Miles Heimreise.
Im Salonwagen nach Rom. — Am Freitag auf deutschem Boden. — Malmgreens Schicksal. — Lebt Mariano noch?
Eine Aeußerung Mussolinis.
Die Heimkehr.
Die mit so großem Pomp ausgezogene und dann p kläglich verunglückte italienische Nordpolexpedition will nun 51p rückkehren. Nach Meldungen aus Narwik ist die „CittL di Mi- lano" dort eingetroffen, ebenso das schwedische Expeditionsfahrzeug „Quest" mit Kapitän Thornberg und anderen schwedischen Expeditionsteilnehmern an Bord. Die Weiterreise von Narwik wird sofort, und zwar in einem Salonwagen erster Klasse erfolgen. Der Salonwagen ist für 14 Personen bestellt worden, so daß man annehmen kann, daß außer Nobile, der Viglicri-Gruppe, Zappi und Mariano auch noch ein großer Teil der Offiziere von der „Erttä die Milano" nach Italien abreisen wird.
Kannibalismus auf dem Eise?
Wie der Sonderkorrespondent eines Moskauer Blattes, der an Bord des „Krassin" ist, berichtet, ergibt sich aus den Aussagen Marianos und Zappis, daß sie Malmgreen auf dem Eise zurückließen mit ungenügender Kleidung und ohne Lebensmittel. Der Korrespondent teilt weiter mit, daß bei der Auffindung beider Jtali^rer Mariano nur mit Socken und unzulänglich bekleidet war, dagegen hatte Zappi drei Paar Pelzstiefel und drei Anzüge an, darunter auch die Sachen Malmgreens.
Zappi sagte, daß er Marianos Tod abwarten und sich dann von dessen Leiche habe nähren wollen. Nach Ansicht des Arztes aus dem „Krassin" hat Zappi höchstens fünf Tage gehungert, nicht 13, wie er angibt. So läßt sich die Vermutung nicht von der Hand weisen, daß Malmgreen das Schicksal erlitten hat, das Zappi Mariano zu bereiten gedachte.
Entgegen anderslautenden Meldungen liegt noch keine Bestätigung der Nachricht über den Tod Marianos vor. Die italienische Gesandtschaft in Oslo hält die Meldung für unzutreffend und erklärt, daß sie ein Telegramm von der „Cittä di Milano" erhalten habe, in dem der Todesfall nicht erwähnt wird. Ein fiteres Gerücht will wissen, daß Zappi den Verstand verloren haben soll. Eine Meldung aus Neu-Olesund besagt, Zappis Bericht an Bord des Eisbrechers „Krassin" habe viele Widersprüche enthalten. Nach der Rettung sei fern Geisteszustand jedoch vollkommen normal gewesen.
Wie aus Spitzbergen gemeldet wird, hat der russische Flieger Tschuchnowski erneut erklärt, daß er bei der Entdeckung der Malmgreen-Gruppe zweiiellos drei Personen auf dem Eise gesehen habe.
Eine Rede Mussolinis.
Im italienischen Ministerrat nahm Mussolini u. a. auch zur Nobile-Expedition Stellung. Er wies darauf hin, daß der Ausgang des Polarfluges das Volk beunruhige und schmerzlich berühre. Man müsse jedoch den Abschluß des Dramas abwarten, bevor man ein endgültiges Urteil fällen könne. Mussolini protestierte sodann gegen die antiitalienische Stimmung, die gegen den Urheber des Unternehmens laut werde. Die Mämust, die vor ihrer Abreise wußten, daß es sich um ein sehr gefährliches Unternehmen handele, hätten Mut bewiesen und verdienten allgemeine Achtung.
Erst wenn alle Nachforschungen nach der fehlenden Gruppe der Schiffbrüchigen abgeschlossen seien, könne eine Untersuchung üb«r die Entwicklung des Unternehmens und tie Hilfsaktion emaeleitet werden. Diest Untersuchung werde natürlich in Italien und von Italienern durchgeführt werden. Jede andere Forderung sei unangebracht und verletzend und werde unbedingt zurückgewiesen werden.
Nobile fährt im plombierten Eisenbahnwagen heim.
