundsätzlich genehmigt. Eine ganz besonders den Verkehr hindernde Straßenstrecke in der Ortslage. die eine ganz besonders große Ge- fahrenauelle für den Krastwagenverkehr ist, wird da- beseitigt.

' Aus"'Mitteln der Hessischen Brandversicherungsan- italt wurden 24 240 RM. an Beihilfen zu Feuerlösch- zwecken an einzelne Gemeinden des Regrerungsbe- Urks bewilligt. . m .

Entsprechend dem Ergebms der Beiprechung der Westfondskonferenz und den Bewilligungen des Staates wurden im Regierungsbezirk Kastei aus berengestell- ten Mitteln des Bezirksverbandes bewillrgt:

a) Fonds zur Förderung der Landwirtschaft:

Für Erweiterung der Kinzig und Brachtalmelio- ration bei Wächtersbach, Ent- und Bewmierung Ge­markung Abe. Entwässerung Gemarkungen Bebra. Lt»- venhausen. Weiterode, Ronshausen Mackenzell, Erd- mannrode Bieder, Ebersberg. Fischbörn, Niederkalk- bach, für Meliorationen und OedlandkWivrerung in Wendersbausen, Atosbach, Lohrhauvten, Molzback, Un- :erbernhards, Völzberg, Simmershausen, für Waster- (eitunaen Friedrichsbrück Seenes Bracht. Uttrichshau- fen, Bergshanien, Laudenbach, Goldbeck, Woli, Nau- sis, Weiterode, Niederbeisheim, Setzerode zusammen

11 750 RM.

b) Flutzregnliernngsfonds:

Regulierung der Wiera lNeustaöii, Allna (Nieder- Weimart der Bachläufe Grotzentaft, Lisckeid und Fron­hausen. des Sauptvorfluters bei Burgyaun und Sünhan, des Rheinbaches lRotenkirchenl, der Zweier Ohm (Gelnhausenl und des Timbaches lBurghaunj. ier Kinzig und Bracht iWächtersbachl, des Lohrbaches lLobrhauvtenl des Eubaches lAltmorfchenl. der Efze lSolzhauseni, des Grenzedaches sSeigertshausen), der Müllmisch kKörlel, des nassen Born lEiterhagenl, des Wälzebaches lKirchheiml, der Aula (Frielingent, sowie Ausbau von Vorflutern in Rotterode und Vobl, Ent- und Bewässerung in Niederkalkbach zusammen 72 700 NM.

Weitere Verteilungen mit einer Gesamthöhe von 52100 RM. werden in nächster Zeit noch erfolgen.

Der Uferweg an der Werra von Eschwege zum Leuchtberg wurde nach dem Baumschutzgesetz unter Schutz gestellt.

Von der Beteiligung der Landeskreditkasse an der Frankfurter Baukaste A.-G. wurde Kenntnis ge- nommen. , , . _ m

Der Jahresabschluß der Hauptrechunug des Be- zirksverbarrdes für 1927 hinsichtlich des ordentlichen Voranschlags wurde vorläufig vorbehaltlich der Zu- ftimmuna des Kommunallandtages genehmigt.

Er schließt in Fsteinnahme mit 26 537186,63 RM., in Fstausaabe mit 25 558 465,15 RM. ab. sodatz ein Be­stand von 978 721,48 RM. verbleibt, von dem ,64 80.i,M RM. auf laufende Fonds (Betriebsstock Anleibetil- gungsstock. Aufwertunasstock etc.) + 21304a,53 RM auf Ausaaberttckstände, die nicht durch Einnahmeruck- stände gedeckt sind entfallen.

Es ist erfreulicherweise möglich, gewesen, durch Steigerung der Einnahmen dnrch die günstige Kon- runktur erböhteil sich insbesondere die Steuerüberwei- sungen und durch zum Teil ziemlich einschneidende Svarmatznabwen die Mehrkosten der seit dem 1. Ok­tober 1927 wirksamen Besoldungsänderungen und die bei dem Zustand der Landstraßen notwendigen Mehr­aufwendungen sowie ebenso die für die Landeskranken- Häuser und sonstigen Anstalten erforderlichen, zum Teil erheblichen Mehrzuschiiste zu decken.

Der Landesausschutz befaßte, sich schließlich mit der Prüfung der augenblicklichen Finanzlage des Bezrrks- nerbandes.

