Einzelbild herunterladen
 

Nr- 33

SchSüchterner Zsitmrg

3 Blatt

BMB«g«Bii»gaMWWi»iMMM»gMa»8H^^ ..............M* i^^JEsassBEiMi^gata^^

Rus dem Reichstag.

Berlin, 14. 3. Die heute im Plenum des Reichstages be­ginnende zweite Beratung des Haushalts des Reichswehrmi­nisteriums, die sich zunächst aus das Landheer beschränkt, wird mit einer längeren Rede des Reichswehrministers Groener eingeleitet, der grundsätzlich zu den Hauptprob­lemen der Reichswehr Stellung nimmt. Der Redner be­kennt sich vor allem zu der Ansicht, daß nicht die militäri­schen, sondern die politischen Gesichtspunkte maßgebend und tonangebend seien. Nicht die militärischen Zachver­ständigen hätten über das Heerwesen zu entscheiden, sondern Regierung, Reichstag und Reichsrat. Der Minister bekennt sich zu einem gesunden, vernünftigen Pazifismus, allerdings nicht zu dem, der einer knechtigen Gesinnung entspreche. Die Wehrpolitik- sei die Dienerin der Außenpolitik. 3m Anschluß hieran tritt Reichswehrminister Groener in warmen Worten für die Bewilligung des Panzerkreuzers ein, den er im Interesse der Landesverteidigung für unumgänglich not­wendig hält, von der politischen Haltung der Reichswehr hängt die Einstellung des Parlaments zur Reichswehr und ihr Ansehen in der Bevölkerung ab. Deshalb wird meine größte Sorge sein, die Angehörigen der Reichswehr zum Staatsgedanken zu erziehen und zur Treue gegen die ver­fassungsmäßige Reichsregierung. Ich werde rücksichtslos einschreiten gegen jede Entgleisung und gegen jede Ueber- tretung dieses Prinzips. In der sich anschließenden Debatte treten die Sozialdemokraten für Abstriche in Höhe von 50 Millionen am Wehretat und für Verkleinerung des Reichs­wehrministeriums ein. Die übrigen Redner der bürgerlichen Parteien sind sich in ihren Anschauungen über die Reichs­wehr und deren Funktionen fast einig. Nachdem von den Sozialdemokraten noch einige Anträge über Streichungen am Etat und Einschränkung des Wehretats eingegangen sind, wird die Weiterberatung auf Donnerstag 13 Uhr vertagt.

Berlin, 15. 3. Das Plenum des Reichstages setzt heute die zweite Beratung des Reichswehretats fort, von den Kommunisten ist ein Mißtrauensantrag gegen den Reichs­wehrminister eingegangen. Als der nationalsozialistische Redner, der Abg. Stratzer, der sich als bewußter Militarist bekennt, sich in Beschimpfungen ergeht und den Reichs- außenminister Dr. Strefemann wegen seiner Zusammenarbeit mit Briand des Landesverrats beschuldigt, entsteht im gan­zen Hause große Unruhe, die sich noch steigert, als ein Tribünenbesucher den Worten des Abg. Straßer Beifall zollt. Trotz eines Ordnungsrufes setzt Ztraßer seine Be­schimpfungen fort, der Rest seiner Rede verliert sich jedoch in dem allgemeinen Lärm, der noch verstärkt wird durch das Läuten der Präsidentenglocke. Die weitere Debatte, in der der Reichswehrminister noch kurze Ausführungen - zur Frage des Offiziersersatzes macht, verläuft ruhig. Nach- Schluß der Aussprache wird der kommunistische Mißtrauens­antrag gegen die Antragsteller und die Stimmen der völki­schen Gruppen abgelehnt, ebenso die sozialdemokratischen Streichungsanträge. Die näste Zitzung wird auf Freitag 14 Uhr anberaumt.

preußischer Landtag.

Berlin, 14. März.

Zweite Lesung des Kulturetats.