M a l m ö , 25. Juli. Die überlebeden Mitglieder der Nobile-Expedition werden, wie jetzt zuverlässig bekannt wird,
Die für einander find
Roman von Fr. Lehne
27) (Nachdruck verboten)
' Dem selbstbewußten Mädchen mußte klargemacht werden, daß sie nicht die Gebende, sondern die Empfangende war und daß sie jeden Tag dankbar für das Glück sein müsse, in die ehrenwerte, angesehene Familie Lämmlein hineinzuheiraten!
Und der gewichtigen Frau Lämmlein gelang es, was bisher noch niemand gelungen war: sie hatte Vir- gilia Respekt eingeflößt,' die ehemalige Schauspielerin mit den „künstlerischen Ambitionen" war ängstlich bemüht, ihr alles recht zu machen.
Dank ihrer Anpassungsfähigkeit hatte Virgilia sich auch bald in den ihr so fremden, ungewohnten Betrieb eingearbeitet. Es machte ihr Freude, und sie lernte das ihr in den Schoß Gefallene nach seinem Wert schätzen. Da Franz fort war, mußte sie jetzt auch bei Frau Lämmlein wohnen, die sie nun ganz unter „ihrer Fuchtel" hatte. Auf diese Weise war ihr bald der letzte „Sinn für Poesie" ausgetrieben, wie die älteren Schwestern klagten, umsomehr, da durch Virgilia auch nicht eine Tafel Schokolade oder sonstige Leckereien für sie abfielen — zu ihrer bittersten Enttäuschung! Die Schultze s hatten sich nach ihrer Verlobung so ungefähr ein Schlemmerleben vorgestellt! Es wurde Virgilia sogar unangenehm, wenn sie so oft kamen und großspurig einkaufen wollten. Aus einem sicheren Gefühl heraus bediente sie die Angehörigen aber niemals selbst, sondern uverneß es der Scpwwgermutter.
Franz schrieb glückliche sehnsuchtsvolle Biese. Er war in Berlin in einem großen Geschäst. Auf Wunsch der Mutter sollte er nicht eher heimkommen, als bis aus Virgilia ein „ordentliches nnd brauchbares Wesen" geworden und kein Rückfall in die Schultzesche Art" zu befürchten war.
Und dann sollte gleich geheiratet werden; für einen langen Brautstand war Mutter Lämmlein nicht.
Das hatte sie selbst dem Leutnant Bieseneck gesagt, der es nicht verschmähte, bei seinen Einkäufen sich mit Frau Lämmlein zu unterhalten, da er als „Hausgenosse von Schultzes doch ein sehr lebhaftes Interesse für die Familie hatte!"
Am meisten machte Fritz Herr Doktor Schultze Spaß — wie der das Wort „mein Schwiegersohn, der Verlobte meiner teuren Virgilia" ausfpracy und dabet
die Rückreise über Malmö antrctcn. Die schwedische Eisen- bahnverwaltung hat besondere Eisenbahnwagen nach Narvik entsandt, in denen Nobile und seine Begleiter untergebracht werden sollen. Die Eisenbahnwagen sollen in Narvik plombiert werden und es ist von feiten der italienischen Regierung der strenge Befehl gegeben worden, daß vor der Ankunft in Rom keinerlei Auskünfte erteilt werden dürften. Der Zug wird vermutlich am Freitagmorgen, vielleicht jedoch aber erst am Freitagabend, in Malmö eintreffen.
Malmgreens Leiche aufgefunden?
Oslo, 25. Juli. Die Rachsucht nach der „Latham" hat Vorläufig zu keinem Ergebnis geführt. Aus Neuolesund kommt das Gerücht, daß Riiser Larsen die Leiche Malmgreens gefunden haben soll.
Die Mitteilung muß jedoch mit größter Vorsicht aufge- nommen werden, da amtlicherseits von der Auffindung der Leiche gar nichts bekannt ist.
Wieder Kriegszustand in Wna.
Zwischen dem Nord- und dem Südstaat.
Die Nankingregierung hat die japanische Protestnote wegen der Kündigung des Handelsvertrages erhalten. Es fand daraufhin eine Sitzung des Nanking-Kabinetts statt. Die Nanking-Regierung beschloß, die japanisch« Forderung ab- zulehnen.
