Schlöchiemer Zeitung
; Kreis-Amtsblatt * Mgememev amtlicherKazeiger für -en. Kreis -chlüchtem
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I Nr. 68 (L Blatt) Donnerstag, den 7. Juni 1928 80. Jayrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
J.-Nr. 4724. Im Monat Mai d. Je. sind folgenden
Personen Jahresjagdscheine ausgestellt worden:
Möller, Heinrich, Jagdaufseher, Wallroth, Schöppner, Emil, Bürgermeister, Uerzell,
Euler, Lehrer, Heubach,
Klüh, Philipp, Landwirt, Heubach, Fuß, Louis, Landwirt, Altengronau, (Dittenbrunn)
Schade, Amtögerichtsrat, Schwarzenfels,
Hummel, Ludwig, Kraftwagenführer, Bad-Brückenau. Schlüchtern, den 2. Juni 1928.
Der Kom. Landrat. 3. D.: Schultheis.
J.-Nr. 4725. Nach der Bekanntmachung des Herrn Nesortministers vom 18. Januar 1882 — Negierungsamts- blatti Seite 72 — soll die Aufstellung der Schöffenlisten seitens der Gemeindebehörden alljährlich bis zum 1(. August und ihre Einsendung an die "betreffenden Amtsgerichte bis zum! b September erfolgen. Unter Hinweis auf die Vorschriften in den §§' 31 bis 38; des Gerichtsverfassungsge- setzes vom 22. März [1924 (R®BI. S. 299 ff) und diejenigen meiner Bekanntmachung vom 25. August 1886 Kreisblatt Nr. 67 werden die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises veranlaßt, die Schöffenlisten rechtzeitig sorgfältig aufzustellen, öffentlich auszulegen und mit der vorgeschriebenen Bescheinigung versehen, bis zum 1. September d. 3s. an das zuständige Amtsgericht ein- zusenden.
3n die Schöffenliste sind alle zum Schöffenamt befähigte männliche und weibliche Gemeindeangehörige einzutragen.
Schlüchtern, den 4. Juni 1928.
Der kom. Landrat: Dr. Müller.
Stadt Schlüchtern.
O-ff-ntliche Mahnung.
Die noch rückständigen Gewerbesteuerrestzahlungen für 1926 (in 1927 veranlagt), Gewerbesteuerzahlungen für 1927 (in 1928 veranlagt), städt. Grundvermögenssteuer-Zuschläge, Holzgelder, Schulgelder, Wassergelder, Polizeistrafen, Pachtgelder, Kanal- und Anerkennungsgebühren, sowie alle anderen Abgaben werden hierdurch angemahnt.
Ueber alle Abgaben sind Benachrichtigungen zugestellt worden. Die Zahlung hat bei der Stadtkasse Schlüchtern zur Vermeidung der Beitreibung schnellstens zu erfolgen. Anträge und Eingaben halten die Zahlung nicht auf.
Mahnungen erfolgen nur öffentlich, nicht durch Behän- digung von Mahnzetteln.
Schlüchtern, den 4. Juni 1928.
Der Magistrat: Gaenßlen.
ElternbeiratSwahl der Stadtschule.
Die vor,geschriebene zweite Elternversammlung findet am Freitag, den 8. Juni, abends 8 Ubr in der Aula desKlofterS statt. Tagesordnung: Bekanntgabe der Satzungen und der Wahlordnung; Wahl des Wahlvor- standes.
Alle Vater, Mütter der die Stadtschule besuchenden Kinder werden zur Teilnahme an dieser letzten Versammlung vor der Wahl hierdurch eingeladen.
Schlüchtern, den 4. Juni 1928.
Der Rektor: Flemmig.
R-ichstagsbegin« am 13. Juni.
Der neue Reichstag ist für Mittwoch, den 13. Juni nachmittags 5 Uhr einberufen worden.
Schnelle Hilfe für die Jtalia.
Stockholm, 5. 6. Auf Veranlassung des Kriegsministers soll schnellstens ein UebereinKommen über das Ehar- tern eines geeigneten Schiffes für die Beförderung der schwedischen Flugzeuge nach Spitzbergen getroffen werden. Die Flugzeuge werden baldmöglichst die Flüge von dort aufnehmen.
— von der „Italia" liegen noch immer keine bestimmten Nachrichten vor. Die von Rabioa'mateuren aufgefan- genen Notsignale lassen sichere Schlüsse auf das Schicksal des Luftschiffes nicht zu.
