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SieGruMagen derSowjecherrschaft

Aus den Berichten, die der frühere Reichsinnenminister Koch über seine Studienreise durch Sowjetrußland in der Voss. Ztg." gibt, ist von besonderem Interesse ein Artikel über die Grundlagen der Sowjetherrschaft. Der Verfasser hat sich in Rußland gut umgesehen, und sein Urteil über die Wirt- schaftlichen Grundlagen Sowjetrußlands ist darum besonders beachtenswert. Koch stellt fest, daß durch die völlige Drosse­lung der Einfuhr und durch die Reglementierung der Ju- landsproduktion es einen freien Wettbewerb, eine Konkurrenz nicht gibt. Er sagt dann:

Ich habe volles Verständnis für den Gedanken gehabt, den Außenhandel Rußlands in der Hand des Staates zu behal­ten, solange der Beweggrund der war, Laß in diesem Lande, das Valuta für die Einfuhr der allernotwendigsten Erzeugungs­mittel und Verbrauchsartikel gebraucht, kein unnützes Zeug eingeführt wird. Insoweit war das Außenhandelsmonopol ganz gewiß nicht die Waffe eines kommunistischen Landes, andern einfach die Waffe eines entkräfteten Landes, das mit einen Geldquellen sparsam umzugehen genötigt ist. Aber mehr und mehr entwickelt sich das Außenhandelsmonopol in Ruß­land in erster Linie zu einer Schutzmaßnahme für eine un­rentable und verschlafene Jnlandsproduktion, die umgeblasen würde, wenn die frische Luft der Auslandskonkurrenz ins Land hineinströmte. Selbst hinter der höchsten Schutzzollmauer eines privatwirtschaftlichen Staates wird eine Treibhausluft, wie ie sich hinter dem Außenhandelsmonopol entwickelt, nicht ent» tehen können. Wenn man sich klar macht, daß die Eisen- aroduktion in Rußland doppelt so teuer ist und daß ein fertiger Transportdampfer in Rußland dreimal fo teuer wird als in Deutschland, so sieht man die ganze Hilflosigkeit dieses Systems.

Wie unglücklich ist z. B. die heiße Liebe dieses Volkes zur Elektrizität. Noch nicht ein Hundertstel des skandinavischen Verbrauches fommt in Rußland auf den Kopf der Bevölkerung. Auch die mittlere Wohnfläche, die in der Vorkriegszeit 8,09 Quadratmeter auf den Kopf der Bevölkerung betrug, ist nach Bernatzky im Jahre 1923 auf 6,47 und im Jahre 1926

QMdratmeter gesunken. Sie wieder aus bm-^y- Mtmsse der Vorkriegszeit zu bringen, würde die Herstellung von 373 Millionen Kubikmeter Wohnraum und einen Kosten­aufwand von 7 Milliarden Rubel kosten. Aber solche Arbeit in Angriff zu nehmen oder auch nur ernsthaft zu planen, wagt der sonst so planwütige Russe nicht.

. Aber wozu ist ein Oberster Wirtschaftsrat da mit allmäch­tigen Befugnisse, wenn er solchen Zuständen teilt Ende machen Rum? Er möchte so gern, aber die äußerliche Allmacht ist in Wahrheit eine Ohnmacht. Er kann die Wirtschaft komman­dieren, aber nicht beherrschen. Er sitzt zu- Pferde, aber das Pferd geht dahin, wohin es will. Man kann den Renner noch so fest zwischen die Beine nehmen, blutig schlagen und in die Zügel reißen: das Ziel bestimmt doch er. Daher ist das Land von Wirtschaftskrisen mehr durchrüttelt als je ein kapitalisti- Mer Staat. Daher ist auch eines der wichtigsten Prinzipien des Sozialismus, die Regulierung des Arbeitsmarktes, in kei- ner Weise gelöst. Gewiß sind auch hier die Schwierigkiten groß, denn es strömen aus diesem Lande, das bei der exten­siven und schlechten Bauernwirtschaft die 2,5 Millionen (Geburtenüberschuß, der sich jährlich ergibt, nicht auf dem Lande festholten Kinn, immer wieder neue Arbeitskräfte in die Stadt shineirl. Auf 4 bis 5 Millionen schätzt man sie Arbeitslosen M Rußland, fast sämtlich ohne Archeitslofenunterstützung, da W keiner Gewerkschaft angehören. Auf den Dornänen unü fUndwirtschaftlichen Konzessionen braucht man nicht wie in Deutschland einen festen Wirtschaftsplan zu machen, um die festen Lohn stehenden Knechte und W ter täglich beschäf­tigen zu können, sondern man erledigt --, jedem Tage, was *wn will, also dasjenige, was gerade ' den Betrieb hinein- ihaßt. Arbeiter und Gespanne holt man " H aus der Schar der Vuf dem Host nach Arbeit berumr -enden Bauern nach «oars heraus. Nur die gewerkschaftlich organisierte oder aa« kommunistisch bevorzugte Schicht liat eine gewisse Gewähr, daß man auch bei Krisen ihr Recht auf Arbeit achtet. Sonst gibt es Arbeitslose und Arbeitsuchende, Akkordarbeiter und Gelegenheitsarbeiter mehr als anderswo in der Welt.