Große Schwierigkeiten verursacht natürlicherweise Die augenblickliche Unmöglichkeit, langfristige Anleihen aufzunehmeu. Die augenblickliche Geldmarktlage zeigt erneut wie äußerst bedauerlich es war, daß der Herr Fiuanzminister die vom Bezirksverband Kassel er­betene Genehmigung zur Aufnahme einer Schatzattwei- 'unasanleihe von 5 Millionen Reichsmark nicht in voller Höhe gegeben, sondern einen Abstrich von 2 Millionen Reichsmark gemacht hat.

Der Landesausschutz beschloß, durch die Anitalts- kommissiou prüfen zu lassen, welche der im autzeroröestt- lichen Etat für 1928 vorgesehenen besonders dringlichen baulichen Matznahinen zurückgestellt werden können, bt« langfristige Deckiing beschafft werden kann.

Ein SprenglagerdesMffenmördersSein aufgesunden

Ein großes Arsenal aufgedeckt.

Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft in Jena und in Begleitung des Einbrechers Satin, der deshalb von Weimar nach Jeim übergeführt wurde, fand in F o r st bei Jena eine Nachforschung nach den von Hein und Lärm gestohlenen Sprengstoffen und anderen Gegenständen statt.

In der Nähe des Restaurants Waldschlößchen fand man an einem Waldabhang an mehreren Stellen in großen Mengen Sprengstoff, Zündkapseln, Zündschnur, Zündapparate, Waf­fen, Munition, Einbrecherwerkzeug, Feldstecher, Rucksäcke und anderes mehr. Alles war in großen Glasballons verschlossen, in die Erde verqraben, und mit Rasen zugedeckt. Die Fort­schaffung der gefährlichen Fundgegenstände erfolgte in einem Kraftwagen. Unter sicherem Geleit ist darauf Lärm in das Landgerichtsgefängnis Weimar zurückgebracht worden.

Das Eisenbahnunglück bei Dinkelscherben

Das Schicksal der Dinkelscherbener Verunglückten.

Im Krankenhaus in Augsburg wurden an mehreren Schwerverletzten der Eisenbahnkatastrophe Amputationen oor- genommen. Die meisten Schwerverletzten haben kompliziert« Brüche erlitten. Für mehrere Schwerverletzte besteht noch ernste Lebensgefahr. Der verletzte Heizer Linder sagte einem Pressevertreter, der Lokomotivführer und er hätten in der Nähe der Weiche mit Entsetzen wahrgenommen, daß die Weiche falsch stehen müsse, aber schon hätten sie den Schlußpfeil des Güter­zuges vor sich gesehen und der Zusammenstoß sei trotz Gegen­wirkung uilvermeidlich gewesen. Der Weichensteller Hübler in Dinkelscherben sagte, er habe plötzlich eine falsche Weichen- stellung bemerkt, und habe versucht, die Weiche noch umzustellen, da sei aber schon der Zug herangebraust.

Bei den Schwerverletzten.

Im Krankenhause zu Augsburg sind 31 Verletzte unter« gebracht worden. Uebcrwiegend handelt es sich um Ver­letzungen der Gliedmaßen, Brüche jeder Art, einfachen und komplizierten, zersplitterte Arme, Prellungen und Ouetsch- ungen. Zwei Frauen mußte je ein Arm unter der Achsel­höhle abgenommen werden. Hier liegt ein Turner aus Miesbach mit abgeschlagenen Beinen, man glaubt aus seinen Augen den Schmerz zu lesen:So müßen wir vom Turnfeste heimkommen!" Ihm gegenüber liegt der Heizer Linder, der, als er das Unglück kommen sah, seinen Posten nicht verließ, sondern bestrebt war, noch größeres Unheil ^u verhüten. Bei Anprall des Zuges wurde er gegen die Feuerung ge­schleudert, wobei er mehrere Rippenbrüche und andere Ver­letzungen erlitt. Das kleine Kind Wiedemann, dessen Vater unter den Toten ist, wurde eben neu verbunden. Das Kind hat eine Schädelfraktur, einen Kiefernbruch und Prellungen erlitten, dazu mußte ihm der zertrümmerte rechte Vorder­arm abgenommen werden.

Drei weitere Todesopfer identifiziert.

Im Laufe des Mittwochnachmittags wurden von den noch unbekannten Todesopfern drei weitere identifiziert. Es han­delt sich um die schon in der ersten Verlustliste als tot gemeldete Marie Fischer aus Wolfratshausen, um den Kaufmann Jetter aus München, der als der Mann mit der Fahrkarte aus Sigmaringen bezeichnet worden war und um die 78jährige Frau Hedwig Buck aus Zuffenhausen in Württemberg. Jetzt muß noch die Persönlichkeit einer männlichen Leiche ermittelt werden.

