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M. 48

Dienstag, den 17. April 1928

80. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt. -

I.-Nr. 3116. Die Herren Bürgermeister werden unter Lezugnahme auf meine Verfügung vom 21. Dezember 1926 - Nr. 12062 Schlüchterner Zeitung Nr. 1 von 1927 erneut ersucht, dafür zu sorgen, daß alle Tierkadaver an die Kadaververwertungsanstalten in Wächtersbach bezw. Pilgerzell abgeliefert werden. Nach einer hier vorliegenden Beschwerde der Nnstalt zu Wächtersbach, sind in diesem Zahre bis jetzt fast keine Kadaver zur Abholung gemeldet worden.

Schlüchtern, den 12. Rpril 1928.

Der kom. Landrat: Dr. Müller.

Sie HilsseMdition nach Greenlh Mmd.

Ein Postflugzeug sucht die Flieger auf.

Die auf Greenly Island notgelandeten Alieger derBremen" sind durch eine Eisschranke von zehn englischen Meilen von der Welt abgeschnitten. Die Lage wird noch dadurch verschärft, daß der einzige Telegraphendraht bei Seven Islands im St. Lorenz- Golf gerissen ist. Kanada wird nun versuchen, den Fliegern Hilfe zu bringen. Die Flieger sind zunächst telegraphisch ausgefordert worden, über die Art der benötigten Hilfe Auskunft zu geben.

Ein Postflugzeug ist von Quebec nach Greenly Js- laud abgeflogen. Der zur Einholung der Flieger ent­sandte Dampfer Montealm versucht, im St. Lorenz- Golf vorwärts zu kommen, wird jedoch durch ven Eis­gang aufgehalten, und es ist möglich, daß diese Ver­zögerung mehrere Tage dauern kann. Falls der Damp­fer nicht weiter kommen sollte, werden zwei andere Dampfer zur Verfügung gehalten.

Dichter Nebel hinderte den Weiterflug.

'^Äns Quebec meloet man Einzelheiten über Die Landung derBremen", aus denen hervorgeht, daß das Flugzeug durch dichte Nebel an der Orientierung behindert war und vier Stunden umherirrte, ehe man sich entschloß, in Greenly Island eine .Notlandung vorzunehmen. Wie weiter nachträglich bekannt wird, erfolgte die Notlanduna auf einem kleinen See von Greenly Island.

Die Veeftandigrmg mit den Bremen-Fliegern

New Pork, 15. 4. (WV) Der hiesige Vertreter des Norddeutschen Lord, Segall, erklärte, daß die Bremern Sieger in Funksprüchen anfragte, warum ihre früheren Angaben unbeantwortet geblieben wären. Segall glaubt, daß (die durch Hundeschlitten von den Bremen-Fliegern ausgeschickten Botschaften verloren gegangen oder durch bchneesturm aufgehalten worden sind.

Flugversuche nach Greenly Island.

Quebec, 15. 4. (WB) Regen und Nebel längs des Lawrencestromes hielten verschiedene Flugzeuge zurück. Euisine startete drei Uhr nachmittags abermals von Mur- raybay nach Greenly Island.

Vor Dem Start nach New Work?

Nach drahtlosen Nachrichten aus Quebec kann die ,,Vremen", die nicht ernstlich beschädigt ist, erst nach

Uork fliegen, wenn sie über den nötigen Betriebs- u0ff verfügt; her in der Funkstation vorrätige ist un- geergnet. Es wird versucht, die nötigen Vorräte durch

Flugzeuge, die bereits aufgestiegen sind, nach Greenly Island zu bringen. Die Flugzeuge, in denen auch Berichterstatter und Filmphotographen Platz ge­nommen haben, sind mit Vorrichtungen zum Landen auf dem Eife ausgerüstet. " £

Neberall Anerkennung und Freude.

