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Kreis-Kmtsblaü * MyemLÜree mntlicherMzeiger für öen, Kreis -Echtem

Ar. 69 (1. Blatt)

Samstag, den 9. Juni 1928

80. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

PolizeiverOrdnung.

stuf Grund des § 30 des Feld- und Forstpolizeigesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. Ianuar 1926 (®S. S. 83) in Verbindung mit dem §136 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Iuli 1883 (®SL S. 195) wird für den Umfang des Preuß, Staatsge­bietes folgendes angeordnet:

Der Beginn der Zapfenernte wird

a) für Kiefern auf den 1. Dezember j. 3.,

b) für Fichten auf den 15. Oktober j. 3. hiermit festgesetzt.

Die Uebertretung.'dieser Unordnung wird mit Geldstrafe bis zu 150 -NK oder mit hast bestraft."

Diese Verordnung tritt am 1. 3uni 1928 in Kraft. (III. 6414 M. s. L./Uiv. 16089 M. f. w.)

Berlin am 7. 5. 1928.

Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten,. Der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung.

J.-Rr. 4864. Die Herren Bürgermeister werden an die sofortige Erledigung meiner Verfügung vom 24. v. MtS. Nr. 4593 Schlüchterner Zeitung Nr. 64, betr. Rück­sendung der Wahlzettelumschläge, erinnert.

Schlächtern, den 6. Juni 1928.

Der kom. Landrat. 3. D.: Schultheis.

3.=Kr.4866. Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, welche mit der Einsendung der Unbau- flächenerhebungsbogen noch im&ftanbe sind, werden an deren sofortige Einsendung erinnert. S. Verfügung vom 22. v. Mts. Nr. 4433 Schlüchterner Zeitung Nr. 62.)

Schlächtern, den 7. 3uni 1928.

Der Kom. Landrat. 3. v.: Schultheis.

I.-Nr. 4882. 3n hohenzell ist die Pferderäude wieder erloschen.

Schlächtern, den 6. 3uni 1928.

Der kom. Landrat. 3. V.: Schultheis.

Kreisausschuß.

Kreishunbesteuer^Hauploeranlagung.

I.-Nr. 2404 K. U. Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises mache sch auf die gemäß §2 ber Nreishundesteuerordnung vom 4. November 1920 in ^r jetzt gültigen Fassung (abgedruckt im Kreisblatt Nr. 41 vom 8. April 1926) in diesem Monat zu erfolgende Haupt­veranlagung zur Nreishundesteuer aufmerksam.

Schlächtern, den 4. 3uni 1928.

Der Vorsitzende des Nreisausschusses: Dr. Müller.

Neues vom Tage.

Die Deutsche Volkspartei hat, der Deutschen Allgem. ^g. zufolge, bei den preußischen Staatsregierung gegen die »verfassungswidrige frühe Einberufung des Landtags" tele­graphisch und brieflich Protest erhoben. Sie betrachtet die Ginberufung als' Verletzung der Verfassung ,weil die Erklä- rungsfrist über die Annahme desr wähl durch die Abgeord­neten noch nicht ab gelaufen ist.

- Norinth und Umgebung ist von einem neuen heftigen Erdstoß heimgesucht worden. Der Bevölkerung bemächtigte sich eine Panik. 1

Die chinesischen Nordtruppen haben nunmehr auch Esingtau vollständig geräumt.

Nach einer Meldung der 3nbo pacifique aus Tokio °II Marschall Tschangtsolin am Montag abend gestorben sein. Eine Bestätigung der Nachricht fehlt noch.

, Das TaseZum Nussischen Adler" in Hollywood Florida) ist Donnerstag nachmittag durch eine schwere Explosion zerstört worden. Zehn Personen wurden verletzt. Zurzeit des Unglücks waren zahlreiche Berühmtheiten der silmwelt, darunter auch Thaplin, anwesend, konnten sich ^ver rechtzeitig retten.

3n dem Stationsdienstraum Nolandseck erschien Mitt­woch abend ein maskierter Dieb, hielt den abwesenden Fahrdienstleiter mit einem Revolver in Schach und raubte Haffe mit 64? Mark Inhalt. Die Verfolgung blieb bisher ohne Ergebnis.

