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Kreis-Kmwbtatt * MyemeLner amtlicherHrrzeLyer für tat Kreis -Echtem tmtkimö verUttz: l). Sternfekd Söhne* Gtschöst«^'*atMhofstr.S * ftrnspv'.Nr.'t^y * postflhert^pmnkfirl^aM.rrr«> Nr. 78 (1. Blatt)Samstag, den 30. Juni 1928 80. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

I.-Nr. 5430. Unter Mitwirkung des preußischen £an= öesjagdverbandes erscheint im Verlag von 3. Neumann in Neudamm eine MonatsschriftDer Iagdvorsteher", die sich neben praktischer Behandlung der Nutzung von Gemeinde- und Privatjagden auch die fortlaufende Unterrichtung über die einschlägigen Vorschriften, Verordnungen usw. auf jagd- rechtlichem Gebiete zur Aufgabe gemacht hat. Ich weise die Iagdvorsteher auf diese Lchrift besonders hin und empfehle deren Bezug.

Lchlüchtern, den 25. 3uni 1928.

___________ Der Kom. Landrat. I. v.: Rang.

Kreisausschuß.

Erziehungsbeihilfen.

Aus den Lörichten der Hauptversorgungsämter auf Grund des letzten Abfa^es des Erlasses vom 20. Februar d. 3s. (R. v. Bl. 1928 S. 17 Nr. 26) entnehme ich, daß die Möglichkeit, Anträge auf Gewährung von Erziehungsbei- Hilfen zu stellen, noch nicht ausreichend bekannt geworden ist. Ich erkläre mich daher im Einvernehmen mit dem Herrn Keichsminister der Finanzen damit einverstanden, daß An= trägen, die bis zum 31. 3uli 1928 (bisher 1. Mai 1928) gestellt werden, mit Wirkung vom 1. Oktober 1927 ab ent­sprochen werden kann.

Ferner weise ich darauf hin, daß Absatz 2 des Erlasses vom 20. Februar 1928 wohlwollend auszulegen ist; auch solche Waisen, die nur die Volksschule besuchen, können eine Lrziehungsbeihilfe von 10. 9LM monatlich erhalten, wenn sie ausschließlich auf die Rente und Zusatzrente nach dem Keichsversorgungsgesetz angewiesen sind, und wenn die mit dem Schulbesuch im Zusammenhang stehenden Kosten, z. B. für Bekleidung, aus dem Einkommen der Waisen und ihrer unterhaltspflichtigen Angehörigen nicht ohne Gefährdung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse bestritten werden können

Ferner ist es als Härte empfunden worden, daß für Kinder, die eine Mittelschule usw. besuchen, eine Erziehungs- beihilfe von mehr als 10. K^ monatlich erst vom vollen­deten 15. Lebensjahre ab gewährt werden kann, obwohl die durch den Schulbesuch entstehenden Kosten auch schon vor diesem Zeitpunkt oft recht erheblich sind. Ich habe in derar- tigen Fällen bisher auf Grund des vorletzten Absatzes des Erlasses vom 20. Februar 1928 von Fall zu Fall geholfen. Der letzte Satz des Absatzes 3 dieses Erlasses wird nunmehr mit Wirkung vom 1. Oktober 1927 ab dahin ergänzt, daß der Vollendung des 15. Lebensjahres auch der Uebertritt von einer Volks- meine Mittelschule usw. gleichzuachten ist.

Der Reichsarbeitsminister. 3. V. gez.: Dr. Geib.

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I.-Nr. 7107 F. vorstehender Erlaß wird unter Hinweis auf meine Kreisblattbekanntmachung vom 14. April d. 3s. - Kreisblatt Nr. 45 Blatt 1 I.Nr. 4087 F. hiermit veröffentlicht.

Lchlüchtern, den 25. Juni 1928.

__Kreiswohlfahrtsamt.___ Stadt Schlüchtern.

Bekanntmachung.

Der Schäfer Ludwi g Grth von hier ist zum städti­schen Feldhüter ernannt und als solcher vom Herrn Regie= rungs-präsidenten in Kassel bestätigt worden.

