Schlüchtemer Zeitung KreLs-Kmtsblatt * Mgememer mnttichevKNzeigLT für öen- Kreis SäMchtem WsLvunö Vevwg: H. Sveinfrtö Söhne* Gesch^-^^alMhofstr.ch * Ivmß«:Kv.^y * pvflp^ck^^MrKstwdLM.SSYo Nr. 29 (1. Blatt) Donnerstag, de« 8. März 1928 89. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
I.-Nr. 1590. Zwecks Bblegung der vorgeschriebenen Nachprüfung vor dem Herrn Veterinärrat haben in diesem Iahre folgende Fleischbeschauer und Trichinenschauer zu erscheinen und zwar am Dienstag, dem 13. März d. 3s., vormittags 10 Uhr im hiesigen Breistagssaal:
Bender-Vollmerz, Böhm-Breunings, Druschel-Lchlüch- tern, Freienstein-Larrod, Frischkorn-Heubach, Herbert- Gundhelm, Heinbuch-Hutten, Herd-Lteirrau, Heil 11= Gberkalbach, Hartmann-Zterbfritz, Jöckel-Beinhards, Iost-Gberkalbach, Bohlhepp-Gberzell, Ureß-hohenzell, Lang-Niederzell, Löffert-Bellings und Lauer-Berbers- dorf.
Die Herren Bürgermeister der betreffenden Gemeinden ersuche ich, die vorgenannten Beschauer zu dem angegebenen Termin zu laden und ihnen aufzugeben, ihre Mikroskope nebst Zubehör, Tagebücher und Bnstellungsurkunden mit- zubringen.
Schlüchtern, den 6. März 1928.
Der kom. Landrat: Dr. Müller.
J-Nr. 1868. Die Anmeldungen zu der Gesellenprüfung für Schlosser und Schmiede sind bis zum 20. März d. Js. an den Herrn Obermeister Johann Slang in Sterb- fritz und an Herrn Schlossermeifter Johann Amend in Steinau einzufenden.
Schlüchtern, den 5. März 1928.
Der kom. Landrat. 3. v.: Lchultheis.
J.-Nr. 292 V. Die Herren Bürgermeister und Guts- vorfteher des Kreises werden ersucht, künftig die aufgerechneten Jnvalidenversicherungs-Quittungskarten so lange gesammelt aufzubewahren, bis sie durch den Ueberwachungsbeamten der.Laodesversicherungsanstalt Hessen-Nassau..in^Kassel na^ geprüft worden sind. Es ist auch Vorsorge zu treffen, daß die Karten auch dann dem Ueberwachungsbeamten zur Prüfung an den Kontrolltagen vorgelegt werden können, wenn etwa der Bürgermeister oder Gutsvorsteher am Kontrolltage nicht anwesend sein sollte. Nach der Prüfung sind die Üuittungskarten dann alsbald an die Landesversicherungs- anstalt einzufenden.
Schlüchtern, den 5. März 1928.
Der Vorsitzende des Versicherungsamts. I.: V. Schultheis.
Stadt Schlüchtern.
O öffentliche Aufforderung
zur Entrichtung von Preußischen Staatssteuern (Grundvermögens- und Hauszinssteuern), städtischen Steuern und sonstigen Abgaben.
Im Monat März 1928 sind für März 1928 unb Vormonate an die Staatssteuerhebestelle und Stadt- kasse Schlüchtern zu zahlen:
Staatliche Grundvermögenssteuer,
Staatliche Hauszinefteuer,
Städtische Grundvermögenssteuer-Zuschläge,
Gewerbeertrag- und Gewerbekapitalsteuerreste für 1926 Gewerbeertrag- und Gewerbekapitalsteuer-Vorauszahlungen für 1927
Holzgelder, Schulgelder, Wassergelder, Polizeiftrafen, Städtische und Kreishundesteuer, Pachtgelder, Kanal- und AnerkennungSgebühren, sowie alle angeforderten Abgaben.
Die preußischen Staatssteuern (Grundvermögens- und Hauszinssteuern) sind am 15. eines jeden Monats, die anderen Steuern und Abgaben an den für diese festgesetzten Terminen fällig. Für verspätete Zahlungen sind Verzugs- zmsen zu entrichten.
