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Är. 66 (L Blatt) Samstag, de« 2. Juni $928 80. Zahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

I.-Rr. 4633. Der Herr Kreismedizinalrat wird am Dienstag, dem 5. 3uni d. 3s. von 9,30 Uhr ab im hiesigen Kreisläufe Sprechstunden halten.

Schlüchtern, den 29. Mai 1928.

Der Kom. Landrat. 3. V.: Schultheis.

Stadt Schlüchtern.

Bekanntmachung.

Das Heugras von den städtischen Grundstücken wird am Dienstag, den 5. d. Bits., nachmittags 5 V2 Uhr öffentlich verkauft.

Zusammenkunft bei der Dreschhalle an der Rltebahn- Hofstraße.

Schlüchtern, den 1. 3uni 1928.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Bekanntmachung.

Rm Montag, den 4. Iuni 1 9 2 8 vormittags 81/2 Uhr wird auf dem Rathaus Kanzler der Schaf­pferch öffentlich verpachtet.

Schlüchtern, den 1. Iuni 1928.

Der Magistrat: Gaenßldn.

Städtische Lateinschule SchlSchter«. Elternbeiratswahl.

Die in Ziffer 4 der Wahlordnung für die Eltern- beiräte vorgesehene zweite Elternversammlung findet Mittwoch, den 6. Iuni, nachmittags 61/4 Uhr in der Rula des Klosters statt. In ih^ erfolgt die Wahl des Wahlvorstandes. Die Kandidatenlisten sind spätestens am 10. Tage vor der Wahl, also am 14. Iuni 1928, dem

Sie müssen jede mindestens 5 Namen von Kandidaten enthalten und mindestens- hT^in terschriften von wahlberechtigten tragen.

Schlüchtern, den 31. Mai 1928.

Der Leiter der Städtischen Lateinschule: Dr. Fenner, Studienrat.

Löbe beim Reichsyrüsidenten.

Noch keine Verhandlungen über die Regierungsbildung.

Reichspräsident v. Hindenbuvg hat den seitherigen Präsidenten des Reichstags, Abg. Loebe (Soz.), zur Bericht­erstattung über die politische Lage empfangen.

Wie hierzu offiziös mitgeteilt wird, stellt sich dieser als eine informatorische Besprechung dar. Die Verhandlungen seitens des Reichspräsidenten über die Kabinettsbildung werden erst nach Demission des gegenwärtigen Kabinetts beginnen können. Da für den Zusammentritt des Reichstags der 13. Juni in Aussicht genommen ist, würde die Demission einen Tag vorher, also am 12. Juni erfolgen.

Parteibesprechungen.

Der ZentruMsparteivorstand ist am Don­nerstag im Reichstagsgebäude zu einer Sitzung zusammen­getreten, an der auch Reichskanzler Marx, Dr. Wirth und der von langer Krankheit wiedergenesene Abgeordnete v. Guevard teilnahmen.

Die deutschnationale Reichstagsfraktion ist zum 11. Juni zu ihrer ersten Fraktionssitzung zusammengerufen worden.

Tschang Tso lin räumt Peking?

Tokio, 1. Juni. Nach einer dem japanischen Hauptquar- tier zugegangenen Meldung hat Tschang Tso lin beschlossen, sich von Peking zurückzuziehen. Ein Teil der nordchinesischen Truppen ist infolgedessen bereits auf dein Wege nach Mukden. Die japanischen Militärbehörden rechnen deshalb damit, daß schon in kurzer Zeit Peking in die Hände der südchinesischen Streitkräfte fällt

Noch seine Spur her Stalin.

Die am Mittwoch verbreiteten Gerüchte über einen an= Aeblichen Funkspruch Nobiles nach Rom haben sich als irrig erwiesen. Von derItalia".hat man bis zum Freitag früh noch keine Spur gefunden.

, Reichspräsident von Hindenburg hat am Donnerstag die beiden Polarflieger Vilkens und Eielson empfangen. 3 m Anschluß daran fand ein Festessen im Rero-Rrktik statt, bei dem u. a. auch Votschäfter Shurman eine Rede hielt.