Wie aus Mukden gemeldet wird, hat Tschang Thue liang seine Unterhändler aus Peking abberufen. Die Verhandlungen mit der Nanking-Regierung sind damit abgebrochen. Tschang Shuc liang hat für seine Truppen Alarmbereitschaft befohlen, da er einen Angriff der Südtruppen erwartet. Er hat ferner die alte fünffarbigc chinesische Flagge wieder hissen lassen. Damit befinden sich Nord- und Südchina wieder im Kriegszustand.
Japan und die Nanking-Regstrung.
Nach Meldungen aus Schanghai sollen die chinesischjapanischen Verhandlungen über die Beilegung der Zwischen- fälle in Tsingtau abgebrochen worden sein und Japan die Zurückziehung seiner Truppen aus der Mandschurei und Nordchina verschoben haben.
Wie weiter gemeldet wird, sind im Zusammenhang mit den gegenwärtig in der Gegend von Tschifu stattfindenden Kämpfen zwischen chinesischen Nord- und Südtruppen das britische Schiff „Magnokia" sowie mehrere japanische Zerstörer im Hafen von Tschiu eingetroffen.
Eine japanisch-chinesische Konferenz.
Wie von zuverlässiger Seite in Washington verlautet- hat Staatssekretär Kellogg erklär, daß die VereiniAte« Staaten bereit seien, über die Frage der Vertragsrevision mit den chinesischen Nationalisten zu verhandeln. Wie es heißt, sollen bereits Vorbereitungen für eine amerikanisch-chinesische Konferenz in Vorbereitung sein.
Bitte um Regen.
Fulda, 25. Juli. Das bischöfliche Generalvikariat der Diözese Fulda hat angeordnet, daß öffentliche Gebete zur Erlangung von Regen und gedeihlicher Witterung für die Ernte abzuhalten sind.
Reichskanzler Müller in Freiburg.
Freiburg i. Br., 25. Juli. Reichskanzler Hermann Müller ist in Freiburg eingetroffen und im Hot»l „Europäischer Hof" abgeftiegen. Der Reichskanzler wird seinen Urlaub im Schwarzwald verbringen.
Ein Motorraddieb als Mörder entlarvt.
Hamburg, 25. Juli. Ein in Altona festgenommener Motorraddieb wurde am Dienstag als Mörder des am 28. Juni in Puttbus niedergeschossenen Arztes Dr. Brandenburg entlarvt.
sen Mund voll nahm---er hätte sich „kugeln" mögen, wie er zu Frau Rat Schloffermann sagte. Und so geschickt ahmte er den würdigen Herrn nach in seiner ganzen Ausdrucksweise, daß die alte Dame lachend meinte:
„Sie sind ein zu arger Spötter, Fritz! man hätte wohl Grund, Ihnen manchmal böse zu sein, wenn man es nur könnte —"
„Warum nur immer so streng! das Leben ist so schön — ich will es noch recht genießen!
„Wer weiß, wie bald einem ein Strich durch die Rechnung gemacht wird —"
„— so wie der Virgilia von der Frau Lämmlein! aber das ist ein heilsamer Strich, lieber Fritz —"
„Ich werde nicht so dumm sein!"
ob es so dumm ist? Sehen Sie sich unter den Töchtern der Stadt um —"
„Wollen Sie mich denn durchaus auch verheiraten, beste Frau Rat?"