Wenn man es als das Hauptverdienst der deutschen kapi­talistischen Wirtschaftsordnung aus den Jahren 1870 bis 1914 anzusehen hat, daß es hier gelungen ist, in jedem Jahre aus den Erträgnissen der Betriebe so viel zu ersparen, daß in einem ^ande, das nur 40 Millionen Menschen nähren konnte, neue Prvduktionsstätten und neue Betriebsmittel für eine bis zu

Millionen angewachsene Bevölkerung geschaffen Werben konnten, so scheint mir in Rußland im allgemeinen noch keine Rede davon, daß man anders als von der Hand in den Mund lebt. Selbst wenn die amtlichen Voranschläge, nach denen 1 im Jahre 1927 etwas mehr als eine Milliarde Rubel für die Erneuerung und Verbesserung des Wirtschaftskapitals erübrigt werden sollten, innegehalten werden würden, ist dieser Betrag bei dem Zustand der russischen Produktionsmittel nur 911 geringer Bruchteil des Erforderlichen. Bedenkt man, daß m die deutsche Wirtschaft schätzungsweise jährlich 8 bis 10 Mil­liarden für Rationalisierung und Erweiterung der Betriebe hureingesteckt werden, so begreift man erst die Ärmlichkeit eines Systems, das, um 2- bis 300 Millionen Mark geliehen W erhalten, kapitalistischen Ländern ein freundschaftliches Gesicht zeigen muß. Je mehr Kapital ein Land hat, um so lwundlicher ist in diesem antikapitalistischen Lande die Auf- uahme seiner Angehörigen. Der Amerikaner ist der bevorzugte . Zu wünschen bleibt, daß es gelingt, Sicherheiten zu Ichaffen, die es ermöglichen, diesem Lande Anleihen 311 gewäh- W Der Weg von der Revolution zur Evolution kann in Ruß- Bnd nur begangen werden, wenn auswärtiger Kapitalzufluß

diesem Lande die Aussicht auf eine stetige Entwicklung ver­schafft. Aber auch diese Frage glauben die Russen rein Politisch lösen zu können. Wirtschaftlichen und westeuropäischen Ge- dankengängen fremd, seyen sie nicht, daß die besten politischen Manöver ihnen nicht zu Anleihen verhelfen, solange Rußland nicht die Gewähr bietet, daß es in der Behandlung der Men- scheu und Sachgüter, die sich in das Land hineinwagen, kein halbwildes Land ist. Auch hier stehen die Russen vor der Wahl. Man kann nicht dauernd eine revolutionäre Politik des Bluffs, des Terrors und der Propaganda betreiben und gleichzeitig die wirtschaftlichen Beziehungen zum Ausland fruchtbringend und vertrauensvoll gestalten.

Erholungsurlaub des Reichskanzlers.

Berlin, 11. April. Reichskanzler Dr. Marx beabsichtigt, Ende der Woche einen längeren Erholungsurlaub anzutreten, den er, wie dieVoss. Ztg." meldet, in der Schweiz verbringen wird.

Reichstagskandidatur.

Berlin, 11. April. Der Bezirksparteitag der ostpreußischen Sozialdemokratischen Partei hat als Spitzenkandidaten für Reichs- und Landtag den preußischen Ministerpräsidenten Dr. Otto Braun aufgestellt.

Grenzzwischenfall im Kreise Lyck.

Lyck, 11. April. Wie dieLycker Zeitung" erfährt, ver­suchten in der Nacht zum Karfreitag etwa 16 bis 18 Personen aus Polen die deutsch-polnische Grenze bei Pokowen, Kreis Lyck, zu überschreiten. Sie wurden von vier polnischen Schlep­pern bis zur Grenze gebracht, stießen hier aber auf einen pol- nifchen Posten, der aus seinem Karabiner sofort Alarmschüsse abgab. Er wurde aber von den Ueberläuferu überwältigt, die ihm den Karabiner entrissen und ihn mit diesem verprügelten. Die Ueberläufer sind dann unerkannt über die Grenze gelangt. Aus polnischem Boden ist inzwischen einer der vier Schlepper verhaftet worden.

