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Nr. 45 (1 Blatt) Samstag, den 14. April 1928 80. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

Reichs- und LanbLagSwahlen 1028.

I.-Nr. 2954. Die Huslegung der Stimmlisten für die am 20. Mai d. 3s. stattfindenden Wahlen soll vom 29. d. Mts. ab erfolgen.

Soweit möglich, ist für beide Wahlen die bei der Volksabstimmung am 20. 3uni 1926 benutzte Stimmliste wieder zu verwenden, sie muß deshalb nach den inzwischen eingetretenen Veränderungen berichtigt werden.

Formulare zu den etwa neu aufzustellenden Listen sind von der Waisenhausbuchdruckerei zu Kassel zu beziehen. Bis zum 22. d. Mts. ist mir zu berichten, daß die Stimmlisten auslegungsfähig sind. Dieser Berichtstermini ist pünktlich einzuhalten.

Schlüchtern, den 11. April 1928.

Der kom. Landrat: Dr. Müller.

3.=Hr. 2802. Zum Schutze der Saatfelder wird für den Kreis Schlüchtern angeordnet, daß alle Tauben vom 15. April bis einschließlich 5. Mai d. 3s. einzusperren sind.

Ich ersuche die Grtspolizeibehörden, darauf zu achten, daß diese Anordnung befolgt wird.

Schlüchtern, den 10. April 1928.

Der kom. Landrat. 3. D.: Zchultheis.

I.-Nr. 3133. Diejenigen Grtspolizeibehörden, welche mit der Einsendung des Verzeichnisses der Drogen- pp. Handlungen noch im Rückstände sind, werden hiermit daran erinnert. (S. Kreisblätter Nr. 7 für 1898 und 27 für 1910). 1, Ich mache hierbei nochmals darauf aufmerksam, daß die Revision der Drogenhandlungen von dem Herrn Medi­zinalrat (Kreisarzt) ausgeführt wird und die Drtspolizei- behörden bis zum 15. Mai jeden Iahres dieserhalb das Weitere mit dem Herrn Medizinalrat zu vereinbaren habest,

Schlüchtern, den 11. April 1928.

Der kom. Landrat. 3. V.: Schultheis.

A III. 5264a/28. Unter Bezugnahme auf die Verord­nung des Herrn Gberpräsidenten vom 13. Mai 1905, be­treffend verbot der Ausfuhr von Reben aus reblausver- feuchten Gemarkungen (Amtsblatt Nr. 21 von 1905), wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß z. Zt. als reblausverseucht zu gelten haben die Gemarkungen: Kßmannshausen, Dörscheid, Eltville, Erbach, Geisenheim, Hallgarten, Hattenheim, Hochheim, Iohannisberg, Kaub, Kiedrich, Lorch, Lorchhausen, Mittelheim, Gestrich, Rauen- thal, Rüdesheim und Winkel, sämtlich im Regierungsbezirk Wiesbaden.

Die Gemarkungen Winkel und Gestrich gelten zusam­men mit dem verseuchten Teil der Gemarkung Iohannisberg als ein Gemeindebezirk im Sinne des § 6 der Verordnung vom 16. August 1905 (Amtsblatt Nr. 34 von 1905).

Kassel, am 24. März 1928.

Der Regierungspräsident.

Kreisausschuß.

I.-Nr. 4087 F. Die Versorgungsämter sind von den zuständigen Reichsstellen ermächtigt worden, im Wege des HärteausgleichsErziehungsbeihilfen" für Kriegerwaisen nach folgenden Richtlinien zu gewähren:

Waisen, die Waisenrente nach der Vorschrift des § 41 des Reichsversorgungsgesetzes beziehen oder beziehen würden, wenn sie die Altersgrenze noch nicht überschritten! hätten, können auf Antrag im Falle des Bedürf - Misses bis zum vollendeten 2 4. Lebensjahre eine laufende Erziehungsbeihilfe unter An- Rechnung der Hinterbliebenenbezüge aus «nderenGuellen (Invaliden-, Angestelltenversicherung, oeamtenhinterbliebenenversorgung usw.) erhalten. Vor­aussetzung ist, daß sich die Waisen in der Schulausbildung oder in der Ausbildung für einen Lebensberuf im Sinne der bestehenden Richtlinien für Erziehung und Ausbildung von uriegerwaisen pp. befinden und hierdurch besondere Kosten entstehen, die aus dem Einkommen der Waisen und ihrer unterhaltungspflichtigen Angehörigen nicht ohne Gefähr­dung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse bestritten werden können.