Nachdem das Haus einige kleinere Vorlagen ohne weiteres an die Ausschüsse überwiesen hatte, wandte es sich der zweiten Lesung des Kuttusetats zu. Der erste Abschnitt behandelt das Ministerium, allgemeine Fragen, Lehrerbildungs- und Volks­schulwesen und Kirchenfragen. Damit verbunden ist u. a. eine deutschnationale Große Anfrage über die Abkehr unseres Volkes von Religion und Sittlichkeit, die sich auf den Fall Krantz und mehrere Schülerselbstmorde bezieht, sowie eine volksparteiliche Interpellation, die sich gegen die sozialdemokratische Schüler- Versammlung in Berlin aus Anlaß des Krantz-Prozesses wendet.

Für den Hauptausschuß berichtet Abg. Dr. Steffen (D. Vp.) daß von den 113,4 Millionen Mehrausgaben gegenüber dem Vor­jahre auf persönliche Ausgaben rund 113, auf sachliche aber nur rund 400 000 Mark entfallen. Der Opernhausneubau habe 12 Millionen gekostet; für das Goethe-Haus in Frankfurt a. M. könnten nicht einmal 15 000 Mark aufgebracht werden. Kultu­reller Rückgang wäre ein Verhängnis für die Weltgeltung des Deutschen Volkes.

Mitberichterstatter Abg. König-Swinemünde (Soz.) referiert über das Volksschulwesen.

Abg. Graue (Dem.) berichtet über die kirchlichen Angelegen­heiten.

Hierauf nimmt das Wort Kultusminister Dr. Becker, um in längeren Ausführungen zu Einzelheiten des Kultur- und Unter­richtsetats Stellung zu nehmen. Ueber seine grundsätzliche Auf- fassung des BildungsProgramms sagte er: Vielleicht wird m*x in späteren Jahren unser Zeitalter nicht als das der Natur­wissenschaft und Technik, sondern als das pädagogische bezeichnen; denn Naturwissenschaft und Technik, so staunenswert und unent­behrlich sie sind, bleiben doch immer weniger wichtig als die Ent­wicklung der menschlichen Seele. Die erste meiner Richtlinien war und ist die Aufrechterhaltung der Höhenlage mcferer natio­nalen Bildung. Nicht gleiche Bildung für alle, sondern gleiche Entwicklungsmöglichkeiten für alle, das ist unsere Parole gewesen.

Berlin, 15. März.

. In der allgemeinen Aussprache über den Etat des Unter- s ^nhtsminiüeriums sprechen die Abgg. König (Soz.), Frau Coh- (Dntl.) Dr. Mauscher (Ztr.), Schwarzhaupt (D. Vp.), Dr.

^ohuer (Dem.) und Pulle (W. Vgg.).

i ~ Nach Erledigung verschiedener Kleiner Vorlagen wurde der . Stellenplan in ber Fassung des Ausschusses genehmigt.

. ~ Es folgt die zweite Beratung des Wcstharztalspcrre- setz es. Die Vorlage findet nach kurzer Debatte in der Aus-

IAuffassung Annahme und gleich darauf in dritter Lesung und 11 Schlußabstimmung einmütige Zustimmung.

Sodann werden die Abstimmungen zum Handelsetat nach- v ' &cr angenommen wird. Das Haus nimmt anschließend die vpimmungen zum Haushalt des Staatsministeriums und deS ^«uisterpräsidegten vor.

Zum

Frühjahrs ha uspu tz

auch Hersteller der beliebtenHenko Wasch- und Bleich-Soda. Zum Einweichen der Wäsche, zum Weichmachen des Wassers, für Pytz- und Scheuerzwecke das Richtige.

Namentlich abgestimmt wird über den Antrag der Kommu­nisten, der dem Staatsministerium das Vertrauen entziehen will. Mit den Kommunisten stimmten nur die Völkischen. Die Wirt­schaftliche Vereinigung gab Enthaltungskarten ab. Die Deutsch­nationalen und die Deutsche Volkspartei beteiligten sich nicht an der Abstimmung. Das Ergebnis war, daß 36 mit Ja stimmten, 185 mit Nein und 13 sich enthielte». Der Antrag wurde also abgelehnt. Damit war auch dieser Haushakt erledigt.