Teile der britischen atlantischen Flotte werden eine ^euzfahrt in die Ostsee unternehmen und verschiedene Vasen, darunter auch Dabzig, anlausen. Am 2. 7. fährt das Eeschwader durch den Kieler Kanal.

. Zu der Ermordung der beiden Mannheimer Lehre- bnnen im Feldberggebiet wird nun von polizeilicher Seite bestätigt, daß es sich nicht nur um einen Lustmord, sondern auch um einen NaubMord handelt, da den beiden entblößten "'chen sämtliche Gelder und Schmucksachen fehlten.

Um die Regierungsbildung.

Empfänge beim Reichspräsidenten. Keine Festlegung der Sozialdemokratie auf die Große Koalition. Deutsche Volks­partei für Beauftragung der Sozialdemokratie mit Regie­rungsbildung. Minister Stresemann will am 15. Juni aus Erholungsurlaub.

Der Reichstagspräsident nochmals beim Reichs­präsidenten.

Wie aus Berlin gemeldet wird, ist Reichstagspräsident Lobe, der an der Kölner Tagung des sozialdemokratischen Parteiausschusses teilgenommen hat, am Freitag vom Reichs­präsidenten neuerlich empfangen worden. Der Empfang des sozialdemokratischen Abgeordneten Müller-Franken durch den Reichspräsidenten ist auf Samstag angesetzt.

Ein Beschluß des sozialdemokratischen Partei- ausschusses.

Der sozialdemokratische Parteiausschuß, der bekanntlich in Köln versammelt war, nahm nach mehrstündiger Beratung folgende Entschließung an:

In dem Ergebnis der Reichstagswahlen hat das deutsche Volk den Willen bekundet, daß die Sozialdemokratie die Führung bei der Regierungsbildung übernimmt. Der Partei­ausschutz erklärt sich damit einverstanden, datz die Fraktion die notwendigen Verhandlungen hierfür einleitet."

Ueber die Kölner Beschlüsse teilt der Sozialdemokratische Pressedienst, u. a. noch mit: Der Parteiausschuß verzichte darauf, seinen erwählten Führern irgendwelche Bindungen mit auf den Weg zu geben. Er verzichte ebenso einmütig auf die Einberufung eines außerordentlichen Parteitages, und wenn Hermann Müller am Samstag vormittag dem Rufe des Reichspräsidenten zur Erörterung der politischen Lage folgt, so geschieht dies ohne gebundene Marschroute.

Der Verzicht auf eine gebundene Marschroute bedeutet für die Sozialdemokratie natürlich noch nicht, datz sie ohne Voraussetzungen zu einer Koalit-onsgemeinschaft mit anderen Parteien bereit ist. Es werden Erörterungen notwendig sein über die Frage der Arbeitszeit, der Reichswehr, der Wahl- reform, der Amnestie und viele andere Dinge. Ihr Ergebnis wird zeigen, ob letzten Endes ein gemeinsames Regierungs­programm möglich ist und ob die Aussicht besteht, auf lange Sicht zu regieren.

An einer Regierung, die von vornherein auch nur zum geringsten Teil einen baldigen Verfall in sich tragen würde, hat die Sozialdemokratie kein Interesse. Wie sich die Verhand­lungen der Parteiführer im einzelnen gestalten und entwickeln werden, ist noch völlig unbestimmt.

Weder über die parlamentarische Basis der neuen Re­gierung, noch über deren personelle Zusammensetzung steht im Augenblick etwas fest. Immerhin ist für die Sozialdemokratie die Große Koalition keineswegs die einzig gegebene Möglich­keit. Auch der Parteiausschutz hat keinen Augenblick daran gedacht, sich für die Grotze Koalition festzulegen.

Die Deutsche Volkspartei zur Lage.

Der Parteivorstand der Deutschen Volkspartei war in Berlin versammelt. Auf Grund der Berichte der beiden bis­herigen Fraktionsvorsitzenden im Reichstag und im Preußi­schen Landtag erfolgte eine eingehende Aussprache über die politische Lage.