- Die Nachricht, daß Tschangtsolin durch den Bombenanschlag getötet worden sein soll, wird nicht bestätigt. Die Auflösung der chinesischen Nordarmee ist in vollem Tange. Die ersten Truppen der Südarmee sind Dienstag nachmittag in Peking eingerückt.
,— Der in Steiermark liegende Drt Strabon wurde Dienstag nachmittag von einer verheerenden Wirbelfturm- Katastrophe heimgesucht, verschiedene Häuser sind einge= stürzt. Einige Kinder wurden verletzt.
Keine Erhöhung der PeLMcniarife.
Berlin, 6. Juni. Die Reichsbahngesellschaft hat, wie die „Voss. Ztg." erfährt, ihren ursprünglichen Antrag auf Tariferhöhung abgeändert und eine Erhöhung der Gütertarife um 5 Prozent beantragt, auf die der Personentarife aber verzichtet.
— Die Neichsregierung ,hat den Antrag der Neichs- bahngesellschaft auf Erhöhung der Personen- und Gütertarife einstimmig abgelehnt.
Grotzfeuer bei der AEG. — 150 000 Mark
Sachschaden.
Berlin, 6. Juni. In der Tenacitfabrik der AEG. kam heute morgen ein Großfeuer zum Ausbruch. Das Feuer sprang auch auf das benachbarte Gebäude der Nevotextfabrik 1 über, so daß das Ganze ein riesiges Flammenmeer bildete. Die Fabrikfeuerwehr und die freiwilligen Feuerwehren der umliegenden Orte hatten stundenlang schwere Arbeit zu leisten und konnten nicht verhindern, daß die Tenacitfabrik vollständig ausbrannte. Erst gegen Mittag konnte ein großer Teil der Feuerwehren die Brandstelle wieder verlassen. Der angerichtete Sachschaden beträgt nach vorläufiger Schätzung 150 000 Mark, ist aber durch Versicherung gedeckt.
Absturz des Postflugzeuges Warschau—Prag—Paris.
Landeshut, 6. Juni. Heute vormittag ist das Postflugzeug der Luftverkehrslinie Warschau—Prag—Paris etwa 600 Meter hinter der deutschen Grenze bei Liebau auf tschechischem Gebiet, und zwar etwa 200 Meter abseits der Straße Liebau—Königshain abgestürzt. Der Pilot wurde tot unter den Trümmern des Flugzeuges hervorgezogen, sein Begleiter ist lebensgefährlich verletzt. Das Flugzeug gehörte der Luftverkehrsgesellschaft Cidana. (Erst am 27. Juni v. I. war in der hiesigen Gegend ein Postflugzeug abgestürzt, wobei Bereiter und Pilot den Tod fanden.)
34. Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft.
Leipzig, 6. Juni. Die 34. Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft wurde in Anwesenheit von Ministern des Reiches und der Länder, von Vertretern staatlicher und sonstiger Behörden, der Landwirtfchaftskammern, des Reichsrates, des Reichswirtschaftsrates, des Deutschen Landgemeindetages, des Reichslandbundes und vieler anderer Körperschaften feierlich eröffnet. Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Dr. Schiele übermittelte die Grüße des Reichspräsidenten und der Reichsregierung.
Schülerselbstmord wegen drei Mark.
Berlin, 6. Juni. Auf einem Gelände in Wilmersdorf fand man heute früh den 13 Jahre alten Schüler Herbert Kaja, der bei den Eltern wohnte, erschossen auf. Er hat Selbstmord aus Furcht vor elterlicher Züchtigung begangen. In seiner Freizeit trug er Leihbücher aus. Von seinem letzten Verdienst verbrauchte er drei Mark für sich.
Ein Doppellustword im Schwarzwald.
Freiburg, 6. Juni. Zwei Lehrerinnen im Alter von 25 und 35 Jahren, die beide in Mannheim angestellt waren, wurden oberhalb Breitnau gegen die Weißtannenhütte etwa um 8.45 Uhr mit durchschnittenem Halse tot aufgefunden. Die Leichen lagen 70 Meter voneinander entfernt. Der Befund läßt bei beiden auf einen Lustmord schließen. Nach den Ermittlungen sind es zwei Cousinen namens Gersbach. Sie wollten auf dem Höhenweg nach dem Feldberg weiterwandern. Auf die Meldung von ihrem Ausbleiben begab sich sofort ein größeres Aufgebot der Freiburger BereitschaftsPolizei in das in Frage kommende Gebiet und fand nach längerem Suchen die beiden Leichen auf.
