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M. 67 Dienstag, den 5. Juni 1928 80. Jahrg.

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Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

I .-Nr. 4781. Die Herren Bürgermeister und Gutsvor­steher werden ersucht, sich zur Besprechung dienstlicher An- gelegenheiten am

Donnerstags dem 1 4. d. M t s.,. 9 ^ Uhr, im hiesigen Ureishaus (Sitzungssaal) einzufinden.

Schlüchtern, ben $2. Juni 1928.

Der Kom. Landrat: Dr. Müller.

3 .*Hr. 4688. Die durch meine Verfügung vom 19. Oktober v. 3s. I.-Nr. 84|61 Schlüchterner Zeitung Nr. 126 für den Landweg von Seidenroth nach Atzl angeordnete verkehrssperre-'wird hiermit wieder aufgehoben.

Lchlüchtern, den 1. 3uni 1928.

Der kom. Landrat. 3. D.: Lchultheis.

I .-Nr. 4712. Gemäß Ziffer II, Abs. 1 der im Märzheft 1924 der Zeitschrift fürAas ländliche Fortbildungsschulwesen veröffentlichten Grundsätze für die Unterstützung ländlicher Fortbildungsschulen aus Staatsmitteln ersuche ich die Herren Bürgermeister derjenigen Gemeinden, in denen Fortbildungs­schulen eingerichtet sind, mir bis zum 15. d. Mts. die Anträge auf Erlangung einer Staatsbeihilfe für 1928/29 einzureichen. Aus den Anträgen müssen der Name des Lehrers oder der Lehrerin, des Schulleiters, voraussichtliche Lchülerzahl, die Zahl der Unterrichtsstunden, die Aufroen- dungen für Lehrmittel usw. hervorgehen.

Die genaue und pünktliche Erledigung der Angelegen« heit mache ich den Herren Bürgermeistern zur besonderen Pflicht.

Lchlüchtern, ben N. 3uni 1928.

- * Der kom. Landrat: Dr. Müller

3 .=Hr. 4723. Die Herren Bürgermeister mache ich noch­mals darauf aufmerksam, daß die Nbfohlungsergebnisse in die ihnen zugegangenen Deckregister genau eingetragen und letztere bis spätestens 20. d. Mts. an den Sta= tionswärter zurückzugeben sind, sowie daß die Füllengelder jedesmal ungesäumt an den Stationswärter gezahlt werden müssen.

Lchlüchtern, den 1. 3uni 1928.

Der kom. Landrat. 3. D.: Schultheis.

ZUt Schlüchtern.

Bekanntmachung.

Reckte zur Benutzung eines Wasserlaufs in einer der im § 46 des Wassergesttzes vom 7. April 1913 (Preuß. Ge­setzsammlung S. 53) bezeickneten Arten erlöscken nach § 380 des Waffergesetzes mit Ablauf des 30. April 1929, wenn nickt vorher ihre Eintragung in das Wasserbuch beantragt worden ist.

Dazu gehören folgende Rechte, wenn sie am 1. Mai 1914 bestanden haben' und nach § 379 des Wassergesetzes aufrechterhalten geblieben sind:

1. das Wasser zu gebrauchen und zu verbrauchen, nament­lich auch es oberirdisch oder unterirdisch, unmittelbar oder mittelbar abzuleiten;

2. Wasser oder andere flüssige Stoffe oberirdisch oder unterirdisch, unmittelbar oder mittelbar abzuleiten;

3. den Wasserspiegel zu senken.oder zu heben, nament­lich durch Hemmung des Wasserablaufs eine dauernde Ansammlung von Wasser herbeizuführen;

4- Häfen und Stichkanäle- anzulegen, letztere soweit sie nicht selbständige Wasserstraßen bilden;

5- Anlegestellen mit baulichen Vorrichtungen von größerer Bedeutung herzustellen;

6. kommunale oder gemeinnützige Badeanstalten am zulegen.