Es herrschte Einmütigkeit darüber, daß der Wahlausfall der Sozialdemokratie die Verpflichtung auferlegt, die Ver­antwortung für die Regierungsbildung zu übernehmen. Die Fraktionen des Reichstages und des Landtages werden am nächsten Mittwoch in einer gemeinsamen Sitzung zu der weiteren Entwicklung der Dinge Stellung nehmen.

DieTägl. Rundschau" bezeichnet es als bemerkenswert, daß die Fraktionen der Deutschen Volkspartei im Reichstag und im Landtag die Parlamenstagung mit einer gemeinsamen Sitzung eröffnen. Man werde daraus folgern können, daß die Deutsche Volkspartei im Hinblick auf die bevorstehenden Re- gierungsvcrhandlungen eine Fühlungnahme zwischen der Reichstags- und Landtagsfraktion für notwendig halte, ent­sprechend der Auffassung, daß die Regierungsbildung im Reich eine gleichartige Koalition in Preußen im Gefolge haben müßte.

Erholungsurlaub Dr. Stresemanns.

Außenminister Dr. Stresemann beabsichtigt, bereits am 15. Juni einen Erholungsurlaub anzutreten, unter der Vor­aussetzung, daß bis dahin sich der Verlauf der Regierungs- verhandlnngen einigermaßen übersehen läßt.

Uebrigens hat das Befinden des Reichsaußenministers sich soweit gebessert, daß er bereits gelegentlich etwa eine Stunde im Garten seines Hauses hat zubringen können. Er gedenkt, seinen Erholungsurlaub zunächst in einem Sanato­rium innerhalb der deutschen Grenzen zuzubringen.

Ein Notruf der Italla?

Ein Funkbeamter in Northwales (pensylvanien) namens Bpier teilte nach einer Meldung derEentral News", mit, daß er folgendes Telegramm apfgefangen habe:Kommt zur Unterstützung, Position 84 Grad 15. Min. 10 Sek. Nord, 15 Grad 20 Min. 40 Sek. Ost. Sehr kalt und in großer Sorge. Nobile."

Rückblick

Kr. Kr. Wir leben in einem kollektivistischen Zeitalter. So dürfte wohl eines der heutigen Schlag­wörter lauten, die von Zeit zu Zeit einzelnen Menschen den Haltepunkt geben in dem ewigen Wogendrang des Le­bens. Ewig stürmen neue Gedanken, Ideen, Wünsche und Triebe auf, reißen ihn hoch und schleudern ihn hinab in den Strudel, zerschmettern ihn an den rauhen Klippen un- X abänderlicher Gegebenheiten. In einem solchen Schlagworte sieht der Einzelne seine Rettungsplanke. Mit ihr glaubt er sich eine Weile in sicherem Fluß treiben lasten zu kön­nen. Bis auch dieser Rettungsring ihm hinweggeristen wird. Er nach einem anderen greifen muß.

Wir leben in einem kollektivistischen Zeitalter. Das soll wohl heißen, daß der Einzelpersönlichkeit des Menschen längst nicht die Bedeutung zukommt, wie bisher. Daß jene Masten, jene dunklen aus tausend Cinzelleben zusammen­geballten Organisationen das Entscheidende im Leben sind. Im alltäglichen Leben und im höheren Leben der Politik.

Wer mit diesem Schlagwort durch das Meer der neue­sten politischen Bewegungen treiben wollte, müßte sich bald der Unsicherheit seines Rettungsbootes bewußt wer­den. Was bedeuten trotz aller kollektivistischen Ideen heute nicht doch Einzelpersönlichkeiten für die Mäste der Men­schen, gleichgültig in welcher Organisation sie sich zusam­mengeballt haben? Das muß so sein. Alles Organisa­tionsleben hat keinen Sinn und Wert, wenn nicht die Ein- zelpersönlichkeit von ihm gehoben wird. Alle" Werte eines Individuums wären totes Gestein, wenn nicht die Mäste von ihr befruchtet würde. Das- sind die geheimnisvollen Wechselbeziehungen in den Gesellschaftsgebilden der Men­schen.

