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Kreis-Kmtsblatt * Myemeiner amUicherKnzeLgerfür den Kreis -Echtem

M 72 (1. Blatt)

Samstag, den 16. Juni 1928

80. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

I.-Nr. 5027. Die Ferien an den Volksschulen in den Landgemeinden des Kreises Schlächtern werden für das Jahr 1928 wie folgt festgesetzt:

1. Sommerferien: Schluß des Unterrichts am Sonnabend, dem 23. Juni. Wiederbeginn des Unterrichts am Diens­tag, dem 19. Juli;

2. Herbstferien: Schluß des Unterrichts am Freitag, dem 28. September. Wiederbeginn des Unterrichts am Frei­tag, dem 19. Oktober.

Um letzten Schultage vor den Ferien hat der Schluß des Unterrichts nach Beendigung der 3. Schulstunde stattzu- finden.

Verschiebungen der Ferienzeit um höchstens eine Woche können von den, Schulvorständen vorgenommen werden und sind dem herrns Schulrat und mir anzuzeigen.

Schlächtern, den 14. Juni 1928.

Der kom. Sandrat: Dr. Müller.

Kreisausschuß.

I.-Nr. 2277 K. U. Diejenigen Herren Bürgermeister der Landgemeinden, welche mit der Erledigung meiner Ver­fügung vom 24. v. Mts. J.=Hr. 2277 K. U. betr. Einreichung des Voranschlages für das Rechnungsjahr 19218/29 noch im Rückstände sind, werden Hieran mit einer 8 tägigen Frist erinnert.

Schlächtern, den 14. Juni 1928.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

J.=Hr. 2572 K. U. Um Sonnabend, den 23. Juni d. Js. vormittags von 1 0 Uhr ab findet in Schlüchtern an der Dreschhalle eine Körung für Ultziegenböcke statt.

Zu dieser siizd sämtliche bereits gekörten.(alten) 5je= genböcke, deren erneute Unkörung erwünscht wird, üui3uV führen. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, dafür zu sorgen, daß die alten (gekörten) Böcke der Gemeinden vollzählig zur Vorführung gelangen.

Die Körung für Iungziegenböcke findet wie all­jährlich auch in diesem Jahre erst Ende des Monats Uu- gust oder Unfang September statt. Die frühere Ubhäl- tung der Körung für U l t-Böcke soll den Zweck haben, eine unnötige Haltung der Böcke bis zum Herbst im Falle der Ubkörung zu vermeiden. Bei der später stattfindenden Iung-Ziegenbockkörung können Ult-Böcke nicht zur Vor­führung gelangen. Es ist deshalb unbedingt notwendig, daß bei der Körung am 23. Juni d. Js-, auch sämtliche Ult-Böcke, deren erneute Unkörung gewünscht wird, vorge­führt werden.

' Die Herren Bürgermeister ersuche ich, auf die vor­stehende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise in ihren Gemeinden aufmerksam zu machen.

Schlüchtern, den 13. Juni 1928.

Der kom. Landrat: Dr. Müller.

Stadt Schlüchtern.

Betrifft: Wahlen für den Elternbeirat der städtischen

Volksschule.

Für die Elternbeiratswahl der städtischen Volksschule am A. Juni d. Js. ist nach erfolgter Aufforderung nur ein Wahlvorschlag eingegangen und zwar:

1. Größer, Martin, Schreiner,

2. Faust, Friedrich, Umtsgerichtsrat,

3. Böhm, Margarethe, Hausfrau,

4. Post, Georg, Schneidermeister,

5. Deuker, Philipp, Fabrikarbeiter,

6. Gerbig, Wilhelm, Prokurist,

7. heß, Jean, Fabrikarbeiter,

8. Weber, Eduard, Schuhmachermeister,

9. Traband, Jean, Buchdrucker,

10. Drth, Jean, kausm. Ungestillter.

Da nur ein Wahlvorschlag eingegangen ist, gilt er als gewählt. Die ersten 6 Genannten bilden hiermit den Elternbeirat.