Im Grundbuch eingetragene Rechte er- löschen nicht.

Noch nicht gestellte Anträge auf Eintragung von solchen Wasserrechten in das Wasserbuch sind bei dem Bezirksaus­schuß in Kassel oder bei der zuständigen Wasserpolizeibehörde schriftlich oder zu Protokoll zu stellen. Nähere Auskunft erteilen die Kulturbauämter in Kassel und Fulda, sowie der Bezirksausschuß in Kassel. ,

Kassel, -den 5. Februar 1928.

Der Vorsitzende des Bezirksausschusses.

J. V.: gez. Bickell.

B. A. Nr. 195/28.

*

J.-Nr. 4410. Vorstehende Bekanntmachung wird hier­mit nochmals veröffentlicht.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Bekannt­machung alsbald in ortsüblicher Weise nochmals zu ver­öffentlichen und hierbei auf die Bedeutung der Eintragung der Wasserrechte besonders hinzuweisen. Ferner ersuche ich

diejenigen Personen auf diese Bekanntmachung aufmerksam zu machen, von denen bekannt ist, daß sie solche Rechte aus­üben und noch keinen Antrag gestellt haben.

Schlüchtern, den 22. Mai 1928.

Der Kom. Landrat. 3. v.: Schultheis.

Wirb veröffentlicht.

Lchlüchtern, den 31. Mai 1928.

Der Magistrat. Gaenßlen.

Der Berliner Polizeivizeprasidenr von Schupo mißhandelt?

Am Sonnabend abend waren Kommunisten, die von der Beerdigung des in Tharlottenburg vor acht Tagen erschosse­nen Arbeiters Gwege zurückkehrten, im Osten Berlins, in der Frankfurter Allee, mit Schutzpolizisten in ein Handge­menge geraten, die von den Gummiknüppeln Gebrauch machten. Hierbei soll nun nach einem Bericht der Roten Fahne, den die Montagspost asuf Grund eigener Erhebungen und Nachfragen bei Unbeteiligten bestätigen zu können glaubt, der Polizeivizepräsident weiß von Schutzpolizisten mit Gummiknüppeln mißhandelt worden sein, als er die Polizisten aufforderte, die Gummiknüppel wegzustecken. weiß soll wiederholt gerufen haben:Ich bin der Polizei- vizepräsideyt!" Die Montagspost, die den Vorfall in großer Aufmachung schildert, fordert vollständige Aufklärung der Angelegenheit.

Ruhe in Peking.

Peking, 3. 6. (W. B.) AIs sich Tschangtsolin, von seinem Stäbe begleitet, in einem Panzerasuto vom Winter- palast nach dem Bahnhof begab, waren die Straften Pekings streng bewacht. Auf dem Bahnhof hatten sich zahlreiche Truppen, Vertreter der Behörden und Fremde versammelt. Unter klingendem Spiel begab sich Tschangtsolin lächelnd in seinen Privat-Pulman-Ivagen. In Peking herrschte heut? morgen vollkommene Nutze und keinerlei Unordnung. Zümt- sliche Soldaten haben die Staubt verlassen, in der jetzt Polizei und Gendarmerie die Ordnung aufrecht erhalten. Nach um« laufenden Gerüchten beabsichtigen die Führer der Fengtien- Truppen, Tschanghsuehliang und Pangputing, die schon lange mit den nationalistischen Ideen sympathisieren, sich den Südtruppen anzuschließen und mit ihren Armeen in Tschili zu bleiben.

Zusammenschluß der Splitterparteien im Preußischen Landtag.

Berlin, 4. Juni. Nach einer Mitteilung des Alterspräsidenten des Preußischen Landtags, des Gra­fen Posadowski, an das Landtagsbureau, haben sich die 8 Mitglieder der Christlich-Nationalen Bauern­partei, die 4 Deutsch-Hannoveraner, die 2 Abgeord­neten der Aufwertungspartei und die 2 Völkischen zu einer parlamentarischen Arbeitsgemeinschaft zusammen- ge'ck'offen. Diese neue Fraktion zählt mithin 16 Mit- \ eber. Ob diese in ihren Interessen nicht immer ton« lorm gehende Gemeinschaft imstande sein ioirb, prak­tische Arbeit zu leisten, wird abzuwarten sein.