Das Oberbaumaterial in Bayern.

In einem Berliner Mittagsblatt ist berichtet worden, daß die Schienen, Schwellen sowie das Oberbaumaterial in Bayern nach spezifischem bayerischem Muster, das sich nicht bewährt habe, hergestellt worden ist. Demgegenüber wird von zustän­diger Stelle darauf hingewiesen, daß der Bahnoberbau überall im Reiche einheitlich sei.

Die bayerischen Eisenbahnkatastrophen ein innerpolitisches

Problem.

Einen besonders scharfen Vorstoß gegen die Reichsbahn unternimmt unter der UeberschriftVerwal­tungskatastrophe" derBayerische Kurier". Er,erklärt, daß jetzt der letzte Zweifel darüber zerstreut sei, daß die letzten großen Verkehrskatastrophen in den grundlegenden Fehlern, Mängeln und Versäumnissen in der Verkehrsverwaltung ihre Wurzeln haben. Die rücksichtslose Aufdeckung dieser Mängel sei das einzige Mittel, um eine Systemänderung herbeizufüh- ren und als das einzige Mittel, Klarheit darüber zu schaffen, warum gerade Bayern in der letzten Zeit so oft der Schauplatz entsetzlicher Eisenbahnkatastrophen gewesen sei.

Kein Ereignis der nachrevolutionären Zeit habe die Masienseele so aufgewühlt und erbittert, wie die letzte Eisen­bahnkatastrophe. Diese Massenausregung drohe nicht nur jedes moralische Vertrauensverhältnis der Bevölkerung zur Eisen­bahnverwaltung zu zerstören, sie sei auch der Boden, auf dem die politische Verhetzung durch den Radikalismus üppig ins Kraut schieße. Die Frage der Eisenbahnkatastrophen sei damit zu einer hochpolitischen Frage, ja zu einem innerpolitischen Problem geworden, und die Reichsregierung habe die unab­weisbare Pslicht, rücksichtslose Klarstellung der Ursachen der

Verwaltungskatastrophe herbeizuführen.

Beileidstelegramme des Reichspräsidenten und der

Reichsregierung.

Der Reichspräsident Ijat an den Generaldirektor der Deut­schen Reichsbahngesellschaft folgendes Telegramm gerichtet: Anläßlich des neuen schweren Eisenbahnunglücks bei Dinkel­scherben spreche ich Ihnen meine aufrichtige Teilnahme aus. Ich bitte Sie, diese auch den Hinterbliebenen der Todesopfer und den Verletzten diesen zugleich mit meinen besten Wünschen für ihre Wiederherstellung zu übermitteln."

Reichsminister Dr. Gröner hat in Vertretung des ab­wesenden Reichskanzlers dem Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesellschaft im Namen der Reichsregierung tele­graphisch die wärmste Anteilnahme zu dem schweren Eisenbahn­unglück übermittelt.

Das Saarparlament zum Augsburg« Eisenbahnunglück.

In der Mittwochsitzung des saarländischen Landesrats gedachte Präsident Scheuer der Opfer der Eifenbahnkatastrvphe bei Dinkelscherben. Das Haus erhob sich zum Zeichen , der Trauer von den Plätzen und beschloß die Absenoung eines Beileidstelegramms an die bayerische Regierung.

SlsenbahnunMll in Srantrei».

29 Verletzte.

Am Mittwoch früh ist der von Basel kommende Eilzug BaselCalais in der Nähe des Bahnhofs Chalons-sur- Marne mit einem Mlitärzug zusammengestoßen. Die Ma­schine des Eilzuges fuhr auf die des Militärzuges auf und brächte einen Wagen des letzteren zur Entgleisung. In dem teilweise zerstörten Wagen wurden 20 Soldaten, darunter zwei schtver verwundet. Die Verletzten wurden in das Mili- tärlazarett geführt. Der Verkehr konnte nach zwei Stunden wieder aufgenommen werden. Eine sofort eingeleitete gericht­liche Untersuchung ergab, daß der Zugführer und der Heizer des Eilzuges die Haltesignale überfahren hatten. In dem amtlichen Bericht der Eisenbahnverwaltung wird mitgeterlt, daß neun Passagiere des Personenzuges leichte Quetschungen erlitten, aber die Reise fortsetzen konnten.