** Vor der Regierungsbildung im Reich. Wie aus Berlin gemeldet wird, hat Reichspräsident von Hürden bürg die Absicht, mit den Führern der Reichstagsfraktionen Ende der Woche die politische Lage im Hinblick auf die Regierungsbildung zu besprechen. Wie der demokratische Zeitungsdienst berichtet, besteht in demokratischen Kreisen — entgegen der Auffassung, die der sozialdemokratische Reichtstaqspräsident Lobe kürzlich gegenüber dem Reichspräsidenten vertreten hat — die Auffassung, daß der Versuch einer Regierungsbildung im Reiche auf der Großen Koalition gemacht werden müsse, da die Weimarer Koalition ein absolut unsicheres Gebilde sei.
— Nach den Beratungen des sozialdemokratischen Parteiaus- schusses, der in Köln Zusammentritt, wird Hermann Müller- Franken voraussichtlich am Freitag dem Reichspräsidenten über die Entscheidung seiner Parteiinstanz Bericht erstatten. Das Blatt will wissen, daß eine Betrauung des Abgeordneten Müller-Franken als Reichskanzler kaum mehr in 'Frage gestellt, und daß Severing für das Amt des Reichsinnen- minffters in Aussicht genommen ist.
— Bei Grodno stieß infolge falscher Weichenstellung ei« Personenzug mit einem Güterzug zusammen. 22 Personen wurden verletzt, darunter zwei schwer. Mehrere Wagen wurden zertrümmert.
— Wie Havas aus Pau berichtet, sind zwei französische Flieger einer in Mainz stationierten Staffel, als sie auf dem Rückfluge dahin begriffen waren, infolge Ausströmens giftiger Gase aus dem Feuerlöschapparat während des Fluges so vergiftet worden, daß sie beinahe das Bewußtsein verloren. Der Pilot konnte gerade noch landen. Die beiden Flieger mußten nach einem Lazarett übergeführt werden.
Günstige Reichsfinanzen.
Das Reichsfinanzministerium hat jetzt die Abschluß- ziffern des Reichshaushalts für das Rechnunas- l«hr 1927 — 1. April 1927 bis 31. März 1928 — bekanntgegeben. Der Abschluß weist einen Ueberschuß von insgesamt 176 Millionen Mark aus, das will besagen, es sind 176 Millionen Mark im ordentlichen Etat mehr eingegangen, als ausgegeben worden sind. Insgesamt ist sogar ein Ueberschuß von 338 Millionen Mark erzielt worden, aber es ist davon im Haushaltsplan für 1928 bereits über einen Betrag von 162 Millionen Mark verfügt worden. Somit bleibt es bei der erwähnten Summe von 176 Millionen Mark Reinüberschuß.
Dieser günstige Abschluß kommt überraschend. Er wurde erzielt zunächst dadurch, daß das Reichsfinanzministerium bemüht war, die Steuerrückstände, soweit das irgend möglich war, hereinzubekommen, dann aber haben die Steuern überhaupt bedeutend mehr erbracht, als das im Etat für 1927 vorgesehen war. Das Rechnungsjahr fiel in eine Zeit sehr günstiger Konjunktur auf ben verschiedensten Gebieten unseres Wirtschaftslebens, was sich natürlich in den (Steuereingängen bemerkbar machte. Schließlich ist der günstige Abschluß aber auch auf Einsparungen zurückzuführen. So hat beispielsweise das R e r ch s w e h r m i n i st e r i u m fast ein Drittel der vorgesehenen Ausgaben gespart — wohl eine Folge davon, daß nach der bekannten Phoebus-Angelegenheit sowohl vom Reichswehrministerium als auch seitens des Reichsfinanzministeriums eine sorgsamere Finanzgebarung im Wehrministerium verlangt und erreicht worden ist. Es wäre zu wünschen, daß auf diesem Wege nicht nur im Reichswehrministerium, sondern auch im Bereiche der übrigen Reichsministerien weitergegangen wird. Auch die Regierungen der Länder, wie die Verwaltungen der Städte, werden mit allem Nachdruck auf größte Sparsamkeit in ihren Betrieben sehen müssen. Daß auf diesem Gebiet etwas zu erreichen ist, zeigt das Beispiel des jetzt veröffentlichten Abschlusses für 1927. Es ist also gar nicht nötig, abzuwarten, bis die immer wieder angekündigte, aber auch immer wieder hinausgeschobene große Verwaltungsreform durchgeführt ist. Bei gutem Willen sind, wie sich gezeigt
schon unter den heutigen Berhättnifferr Einsparungen durchaus möglich. Es sei damit gegen eine Vereinfachung unseres behördlichen Apparates selbstverständlich nichts gesagt, aber es wäre verfehlt, wenn man nun einfach alle Versuche, in den Ausgaben für die öffentliche Verwaltung zu sparen, bis zu dieser Reform zurückstellen wollte.