Belgien im Fußballturnier geschlagen.

Amsterdam, 4. Juni. Im zweiten Spiel der Zwischenrunde im olympischen Fußballturnier hat Argentinien die Belgier 6:3 (Halbzeit 3:2) geschlagen.

In Zingapore sind bei der Abfahrt eines französi­schen Truppentransportdampsers vier deutsche Fremdenle­gionäre über Borb gesprungen. Drei von ihnen erreichten schwimmend das Land, wo sie verhaftet, später aber wieder freigelassen wurden. Einer ist ertrunken.

Der letzte Stahlhelmtag in Hamburg, dessen Abschluß heute vormittag ein Appell im Ztadtpafrk bildete, ist im allgemeinen ruhig verlaufen. Kleinere Zusammenstöße g.m Samstag abend und in der Nacht zum Sonntag wurden von der Polizei rechtzeitig unterdrückt.

In Berlin wurde Sonntag fn Anwesenheit zahlreicher Neichs- und Staatsbehörden und Vertretern der Wirtschaft sowie führender Bergleute des In- und Auslandes der Deutsche Bergmannstag, der erste nach dem Kriege, eröffnet.

Der Oberkommandierende der französischen Be« satzungsarmee hat den Weiterbau der seit mehreren Wochen im Bau befindlichen Moselbrücke der Gemeinde Zottingen bis auf weiteres untersagt.

Auf dem Lurener Flugplatz bei Köln ist gestern ein französisches Militärflugzeug abgestürzt und in Brand gera« iten. Die beiden Insassen fanden dabei den Tod.

Sonntag früh sind zwei französische Hauptleute in Le Bourgot aufgestiegen, um den Weltrekord im Weitstrek- Kenflug zu schlagen.

Ein Autobuß der Essener Straßenbahn Überfuhr Sonntag nachmittag ein 17 jähriges Mädchen, das bald darauf starb. Eine Stunde später überfuhr dasselbe Auto, Nachdem es ein anderer Führer übernommen hatte, ein 6 jähriges Mädchen, das gleichfalls sofort getötet wurde.

Sie Kölner Pressetagung.

Eine Kundgebung in der Messehalle.

Die Kölner Tagung des Reichsverbandes der deutschen Presse fand ihren Höhepunkt in einer gro­ßen Kundgebung, die am Sonnabend in der großen Messehalle stattfand. Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Reichsverbandes, Chefredakteur Baecker, trug der Kölner Männergesangverein unter Leitung von Professor Richard Trunk den Männerchor aus der Rheinsage von A. Othegraven vor.

Kultusminister Dr. Becker

ergriff dann das Wort zu einer längeren Aussprache, in der er sich mit dem Verhältnis der Presse zum Staat beschäftigte, wobei er u. a. ausführte:

Im demokratischen Staat kommt auch der schöp­ferische Führer nicht um die Aufgabe herum, erst ein­mal die öffentliche Meinung zu schaffen, von der er sich nachher leiten läßt. Da die schöpferischen Kräfte aber nicht immer mit amtlicher Stellung verbunden sind, wird häufig der nichtbeamtete Wortführer der öffentlichen Meinung wegweisend für den leitenden Staatsmann. Hierdurch wird dem Journalisten eine einzigartige Stellung verliehen und das Schrifttum neben Wissenschaft, Kunst und Technik in die Ebene der geistigen Urproduktion eingeordnet. In der Politik ist der führende Journalist nur noch selten Vertreter' einer individuellen Meinung, er vertritt zumeist eine Weltanschauung, eine Partei, die Ansicht irgend einer Mehrheit von Personen. Daraus ergibt sich eine früher unbekannte Zusammenarbeit mit dem Staat, d. h. mit der Regierung, eine Kollektiv-Verantwortlpch- keit, die über alle Parteischranken hinweg Staat und Presse nicht nur in äußerer Schicksalsgemeinschaft, sondern auch in einer bewußten geistigen Haltung ge« genüber dem gemeinsamen Dienst am Volksganzen tiefinnerlich verbindet.