Das Haus setzte die unterbrochene Aussprache zum KultuS- hauShalt fort.

Sie Zesatzongsnot.

Von französischen Soldaten überfallen.

Nach einer Meldung aus Ludwigshafen a. RH. wurde ein 17 Jahre altes Dienstmädchen auf dem Heimwege, als es in der Nähe der französischen Kaserne war, von zlvei französischen Soldaten angefallen. Die Soldaten versuchten, das Mädchen zu vergetvaltigen. Als sie infolge der heftigen Gegenwehr des Mädchens erkannten, daß sie ihr Ziel nicht erreichen würden, mißhandelten sie das Mädchen.

Wegen dieses Vorfalles begab sich der Oberbürgermeister in Begleitung des Polizeipräsidenten zum französischen Platz- kommando und erhob Protest mit der Bitte um strenge Unter­suchung und Bestrafung der Täter. Die beiden Täter sind von der Besatzuugsbehörde verhaftet worden.

*

Kein Verständnis beim englischen Kriegsminister.

Im englischen Unterhaus teilte der Kriegsminister in Beantwortung einer Anfrage mit, daß ihm eine Abschrift der seitens des deutschen Reichsministers für die besetzten Gebiete geäußerten Klagen zugegangen sei, worin ausgeführt werde, daß die Fälle von Mißhandlung und Belästigung der Zivil- ' bevölkerung im Rheinland durch Soldaten der Besatzung­truppen sich nicht vermindert hätten. Jedoch habe drefe Be­schwerde durchaus anerkannt, daß die Besatzungsbehörden Maßnahmen getroffen hätten, um Verstöße, die nachweislich durch Truppen begangen worden sind, zu bestrafen.

1926 seien in 15 Fällen Militärpersonen vom Kriegs- gcricht wegen Diebstahls, tätlichen Angriffen und Störung der öffentlichen Ruhe verurteilt worden. 1927 seien 14 Ver­urteilungen erfolgt. Wenn man die Umstände berücksichtige, unter denen die Truppen im Dienst seien, so glaube er nicht, daß diese Zahlen irgend etwas Anormales zeigen.

Gefängnis für eine Kranzniederlegung.

In Trier standen fünf Bitburger Pfadfinder vor dem französischen Militär-Polizeigericht. Die Pfadfindergruppe Bitburg hatte am Allerheiligcntag nach einer Wanderung in die Eifel am Kriegerdenkmal einen Kranz in den Farben des alten Deutschland niedergelegt. Daraus konstruierte die Be» satzurgsbehörde, nachdem sie sofort etwa 50 Pfadfinder der« hastn und vernommen hatte, eineVerletzung der Ordonnan­zen/' und erhob Anklage.

Der Staatsanwalt beantragte Gefängnisstrafen bis zu zwei Jahren, da nach seiner Ansicht Psadfindergruppcn vorn alten Militärregime organisiert seien.' Das Urteil lautete für ei?:" der Pfadfinder auf sechs Monate Gefängnis und 200 Mk. G aase, für den Schriftführer des Pfadfinderbundes Bitburg aus wei Monate Gefängnis, für die übrigen Angeklagten auf je einen Monat Gefängnis, in allen Fällen unter Zubilligung einer Bewährungsfrist.