Die Erziehungsbeihilfe beträgt 10. Mk. monatlich, bie kann, wenn das Kin^ das 15. Lebensjahr vollendet hat, bis auf 25. Mk. und in ganz besonders gelagerten ^inzelfällen auf 35. Mk. monatlich erhöht werben.,

Anträge auf Gewährung von Erziehungsbeihilfen sind bei der Fürsorgestelle einzureichen. Die Erziehungsberech- ugten bezw. Vormünder solcher Kriegerwaisen, die wegen Vorliegen eines Bedürfnisses für Bewilligung einer Er- Zsehungsbeihilfe in Frage kommen, werden ersucht, an einem der nächsten Sprechtage (Dienstag oder Freitag vor­

mittags) im Büro des Kreiswohlfahrtsamts Zimmer 16 zu erscheinen. Lehrverträge, Lohnbescheinigungen usw. sind mitzubringen. Reisekosten können nicht erstattet werden. Anträgen, diebiszum 1. 5. 1928 gestellt, sind, kann unter Umständen ab 1. 10. 1927 rückwirkend entsprochen werden.

Erziehungsberechtigte, die bereits aufgrund von Presse­notizen einen entsprechenden Antrag hier eingebracht ha­ben, sowie diejenigen, die eine Erziehungsbeihilfe aus Kreis­mitteln seither erhalten, werden ebenfalls zur mündlichen Besprechung nach hier vorgeladen.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, vorstehendes ortsüblich bekannt zu machen.

Schlüchtern, den 2. April 1928.

Kreiswohlfahrtsamt. Dr. Müller.

Bekanntmachung.

Das am Ende der Gartenstraße gelegene, ca 110 Ar umfassende mit Beerensträuchern und Gbstbäumen bestan­dene Gartengrundstück soll am Montag, den l 6. April abends 6 Uhr öffentlich im Ganzen oder geteilt ver­pachtet werden.

Zusammenkunft vor dem Kreishaus.

Schlüchtern, den 12. April 1928.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.

Stadt Schlüchtern.

Warnung an die Hundehalter.

Trotz unserer wiederholten Bekanntmachungen, betr. das verbot des Umherlaufenlassens von Hunden in den hiesigen Iagdrevieren, mehren sich neuerdings wieder die Klagen über die Schädigung des Wildbestandes (namentlich des Iunghasenbestandes) durch wildernde Hunde. Wir brin­gen daher die nachstehenden Bestimmungen in Erinnerung und werden gegen Ieden, der ihnen künftig zuwiderhandelt, unnachsicktlich, M fftrenger Sinxk,. Vorgehen.

1. Nach der Bezirkspolizeiverordnung vom 8. Novem­ber 1873 (Reg. Amtsbl. S. 200) verfällt derjenige, dessen Hund in einem fremden Iagdrevier jagend, suchend oder aufsichtslos umherlau­fend betroffen wird, in eine Geldstrafe bis zu 5 0. M.

Beim Betreten des Waldes sind die Hunde an die Leine zu nehmen. Das Gleiche em = pfiehlt sich dringend bei Hunden, die mit ins Feld genommen werden.

Das Unterlassen dieser Vorsichtsmaßre­gel schließt jeglichen Cinwand, daß der Hund ohne verschulden des Hundehalters entlau­fen sei, aus.

2. Nach § 30 Ziff. 6 des Kurhessischen Gesetzes vom 7. September 1865 (G. $. S. 571) dürfen Hunde, die herrenlos ober deren Eigentümer unbe­kannt sind, wenn sie in fremden Iagdrevie- ren betroffen werden, vom Iagdberechtigten getötet werden.