Eine Ansprache des Reichspressechefs Dr. Zechlin.

Nach weiteren Ansprachen ergriff Reichspresse- ches Dr. Zechlin das Wort. Er betonte, Reichsaußen- minister Dr. Stresemann bedauere, daß er durch seine Krankheit verhindert sei, wie bisher der Festnummer des Verbandsorgans des Reichsverbandes einen Bei- trag zu übermitteln, und umgekehrt bedauere auch die gesamte deutsche Presse die Erkrankung Dr. Strese- manns und wünsche ihm aufs herzlichste baldige Ge­nesung. Er erinnerte sodann an die von Dr. Strese­mann im vorigen Winter zitierten Goetheworte:Ich fürchte mich vor dem Tag, wo täglich Zeitungen er« scher neu. ^Das möge für ein Genre wie Goethe gel­ten, aber nicht für uns. Bei uns heiße es:Ich fürchte mich vor dem Tag, wo keine Zeitungen er­scheinen."

Kommt die Tariferhöhung?

Entscheidung in der nächsten Woche.

Die Tariferhöhung bei dar Reichsbahn scheint nun doch zu kommen, wenn auch nicht in dem Umfang, wie sie die Reichsbahn beantragt hat. Das Reichs­kabinett hat sich in der letzten Woche mehrfach mit der Frage beschäftigt und wird voraussichtlich in der nächsten Woche zu einer endgültigen Entscheidung ge­langen. Für den 9. Juni ist der Verwaltungsrat der Reichsbahn nochmals einberufen worden.

In den Verhandlungen der Reichsregierung mit der Reichsbahngesellschaft ist versucht worden, eine Art Ausgleich zu schaffen. Dabei wurde von der Tatsache ausgegangen, daß die Erhöhung der Personentarife auf die minderbemittelten Bevölkerungsschichten am schwersten drücken wird. Infolgedessen ist versucht worden, eine Lösung zu finden, daß die Personen- farife nicht in dem angekündigten Ausmaß erhöht zu werden brauchen. In diesem Zusammenhang ist auch erwogen, ob die finanzielle Lage des Reiches es ge« stattet, daß die Reichsregierung auf die ihr zustehenden Zinsen aus den Vorzugsaktien der Reichsbahn verzich­tet, um dadurch der Reichsbahngesellschaft eine Erleich­terung in ihren finanziellen Verpflichtungen zu schaffen.

EmpfangsvorbereitttUHen für dieBremen"-Flieger.

Bremen, 4. Juni. Im Laufe des 18. Juni werden dieBremen"-Flieger mit dem Lloyddarnpfer Columbus" in Bremerhaven erwartet. Am Diens­tag, den 19. Juni, treffen die Flieger, begleitet von den Teilnehmern an einer vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club verunstalteten Sternfahrt zum feier­lichen Empfang in Bremen ein. Gegen mittag wird in der Oberen Rathaushalle ein offizieller Festakt im Beisein von Senat, Bürgerschaft und sonstiger gelade­ner Gäste stattfinden. Für den Nachmittag ist eine große öffentliche Veranstaltung geplant.

Polarforscher Nordenskjöld f.

Gotenburg, 4. Juni. Der bekannte Forscher Professor Otto Nordenskjöld starb hier infolge innerer Verletzungen, die er sich bei einem Autounglück zu­gezogen hatte. Er ist im Jahre 1869 geboren und war Mitglied einer großen Anzahl geographischer ^-. sellschaften. Der Forscher war ferner Leiter einer großen Anzahl von Expeditionen nach beiden Pr-len.