Eine Wahl braucht deshalb am 17. Juni nicht statt- zufinden.

Schlüchtern, den 14. Juni 1928.

Größer, Vorsitzender des Wahlvorstandes der städtischen Volksschule.

Betrifft: Wahlen für den Elternbeirat der Lateinschule.

Folgender Wahlvorschlag für die Wahlen zum Eltern- beirat der Lateinschule in Schlüchtern ist eingegangen:

1. Hertlin, Karl, Steuerinspektor, Kronprinzenstr. 10

2. Martin, Paul, Buchhändler, Brückenauerstr. la

3. Sebastian, Mathilde, Witwe, Schloßgasse 15

4. Ult, Johannes, Stadtoberinspektor, Lotichiusstr. 30

5. Berlinger, Ubraham, Lehrer, Grabenstraße 10

6. Schäfer, Ludwig, Konrektor, Hanauerstraße

7. Müller, Kaspar, Maurermeister, vollmerz

8. Urbach, Konrad, Bäckermeister, Kirchstraße 3

9. Dehler, Karl, Kaufmann, Dreispitzenhohle

10. Fechter, Emil, Schornsteinsegermeister.

Da nur dieser eine Wahlvorschlag eingegangen ist, und gegen denl Wahlvorschlag nach erfolgter Prüfung keine Einwendungen erhoben werden konnten, gelten die auf dem Wahlvorschlag aufgeführten Personen als gewählt. Eine wähl braucht deshalb am 17. Juni nicht stattzu- finden.

Schlüchtern, den 14. Juni 1928.

Der Wahlvorstand:

Ult. Hertlin. Mathilde Sebastian. Martin.

Ausschreibung.

Die Unstreicher- und Weißbinderarbeiten zur Erneu­erung des äußeren Unstrichs an 5 städtischen Wohnhäusern sollen vergeben werden.

Schriftliche Ungebote sind in verschlossenen Briefum­schlägen mit der AufschriftSubmission" bis spätestens Sonnabend, den 23. Juni 1928, vormittags 10 Uhr dem Stadtbauamt einzureichen.

Die Geffnung der Ungebote geschieht daselbst in Ge­genwart etwa erschienener Bewerber.

Angebotsformulare können vorher während der Vor­mittagsstunden auf der Kanzlei im Rathaus in Empfang genommen werden.

Zuschlagsabteilung bleibt vorbehalten.

Schlüchtern, den 15. Juni 1928.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Uuf die Bekanntmachung des Finanzamts Schlüchtern über Abgabe einer DermögenSerNarung für 1928 auf der 2. Seite der heutigen Nummer sei hiermit hin­gewiesen.

Mitzglückter Geschwaderflug.

Paris, 15. Juni. Von 21 Bombenflugzeuge«, die gestern abend 9 Uhr in Nancy zu einem Geschwaderflug nach Le Bourget aufgesticgen waren, haben heute morgen nur vier ihr Ziel erreicht. Ein Flugzeug wurde bei einer Notlandung bei Meaux fast völlig zerstört, während die Insassen mit leichten Verletzungen davonkamen. Ein Doppeldecker stürzte in der Nähe von Luzarches auf freiem Felde ab. Der Beob­achter wurde getötet; der Pilot konnte sich durch Fallschirm- absprung retten. Fünf weitere Flugzeuge wurden bei Not­landungen, die sie unterwegs vornehmen mußten, schwer be­schädigt. Ueber die zehn anderen Apparate fehlt jegliche Nach­richt. Das Mißglücken des Geschwaderfluges wird auf die ungünstigen atmosphärischen Verhältnisse im Osten von Paris und auf die infolge einer Störung der Stromver­sorgung ungenügende Beleuchtung des Flugplatzes Le Bourget zurückgeführt.

Vergebliche Startversuche des FlugzeugesFriendship".

