Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Nr. 42 (1. Blatt) Samstag, den 7. April 1928

80. Iahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

Berordu««g des Reichspräsidenten über die Auslösung des Reichstags.

Vom 31. März 1928.

Nachdem der Reichstag mit den gestern verabschiedeten Gesetzen das sogenannte Notprogramm erledigt hat, und da nicht zu erwarten ist, daß noch weitere größere gesetzgeberische Arbeiten in dieser Wahlperiode zum Abschluß gebracht werden können, löse ich auf Grund des Artikels 25 der Reichs­verfassung den Reichstag auf.

Berlin, den 31. März 1928.

Der Reichspräsident. Der Reichskanzler,

von Hindenburg. Marx.

5m Namen des Reichs!

Verordnung über die Neuwahl des Reichstags.

Vom 31. März 1928.

Auf Grund des § 6 des Reichswahlgesetzes in der Fas­sung der Bekanntmachung vom 6. März 1924 (RGBl. 1 S. 159) wird verordnet:

Die Hauptwahlen zum Reichstag finden am 20. Mai 1928 statt.

Berlin, den 31. März 1928.

Der Reichspräsident. Der Reichsminister des Innern.

von Hindenburg. von Keudell.

3,=Hr. 2810. 3m Interesse der Areisbevölkerung wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß die Zprechstun- den des Landratsamts auf Dienstag (und Freitag, vormittags von 9 bis 12 Uhr, festgesetzt sind. Den Areiseingesessenen wird in ihrem eigenen Interesse empfohlen, die Sprechstun- den einzuhalten, da sie zu anderer Zeit nicht darauf rech­nen können^ daß sich die gewünschte Rücksprache ermöglichen läßt.

Schlächtern, dem 4. April 1928.

Der kom. Landrat: Dr. Müller.

Stadt Schlächtern.

Werfen von Unrat auf Wege und Wasserläufe

Es wird darüber Alage geführt, daß in größeren Mengen allerlei Unrat insbesondere auch Unkraut und tos alle von Beeten auf öffentliche Wege und in die Wasser­läuse geworfen werden.

Diesem Unfug muß mit allen der Polizeiverwaltung zu Gebote stehenden Mitteln gesteuert werden. Wir haben daher den Feldhüter angewiesen, hierauf sein besonderes Augenmerk zu richten.

Die zur Rnzeige kommenden Täter haben die Höchstzu- lässige Strafe zu gewärtigen.

Schlächtern, den 3. Rpril 1928.

Die Polizeiverwaltung. 3. D.: Fenner.

Bekanntmachung.

Ruf unsere Areisblattbekanntmachung vom 22. März 1928 Schlüchterner Zeitung Nr. 36 wonach die Bie= ^enzüchter zur Unmeldung der in ihrem Besitz befindlichen Bienenstöcke und Bienenvölker aufgefordert worden sind, wird hiermit nochmals besonders hingewiesen. Diejenigen Besitzer, welche mit der Unmeldung noch im Rückstände sind, werden nochmals aufgefordert, dieselbe alsbald spä­testens aber bis zum 15. d. Mts. bei der Polizeiverwaltung iwchzuholen.

Unterlassung der Unmeldung wird mit Geldstrafe bis 3i 150. bestraft, an deren Stelle im Falle der Richtbei- treibbarkeit entsprechende Haft tritt.

Ichlächtern, den 5. April 1928.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

städtische Lateinschule Schlächtern.

(Sefta bis Obertertia einschließlich Lehrplan des Reform­realgymnasiums bezw. der Gberrealschule.)

Die R u f n a h m e p r ü f u n g der für 5 e x t a angemelde- Schiller und Spulerinnen findet wie die Rufnahmeprü- l'-hg für die übrigen Klaffen Dienstag, den 17. April, nor= mittags 9 Uhr statt. Anmeldungen für sämtliche Alassen Werben noch entgegengenommen. Dabei sind Geburtsschein und Impfschein bezw. Wiederimpfschein, sowie das Abgangs* ^ignis der bisher besuchten Schule einzureichen.