„Weil es nötig für Sie. ist! Und gerade hier in dieser kleinen Stadt finden Sie, was Sie brauchen —"
Er pfiff leise das Studentenlied: „O wonnevolle Jugendzeit, Mit Freuden ohne Ende, Mit Minnefahrten weit und breit, Wo sich die Schönste fände! Ich grüße Dich, Du junges Blut, Bin jedem hübschen Weibe gut, Und doch ist nichts aequalis der filia hospi- talis —"
Er legte den Kopf auf die Seite und blinzelte die Frau Rat schelmisch an. „Das ist vorläufig noch mein Glaubensbekenntnis! Nichts zu machen, teure Pflegemama! Geben Sie sich keine Mühe —"
„Fritz, können Sie denn nicht einen Augenblick vernünftig sein? Ich meine es doch so gut mit Jh«e«! Sie brauchen nur zuzugreifen — in Agathe von Raud- nitz finden Sie alles vereint — sie ist ein gediegenes, vernünftiges, vornehmes, reiches und auch hübsches Mädchen —"
„Vor so viel Vollkommenheit graut mir beinahe. Lieber ein bißchen unvernünftig sein! — Liebe Frau Rat, so oft ich bei Ihnen bin, immer kommen Sie auf das gleiche Thema zurück! — Wissen Sie denn überhaupt, ob diese kühle Blonde mich mag —"
„Die ganze Stadt spricht schon davon, Fritz —"
„Ach nee, bin ich wirklich eine solche interessante Persönlichkeit?" lachte er.
Ueber ihnen wurden Stühle gerückt. Er lauschte. „Nanu, Herr Doktor Schultze mit tz will wohl vortragen?"
Vier Todesurteile im großen Rosittener Sowjetspionageprozeß.
Riga, 25. Juli. Der große Spionageprozeß zugunsten Sowjctrüßland in Rositten (Lettland) ist beendet worden. Der lettische Kriegsgerichtshof hat vier lettische Staatsangehörige, die Führer der lettischen Grenzwache waren, zum Tode durch Erhängen verurteilt. Vier Angeklagte wurden zu lebenslänglichem Zuchthaus, neun weitere zu Zwangsarbeit von fünf bis fünfzehn Jahren verurteilt. Die Verteidiger der zum Tode ver- urtettten Angeklagten haben Schritte um Begnadigung beim Staatspräsidenten unternommen. Der russische Gesandte bat über den Verlaus dieses Prozesses einen Bericht nach Moskau gesandt.
Schießerei an der polnisch-litauischen Grenze.
Warschau, 25. Juli. An der polnisch-litauischen Grenze kam es zwischen zwei Grenzwachen zu einer Schießerei, bei der auf beiden Seiten zwei Mann getötet wurden. Die polnische Presse bringt lange Berichte über diesen Zwischen- fall, die sie mit Ueberschriften wie „Woldemaras ermordet polnische Soldaten auf polnischer Erde" bersieht.
Die deutsch-amerikanischen Turner in Köln.
Zu einer eindrucksvollen politischen Kundgebung wurde ein Empfang im Kölner Gürzenich, den die Stadtverwaltung den zum Deutschen Turnfest erschienenen Turnern aus Nord- und Südamerika gegeben hat. Auf eine Ansprache des Oberbürgermeisters Dr. Adenauer erwiderte Konsul S ch 0 r r. Er führte u. a. aus, ohne daß man sich -in die innere deutsche Politik einmischen wolle, begrüße man doch von ganzem Herzen die Bestrebungen, einen einigen deutschen Einheitsstaat zu schaffen, ohne alle inneren Grenzen, also ein kraftvolles Deutschland. Weiter hoffe man, daß alle deutschen Brüder und die widerrechtlich Abgetrennten mit Deutschland wiedervereinigt werden.
Herzliche Begrüßungsworte sprach auch em Enkel des Tmnvaters Iahn. Ein Vertreter des Bürgermeisters boü Chicago überbrachte die Einladung an die deutschen Turner zu der 1933 in Chicago stattfindenden Weltausstellug mit der ein großes Turnfest verbunden werden soll.
^ Führende Politiker in Karlsbad. In Karlsbad halten sich zurzeit zu Kurzwecken folgende führende Politiker auf: der tschechische Staatspräsident M a s a r y k, die Außenminister S t r e s e m a n u (Deutschland), Benesch (Tschecho- slowakei), Titulescu (Rumänien) und der österreichische Gesandte in Prag, Marek. Wenngleich die offiziöse Presse die Meldungen von wichtigen politischen Besprechungen, die in Karlsbad stattfinden sollen, stark dementiert, so besteht doch die Wahrscheinlichkeit, daß das Zusammentreffen so vieler führender Diplomaten eine, wenn vielleicht nur inoffizielle Aussprache, auslösen wird. Tatsache ist, daß eingeweihte Kreise diese Möglichkeit zugeben und sich von ihr für die Politik Mitteleuropas viel versprechen.