Schüchtern, den 28. Juni 1928.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Behördliche Formulare I

jeglicher Art liefert aus Borrat und auf

Sonderbestellung

Buchdruckern H. Gteinfeld Söhne Schlüchterner Zeitung (Kreisamtsblatt).

Die polnischen Blätter betonen, daß der Rücktritt Marschall Pilsudskis und die Umbildung des polnischen Ka­binetts politisch so gut wie bedeutungslos ist und daß der Kabinettswechsel keinen Wechsel im Regierungssystem be­deute.

Das Berl. Tageblatt meldet aus Paris: Der Präsi- ^vt der französischen Republik hat auf Vorschlag des ^ustizministers Barthou den Baron Zorn v. Bulach begna­digt. Zorn v. Bulach hat Donnerstag nachmittag das Gefängnis von Straffburg bereits verlassen.

In der heutigen Sitzung der französischen Kammer wurde der Antrag Walter auf'Freilassung der verurteilten Usässischen Autonomiften Dr. Ricklin und Rosse abermals abgelehnt.

Der englische Flieger Tourtney ist auf seiner ersten Etappe des geplanten Transozeanfluges, den Azoren, Don­nerstag nachmittag 5 Uhr gelandet.

Die Lösung: einttebergangslabinett.

Neue Verhandlungen zwischen Sozialdemolraten und Zen­trum. Ein Ausweg: Uebergangskabinett bis zum Herbst. Abg. Müller-Franken wieder beim Reichspräsidenten. Ein Kompromiß.

Die Lösung der Krise.

Endlich geht es mit der Bildung einer neuen Reichsregierung vorwärts! Die Lage, die am Mitt­wochabend rettungslos verfahren schien, so daß man mit Be­stimmtheit annehmen mußte, daß der Abgeordnete Müller am Donnerstag dem Reichspräsidenten den Auftrag zur Kabi­nettsbildung zurückgeben werde, hat eine Wendung zum Besseren genommen.

Ueber die Unterredung, die der Abgeordnete Müller am Mittwochabend mit dem Reichspräsidenten hatte, war eine amtliche Verlautbarung herausgegeben worden, in der es heißt, daß der Reichspräsident an sich kein Bedürfnis zur Schaffung des Amtes eines Vizekanzlers anerkennen könne und daß er es auch ablehnen müsse, sich von einer Fraktion frü die Zusammensetzung des Reichskabinetts bindende Vor­schriften machen zu lassen.

Von dieser Auffassung hatte Abg. Müller der Zentrums­fraktion (die bekanntlich für ihr Mitglied Dr. Wirth den Vizekanzlerposten verlangt hatte) Kenntnis gegeben. Anfangs schien es, als beharrte das Zentrum unbedingt auf seiner Forderung und als sollte daran die Regierungsbildung end­gültig scheitern.

Am Donnerstagvormittag, nachdem Abg. Müller aber­mals beim Reichspräsidenten war, einigte man sich aber auf eine provisorische Lösung: es soll ein Uebergangs­kabinett geschaffen werden, das zunächst bis zum Herbst im Amte bleibt und dann erst zu einem endgültigen Kabi­nett umgebildet wird.

Wir erhalten dazu die nachstehenden Drahtberichte aus Berlin:

V Beim Reichspräsidenten.

Der A^eordnete Müller-Franken erschien, wie vor­gesehen, um ^10 Uhr vormittags beim Reichspräsidenten, um hiefem Bericht über seine Verhandlungen zu erstatten. Lr hat vom Reichspräsidenten die Ermächtigung erhalten, aus der Grundlage der neuen Besprechungen mit dem Zen­trum, die am Mittwochabend und Donnerstagmorgen statt-- fanden, die Verhandlungen zwecks Neubildung' des Kabinetts fortzusetzen. Müller-Franken hat sich zu diesem Zweck wieder in den Reichstag zurückbegeben.

Kompromiß: Uebergangskabinett bis Herbst.

Wie verlautet, ist zwischen dem Zentrum und den Sozial- demokraten eine Einigug auf der Basis eines provisorischen Kabinetts bis zum Herbst erzielt worden.