Standen wir Deutschen vor Kurzem nicht mit großer Sorge am Krankenlager eines unserer Fübrer, des Reichs- außenministers Dr. Stresemann? Ging es nicht, wie ein Aufatmen durch uns alle, als das böse Geschick gebannt war? Fragt heute jemand, welcher Partei Dr. Stresemann angehört, wenn es der Frage gilt, wer auch zukünftig die - deurfchLn Interessen gegenüber anderen Rationen venreren ' soll? Selbst wenn seine Partei nicht in der konunenden Regierung sitzen würde, die Persönlichkeit Dr. Stresemanns würde so oder so mitregieren und mitregieren müssen, wenn nicht die deutsche Außenpolitik die mübsam errungenen Fel­der im politischen Spiel der letzten Jahre teilweise wieder aufgeben soll. Daran hat kein Mensch ein Intereffe.

Mag auch zunächst nur eine provisorische Re­gierung gebildet werden, bis die einzelnen Parteien, die eine solch überraschende Veränderung erfahren haben, sich einmal ihrer Kraft und Pflicht bewußt geworden sind es kann nicht ausbleiben, daß jene Koalitionsregierung kom- men wird, die kommen muß, nämlich die Große. Welche Fragen auch für das politische Leben in Deutschland ent­scheidend sein mögen, immer sind diese Fragen irgendwo nicht frei, sondern gebunden an die Zäune, die in Versailles um Deutschland bgt wurden. Es ist deshalb auch keine deutsche Partei so K '. daß sie nach eigenen Anschauungen handeln könnte. Die ''erliche Unfreiheit, diese gleichmäs­sigen Bindungen aller feste Verpflichtungen, die nicht zu umgehen sind, bilden r wieder das große Cin.i- gungsband zwischen nen Parteien, die zur Bildung der Großen Koalition l usen sind. In ihr ist das neue Deutschland geeint. Sie wird wahrhaft eine umfassende deutsche Regierung bilden können, die im weitesten Sinne die Interessen des Volkes vertritt.

Gewiß in ibrem eigensten Interesse wird jede Partei eine der hauptsächlichsten Aufgaben der neuen Regierung darin sehen, mit allen Mitteln des Rechts eine Befreiung des deutschen Volkes, des deutschen Staates von unnatürli­chen. Fesseln herbeizuführen. Damit das deutsche Volk, die deutschen Parteien frei und selbstverantwortlich ibre Ziele verfolgen können.

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Daß in dem ewigen Unruhegebiet aus dem V ab kan eine Einzelpersönlichkeit eine geradezu entscheidende Rolle spielt, braucht nach allen Vorgängen der letzten Zeit nicht besonders hervorgehoben zu werden. Im Streit der weitverzweigten und verzwickten Balkaninteressen stößt je- des Suchen nach Beweger und Bewegten auf den Diktator Mussolini. Vor einer Woche fragte noch alles:Was wird Mussolini gegen Belgrad unternehmen?" Heute kon. .skalieren wir: es ist alles gut gegangen; Mussolini hat eine für Belgrad freundliche Rede gehalten. DieCntspan - n u n g ist da. Belgrad hat noch einmal nachgegeben. Es wird aber kaum ausbleiben, daß wir noch öfter nach dem Balkan hinhorchen, und fragen:Was wird Mussolini un­ternehmen?" Es wäre zu wünschen, wenn solche Fragen immer mit freundlichen Worten des Diktators beantwortet würden.

Ein anderes Feld der Wirren bot uns schon seit Jahr ren das unglückliche ehemalige Reich der Mitte, China. Dort opferten sich Masten von Menschen immer wieder für die ehrgeizigen Ziele Eii^elner. Der Generale, die nicht durch irgend einen Wahlakt ihre Führerschaft erhielten, sondern sich mit Mut, Entschlossenheit und Kraft an die. Spitze der Völker dieses ungeheuren Reiches gestellt ha­ben. War in diesen Generälen nicht doch der W i l l e des Volkes lebendig? Sonst wäre der ewige Kampf