3n London fand am Donnerstag eine Doppelhinrich- tung zweier Mörder statt. Die Exekution wurde durch den Strang vollzogen.

.. Zwischen (Brombeeren und Genshagen fuhr ein Ruto m ein Rudel Hirsche. Der Wägen wurde dabei schwer­beschädigt und die beiden Fahrer schwer verletzt.

Bei der Insel Gkeido (3apan) sind durch eine Spring* Hut 400 Fischer ertrunken.

Deutsche Leiden in Polen.

Eine Anklagerede im Polnischen Landtag.

Im Polnischen Landtag sprach während der Budgetdebatte namens der deutschen Fraktion der Fraktionsvorsitzende Eugen Naumann. Als die gegenwärtige Regierung aus Ruder kam, so führte Naumann aus, ist eine neue Aera in der Nasio- nalitätenpolitik angekündigt worden. Leider blieben alle Ver­sprechungen unerfüllt. Unter der systematischen Beiseile- schtebung des Rechtsgedankens müssen die Deutschen besonders schwer leiden. Naumann erinnerte an die tendenziöse Anwen­dung des Pressedekrets und an die Amtsmißbräuche bei bett Sejmwahlen. Bei der Anwendung der Agrarreform würden 1020 000 Hektar große polnische Latifundien geschont, wäh­rend kleine deutsche Besitze bis auf das Restgut aufgeteilt würden. Naumann beleuchtete ferner ausführlich die' Wir­kungen der Grenzverordnung, die angesichts der darin vor­gesehenen Machtvollkommenheit der Lokalbehörden besonders die deutsche Minderheit benachteilige. Einem deutschen Lehrer, der in einer staatlich konzessionierten deutschen Privatschule dort seinen Posten antreten wollte, sei dies verweigert worden. Auf diese Weise nehme man dem Lehrer die Stelle, den Söhnen deutscher Ansiedler das Erbrecht, deutschen Landsuchenden die Anwartschaft auf Parzellen der Agrarreform.

Naumann erwähnte ferner die Tatsache, daß 15 000 deutsche Kinder allein in Posen und Pommerellen ohne deutsche Schulen seien, schilderte ausführlich die Leidensgeschichte der deutschen Kolonisten in Wolhymen und schloß mit der Erklärung, daß angesichts so vielfacher rechtswidriger Zurücksetzung und Benach­teiligung des deutschen Volksteiles die deutsche Fraktion der Re­gierung kein Vertrauen entgegenbringen könne und gegen das Budget stimmen werde.

Reue serbische Demonstrationen.

Der Privatberichterstatter desPester Lloyd" meldet aus Belgrad neue antt-ttalienische Demonstrationen. In der Hauptstraße versammelte sich eine aus mehreren hundert Menge. Es wurden sofort starke G^ndar. Werkabteilungen auf die Straße kommandiert und die De- tttonftraitten in das auf der Hauptstraße gelegene Kaffeehaus Ruft Zar" gedrängt.

Hierauf wurde das Lokal vollkommen demoliert. Die Auslagescheiben gingen in Trümmer, die Möbel wurden von den Demonstranten zur Abwehr verwendet und auf die Gendarmen geschleudert, die genötigt waren, sich zurückzuziehen und Verstärkungen abzuwarten. Die Demonstranten erbauten sodann auf der Hauptstraße eine Barrikade. Auch die aus- gerückten berittenen Gendarmerie-Abteilungen waren ge­nötigt, fluchtartig den Schauplatz zu räumen. Gegen 10 Uhr abends wurde die Feuerwehr alarmiert, der es gelang, die Demonstranten unter Anwendung von Feuerspritzen in die Flucht zu schlagen.