ist der unentbehrliche Helfer beim Frühjahrshausputz

Brieftaubenfport. Der gewaltige Aufschwung, den der Brieftaubenfport seit Kriegsenbe zu verzeichnen hat, ist wohl hauptsächlich auf die Bravourleistungen dieser Tierchen im großen Weltkriege zurückzuführen. Wie oft waren diese, wenn eine vorderste Stellung vom Gegner sturmreif gemacht wurde, noch das einzigste Nachrichten­mittel, um die höchste Not der tapferen Besatzung zu den Divisionsstäben zu bringen. Und wie manches Täubchen starb, nebst seinem Taubenpfteger, im vordersten Graben den Heldentod Verschüttet Gas Granaten . (Es ist ja auch einzig, wie diese treuen Tierchen an ihrer Heimat, ihrem Schlage hängen und gerade diese rührende Treue, mit der selbst die größten 1214 ftünbigen wett- flüge geleistet werden, ist es, daß sich so viele Tierfreunde den Brieftaubenfport erwählt haben. Ein unbezähmbarer Wille, mit ausgeprägtestem Orientierungssinn, muß einem solchen Tierchen innewohnen, bei großer Hitze ober auch denkbar schlechtem Regenwetter, gegen wind und Böen, von früh 5 Uhr bis nachmittags 3 Uhr ununterbrochen zu fliegen, um unter allen Umständen seine Heimat, seinen liebgewonnenen Schlag, schnellstens wieder zu erreichen. Man bedenke, welchen Gefahren und Strammen die Tauben auf ihrer Reise ausgesetzt sind. Wie oft kommen die Tier­chen in verstümmeltem Zustande, mit ausgerissenen ober zusammengebundenen Schlagfedern, ohne Lchwanz, mit durchschossenem Kröpf ober schwer vom Raubvogel verletzt zurück. Mit gewaltiger Energie und mit dem Aufgebot der letzten Kräfte trachten sie selbst in solchem Zustande noch die Heimat zu erreichen. Die innigsten Gefühle und bas tiefste Empfinden werden bei dem Brieftaubem Züchter gar oft ausgelöst und darum kann man sagen, daß der Brieftaubenfport einer der schönsten und edelsten Snorte ist, die es überhaupt gibt, was der Rennstall dem Millio­när ist, das ist ein Schlag guter Brieftauben dem, dessen Geldbeutel weniger tief, 'wohl muß auch der Brieftau. benzückter Opfer an Zeit, Geld und Geduld bringen, allem es werden ihm aber auch viele erhebende Freuden gebotest. Allerorts gründet man Iuqendqruppen, um die Heranwach­sende 3ugenb als Tierliebhaber und -Pfleger zu erziehen. Man wolle solche Neigungen in jungen Menschen doch ja nicht unterdrücken, denn noch nie bat man einen wirk- Ischen Tierfreund roh und unmenschlich den Tieren gegen­über gesehen. Die beftebenben Brieftaubenvereine wer­den sich gerne dieser aufklärenden, erzieherischen Werbe­arbeit widmen. ^.

Sterb frik. (®ortraq) In der Aufklärungsarbeit über Er- Nahrung und Nahrungsmittel stebt Freitag Abend 8 Uhr im Saale non Simon eine lehr interessante Beronstaltunn bevor. In einem kurzen Vortroge überKakao und Schokolade in Haus und Bolks« wirtschaft" wird die Geschickte, die Berarbeitung her Kakaofruckt i Kakao nrb von Kakao zu Sckokolad-. ferner bi- Nährwert- und die volkswirtschaftliche Bedeutung bietet beiden wichtigen Nahrung-, m'ttel behandelt. Sodann führt der Usa-Dreiiling-FilmDie braune Göttin" zuerst in die Ursprung-heimat bee Kokoo^aumes zurzeit der Entdecker Amerikas; er zeigt die Arbeit in den Plantagen verschiedener Kontinents und gewährt ausgezeichnete Einblicke in moderne Sckokoladefabriken mit ihren Einrich'uvoen In einer Reihe von Spieltz nen launigen und kurzweiligen Cbarakter« wird barqeffent, in wiwieler Hinsicht das Leben des Menschen und seine Gesundheit mit Kakao und Schokolade verbunden sind. Deranftal- tungen dieser Art werden zweifellos das volle Interesse unserer Hausfrauen haben, da noch bamit ein Vortrag für Milchverwertung verbunden ist und am Schluß allerlei Kochrezepte aurgegeben werden.