. Amtliche Bekanntmachungen.
i” Landratsamt.
J. Bekanntmachung.
Rechte zur Benutzung eines Wasserlaufs in einer der !i im § 46 des Wassergesetzes vom 7. April 1913 (Prcuß. Gesetzsammlung S. 53) bezeichneten Arten erlöschen nach § 380 ä des Wassergesetzes mit Ablauf des 30. April 1929, I wenn nicht vorher ihre Eintragung in das Wasserbuch ® I beantragt worden ist.
Dazu gehören folgende Rechte, wenn sie am 1. Mai J 1914 bestanden haben und nach § 379 des Wassergesetzes > I aufrechterhallen geblieben sind:
it I 1. das Wasser zu gebrauchen und zu verbrauchen, namentlich auch es oberirdisch oder unterirdisch, unmittelbar oder mittelbar abzuleiten;
2. Wasser oder andere flüssige Stoffe oberirdisch oder unterirdisch, unmittelbar oder mittelbar abzuleiten;
3. den Wasserspiegel zu senken oder zu heben, namentlich durch Hemmung des Wasserablaufs eine dauernde Ansammlung von Wasser herbeizuführen;
4. Häfen und Stichkanäle anzulegen, letztere soweit sie nicht selbständige Wasserstraßen bilden;
5. Anlegestellen mit baulichen Vorrichtungen von größerer
H Bedeutung herzustellen;
6. kommunale oder gemeinnützige Badeanstalten an- zulegen.
Im Grundbuch eingetragene Rechte e r - ; I löschen nicht.
™ Noch nicht gestellte Anträge auf Eintragung von solchen I i Wasserrechten in das Wasserbuch sind bei dem Bezirksauö-
■T schuß in Kassel oder bei der zuständigen Wasserpolizeibehörde schriftlich oder zu Protokoll zu stellen. Nähere Auskunft erteilen die Kulturbauämter in Kassel und Fulda, sowie der
X Bezirksausschuß in Kassel.
Kassel, den 5. Februar 1928,
Der Vorsitzende des Bezirksausschusses.
I. V.: gez. Bickell.
B. A. Nr. 195/28.
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J.-Nr. 4410. Vorstehende Bekanntmachung wird hier- mit nochmals veröffentlicht.
-! Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Bekannt- machung alsbald in ortsüblicher Weise nochmals zu ver- öffentlichen und hierbei auf die Bedeutung der Eintragung der Wasserrechte besonders hinzuweisen. Ferner ersuche ich tl diejenigen Personen auf diese Bekanntmachung aufmerksam zu machen, von denen bekannt ist, daß sie solche Rechte auS- üben und noch keinen Antrag gestellt haben.
Schlüchtern, den 22. Mai 1928.
Der Kom. Landrat. 3. V.: Schultheis.
3.=Hr. 4485. Unter Hinweis auf meine Verfügung vom 22. November 1927 — I.-Nr. 9207 — (Kreisblatt Nr. 142) ersuche ich die Herren Bürgermeister und Guts- Vorsteher, die zweiten Zählerlisten der Schweinezwischenzäh- k lung am 1. Mai d. 3s. dem Lckndjägereibeamten auf Verlangen zwecks Nachprüfung auszuhändigen und ihn dabei I gleich auf etwaige Ungenchuigkeiten aufmerksam zu machen. Die Listen werden nach Gebrauch qlsbald zurückgegeben werden.
Die Zählpapiere sind, wie bereits verfügt, pünktlich (spätestens zum 5. n. Mts.) hierher einzusenden.
Schlüchtern, den 24. Mai 1928.
■ Der kom. Landrat. 3. V.: Schultheis.
I .-Nr. 4593. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die für die Reichstags- und Landtchgswahlen am 20. d. Mts. gelieferten und für eine spätere Wahl noch verwen- dungsfähigen Stimmzettelumschläge bestimmt bi§ zum 5. n. Mts. hierher zurückzusenden. Es sind sämtliche Ltimmzettelumschläge einzusenden, die bei der Wahl benutzten und die unbenutzt gebliebenen.