Drahtseilatteutat bei Perleberg.

». 11. April. Ein freM^g^^

Montag im Walde in der Nähe von Perleberg verübt. Zwei Männer brachten durch ein quer über die Straße gespanntes Drahtseil zwei Motorradfahrer zu Fall. Die Maschinen gingen vollkommen in Trümmer, und die Fahrer erlitten erhebliche Verletzungen. Die beiden Räuber zwangen die beiden Ver­letzten mit vorgehaltenem Revolver zum Hochhalten der Arme. Dein einen der Neberfallenen gelang, zu entkommen. Der andere wurde vollkommen ausgeplündert. Der durch den ersten Fahrer inzwischen perbeigerufenen Polizei sowie den Forst- bea litten, die sofort die Verfolgung aufnahmen, gelang es bis jetzt nicht, die beiden Täter zu verhaften.

WahlvordereiLungen in MrerOen.

Berlin 11. 4.: Zum preußischen Wahlleiter ist It. B- T. der Präsident des Statistischen Landesamts, Dr. Sänger, der auch schon preußischer Landeswahlleiter bei den Wahlen 1921 und 1924 gewesen ist, vorgeschlagen worden. Die Ernennung ist in diesen Tagen zu erwarten.

Neue Eröstöste in Gmmna.

Angara 10. 4. (WB) heute früh um 3,15 und 9 Uhr wurden in Smqrna außer mehreren schwachen zwei starke Erdstöße verspürt. In Torbali sind 11 Häuser zer­stört worden, in Smqrna eins.

Präsident Toolidge hat vom Kongreß die Bewilli­gung eines Nachtragsetats in Höhe von 56 Millionen Dollars nachgesucht, wovon 50 Millionen für die Durch­führung des Freigabegesetzes bestimmt sind.

In Langhelwigsdorf (Kreis Bolkenhain) ist in der Nacht die Wirtschaft des Landwirtes Walter niebergebrannt vier Kinder im Alter von 5 bis 10 Iahren stutz dabei verbrannt.

In der Nacht zum Dienstag stieß auf der Sangen» Hörner Thaussee bei Hamburg _ein Privatauto mit einem Milchfuhrwerk zusammeff. Der Thefpilot I. Bohne, der sich am Steuerrad befand, wurde gegen das Steuerrad ge­schleudert, wobei die Brust eingedrückt wurde. Bohne war sofort" tot. Der Flieger Maulenberg, der sich ebenfalls in dem Auto befand, blieb unverletzt.

In Mirges im Westerwald erschoß der 25 jähr. Arbeiter Franz Lamotte den Arbeiter Duboe, mit dessen Tochter er ein Liebesverhältnis unterhielt, als dieser ihm die Hand des Mädchens verweigerte. Auch den Bruder des Mädchens verletzte er lebensgefährlich. Auf der Verfol­gung brächte er sich einen Kopfschutz bei, wotzan er bald verstarb.

Im Hauptbahnhof Zürich wurden Dienstag vormit­tag sechs Streckenarbeiter von einem Zuge überrascht. Drei von ihnen, die nicht mehr rechtzeitig ausweichen konnten, wurden von der Lokomotive erfaßt und getötet.,

In Stettin ereignete sich Dienstag mittag ein schwe­res Unglück durch Gasvergiftung. Die Frau eines Buch­händlers wurde mit ihren beiden Töchterchen im _AIter von 4 und 8 Iahren und ihren Löhnen im Alter von 3 und 5 Iahren bewußtlos in der Wohnung aufgefunden. Die Gashähne waren geöffnet. Nur bei dein dreijährigen Löhn- chen waren die Wiederbelebungsversuche von Erfolg.

WteriMta i

Die letzten Nachrichten aus den füdeuropäischen Haupt­städten, ebenso aber auch das, was man aus Rom und An- gora hört, lassen immer mehr erkennen, daß sich im politischen Wetterwinkel Europas, dem Balkan, wieder einmal Dinge anspinnen, die für die Ruhe und den Frieden der Wett bedrohlich werden können. Auch in deutschen politischen und diplomatischen Kreisen beobachtet man aufmerksam diese Vorgänge, die alle auf eine ganz ungewöhnliche Aktivität Italiens in der Richtung auf eine italienische Hegemonie in Südosteuropa hinzuzielen scheinen. Am besorgtesten ist man allerdings in Belgrad, der Hauptstadt Südslawiens, gegen das sich auch zweifellos die neuen italienischen Kom­binationen in erster Linie richten. Die Massenbesuche von Außenministern, die Mussolini in diesen Tagen empfangen hat oder noch empfängt, werden in Belgrad so beurteilt, als machten sie die ganze Politik des nahen Ostens flüssig.