Die Iagdberechtigten sind angewiesen, entsprechend zu verfahren.

Schlüchtern, den 11. April 1928.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

Deutschland und der Antilriegspali.

Eine amerikanische Aufforderung.

Der Berliner amerikanische Botschafter Shurman hat dem deutschen Außenminister einen offiziellen Besuch abge­stattet, um ihm die gesamte zwischen Staatssekretär Kellogg und Außenminister Bnand über den Abschluß eines Anti- kriegspaktes geführte Korrespondenz, die aus sieben Doku­menten besteht, zu überreichen.

Dem Briefwechsel wird eine Note beigefügt sein, in der die Reichsregierung aufgefordert wird, ihre Stellungnahme zu einem gemeinsamen Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten, Deutschland, England, Frankreich, Japan und Ita­lien über die Ungesetzlichkeitscrkläruna jedes Krieges zum Ausdruck zu bringen. Zur gleichen Zeit werden auch die diplomatischen Vertreter der Bereinigten Staaten in London, Tokio und Rom bei dem Außenminister der betreffenden Länder einen Parallelschritt unternehmen.

*

Eine Mächtekonferenz?

Der diplomatische Korrespondent derMorningpost" schreibt, man ertvarte, daß nach dem Eintreffen der Aeußerungen der Mächte zum Paktplan eine Zusammenkunft von Sach­verständigen abgehalten werden würde. Es wird erklärt, daß der Standpunkt der englischen Regierung durchaus entgegen­kommend sein würde, daß aber, wie Chamberlain bereits er­klärt habe, jede etwa von Großbritannien unternommene Aktion in voller Uebereinstimmung mit den britischen Ver- Pslichtungen auf Grund der Völkerbundssatzung bleiben müsse.

Von Woche zu Woche.

Von Argus.

Die Osterfeiertage sind ruhig und programmäßig verlaufen.Programmäßig" das will besagen: mit herr­lichem Wetter, Wiedererwachen der Natur, riesigem Osterver- kehr und allem, was dazu gehört. Ganz plötzlich, sozusagen über Nacht, ist der Frühling ins Land gekommen. Hat die griesgrämige» Gesichter der Menschen aufgeheitert und die Welt mit neuer Hoffnung erfüllt. Es ist etwas Großes um diese alljährliche Auferstehung!

In der inneren Politik herrschte über die Feier­tage Burgfriede. Jetzt aber geht es in den Wahlkampf hinein. Am 20. Mai ist Reichstagswahl und sind in einer Reihe von deutschen Ländern Landtagswahlen. Preußen, Bayern, Würt­temberg, Oldenburg haben die Wahlen zu ihren Landesparla­menten auf den 20. Mai gelegt, ein Verfahren, das zwar Kräfte, Zeit und Geld spart, das aber doch einen Nachteil hat: es läßt die Angelegenheiten der Landespolitik so weit in den Hintergrund treten, daß im ganzen Wahlkampf praktisch nur die Reichspolitik eine Rolle spielt. Auf diese Weise kommt die Bevölkerung der genannten Länder tatsächlich um die Mög­lichkeit (oder Notwendigkeit), zu den aktuellen Fragen der Landespolitik klar und unbeeinflußt von Rücksichten auf die Reichspolitik Stellung zu nehmen. Andererseits wiegt der Vor­teil, daß man mit einem einzigen Wahlkampf beide Wahlen abmachen kann aber doch so schwer, daß man darüber diese Be­denken zurückgestellt hat.

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Parker Gilbert, der Reparationsagent mit dem Sitz in Berlin, hat nach der Rückkehr von seiner amerikani- gfeu Heimat der Reihe nach London, Paris und Rom besucht, s gehört nicht sehr viel politischer Scharfsinn dazu, um auf die Vermutung zu kommen, daß er nicht, nur zu seinem persön- , lichen Amüsement herumgereist ist. Und daß in den Unter­redungen Parker Gilberts mit verschiedenen Staatsmännern nicht nur vom Wetter gesprochen wurde. Aber er selber hat in einem Interview zu Rom davor gewarnt, an seine Reise allzu voreilige Hoffnungen zu knüpfen. Das soll wohl heißen: die Mparationsirage wird zwar nicht von heute aus morgen ge.ügeil, aber die tkknlektAwvn' EtkkktcrÄrZRt uuer eine neue Umgestaltung der Lösung des ganzen Problems sind im Gange. Das ist, vom deutschen Standpunkt aus gesehen, nicht viel. Aber es ist immerhin etwas. Außenpolitik ist eine Sache der Geduld. Nur wer warten kann, hat Aussicht auf Erfolge. Warten wir weiter!