Schlüchtern, den 29. Mai 1928.
Der Kom. Landrat. 3. v.: Schultheis.
Kreisausschuß.
I .-Nr. 5932 F.
Unentgeltliche Sprechtage für Sprachgestörte in der LanLestanbstAmmenanstalt i« Hornberg durch den Facharzt für Sprachstörungen, Herrn Dr. med. Hoepfner in Kassel, findet statt am:
Sonnabend, den 16. 3uni 1928.
Sprachgestörte, die die Beratung des Facharztes in Anspruch nehmen wollen, werden ersucht, dieses spätestens 3 Wochen vor dem Sprechtag dem Kreiswohlfahrtsamt mitzuteilen unter Angabe von Hamen, Wohnort und Geburtstag, ferner zu welchem Sprechtag sie sich in Homberg einfinden werden.
Schlüchtern, den 20. Mai 1928.
Kreiswohlfahrtsamt.
Betr. Kreishunde st euer-Nachveranlagung.
3.=Hr. 2330 K. A. Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 7. März d. 3s. — 3.=Hr. 1015 K. A. — (Kreisblatt Hr. 30) betr. Kreishundesteuer-Nach- veranlagung noch im Rückstände sind, werden hieran mit 8 tägiger Frist erinnert. Fehlanzeige ist erforderlich.
Schlüchtern, den 23. Mai 1928.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
Stadt SteiKku.
Bekanntmachung.
Freitag, den 1. Iuni 1 928, mittags 1 2 Uhr soll im hiesigen Viehhof ein abgängiger Zuchtbulle meistbietend verkauft werden.
Kaufliebhaber werden zum Termin eingeladen.
Steinau, den 25. Mai 1928.
Der Magistrat: Dr. Kraft.
SbersHWens Hilferuf an den Völkerbund.
Der deutsche Terror gegen die deutschen Erziehungsberechtigten.
Die zahlreichen Schuleinschreibungen zu den Min- derheitsfchulen in Ostoberschlesien haben dre polnischen Behörden in Helle Wut versetzt, die sich in unerhörten Terrorakten gegen die deutschen Erziehungsberechtigten Luft macht. In den letzten Tagen haben die Drang- salierungen geradezu unerträgliche Formen angenommen, so daß der Deutsche Volksbund den Völkerbundsrat telegraphisch um Schutz für die deutsche Minderheit bitten mußte.
In dem Telegramm werden verschiedene auch bereits berichtete Ueberschreitungen angeführt, so die Zerstörung von Fensterscheiben in Wohnungen von Erziehungsberechtigte« in Godulla, wobei auch eine Frau mit einem in der Wiege liegenden Ki«de verletzt wurde. Weiter wird darauf hingewiese«, daß am 24. Mai in Godulla an fünfzig bis sechzig Stellen die Namen der Erziehungsberechtigten veröffentlicht wurden unter Angabe ihrer Wohnung. Eine derartige Bekaunt- ntachung hänge auch im Gemeindehaus und beginne mit den Worten: „Zu Schimpf und Schande und zur öffentlichen Brandmarkung geben wir die Namen der Erziehungsberechtigten bekannt, die ihre Kinder zur deutschen Schule angemeldet haben." Weiter heißt es in dem Telegramm, daß die Behörde« zum Schutz der Bedrohten nichts unternehmen.
Reichstag am 13. Juni.
Berlin, 29. Mai. Der Reichstag wird voraussichtlich erst auf Mittwoch, den 13. Juni, einberufen werden. Ein früherer Zusammentritt hat sich angesichts der Arbeiten des Reichswahlkommissars als unmöglich herausgestellt. Die Reichstagsfraktionen werden voraussichtlich am 12. Juni in Berlin zusammentreten. Da erst an diesem Tage die Fraktionsführer vollzählig in Berlin versammelt sind, werden vorher maßgebende Verhandlungen über die Regierungsbildung kaum erfolgen können.