-« Dr. Ricklin begnadigt. Der Präsident der französischen Republik, Doumergue, hat nunmehr den elsässischen Abgeordneten Dr. Ricklin begnadigt. Dr. Ricklin hat bereits das Kolmarer Gefängnis verlassen. Er begab sich nach Dammer- kirch.
— Der deutsche Botschafter in Moskau, Broädorfs-Rantzau, fft in Berlin eingetroffen. Er wird mit den zuständigen Stellen Rücksprache nehmen, da er über ein Jahr von Berlin abwesend gewesen ist.
— Auf der durch einen Dammrutsch verschütteten Arlberg- bahnstrecke ist jetzt der Personenverkehr in vollem Umfange wieder ausgenommen worden.
— Die großen Waldbrände an der französisch-spanischen Grenze dauern noch an und haben auf spanischem Boden weitere Fortschritte gemacht. Auf französischem Gebiet ist es gelungen, dem Feuer an zahlreichen Stellen Einhalt zu tun.
— Bei dem Putsch, der in Lissabon niedergeschlagen wurde, wurden sieben Personen getötet und 30 verwundet. Unter den Verhafteten befinden sich auch drei frühere Kabinettsmitglieder.
— Das Dorf Bobrowniki im Kreise Juczacz in Galizien mit 839 Gehösten ist binnen einer Nacht vollständig niedergebrannt.
„Nein, ich glaube, das Julchen will den Fußboden bürsten. Sie ist so peinlich sauber und so fleißig —" „Das reine Dienstmädchen!"
Frau Rat glaubte eine Geringschätzung aus seinen Worten zu hören.
„Arbeit schändet nicht, Fritz! Ich achte das Julchen um so böher."
„Na, ja —" machte er gelangweilt. Dann verabschiedete er sich, um auf den „üblichen Stadtbummel und auf weitere Eroberungen" auszugehen! — „sonst kommt man ja vor Langeweile um in diesem Nest —"
„Fritz, Fritz —! Ich glaube, Sie machen in Ihrem Uebermut noch mal eine gehörige Dummheit, die Sie bitter bereuen werden —"
„SchulMeisterin!" Er lachte sie übermütig an, ehe er grüßend das Zimmer verließ. —
War es Absicht oder Zufall, daß ihm am Wilhelmsplatz Agathe von Raudnitz begegnete? Er wußte ganz sicher, daß es ersteres war, denn das feine Rot, das über ihr klares, weißes Gesicht lief, verriet ihm, daß sie diese Begegnung gesucht. Sie kannte den Weg, den er für gewöhnlich zu nehmen pflegte, wenn er nach der Stadt ging.
Er grüßte und blieb stehen. Ihm machte es Spatz, das stolze Mädchen aus der Ruhe gebracht zu haben, und seine Augen führten eine gar kecke Sprache, während er sich in verbindlichen Worten nach ihrem Befinden erkundigte und nach dem ihrer Angehörigen. Zu seinem Bedauern habe er den Herrn Oberstleutnant lange nicht gesehen--
„Sie machen sich ja so selten bei uns, Herr von Bieseneck! Müssen Sie jedesmal erst eine gedruckte oder geschriebene Einladnng erhalten haben, ehe Sie unser Haus zu finden wissen?" fragte sie mit leiser, etwas verlegener Schelmerei — „Papa patte Ihnen doch gesagt, daß Sie ihm jederzeit willkommen sind —"
Er neigte vertraulich den Kopf gegen ihr erglühendes Gesicht — „nur dem verehrten Herrn Oberstleut-, nant? — und Ihnen nicht, gnädiges Fräulein?"
„Liegt Ihnen daran, das zu wissen?"
„Wenn man nicht aufdringlich auf einige Familien- mitglieder wirken will, ja, gnädiges Fräulein!"
„Das müßte Ihnen Ihr Gefühl sagen —" versetzte sie errötend. .
Ihm machte das Wortgeplänkel Spaß.
(Zortsetzung folgt.)