Der Kompromißvorschlag für die Neubildung der Re­gierung sieht vor, daß das Zentrum in dem Provisorischen Kabinett nur durch den Abgeordneten v. Gusrard vertreten ist, der das Verkehrsministermm und das Ministerium für die besetzten Gebiete übernehmen soll. Herr v. Guerard wäre in diesem Kabinett sozusagen nur der Verbindungsmann des Zentrums. Das Arbeitsministerium soll durch den Abgeord­neten Wisse! (Soz.) besetzt werden.

Die Haltung des Zentrums.

Das Zentrum hat sich nach längerer Aussprache dahin entschlossen, gegen die Regierungsbildung auf der Grundlage des Provisoriums keine Einwendung zu erheben.

Abgeordneter von Guerard hat sich zur Uebernahme des Verkehrsministeriums und des Ministeriums für die be­setzten Gebiete bereiterklärt. Im Zusammenhang mit der Lösung der preußischen Frage hofft man, im Herbst auch im Reich eine sichere Grundlage für die Große Koalition zu schaffen.

Die Ministerliste.

In einer Besprechung mit dem Abgeordneten Koch-Weser (Dem.) bm Hermann Müller diesem das Justizministerium an. Koch hat zugesagt. Die weiteren Verhandlungen des Abgeordneten Müller-Franken führten zu dem Ergebnis, daß der Abgeordnete Wissclt (Sozialdemokrat) sich bereit erklärte, das Reichsarbeitsmin istcrium zu übernehmen.

Die Ministerliste weist nunmehr folgende Namen auf: Reichskanzler: Hermann Müller-Franken (Soz.), Besetzte Gebiete und Verkehr: v. Guerard (Zentr.), Aeußeres: Dr.

Stresemann (Deutsch. Volkspt.), Inneres: Severing (Soz.), Arbeit: Wissell lSoz.), Wirtschaft: Dr. Curtius (Deutsch. Volkspt.), Finanzen: Dr. Hilferding (Soz.), Justiz: Koch- Weser (Demokr.), Reichswehr: Gröner, Ernährung: Dietrich- Baden (Tenrokr.), Post: Schätze! (Bayer. Volkspt.).

Reichstag 3. Juli.

Der Aeltcstenrat des Reichstags beschloß, die nächste Reichstagssitzung für Dienstag, den 3. Juli, 3 Uhr nach­mittags einzuberufen, mit der Tagesordnung:Entgegen­nahme einer Erklärung der Reichsregierung". Nach der vom Reichskanzler vorgeträgenen Regierungserklärung wird die Sitzung auf Mittwoch vertagt werden.

Der Reichstag wird versuchen, die Amnestieanträge noch

vor den großen Ferien zu erledigen. Zu diesem Zweck soll der Rechtsausschuß baldigst die Bearbeitung der vorliegenden Anträge übernehmen. Nach der Aussprache über die Reg'e« rungserklärung, die etwa drei Tage in Anspruch nehmen dürfte, wird das Plenum eine kurze Pause eintreten lassen, um dann die Amnestievorlage zu beraten.

Die Berliner Presse zu dem neuen Reichskabinett.

Zu der Bildung der neuen Reichsregierung schreibt die Kreuzzeitung: Es hat lange genug gedauert, bis die ver­trustete Parteiwirtschaft auseinanderbrach. Wir sind in den Reinigungsprozeß unseres politischen Lebens eingetreten und werden ihn überstehen. Auf diesen Klärungsvorgang haben wir gewartet. Tr wirkt auf die Staatsgrundlagen zurück. Die Sozialdemokraten haben ihre negative Aufgabe nun­mehr zu erfüllen. Wir warten auf das Resultat.

In der Deutschen Tagesztg. heißt es: Die programmatische Erklärung der Regierung wird Gelegenheit geben, die Be­deutung dieses hoffentlich nur kurzen Provisoriums zu wür­digen.