In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen Auf- lmlungen über die zu leistenden Zahlungen verlangt wer- den. Ey wirb daher wiederholt darauf hingewiesen, daß die Steuer- und Abgabenzettel zur Vermeidung einer zeitrauben- en Abfertigung unbedingt bei der Zahlung vorzulegen sind.
Mahnungen erfolgen nur durch öffentliche Bekannt- '"achung. Die Einlegung von Rechtsmitteln hält die recht- ^"'ge Zahlung der Steuern und Abgaben nicht auf.
Schlüchtern, den 5. März 1928.
Der Magistrat. Gaenßlen.
»r Der preußische Landwirtschaftsminister hat in einem "aß an die zuständigen Organisationen den Rennoereinen Pflicht gemacht, bei Bennveranstaltungen, bei denen ?^9genschmuck angebracht wird, in erster Linie die preu- Landesflagge und die verfassungsmäßigen Beichsfar- en schwarz-rot-gold an würdiger Stelle zu zeigen.
Die Vertrauenskommission des Verbandes Berliner $ "allindustrieller hat beschlossen, die Entscheidung in der m emer etwaigen Gesamtaussperrung der Arbeiterschaft oer Berliner Metallindustrie zunächst noch zu vertagen.
Von der Sicherheitslonserenz.
Die Deschlüffe.
Der Sichevheitsausschuß hat seine Arbeiten abgeschlossen. Er hat fünf Resolutionen angenommen, die an die nächste Völkerbundsversammlung zur endgültigen Stellungnahme gehen. In der ersten Entschließung über Schieds- und Vergleichsverträge wird erklärt, daß die Entwicklung der Verfahren zur friedlichen Regelung aller Streitfälle ein wesentliches Element zur Kriegsverhütung darstelle, und der Wunsch ausgesprochen, daß die auf diesem Gebiete bereits erzielten Fortschritte möglichst weit ausgedehnt werden. In einer anderen Entschließung wird der Wunsch ausgesprochen, daß alle Staaten, die der Fakultät ivklausel des Haager Statuts noch nicht beigetreten sind, prüfen sollen, in welchem Maße die Sorge um ihre Interessen ihnen den Beitritt zur Fakultatidklaußel unter Anmeldung von Vorbehalten und Einschränkungen erlauben würde. Lord Cushenduu als einziger Redner erklärte, daß er der Resolution zustimme, daß aber England mit Rücksicht auf seine weit verzweigten Interessen und die Regierungen der Dominions unter den gegenwärtigen Verhältnissen der Fakultativklausel nicht beitreten könne. Eine weitere Resolution verlangt die größten Garantien für die Unabhängigkeit des Verkehrs des Völkerbundes in Krisenzeiten
Der belgische Delegierte Rolin-Jacqnemtzns wurde zum Berichterstatter für die deutschen Anregungen ernannt und mit der Ausarbeitung eines Berichtes für die nächste Tagung beauftragt, auf der die deutschen Anregungen zusammen mit etwa eingehenden Bemerkungen der Regierungen gründlich geprüft werden sollen»
*-<= Versonakfragen vor dem Reichskabinett. Den Blättern zufolge beschäftigte sich das Reichskabinett in seiner letzten Sitzung mit dem Personaletat. Zwischen Deutschnationalen und Zentrum soll über die Veränderungen im Personaleiat eine Verständigung erzielt worden sein, die in der Hauptsache darin bestehen soll, daß in den einzelnen Reichsministerien eine bestimmte Zahl von Beamten höher eingestuft wird. Wie von Zentrumsleiw mitget-ilt Ä^^f föne« Zp! Emstussmgen großen Umfanges vorgenommen werden! Es sollen nur die Folgerungen „aus den Fußnoten des Beamten- besoldungsgesetzes" gezogen werden, womit die Zusicherungen gemeint seien, welche insbesondere den unteren Beamten bei der Verabschiedung des Gesetzes gegeben wurden.
(::) Der Vorstand der Bezirksbauernschaft für Nassau hat die Gründung der C h r i st l i ch - N a t i 0 n a l e n Bauernpartei beschlossen und dem Reichstagsabgeordneten Hepp die Spitzen- kandidatur für den Wahlkreis Hessen-Nassau angetragen. Wie gemeldet wird, hat Abg. Hepp die Kandidatur angenommen und ist gleichzeitig aus der Deutschen Volkspartei und aus der Reichs- tagsfraktion ausgeschieden.