Splüptern, den 3. April 1928.

Der Leiter der Städtischen Lateinschule: Dr. Fenner, Studienrat.

..Weitere amtliche Bekanntmachungen be = Duden sich auf der 1. Seite bes 2. Blattes.

Deutsch-russische Aussprache.

Stresemann empfängt Litwinow. Deutschlands Standpunkt in der Donezafsäre.

Die Rückreise von der Genfer Abrüstungskonferenz nach Moskau führte den russischen Volkskommissar Lit­winow über Berlin, wo er am letzten Donnerstag eine längere Aussprache mit Dr. Stresemann hatte. Ueber den Verlauf dieser Unterredung liegt folgende amtliche Mitteilung bot:

Reichsaußeumnrister Dr. Stresemann empfing am Donnerstag den Stellvertretenden Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten der Sowjetunion, L i t- ' wi» 0 w, der von dem Botschafter der Sowjetunion in Berlin, Krestinski, begleitet war. Es fand eine längere Aussprache statt, an der auch der Leiter der Ostabteilung im Auswärtigen Amt, Dr. b. Dirksen, teilnahm.

Die amtliche Mitteilung enthält keinerlei Angaben über den Gegenstand der Aussprache, doch kann wohl kein Zweifel darüber bestehen, daß die Verhaftung der deutschen Ingenieure im Donezgebiet im Mittelpunkt dieser Besprechungen gestanden haben' dürfte. Dr. Stresemann dürste dabei den stellvertre­tenden Leiter der russischen Außenpolitik nicht im unklaren gelassen haben über die Folgen, die sich aus den Gewaltakt im Donezgebiet notwendigerweise er­geben müssen. Vor allem dürfte er Litwinow vor Augen geführt haben, wie verstimmend die mit den vertraglichen Verpflichtungen Rußlands in krassem Widerspruch stehende Behandlung der deutschen In­genieure in Deutschland gewirkt hat, und wie empfind­lich dadurch die politischen und wirtschaftlichen Bezie- hungen zwischen Deutschland und Rußland gestört wor­den sind. Allem Anschein nach wird der deutsche Außenminister auch die Gelegenheit dieser Aussprache dazu benutzt haben, um bestimmte Wünsche und For­derungen Deutschlands zur endlichen Bereinigung dieser leidigen Angelegenheit zum Ausdruck zu bringen. Aug der anderen Seite wird man anNehmen können, daß auch die Genfer Abrüstungsverhandlun­gen, bei denen bekanntlich Litwinow eine so außer­ordentlich aktive Rolle gespielt hat, Gegenstand der Be­sprechung waren.

Wie Berliner Blätter wissen wollen, scheint Lit­winow, der schon seit längerer Zeit von Moskau ab­wesend ist, in der Donezafsäre neue Gesichtspunkte nicht mitgeteilt, sondern nur die Erklärungen des deutschen Außenministers über den deutschen Standpunkt ent­gegengenommen zu haben.

*

Dank Zaleskis an die Stadt Königsberg.

Der polnische Außenminister Zaleski hat dein Oberbürger­meister von Königsberg schriftlich seinen Dank für die freund« liche Ausnahme in Königsberg ausgesprochen und feinem Schreiben den Betrag von 1000 Rm. für wohltätige Zwecke beigefügt.

Drohende Aussperrung in Sachsen.

Rund 200 000 Metallarbeiter betroffen.

Der Lohnkampf in der sächsischen Metallindustrie hat sich kurz vor Ostern erheblich verschärft. Nachdem die letzten Verständigungsversuche im Reichsarbeits­ministerium gescheitert waren, habe» die Arbeitgeber in ihrer Kartellvorstaudssitzung in Chemnitz am Dom nerstag die Gcsamtanssperrnng aller sächsischen Metall­arbeiter beschlossen. Die Aussperrung soll am 12. April wirksam werden und 200 000 Arbeiter be­treffe«.