Aus der Fülle der Glückwünsche, die aus aller zerren Länder zum Gelingen des Ozeanfluges ein- LMgen feien erwähnt die Telegramme des Präsiden- V Coolidge, Staatssekretärs Kellogg, des englischen fspnrgs, der kanadischen Regierung usw. Die Presse amtlicher Staaten hat warme Worte der Anerken- Nng sür die Leistung der deutschen Piloten. Wie aus ^afhington gemeldet wird, haben mit den örtlichen Verhältnissen in der Gegend von Greenly Island ver­traute Beamte der dortigen Regierungsstellen sich äußerst lobend über die Leistung derBremen" aus- oefprochen. Beamte des Küstenwachtdienstes erklären, Bremen" müsse in Eisbergegefahr gewesen sein, -^annesekretär Wilbur bezeichnete den Flug als eine hervorragende Leistung.

Wie Flieger urteilen.

Der Pordpolflieger Lryd war einer der ersten, der seiner Bewunderung für die Leistung derBremen" Ausdruck ver-

E.s ist ein großer Erfolg", sagte er,ein Erfolg des Sofien Geschicks und des Mutes der drei Flieger."

Tommander Bryd hat ferner in einer telegraphischen Kund- ^bung das deutsche Volk zu der unvergleichlichen Leistung seiner Landsleute beglückwünscht.Alle amerikanischen Flie­

ger freuen sich mit mir und sind stolz auf ihre deutschen Fliegerkameraden. Ich wußte, die Deutschen würden es schaffen!"

Ozeanflieger Thamberlin telegraphierte:Ich sende die allerherzlichsten Glückwünsche für den wundervollen Erfolg der deutschen Flieger und bin hocherfreut darüber, daß sie den ersten Gstwest-Flug in solchen Ehren gewonnen haben. Das ganze Land jubelt mit mir ihnen zu."

Lloyd Bennet: DieBremen" kämpfte gegen die furcht­bare Uebermacht der Elemente. Mit der Erreichung Labra­dors vollbrachte sie etwas, was noch niemalsvollbracht wurde.

Balchen: Alle Umstände waren für dieBremen"-Flieger ungünstig. Sie haben etwas Großartiges geleistet.

Levine: Der8remen"-Flug ist der bemerkenswerteste Flug der bisher unternommen wurde.

Frankreich geizt mit Lob.

Die Französische Presse bringt aus recht verständlichen Gründen kaum die bewundernswürdige Leistung der deut­schen Flieger zum Ausbruck. Zum Teil ist diese Zurückhal­tung auf die Ankunft der beiden französischen Flieger Toste und Le Brice, die als erste den Stillen Ozean bezwängen, zurückzuführen. Das nationalistischeIntransigeant" ver­sucht, die außerordentliche Bedeutung der Landung der deut­schen Flieger an der amerikanischen Küste dadurch abzu- schwächen, daß er erklärt, es hätte sich die Gewohnheit ein­gebürgert, daß nur die transatlantischen Flüge einen Wert hätten, die zwischen zwei Hauptstädten ausgeführt werden. Im übrigen müßte man aus dem Flug derBremen" die Schlußfolgerung ziehen, daß man mit einem Flugzeug, das weniger als 200 Kilometer entwickeln könne, sich nicht über den Ozean wagen könne, wenn sich zeitweise Windstärken von 80 Kilometer ergeben.

Nach demB. T." wird der Gzeanflug derBremen" von der pariser ZeitungMatin" wie folgt kommentiert: ''DieBremen yar oen Aifmrttfä^ Ozean zwoch«n Irland und der Küste von Labrador überquert. Es ist das erste Mal, daß der Ozean in der Richtung des Sonnenlaufs, das heißt von Ost nach West, überflogen worden ist. Diese Tat ist sehr schön; denn sie ist mit der Veirivegenheit und der Tapferkeit unternommen worden, die Nungesser und Toli im vergangenen Iahr gezeigt haben, als sie ihre Tat ver­suchten. Trotz allem bleibt der Flug von Europa nach New-Pork, das höchste Ziel aller europäischen Flieger, noch auszuführen.

Englische Anerkennung.

Der König von England hat bei der deutschen Botschaft in Washington ein Glückwunschtelegramm zu dem Gelingen des deutschen Ozeanfluges übergeben lassen.