Die D. A. Z. sagt: Das Uebergewicht der Sozialdemo- Kratie, ihre Führung, ihre Verantwortung ist in erfreulicher Weise klargestellt. Nun soll die Sozialdemokratie zeigen, was sie kann. Mir wollen abwarten, ob derZwangsver­gleich" zur Sanierung oder zum Konkurse führt.

Die Tägl. Rundschau spricht von einer Notlösung, deren Unzulänglichkeit nicht zu bestreiten sei. Zunächst sei die Lösung insofern unzulänglich, als die sichere Koalitions- grundlage fehle. Man müsse sich nunmehr darauf verlassen, daß im Herbst nachgeholt werde, was diesmal versäumt worden sei. Die endgültige Lösung könne nur dann gesun­den werden, wenn in Preußen die berechtigte Forderung der Deutschen Volkspartei erfüllt werde. Unzulänglich sei die Lösung aber auch nach der Personenseite hin, und es sei anzunehmen, daß auch hier im Herbst eine Nevision erfol= gen ^werde. \

Die Germania veröffentlicht eine Zuschrift aus Zentrums- fraktionskreisen, in der gesagt wird: Die Fraktion ist als solche an das Kabinett nicht gebunden, für ihre Haltung zur Regierung im Konkreten wird die Regierungserklärung von entscheidender Bedeutung sein. Diese Lösung ist eine vor­läufige. Der Tharakter des Uebergangskabinetts ist auf die stärkste Weise zum Ausdruck gebracht. Zum ersten Male von schwerer Verantwortung entbunden, ist ihr (der Zen­trumspartei) die Freiheit gegeben, kritisch zu prüfen, was andere tun.

Das Bert Tagebl. fragt, ob die Regierung provisorisch sei und gibt darauf die Antwort: Sie ist es gewiß, wenn man damit meint, daß einige Portefeuilles noch nicht den endgültigen Inhaber gefunden haben. Sie ist es nicht, wenn man an die Gesamtrichtung denkt, in der sie marschiert, an die ungeschriebenen Richtlinien, die der Großen Koalition außenpolitisch, wie innenpolitisch in der wichtigen Epoche, in die wir jetzt treten, gezogen sind.

Der vorwärts, der betont, daß die Regierung unter sozialdemokratischer Führung steht, erklärt: 3m großen ganzen hängt die Lebensfähigkeit des Kabinetts davon ab. daß die Zusammenarbeit der Führer in einer Zusammenar­beit der Parteien ihre Ergänzung findet. Für einzelne Vor­lagen aber kann die Regierung trotzdem die Mehrheit neh­men, wo sie sie findet, und das kann unter Umständen auch 7in Vorteil sein.

Erste Sitzung des neuen Reichskabinetts.

Berlin, 29. 6. Wie verlautet, wird das neue Reichst Kabinett, nachdem die Ernennungsformalitäten vollzogen sind, am heutigen vormittag 11 Uhr zu seiner ersten kon­stituierenden Sitzung in der Reichskanzlei zusammentreten.

Ein deutsches Sporlfluozeug beteiligt sich am Rettungswerk für Mobile.

Kopenhagen 28. 6. (W. B.) Auf Initiative des schwedischen Generalvertreters der Klemm-Daimler-Flug- zeugfabrik, der sich in den letzten Tagen hier aufgehalten hat, hat die deutsche Fabrik nunmehr der schwedischen Re= gierung zur Rettung des schwedischen Flieger? Lundborg und der Mitglieder der Nobile-Expedition eine neue Klemm- Daimler-Sportmaschine Type L 26 mit einem 50 PS luft­gekühlten Salmson-Motor und vollständiger Ausrüstung mit Skis und Pontons zur Verfügung gestellt. Der Aktions­radius der Maschine beträgt 1000 Km., die Nutzlast 350 Kg. Das Flugzeug kann auf einer Fläche von 50 Meter landen, weshalb es als besonders geeignet für den genannten Zweck angesehen wird. Der Ingenieur Lusser wird Freitag früh mit der Maschine von Stuttgart abfliegen, um sich über Kopenhagen nach Stockholm zu begeben. Die An­kunft dort wird im Laufe des Sonnabends erwartet.