Die Besprechungen zwischen dem Duce und dem türki­schen Außenminister einerseits und der bevorstehende Be­such des polnischen Außenministers in Rom andererseits werden als die Einleitung einer neuen unter italienischer Führung stehenden Mächtegruppierung angesehen, die Ita­lien, die Türkei, Polen, Bulgarien, Albanien und Angara gegen Südslavien und die ihm nahestehenden Länder die Tschechoslowakei und Frankreich, vereinigen soll.

Die fortdauernden italienischen Waffenlieferungen an Albanien tragen dazu bei, die Beunruhigung in Südslavien noch zu erhöhen. So sollen nach der Meldung eines Bel­grader Blattes neuerdings wieder in Skutari vier Batte­rien italienischer Gebirgsartillerie und dreißigtausend Ge­wehre für Albanien ausgeschifft worden sein. Noch auf­sehenerregender ist die Mitteilung verschiedener athenischer Blätter, wonach vor kurzem zwei ausländische diplomatische Vertreter bei der griechischen Regierung einen Schritt betr. die Wiederaufrichtung der Monarchie in Griechenland un- te^voMmcn, bähen. Es sei von Leu beiden Diplomaten dar- hingewiesen worden, daß es nur mit Hilfe der Monar­chie möglich sein werde, der Gefahr des Kommunismus in Griechenland zu begegnen. In politischen Kreisen vermutet man in dem einer» der beiden Diplomaten den italienischen Gesandten in Athen. Auffälligerweise fügen die griechischen Blätter hinzu, daß nach ihren Informationen im Falle einer vorübergehenden Besitzergreifung der Macht durch den Kom­munismus in Griechenland unverzüglich eine Besetzung Salonikis durch Südslavien erfolgen werde. Allerdings würde dann ebenso natürlich mit der Landung von fremden Truppen (italienischen Truppen) in den griechischen Häfen zu rechnen sein.

Nicht nur in Belgrad, auch in Prag ist man über die Aktivität Italiens beunruhigt. Die Konferenzen Mussolinis mit den Außenministern der Türkei, Griechenlands und Po­lens und noch mehr die letzte Italienreise des ungarischen Ministerpräsidenten Betblen werde von der tschechischen Oeffentlichkeit mit Spannung verfolgt. Die tschechische Presse weist auf den auffälligen Umstand hin, daß sich Bethlen gerade zu einer Zeit in Italien aufhielt, wo es zu einem neuen Konflikt zwischen Südslavien und Albanien gekommen ist. In Prag ist man der Ansicht, daß Mussolini offenbar eine weitere Lähmung der Kleinen Entente be­zweckt.

Komplott gegen den Kaiser von Japan.

Ueber 1000 Kommunisten verhaftet.

Nach einer von den Blättern veröffentlichten Meldung aus Tokio herrscht in ganz Japan große Erregung wegen der Entdeckung eines "weitverzweigten roten Komplottes gegen den Kaiser von Japan.

1013 kommunistische Agitatoren wurden verhaftet. Sie werden einer Verschwörung gegen den Kaiser beschuldigt. Weiter wird berichtet, die Fäden liefen nach Feststellung der Polizei nach Moskau. Auch sei erwiesen, daß während der letzten Wahlen die Radikalen von Moskau finaüZiert wurden. Diese Einmischung in japanische Angelegenheiten habe im Lande einen Sturm der Empörung gegen die Kommunisten erzeugt. Die Behörden sähen die Angelegenheit als sehr ernst an.

Die Regierung verfügte die Auflösung der extremen ProletarierparteiRonoto" und zweier anderer extremer politischer Organisationen, da ihre Existenz die Sicherheit und Ordnung des Landes gefährde.

Ernste Lage?

Nachdem die Untersuchung gegen die am 15. März ver­hafteten Kommunisten beendet ist, hat die Regierung die Zensur für Nachrichten über Japan aufgehoben.

Der Generalstaatsanwalt erklärte dem Vertreter einer Zeitung:Der Haupteindruck, den man aus der ganzen An­gelegenheit gewinnt, ist der, daß die Lage ernst ist, denn Japan sieht sich angesichts der ziemlich todt verbreiteten aufrühreri­schen Bewegung einer ungemein großen inneren Schwierig­keit gegenüber.' Der gegenwärtige Versuch, die Grundlagen des Reiches zu erschüttern, der ztvar aus dem eigenen Lande kommt, aber von den radikalen Gedanken eines anderen Volkes beeinflußt ist, ist todt schwerwiegender als eine von außen kormnende Drohung einer bewaffneten Macht.