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Herr Mussolini, Italiens ungekrönter König wer spricht übrigens noch von dem gekrönten? war in der letzten Zeit außenpolitisch wieder einmal sehr geschäftig. Hat zuerst den griechischen Außenminister empfangen, dann den türki­schen, hierauf den polnischen und was offiziell allerdings noch immer abgeleugnet wird den ungarischen. Die fran­zösische Presse zeigte sich durch diese Betriebsamkeit Mussolinis beunruhigt. Man rät in Paris hin und her über den Zweck dieser Unterredungen: will Italien neue Wege in seiner Bal- kanpokitik einschlagen? Und wohin sollen diese gehen? Ge­lüstet es den italienischen Diktator danach, ein sogen.Ost- locarno" zu schaffen, nachdem das Westlocarno Briands und Stresemanns Tatsache ist? Man weißnichts Gewisses" und ist daher auf Vermutungen angewiesen. Jedenfalls ist die außenpolitische Aktivität Mussolinis auffallend. Auch Ruß­land schenkt ihr bereits Beachtung, und die Sowjetpresse be­tont, oaß es Moskau nicht gleichgültig sein könne, wenn mau öt Rom Pläne schmiede bezüglich des europäischen Ostens. Da­bei darf man immer wieder nicht vergessen, daß man überhaupt Hiebt weiß, was eigentlich Mussolini will und in den Unter­redungen mit den verschiedenen Außenministern besprochen oder abgemacht hat. Möglich, daß er, der bekanntlich nie zu .WAerbundstagungen kommt, sich den persönlich« Kontakt mit anderen Staatsmännern auf feine Weise verschaffen will. Oder daß er durch seine Besprechungen zeigen will, wie sehr sich auch Italien als Großmacht fühlt, die in der hohen euro­päischen und außereuropäischen! Politik mitreden und mithandeln will. Eine solche Absicht ist recht wohl denkbar» weil Italien sich z. Z. in recht schwierigen Auseinandersetzun­gen mit seinem Ententegenossen Frankreich befindet. Aber, wie gesagt, man durchschaut diese Zusammenhänge noch nicht genügend. Und es fällt einem der tiefsinnige Ausspruch des damaligen Reichstagsabgeordneten Sabor aus den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein:Es geht etwas vor. Man weiß nur nicht was und das läßt tief blicken!"

Amerika will seine Aktion auf Abschluß eines Vicl- mächte-Vertrags, der den Krieg als ein ungesetzliches Mittel der Politik erklären und damitverfemen" soll, jetzt anschei­nend energisch weitertreiben. Die amerikanischen Botschafter in den Hauptstädwn der Großmächte darunter auch in Berlin haben den Regierungen Noten überreicht, in denen zum Beitritt zu einem derartigen Pakt aufgefordert wird. DaS entwaffnete Deutschland kann dieser Einladung wohl unbe­denklich folgen. Die anderen Mächte vorab Frankreich machen allerlei Ausflüchte. Von England aus wird bereits eine Konferenz zur Erörterung der ganzen Frage angeregt. Gegen Konferenzen dieser Art mißtrauisch zu sein, hat man nach den Erfahrungen mit den Genfer Abrüstungskonferenzen alle Ursache. Mitte April sollte der Prozeß gegen die im russischen Dongebiet verhafteten deutschen Ingenieure be­ginnen. Der Termin ist nun hinausgeschoben worden. Hoffent­lich dauert es nicht mehr lange, bis die Affäre durch eine Ge­richtsverhandlung aufgeklärt wird.