Zusammenstoß beim Rotfrontkämpfertag.
Berlin, 29. Mai. Am Pfingstsonnabend kam es in Charlottenburg zu Zusammenstößen zwischen Teilnehmern eines etwa 600 Mann starken Zuges Roter Frontkämpfer und den sie begleitenden Polizeibeamten. Als der Zug an der Kreuzung mit Rücksicht auf den Straßenverkehr getrennt werden mußte, wurde versucht, gewaltsam die Sperrkette der Polizei zu durchbrechen. Dabei wurden die Polizeibeamten tätlich angegriffen und mißhandelt. Ein Polizeibeamter gab in seiner Bedrängnis vier Schüsse aus seiner Pistole ab, wodurch ein etwa 19jähriger Arbeiter aus Bremen getötet, ein zweiter Arbeiter, eine Frau und ein Kind verletzt wurden.
— Bei einer Flugveranstaltung bei Paris fuhr ein Flugzeug in die Menge. Line Person wurde getötet, 13 mehr oder minder schwer verletzt.
— 3n einigen größeren Städten Südslaviens ist es am Sonntag zu Kundgebungen gegen Italien gekommen. In Spalato wurden die Fensterscheiben des italienischen Konsulats eingeworfen.
— Der spanische Massenmörder, der am 21. Mai elf Menschenleben vernichtete, wurde entdeckt und nach Gegenwehr erschossen. ,
— In der Nähe von Lohnfeld bei Kaiserslautern Kolli- dierte ein Personenwagen mit einem Postauto, Die Insassen 'des Kraftwagens kamen unter den Autobus zu liegen; zwei von ihnen, waren auf der Stelle tot, drei wurden schwer verletzt.
— Im Katzbach-Gebiet haben Unwetter und Hochwasser schwere Schäden angerichtet.
— In Gffenbach wurde am Pfingstmontag in Rnwe- senheit des hessischen Staatspräsidenten ein Gedenkstein für (ben ersten deutschen Reichspräsidenten, Friedrich Ebert, fei- erlich eingeweiht.
Aobiles „3talia" verscho en.
Seit Freitag morgen überfällig. — Ernste Besorgnis «m das Schicksal der Polarflieger.
In flugwissenschaftlichen Kreisen ist man über das Schicksal des italienischen Nordpolluftschiffes „Jtalia" äußerst besorgt. Seit Freitag abend ist von General Nobile in Spitzbergen keine Funkmeldung mehr eingelaufen, und es ist auch nicht bekannt, welche Richtung das Luftschiff eingeschlagen hat. Die „Jtalia" war bekanntlich aus der Rückfahrt vom Nordpol nach Spitzbergen in heftige Stürme hineingeraten, gegen die das Luftschiff nur unter Aufbietung seiner letzten Krüsre ankämpfen konnte. Der letzte Funkspruch Nobiles soll vom Freitag 7 Uhr abends stammen und folgendermaßen lauten:
„Während der letzten 24 Stunden ist unser Borwärtskommen durch außerordentlich starke Gegenwinde, die mich zwangen, das Letzte aus den Maschinen herauszuholen, aufgehalten worden. Die Sicht ist die ganze Zeit außerordentlich schlecht gewesen, während auf dem Flug von Grönland nach dem Pol die Sicht sehr gut war. Wir haben auf unserem Rückflug ständig Nebel gehabt. Wir sind jetzt in der Nähe von Spitzbergen, aber es ist »och nicht möglich, vorauszusagen, um welche Zeit wir dort eintreffen werden. Au Bors alles wohl. General Nobile."