(::) Die Internationale Bereinigung ehemaliger Kriegsteilnehmer forderte den Stahlhelm auf, sich an der gemischten Kommission zu beteiligen, die die Aufgabe hat, die diesjährige internationale Konferenz vorzubereiten. Der Stahlhelm hat darauf geantwortet mit dem Hinweis, daß er an solchen internationalen Sitzungen nicht teilnehmen werde, solange fremde Truppen auf deutschem Boden stehen, solange das in Versailles erpreßte Diktat fortbestehe und das deutsche Volk auf Grund des Dawes-Abkom- mens Frondienste leisten müsse.
— Die Münchener Handwerksausstellung hat mit einem Defizit von 718 000 Mark abgeschlossen.
— Die zuständigen Tariforganisationen der Berliner Straßenbahn, Hochbahn und Aboag haben die Lohntarife für die Arbeiter dieser drei Verkehrsbetriebe zum 31. März gekündigt. Sie verlangen eine Erhöhung der Löhne um 15 Pfg. pro Stunbe.
— Die Tochter des Arbeiters Schäfer aus Technow ging, um einen Weg abzukürzen, abends auf dem Heimwege über ein Moor. Sie geriet vom schmalen Pfade ab und versank. Die Leiche konnte erst nach zwei Tagen aufgefunden werden.
— Zu dem Eisenbahnunglück auf der Strecke Uelzen- Langwedel teilt die Beichsbahndirektion Hannover mit, daß /eine Frau, deren Name bisher nicht festgestellt werden konnte, getötet, zwei Beisende schwer und 18 Personen leicht verletzt wurden. Der Unfall ereignete sich beim Bangieren auf dem Bahnhof Jeddigen.
— Das Stenbaler Schwurgericht hatte im Dezember den Gemüsehändler Hermann Gansewig aus Stenbal wegen Mordes an seiner Ehefrau zum Tode und dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und wegen Totschlags, begangen an seinem Lohn, zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. iGansewig hatte gegen dieses Urteil Renifion eingelegt. Diese wurde vom Beichsgericht verworfen.
— 3n $d)opfbeim geriet in der Bacht zum Sonntag der Motorenwickler Zigra mit seinen beiden 19 und 25 Jahre alten Löhnen, die betrunken nach Hause kamen, in Streit und stach mit einem Messer auf sie ein. Der eine der Löhne war sofort tot, der andere ist im Laufe des Sonntags, ohne das Bewußtsein wieder zu erlangen, verstorben. s — 3n Tokio herrscht augenblicklich eine schwere Influenzaepidemie. Die Zahl der Todesfälle ist auf 58 täglich «gestiegen. Der Kaiser und seine Tochter sind ebenfalls erkrankt.
Sie Räumungssrage vertagt?
Eine Unterredung Briands mit Stresemann. — Der deutsche Außenminister für Vertagung der Räumungsfrage. — Sonstige Genfer Meldungen.
Räumungsfrage erst im Juni?
Der Genfer Sonderberichterstatter des „Echo de Paris" will erfahren haben, daß im Verlaufe seiner Unterredung mit Briand Außenminister Dr. Stresemann zu verstehen gegeben habe, daß die Rheinlandfrage während der gegenwärtigen Völkerbundsratssitzung nicht aufgeworfen werden würde.
Nach Ansicht Dr. Stresemanns würde ein selbst theoretischer Meinungsaustausch am Vorabend der französischen und deutschen Wahlen unnütz sein; dagegen soll Stresemann an= gekündigt haben, daß die ganze Angelegenheit im Juni zur Sprache kommen würde.
♦
Oeffentliche Ratssitzung.
Die öffentliche Ratssitzung am Dienstag begann um halb 11 Uhr und wurde kurz nach 13 Uhr geschlossen. Die auf der Tagesordnung vorgesehene nichtöffentliche Sitzung, in der eine erste Aussprache über den Zwischenfall von Szent Gotthard stattfinden sollte, kam nicht zustande.