Der neue Lohnkampf in Sachsen dreht sich um den neuen Manteltarif, der die Arbeitsbedingungen für die sächsische Metallindustrie regeln soll. Schon vor längerer Zeit waren Verhaut-langen über die Erneu­erung des Manteltarifs, dessen Geltunae. ;uer wie bei vielen anderen Lohnabmachungen am äi. März ab lief, Angeleitet worden, allerdings ohne Erfolg. Der sächsi­

sche Landesschlichter hatte daraus durch Schiedsspruch einen neuen Tarif sestgelegt, der jedoch von den Ge­werkschaften als unzureichend bezeichnet wurde, während die Arbeitgeber sich mit der Neuregelung einverstanden erklärten. ' ' - '

Die Auslegung der Wählerlisten.

Vom 29. April bis 6. Mai.

DerDeutsche Reichsanzeiger" veröffentlicht die Verordnung des Reichsinnenministers über die Aus­legung der Stimmlisten. Danach wird bestimmt, daß die Stimmlisten und Stimmkarteien für die am 20. Mai stattfindende Reichstagswahl vom 29. -lpril bis einschließlich 6. Mai auszulegen sind.

In den Gemeinden Preußens, in denen mit Zu­stimmung der preußischen Regierung mit der Reichs­tagswahl die Gemeindewahl verbunden wird, werden die Stimmlisten und Stimmkarteien vom 15. bis ein­schließlich 28. April ausgelegt.

Magdeburg, 7. ApriR Reichsminister Martin Schiele ist von dem Deutschnationalen Landesverband Magdeburg-Anhalt als Spitzenkandidat für die Reichs­tagswahl aufgestellt worden.

Osterfreude.

Kr. Kr. Nichts geht zu Grunde. Alles ist nur in ei­ner ewigen Wandlung begriffen. Nichts verschwindet aus der Welt. Alles erscheint in ewig neuer Geburt. Der Tod ist nicht der Feind des Lebens. Durch ihn erhält das Leben eine sich ewig wandelnde neue Gestalt. Alles was die Erde belebt, war einst eingeschlosien in die Feuerglu- ten dieses Sternballes, der den Weltraum durchsauste. Hin­ausgeschleudert von der gewaltigeren Feuersonne. Das Er­löschen des Feuers, das Erkalten der Kruste weckte das Leben. Weckte das Blühen. Weckte den Geist im Men­schen. Wenn der ins Innere der Erde gebannte Feuer- sturm losbrechen sollte, wenn seine Stoßkraft die dünne Schicht, die Trägerin unseres Lebens, durchbrechen sollte?! Zusammenbrechen werden der Menschen Bauten, wir ge­rade in unseren Tagen in Smyrna wieder! Zusammen­fallen werden Hütten und Talafte! Verschlungen wird alles was da atmet! Aber ist es deshalb vergangen? Es ist zu- rückgekehrt zum Ursprung, den Feuergluten der Urwelt. Weiß einer, welche Wandlung dann anheben wird?

.Der tiefsinnige deutsche Dichter Wolfram von C s ch e n b a ch erkannte diese Geburt der ewigen Wand­lung und des ewigen Bestandes aller Dinge auf Erden. Er symbolisierte dieses ewigste aller Gesetze in dem schö- nen Beispiel von Waßer und Eis. Wenn der Wintersturm über die Erde braust, wandelt sich die Materie des Wassers in Eis.

Im lauen Wehen der Früblingswinde wird die gebun- dene Materie wieder frei. Es ist immer dasselbe Master, ob starres Eis, ob strömender Fluß. Im Samen, diesem winzigen Körnchen ist die gewaltige Eiche, sind Stamm, Zweige, Blätter, Blüten und Frucht einaeschlossen. In dem Ei des Schmetterlings lebt schon die Raupe, die Duppe, der Flügelglanz des Tieres. Es ist der ewige Wandel. Das nnveroänglicbe Eins, das sich in millionenfacher Ge- stakt entwickeln kann. Im Kinde lebt der Mann, im Manne das Kind. Im Cinzelmenschen sein ganzes Geschleckt. sa die ganze Menschheit. Nah und Fern ist verbunden, Ur­zeit des Vergangenen und Urewigkeit der Zukunft, alles st "eins und unveroAna' ick. Der gewaltige Kreis des Le­ben? umschließt uns. Mir, aus den Feuergluten der ur- anfänglichen Erde geboren, sind allen Welten verwandt und verbrüdert. Alles liegt geschlossen in dem Herzen des Cinzelmemchen. Der Puls des Herzens empfängt seinen Schlag von den Milliarden Gewalten der lebendigen Ma­terie. Wiederum ist das Einzelne und das All eingeborgen in das große, ewige, allgegenwärtige Eins, das uns Gott heißt.