Das Reichsfinanzministerium teilt mit, daß über den Ueberschuß „im Sinne der gesetzlichen Vorschriften" verfügt worden sei. Diese Vorschriften bestimmen, daß die Ueberschüsse des ordentlichen Haushalts zur Senkung des Finanzbedarfes im außerordentlichen Haushalt verwendet werden müssen. Da dieser außerordentliche Haushalt für 1927 einen Zuschußbedarf von rund 350 Millionen Mark aufweist, zu denen aus dem Rechnungsjahr 1926 ein weiterer, bisher ungedeckt gebliebener Bedarf von 290 Millionen Mark kommt, Weisen die außerordentlichen, ungedeckten Ausgaben jetzt eine Höhe von rund 640 Millionen Mark auf. Wenn man die Ueberschüsse des ordentlichen Etats in Höhe von 176 Millionen Mark zur teilweisen Deckung dieses Fehlbetrages verwendet, so bleibt eine Verschuldung im außerordentlichen Etat in Höhe von 465 Millionen Mark. Das ist zwar kein Betrag, der uns irgendwelche morgen zu machen braucht, aber es ist immerhin auch keine Kleinigkeit. Nach der Praxis einer normalen Staats- sinanzwirtschast müßte für diese Fehlsumme eine Anleihe ausgenommen werden. Das Reichsfinanzministerium rechnet dazu noch einige andere Ausgabereste und kommt hierdurch zu einem Anleihe bedarf von 724 Millionen Mark. Es ist aber sehr fraglich, ob bei der heutigen Lage des Geldmarktes eine solche Anleihesumme untergebracht werden könnte. Jedenfalls würde, falls sie zu bekommen ist, eine Reichsanleihe nur zu einem recht hohen Zinssatz unterzubringen sein.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß der Abschluß des ReichshaushaUs für 1927 recht günstig ist. Es wäre aber vermessen, aus dieser Tatsache irgendwelche überschwenglichen Hoffnungen auf die Zukunft zu schöpfen. Die geringste Konjunkturschwankung kann hier außerordentlich unliebsame Ueberraschungen bringen. Schon jetzt ist die allgemeine Wirtschaftslage nicht mehr ganz so günstig, wie das noch vor einigen Monaten der Fall gewesen ist. Wenn sich diese rückläufige Bewegung wrtsetzt, so wird sich das selbstverständlich auch sofort in den Steuereingängen bemerkbar machen. Man kann also nicht mit Sicherheit darauf rechnen, daß in dem laufenden Rechnungsjahr die gleichen günstigen Ergebnisse zu erzielen sind. Man muß es hoffen — aber niemand kann es wissen. Daraus ergibt sich, daß die neue Regierung erst recht eine vorsichtige und auf äußerste Sparsamkeit gerichtete Finanzpolitik treiben muß. Ganz abgesehen von der Tatsache, daß weite Kreise unserer Bevölkerung mit Recht einen Abbau ihrer steuerlichen Lasten verlangen.
(::) Wie das „B. T." erfährt, soll der Reichswehrminister verfügt haben, daß alle Angehörigen der Reichswehr und der Reichsmarine, die bisher Mitglieder des „Kaiser- lichen Nachtklubs" in Kiel waren, bis Mitte dieses Monats ihren Austritt aus dem Klub zu vollziehen haben. Die Verfügung sei ergangen, nachdem der Nachtklub es abgelehnt habe, die geforderte Namensänderung vorzunehmen
□ Das Flugzeug „Friendship" in Trepasscy. Das Flugzeug „Friendship", das in Trepassey (Neufundland) gelandet ist, hatte auf der Fahrt von Halifax ab ausgezeichnetes Wetter und legte durchschnittlich in der Stunde 150 Meilen zurück. Der Flieger und seine Begleiterin hoffen, nach Europa starten zu können.