Neben der Bewunderung des deutschen Ozeanfluges durch englische Fachleute findet auch die Tagespresse Worte herz­lichen Lobes.Evening Stanbart" sagt: vor zehn Iahren standen sich die Deutschen und Iren auf dem Schlachtfeld gegenüber und heute sitzen sie Seite an Seite als Kameraden bei einem bahnbrechenden Sieg. Daß die Lorbeeren nicht von England gepflückt worden sind, müssen wir mit Gleich­mut hinnehmen. Aber wir Engländer haben genügenden Sportfinn, um auch nicht im geringsten unsere Achtung diurch Ausbrücke des Neides zu vermindern.

Schweizer Stimme.

DemB. T." zufolge schreibt dasGenfer Iournal" zur glücklichen Landung derBremen", daß zum erstenmal der Atlantik von Europa nach Amerika überflogen worden sei. Die drei Flieger hätten über die Elemente triumphiert, die ihre hervorragenden Vorgänger Nungesser und Toli besiegt hätten. Diese Helden hätten andere Helden gerächt, die nicht minder groß gewesen. seien,. wie sie. Bor diesen Taten erhabener Kühnheit verstimme jeder Haß, denn wenn sie diesen Grad des Heldentums erreicht hätten würden alle Menschen, welcher Ration sie auch angehörten, Brüder.

Coolidge's Glückwünsche.

Präsident Toolidge sandte über die Marineradiostation an die Flieger nach Greenly Island folgendes Telegramm: Meine herzlichsten Glückwünsche zur glücklichen Landung nach Ihrem glänzenden Westflug über den Nordatlantik."

Frau Kohl an ihren Gatten.

Wie die Berliner Blätter melden, hat Frau Köhl durch Vermittlung des Berliner Vertreters derNewyork Evening Post", Knickerbocker, folgendes Funktelegramm an ihren Gatten nach Grecn Island gerichtet:Ich habe es gewußt! Dein Peterle." (Mit dem Kosenamen peterle pflegt Köhl seine Frau zu rufen.)

In Altenburg kam es anläßlich des dort abgehalte­nen Stahlhelmtages zu Zusammenstößen, mit Kommunisten. Ein junger Stahlhelmmann wurde dabei durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt.

Eine große deutsche Leistung.

In den beiden letzten Tagen der vergangenen Woche war die ganze Welt in fiebriger Erwartung: in Irland war am Donnerstag früh ein deutsches Flugzeug, geführt von deutschen Piloten, ausgestiegen, um den Atlantischen Ozean zu über­queren. Wie viele vor ihnen haben dieses Wagnis schon mit ihrem Leben bezahlt! Zuerst die beiden Franzosen Nungesser und Coli, erst kürzlich wieder ein englischer Hauptmann und seine Begleiterin. Kein Wunder, daß Spannung und Erwar­tung auf beiden Seiten des Ozeans gleich groß waren. Am Freitagnachmittag erreichten sie ihren Höhepunkt. Auf dem Flugplatz von New Jork waren viele Tausende versammelt, um tite kühnen Flieger zu begrüßen. Man rechnete mit ihrer An­kunft in den frühen Nachmittagsstunden. Bis zum Abend hielt die gewaltige Volksmenge aus und zerstreute sich erst langsam, als offiziell bekanntgegeben wurde, daß mit der Ankunft der ,^Bremen" in New Dork an diesem Tage nicht mehr gerechnet werden könne. Was war geschehen?

In Deutschland, wo die Spannung ebenfalls aufs höchste gestiegen war, herrschte zunächst ein ungeheurer Nachrichten­wirrwarr. Zunächst wurde gemeldet, daß die ,^Bremen" über Kanada gesichtet worden fei und sich in flotter Fahrt dem New Yorker Flugplatz nähere. Dann verbreitet ein Nach­richtenbüro die Meldung, der Flug sei völlig mißglückt, das Flugzeug müsse als verschollen betrachtet werden. Kurze Zeit darauf hieß es, das Flugzeug sei in New Dort gelandet. End­lich im Laufe des Samstags kamen die zutreffenden Meldungen von der Notlandung derBremen" auf einer Beinen kana- difchen Insel.