Von den Demonstranten wurden mehrere Schüsse ab- Seg^ben Sie Gendarmerie hatte einen regelrechten Sturm mit Gewehrfeuer eröffnet. Wie viele Personen dabei verletzt wurden, ist bis zur Stunde nicht bekannt. Es heißt oor- lauflg, daß ein Demonstrant verwundet wurde und ein Gendarm durch einen Sturz vom Pferde sich eine Ver- ^s. In der Hauptstraße und in den Nebenstraßen gingen die Auslagescheiben der Geschäfte in

_ ^m Zusammenhang mtt den Demonstrationen gegen Italien sind m Spalato 50 Personen verhaftet und vom Polizeigericht zu Freiheitsstrafen von 7 bis 30 Tagen ver­urteilt worden. In Sebenico wurden 20 Personen ver­haftet. Eine gerichtliche Kommission überprüfte die in Spalato während der Demonstrattonen an italienikchen Ge­schäften angerichteten Schäden und stellte die Schadensumme von 200 000 Dinar fest. Auch aus kleineren Orten mtürens kommen Meldungen über Demonstrationen.

Ei« amtlicher Bericht.

Wie aus einer Mitteilung der Belgrader Polizeiprä- hervorgeht, wurden bei den Unruhen insgesamt 60 Verhaftungen borgenommen, barunter befinden sich zwölf Studenten, die bereits wieder auf freien Fuß gesetzt wurden und 43 Kommunisten, von denen seststeht, daß sie ivährend der Demonstrationen wiederholt Hochriffe aus Sowjetrußland ausgebracht hatten. Der im HotelRussischer Zar" an- gerrchtete Schaden wird auf 200 000 Dinar geschätzt. Nach einer Meldung derPolittca" sollen 40 Schusse abgegeben worden sein. Das Blatt behauptet, daß bei den Demon-- ftranteu kaum einige Revolver vorhanden waren unb daß aus der Menge nur ganz Vervinzett Schüsse abgegeben wurden.

Unter bat Verwundeten befinden sich auch neun Gen­darmen» Das Blatt gibt der Meinung Ausdruck, daß die blutige«: Ausschreitungen aus die Ueberspanuuug der Nerve« furnazusuhren feien, sowohl auf fetten der Demonstranten als auf feiten der Gendarmerie. In den Reihen der Demon­stranten sollen sich übrigens zahlreiche unverantwortliche Elemente befunden haben, die gar nicht gegen Italien demon­strieren wollten, sondern sich einfach aus dem Grunde den Studenten anschlossen, um gegen die Polizei und allgemein gegen die Staatsgewalt zu demonstrieren.

Rückblick

Kr. Kr. Das Fest des heiligen Geistes ist gefeiert. Wir wollen sehen, ob er unter uns wohnen wird. Ob sein Leuch. i ten über die paar tausend Menschen gekommen ist, in deren ! Händen allein letzten Endes das Schicksal der vielen, vielen hundert Millionen Menschen liegt. Mögen wir die Sy­steme der Führerauslese, wie sie in einer unüber­sehbaren Mannigfaltigkeit unter den einzelnen Menschen- nationen im Schwange sind, als noch so kläglich im Sinne der Gerechtigkeit ansehen, es hilft uns nichts: wir Ne­gierten müssen uns dem, der sich auf den Negierungsposteu nach diesem oder jenem System aufgeschwungen hat, beu­gen. Er hat die Macht in der Hand. Es fragt sich nur, ob und wie er sie gebrauchen kann und will. Je nachdem grast die Herde um ihn herum. Schon alles mögliche haben bie Menschen versucht, um das Problem der gerechten Führung zu lösen. Bisher ist es noch immer vorbei- gelungen. Wie auch die Auslese der Führer erfolgen mag, immer gibt es einen ganz gehörigen Rest von Unzufrie­denen in allen Nationen. Das wird wohl ewig so blei­ben. Nachdem auch im alten Griechenland das fatale Scherbengericht versagt hat. Diese alten Griechen waren der Ansicht, daß bei dem Auswählen der Führer ein großes Wort von dem, der gewählt sein will, mitgesprochen wird. Wobei sie offenbar nicht an die übliche Zustimmung des Gewählten zu seiner Wahl gedacht haben, sondern an die allerhand Machenschaften solcher Männer, die gern gewählt sein möchten. Die nicht einfach mit der Erleuchtung der Wähler rechnen, sondern ihrer besseren Erkenntnis noch nachhelfen. Die wackeren Athener setzten deshalb jeden, der sich besonders hervortat aus der Menge, für einige Jahre an die Luft, denn hervortun bedeutete für sie zu- nächst einmal, daß er ein Führer sein und gewählt werde» will.