St. Johns (Neufundland), 15. Juni. Nach fünfzehn- maligem vergeblichen Versuch, mit dem FlugzeugFriend- ship" zum Ozeanflug aufzusteigen, beabsichtigen Frl. Earhart und der Flieger Stultz nunmehr, ihren Benzinvorrat zu ver­mindern und auf dem Wege über die Azoren nach Europa zu fliegen, anstatt den direkten Kurs nach Southampton einzu- schlagen.

Die Finanzierung der diesjä^ige« Ernte.

Berlin, 15. Juni. Ueber die im Reichsernährungsmini- sterium unter Beteiligung der zentralen ÄrebitinftHute abge­haltene Beratung über die Finanzierung der Diesjährigen Ernte wird mitgeteilt, daß Uebereinstimmung darüber erzielt wurde, daß für die Finanzierung der Ernte in ähnlicher Weise wie im Vorjahre gesorgt werden wird.

Flugzeugunglütl in Franlsmi a. X

Sieben Verletzte.

Das zwischen FrankfurtStuttgartZürich verkehrende schweizerische Junkersflugzeug C. H. 93 startete um 10 Uhr im Frankfurter Flughafen. Der Start ging gut vonstatten. In der Kabine saßen Generalmusikdirektor Richter aus Hagen i. W. und Dr. Rabe und Frau. Der Führer des der Schweiz ge­hörenden Flugzeuges heißt Chardon. Das Flugzeug nahm seinen Weg nach Stuttgart zu und befand sich in einer Höhe von 100 bis 150 Metern.

Bei Niederrad geriet es in böigen Wind und nahm seinen Weg etwas tiefer. Dann stürzte es nach unten und schellte auf einer Wiese am Goldsteiner Weg auf. Dort arbeiteten Schüler einer Berufsschule. Sie versuchten sich zu retten. Zwei von ihnen, Friedrich Schmoll und Adolf Hägele, und ein Gärtner­lehrling wurden verletzt. Einer erlitt eine Kopfwunde, ein anderer eine Gehirnerschütterung, der Pilot Chardon schwere innere Verletzungen, ebenso Generalmusikdirektor Richter. Dr. Rabe wurde durch einen kouchlizierten Unterschenkelbruch, seine Gattin durch Rippenbrüche verletzt. Außerdem erlitten Dr. Rabe eine Gehirnerschütterung und seine Gattin innere ver- KHnnA:«. ...

Schwierigkeiten bei der Regienmgsbildung.

Hermann Müllers Verhandln«^». Die Deutsche Volks- Partei verlangt auch Große Koalition für Preußen. «ta^U Helm und Voltspartei. Eine amerikanische Stimme übe» Regierungsbildung und Reparationsfrage.

Noch teilte Fortschritte.

Bei den Verhandlungen des Abg. Hermann Müller mit den Vertretern der Deutschen Volkspartei erklärten diese, daß die Erweiterung der preußischen Regierung zur Großen Koo-- litio« eine unerläßliche Vorbedingung für die Teilnahme der Deutsch. Volksp. an dem künftigen Reichskabinett Müller sei Der Abg. Müller hat demgegenüber darauf hingewiesen, daß die preußische Frage in erster Linie eine Angelegenheit ein'" Landes sei, so daß die Einwirkungsmöglichkeiten für ihn nn, gering wären.

Gegenüber der Erschwerung, die diese vollsparteilich» Forderung für die Regierungsbildung im Reich bedeutet, wird iu parlamentarischen Kreisen aber auch betont, daß die Verhandlungen sich erst im Anfangsstadium befinden, und daß man deshalb Schwierigkeiten, wie sie bei jeder Regie­rungsbildung aufzutrete« Pflegen, noch -richt tragisch zu neh­men brauche. Jedenfalls gingen die Verhandlungen weiter und das fei das Wesentliche.

Die Auffassung des preußischen Minifterprasidenteu.

Der sozialdemokratische Abgeordnete Müller-Franken hatte dem preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun die Forderung der Deutschen Volkspartei wegen der Umgrup­pierung der preußischen Regierung vorgetragen.