Seit dieser Zeit fehlt jegliche Nachricht von der „Jtalia". Vermutlich dürfte die Funkeinrichtung durch Vereisung der Antennendrähte in Unordnung geraten sein. Auch besteht die Möglichkeit, daß das Luftschiff infolge der heftigen Gegenwinde seine Betriebsstoffvorräte verbraucht und nach deren Erschöpfung seine Manövrierfähigkeit verloren hat. Unter diesen Umständen ist damit zu rechnen, daß das Luftschiff inzwischen durch den heftigen Sturm von Spitzbergen schon weit abgetrieben worden ist. Nobiles Hilssschiff „Cifta.de Milany" ist von. Kingsbav n^ jn Norden in See gegangen, um dem Luftschiff entgegen- zufahren. Doch fürchtet man, daß dieser Versuch wegen des Packeises erfolglos bleiben wird. Man hält es nicht für ausgeschlossen, daß das Luftschiff versuchen wird, den Rückenwind auszunutzen, um
die sibirische Küste zu erreichen.
Auch für diese Annahme besteht jedoch große Gefahr, falls der Brennstoff zu Ende gehen und der Wind sich drehen sollte. In diesem Falle wäre das Schlimmste zu befürchten. Der Brennstoffvorrat der „Jtalia" belauft sich auf 7300 Kilogramm und war im ganzen für 84 Stunden berechnet. Die an Bord befindlichen Lebensmittel reichen für die aus 16 Mann bestehende Besatzung für etwa einen Monat aus. An Bord des Luftschiffes befinden sich nebst General Nobile noch 15 Mann, nämlich die Besatzung mit den drei Marineoffiziere« an der Spihe, sowie dem Zngeuieur Pontremoli, dem Professor Trohani und dem norwegische« Meteorologen Malgree«.
Aus der Suche nach der Jtalia“
Flugzeuge sollen Ausschau halten.
Der italienische Gesandte in Oslo hat angesichts des Ausbleibens aller Nachrichten über das Schicksal der „Jtalia" die norwegische Regierung um Einleitung von Hilfsmaßnahmen für die „Jtalia" ersucht. Das norwegische Kriegsministerium hat daraufhin sofort eine
Sachverständigen-Konferenz zusammenberufen, an der die Polarforscher Roald Amundsen, Otto Sverdrup, Gunnar Jsachsen und Kapitän Riiser Larsen teilnahmen.
Die Konferenz fand damit ihren Abschluß, daß sich Riiser Larsen, der an Nobiles Nordpolfahrt mit dem Luftschiff „Norge" teilgenommen hatte, bereit erklärte, sofort die Möglichkeiten für Nachforschungen und gegebenenfalls für eine mit Flugzeugen zu unternehmende Hilfsexpedition für Nobile zu prüfen. Sonntag früh ist ein Wasserflugzeug der norwegischen Marine unter der Führung des Leutnants Lützow Holm, eines der bekanntesten norwegischen Flieger, nach Tromsö abgeflogen.
Wie aus Tromsö gemeldet wird, hat das Expedi tionsschiff „Hobby" Dampf aufgemacht und wird, sobald er das Flugzeug Holms an Bord genommen hat, nach Spitzbergen in See gehen. Von dort aus wird Holm Erkundungsflüge in das Polarmeer unternehmen.
Riiser Larsen hat an alle Zeitungen des nördlichen Norwegen die Bitte gerichtet, eine Mitteilung zu veröffentlichen, in der alle nach Franz Josephs- Land, dem Weißen Meer und den umliegenden Gebieten gehenden Robbenfänger und Jagd-Expeditionen ersucht werden, sich mit ihm in Verbindung zu setzen, um für die Rettungsexpedition bestimmte Vorratsdepots mitzunehmen.
Amundsen über das Schicksal der „Stalin".
Der bekannte Nordpolfahrer Roald Amundsen erklärte einem Pressevertreter: „Man muß nicht gleich das Schlimmste annehmen. Selbst wenn es der „Jtalia" nicht gelungen sein sollte, zu landen, kann sich das Luftschiff drei oder vier Wochen in der