Das alles nützte nichts. Es gab i m m e r U n z u f r t e- d e n e. In Monarchien, in Demokratien, in Aristokratren, in Ländern, wo der Diktator herrscht. Die Stellung der herrschenden Schicht zu den Unzufriedenen blieb und bleibt Das frühere Adelsgebäude in Moskau heißt heute Haus der Gewerkschaften". In diesem Hause urteilt heute die herrschende Macht Rußlands, die sich die prole- tarische nennt, über einige Männer ab, die angeklagt sind, als Unzufriedene das herrschende Regiment bekämpft zu haben. Die Vertreter des herrschenden russischen Prole- tariats sprechen heute Recht genau nach denselben Grund- sätzen wie das von ihnen so schwer bekämpfte frühere Adelsregiment, dessen erster Grund atz lautete:I ch h a b e die Macht, so habe ich Recht". Was hat sich ge- ändert in Rußland? Im Adelsgebäude Moskaus sitzt ein neuer Adel. Er mag sich nennen wie er will: er handelt wie jene Ueberheblichen, denen die Macht in die Hände gegeben war und die sie egoistisch gegen die Unzufriedenen verwandten. Gerade daß die augenblickliche Generation der Proletarier noch einem gewissen Rachegefübl sröh" nen kann. Die nächste weiß davon nichts mehr. Sie teilt sich wieder in Herrscher und Beherrschte. In Adel und Volk. Vielleicht heißt Adel dann Proletarier Die Be­ziehungen beider werden heute festgelegt. Der Schacht»- Prozeß offenbart deren Prinzipien: Der Bcherrscht: ist schutzlos und rechtlos derWillkür der Herrschenden Klasse ausgesetzt. Die Zivilisation des Rechtes ist um Irörhun- derte zurückgeworfen.

Insofern ist der Prozeß von größtem Allzemnninter- esse. Für uns Deutsche besteht ein besonderes Interesse noch darin, daß sich unter den Angeklagten einige deutsche Staatsangehörige befinden, die imAuf- trag deutscher Firmen mitbalfen die russische Industrie des Donez wieder in Gairg zu bringen. Es kann niemand in der Menschen Herz sehen. Aber wenn die Sowjets glauben, Grund zu haben, jene Deutschen anzuklagen, dann müssen sie ihnen auch zugestehm. von dem Rechte der Ver- teidigung im weitesten Ausmaß Gebrauch zu machen. Tun sie das nicht, so können auch die schönsten Versicherungen nicht dazu führen, daß Deutschland Vertrauen zu ihnen findet. Vor allem nicht bei solchen, die gern ihre Hilfe leihen beim Wiederaufbau der ^Mischen Wirtschaft

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Noch ein anderer Prozeß erregte die höchste Auf- merksamkeit in Deutschland. Der Prozeß, den der fran- zösische Staat gegen eine Reihe von Mitgliedern der A u - t 0 n 0 m i st e n p a r t e i des Elsaß anstrengte. Der fran- zösische Staat klagte diese Männer an, Landesverrat . verübt zu haben. Es ist nichts weiter dabei herausgekom- men, als daß festgestellt wurde: Diese Elsässer wollen, daß in der französischen Demokratie das elementare Recht des Menschen auf seine Sprache und seine geistige Ausbil­dung hochgeachtet werde. Wenn dem die Gesetze in Frank- reich zur Zeit noch entgegenstehen, nun denn: jeder fran- zösische Staatsbürger bat das Recht, auf eine Aenderung solcher veralteten Gesetze hinzuarbeiten. In der Ausübung solchen Rechts besteht doch im Grunde das politische Leben eines Volkes. Kein Mensch kann darin Landesverrat er­blicken. Daß auch kein Landesverrat vorliegt, beweisen die geradezu kläglichen M i n d e st st r a f e n , die vom Gericht ausgesprochen wurden. Aus Verlegenheit ausge- sprochen wurden. Wir haben hier die typische Verlegen- Heitsrechffprechung der herrschenden Partei gegen die An-