Es ist der tiefste Sinn aller Heilsbotschaften der Men­schen, den Einzelnen auszusöbnen mit dem Schrecken des Vergebens, mit der Gewalt des Todes. Ibn im Unter­gang den lieber gang erkennen zu lallen. Ihn frei zu machen von der Gebundenheit seiner gegenwärtigen Erscheinung. Ihn fühlen cu lasten, daß er einaegliedert ist in das ewige Gewebe des Daseins. Ihm die Svrosten zu zeigen auf der unendlichen Himmelsleiter, die Gott und Mensch verbindet. Auf der wir alle auf- und niedersteigen. In einem -wigen Wandel. Wer den Tod besiegt, der bat das ewige Leben, so lautet die tiefste Erkenntnis des MeoschenwiUens.

Was ist Wandel des Lebens? Die Auferstehung vom Tode zu neuem Dasein. Wenn die Erde grünt. Wenn Feld und Flur sich mit Blumen besäen. Wenn das fröh­liche Gezwitscher den Wald erfüllt. Wenn das Gewirr der schwirrenden Wesen die Luft durchglänzt. Wenn die Erde aus dem Winterschlaf zum Frühling erwacht, dann ist die Zeit des Gedenkens unter den Menschen, daß auch ihr Da­sein gebunden ist an diesen ewigen Kreislaus des Verge- bens und Werdens. Dann ist die Zeit des Gedenkens an jenen Menschensohn, der von Gott gesandt wurde, uns zu lehren, das Grab zu besiegen, den Tod zu überwinden. Auf- zuerstehen! Christus der Held war es. Der Vesieger des Todes. Den die Welt ans Kreuz schlug, um mit seinem Ge­ben auch seineLehre des neuenHeils zu vernichten. Das Grab sprang auf. In der strahlenden Glorie seines unerschütter­lichen Willens und Glaubens erstand er neu den Menschen Der Tod hatte keine Gewalt über ihn. Nicht über seine Lehre. Menschen konnten sein Leben nicht töten, nicht sein Wort. Sein Leib erstand in verklärter Gestalt. Sein Wort ging auf, milliardenfache Frucht trug das Samenkorn sei­nes Wortes. Die ganze Welt ist ihm ergeben. Er gab uns die Well und uns der Welt in ihrer Ewigkeit. Er gab uns und allem Sein das ewige Leben in Gottes, des Va­ters Hand.

Seitdem erblüht die Erde neu. Seitdem ist der Tod für den Menschen überwunden, denn ihm wurde die frohe Botschaft des ewigen Lebens. Der Unvergänglichkeit. Am Karfreitag verstummen die Glocken zum Zeichen der Trauer, der Todestrauer. Aber am Ostertag hallen sie freudig über die Stätten der Menschen. Laßt uns fröhlich sein, denn Christus ist erstanden! So werden auch wir erstehen. Nichts kann uns töten. Unbesiegbar für den Tod ist der Gottes­geist, der in uns Menschen wohnt! Der alles Geschehen durchflutet. Das Heil ist erschienen! Gesprengt sind die Banden des Todes, wie die Banden des Wintereises, das wieder zum fröhlich fließenden Strome wurde. Erstanden ist das Leben der Erde, lieber uns strahlt die Sonne der Heiterkeit, denn unser ist das ewige Leben!

Laßt uns fröhlich sein! Laßt die Osterglocken schallen! Laßt uns durchströmen von neuer Gottesliebe, in der wir Brüder sind im Leben der Unvergänglichkeit.