Ministerpräsident Dr. Braun hat darauf geantwortet, er halte es aus staatspolitischen Gründen für unmöglich, daß die preußische Staatsregierung die Umgruppierung ihrer Zusammensetzung abhängig mache von einer Willensäußerung der Reichstagsparteien. Er würde darin eine Degradierung .';rK prußischen Staates und 5ine Verlegung feiner Selb- standipreit sehen.

In einer Besprechung des Abgeordneten Müller-Franken mit den Fraktionsführern gab Müller diese Stellungnahme des preußischen Ministerpräsidenten bekannt. In der Aus­sprache darüber hielten die Unterhändler der Deutschen Volks­partei nach wie vor bestimmte Zusagen über die Umbildung der preußischen Regierung für notwendig. Von demokratischer Seite wurde betont, man könne selbstverständlich mit der Biüung der Reichsregierung nicht so lange warten, bis die preußische Regierung neu gebildet sei, aber andererseits sei schon im Interesse der Fortentwicklung der Reichseinheit eine größere Homogenität der Regierung des größten deut­schen Landes mit der des Reiches wünschenswert. Die Sozial- demokraten erklärten, sie hätten auch den ernsten Willen, in Preußen die Große Koalition herbeizuführen.

In der weiteren Aussprache wurde es als der zweck­mäßigste Weg zur Ueberwindung der jetzt vorliegenden Schwierigkeiten bezeichnet, wenn die Parteien sich mit ihren preußischen Fraktionen in Verbindung setzen, um von den preußischen Regierungsparteien Erklärungen zu erhalten, die keine« Zweifel au dem ernsten Willen zur Erweiterung der prenßischen Regierung aufkommen lassen.

Die Vollspartei will mit dem Stahlhelm verhandeln.

Eine Kundgebung der Buudesleitung des Stahlhelms, die sich gegen eine Zusammenarbeit mit den Sozialdemo- kraten, also gegen die Bildung einer Großen Koalition, wen­det, bildete den Gegenstand einer Besprechung zwischen den Reichstagsmitgliedern der Deutschen Volkspartei, die dem Äahlhelm angehören.

Diese Mitglieder wollen mit der Buudesleitung des Stahlhelms Wege« dieser Angelegenheit in Verbindung treten. Die beabsichtigten Verhandlungen verfolgen das Ziel, die Bundesleitung davon zn überzeugen, daß ein Parlamentarisch- wktisches Zusammengehen mit der Sozialdemokratie nicht als eine Verleugnung nationaler Grundsätze gedeutet werden bärfe.

Regierungsbildung und Reparationsfrage.

DieNew Dock Times" schreibt anläßlich der Neubildung des deutschen Kabinetts, daß angesichts der Rückkehr Deutsch­lands zu normalen Verhältnissen sich unvermeidlich alte Par­tei-Bündnisse lockerten, nachdem sie nicht durch die Spannung, wie sie vor dem Locarno-Tage bestanden haben, zufammen- gehalten würden. Immerhin ständen noch Probleme von größter internationaler Bedeutung bevor. Die frühere Koa­lition setzte den Dawes-Plau durch, während jetzt die Frage der Ersetzung des Dawes-Planes durch eine feste Reparations­summe bebeutfam auftauche.

Auch die Lösung dieser Aufgabe müsse durch eine Partei­koalition erfolgen, die eine entscheidende Mehrheit des deut­schen Volkes darstelle. Jedenfalls dürften angesichts der Mög­lichkeit einer endgültigen Lösung der Reparationsfrage, ver­bunden mit der Beendung der fremden Finanzaufsicht und der Räumung des Rheinlandes, die Parteien bereit sein, sich klei­neren Problemen gegenüber zu gedulden, um sich der Haupt­frage der nationalen Befreiung widmen zu können.

Für ein neues Wahlrecht.

Ein deutsch-demokratischer Antrag im Reichstag verlangt