Am Nachmittag fand eine eingehende Besprechung der fünf ständigen Ratsmitglieder statt, die, wie verlautet, vor allem der Weiterberatung des Jnvestigationsgesuches der Kleinen Entente und einer ersten Aussprache über die Note des amerikanischen Staatssekretärs Kellogg und seiner Aufforderung Zum Abschluß eines allgemeiner? Nichtangriffspaktes gewidmet sein wird.
Die ersten drei Punkte der Tagesordnung der Vormittags- sitzung, die sich auf
wirtschaftliche Fragen
bezogen, wurden fast ohne Aussprache erledigt. Dabei wurden u. a. zwei vom Reichsaußenminister Dr. Stresemann erstattete . hie Täti-Mt des.^irtffiüij^
ter^nnbes und über die Einberufung des im Dezember IM gangenen Jahres eingesetzten begutachtenden Wirtschaftsrates zu seiner ersten Tagung, die am 14. Mai in Gens beginnen soll, angenommen. In seinem Bericht über die Tättgkeit des Wirtschaftskomitees des Völkerbundes unterstrich Reichsaußenminister Dr. Stresemann, gestützt auf die 'Grundsätze der Weltwirtscyaftskonferenz, die Notwerwigkert einer steten und planmäßigen aktiven Zusammenarbeit Mischen den Staaten znuch Zwecke der Beseitigung der Zollichranken. Der bereits wrlwgende Entwurf des"Wirtschafrskvmiwes solle sofort den- Bölkerbrmdsstaaten zur Gegenäußerung zugeleitet werden. Der Zeitpunkt zur Abhaltung der Konferenz ist noch nicht fest- gestellt.
Zu einer längeren und grundsätzlichen wichtige« Aussprache kam es bei der Beratung eines von dem italienischen Ratsmitglied Scialoja erstatteten Berichtes über den Stand der Ratifizierungen der unter den Auspizien des Völkerbundes abgeschlossenen Staatenabkommen. Chamberlain bemängelte als erster Diskussionsredner, daß die Opiumkonvention vom Jahre 1925 wegen ungenügender Ratisizicrung durch die Ratsmächte noch nicht in Kraft treten konnte. Auch habe eine ganze Reihe von Abkommen über Schiffahrtsfragen noch nicht die nötige Zahl von Ratifikationen erhalten. Chamberlain betonte die dringende Notwendigkeit, zunächst die bereits vorhandenen Abkommen in Kraft zu setzen, statt ihre ohnehin hohe Zahl immer mehr zu steigern.
Die Vertreter Rumäniens, Hollands, Kanadas und Japans kündigten bei dieser Gelegenheit die bevorstehende Ratifikation der Opiumkonvention durch ihre Länder an, so daß diese, da Rumänien und Holland schon in allernächster Zeit ratifizieren werden, bis zur nächsten Ratstagung in Kraft treten kann. Der rumänische Außenminister Titulescu erinnerte daran, daß sein Land als erstes das Washingtoner Achtstundenabkommen unterzeichnet.
Keine Zusammenkunft Litwinolo—Chamberlain.
Reuter meldet aus Gens, nach Mitteilung von russischer Seite werde Litwinow nicht vor dem 14. März dort eintreffen, und somit werde er auch nicht mit Chamberlain zusammen- kommen, da dieser bereits am 10. März Genf verlassen werde.
Italien ratifiziert die Locarno-Verträge.
Das italienische Amtsblatt veröffentlicht einen Erlaß mit Gesetzeskraft, durch welchen die am 16. Oktober 1925 in Locarno unterzeichneten Abkommen zwischen Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien und Italien ratifiziert werden.
Polen und Litauen.
Zu dem Alternativvorschlag der litauischen Regierung zrlr Aufnahme von polnisch-litauischen Verhandlungen verlautet von polnischer Seite, daß Polen bereit wäre, direkte Verhandlungen am 30. März in Königsberg aufzunehmen, daß es sich jedoch auch für diesen Fall die Möglichkeit Vorbehalte, Vertreter oes Völkerbundes zu den Verhandlungen hinzuzuziehen.
— Bach einer Meldung der „Kölnischen Volkszeitung" aus Paris soll anstelle des tödlich verunglückten Präsidenten Mayrisch einstweilen Fritz Thyssen mit der Führung der Geschäfte der Bohstahlgemeinschaft bis zum Zusammentritt des Präsidiums und bis zur Neuwahl beauftragt werden.