Die deutschen Flieger haben also ihr Ziel Amerika erreicht. Zum ersten Male ist es ärmit gelungen, den Atlantischen Ozean in der Richtung von Osten nach West mit dem Flugzeug zu bezwingen. Daß es d e u t s ch e Männer waren, die auf einem deutschen Flugzeug die ge­waltige Leistung vollbrachten, darf das deutsche Volk mit besonderem Stolze erfüllen. Auch wenn das Flugzeug das vorgesteckte Programm nicht ganz durchführen konnte, so bleibt die Leistung der deutschen Piloten doch bewundernswert. In Fachkreisen wird die Leistung der Flieger und der Maschinen üe^ Lvts hoch veranschlagt. Die zuruckgelegte Strecke wird auf etwa 3500 Km. berechnet. Wenn man die Leistung richtig bewerten will, so sind zu dieser ungeheuren Entfernung aber noch die Schwierigkeiten des Wetters und der Gegenwinde und die der Orientierung insbesondere während der Nacht hinzuzuzählen. Die Entfernung der Notlandungsstelle von New Hork beträgt etwa 1400 Km. Ein Junkersflugzeug ist in New Dock aufgestiegen und will versuchen, zu den Fliegern zu gelangen. Es will die Piloten von dem nächsten Ort, an dem eine normale Landung und ein Start möglich sind, abholen und nach New Dork bringen. DieBremen" selbst, die an­scheinend ziemlich stark beschädigt ist, wird natürlich nicht ohne weiteres wieder auffteigen können. Man rechnet damit, daß unter den vorliegenden schwierigen Verhältnissen mindestens 814 Tage nötig sein werden, um die Reparaturen auszuführen.

Wenn Reichspräsident von Hlndenburg und Reichskanzler Marx die kühnen Flieger zu ihrem Erfolg beglückivünschten, so Haben sie damit dem Empfinden des gesamten deutschen Volkes Ausdruck gegeben. Es freut sich über den großen Erfolg der Wagemutigen deutschen Männer, die als erste in einem kleinen Klugzeug den Atlantik von Ost nach West überflogen. Und Man denkt aus diesem Anlaß auch daran, daß es schon einmal Leststhen Männern gelungen & durch die Lust nach dem amerikanischen Kontinent vorzustoßen: ein deutsches Zeppe­linluftschiff hat, wie man sich erinnert, den Weg ebenfalls zurückgelegt.

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FlugzeugBremen".

Die Maschine, die den außerordentlichen Flug vollbracht hat, ist eine ,Junkers W 33" auf Landfahrgestell mit einem Junkers-l.-5"-Motor. Es ist dies ein Spezial-Frachtenflug- zeug, das auf den neu einzurichtenden Frachtstrecken der Deut­schen Lufthansa nach London und Paris verwandt werden soll.

Der Apparat ohne Fenster und ohne Sitze hat einen außer­ordentlich geringen Betriebsstoffverbrauch, weswegen er von Köhl zu dem Transatlantik-Fluge verwandt wurde. Auf der­selben Maschine haben seinerzeit die Flieger Risticz und Edzard den Dauerweltrekord in Dessau erreicht. Junkers liefert der­artige Apparate besonders nach Südamerika und häufig als sogenannte Luftbild-Slpparate zur kartographischen Herstellung von Landkarten.

Schweres Stratzenbahnunglück.

Berlin, 15. 4. In einer Kurve auf der Heerstraße bei dem Berliner Stabion ereignete sich heute nachmittag ein schweres Straßenbahnunglück. Nach der Beendigung eines bedeutenden Fußballspiels im Stabion stürzte sich die Menschenmenge auf die Straßenbahnen, um möglichst rasch nach Berlin befördert zu werden. Eine der ersten abfahren­den Straßenbahnen schlug infolge zu großer Geschwindigkeit an der Kreuzung HeerstraßeNennbahnstraße um. Dabei fanden 5 Personen den Tod, 25 wurden schwer verletzt, während die Zahl der Leichtverletzten annähernd 100 be­tragen soll.