Eine internationale Zinanzkrise.
Krise in Amerika. — Die Gefahren der Reparationspolitik. Deutsche Anleihen statt deutscher Ausfuhr?
Das Urteil eines Sachverständigen.
Wie aus London gemeldet wird, sagte der Wirtschaftssachverständige Sir George Paish in einer Rede: Wir stehen inmitten einer sehr großen Finanzkrise. Wie bald sie sich zu einer
dramatischen Krise entwickeln wird, weiß ich nicht. Ich glaube aber, daß der Anfang der Krise in Amerika bereits eingetreten ist, wo umfangreiche Effektenverkäufe im Gange sind.
Amerika hat Europas Bedürfnisse an Lebensmitteln und Rohstoffen finanziert, aber wie soll Europa seine Verpflich- tungen gegenüber Amerika erfüllen, wenn das amerikanische Volk nicht bereit ist, sich mit unseren Waren bezahlen zu lassen? In diesem Jahre werden wir den schärfsten Wettbewerb zwischen den industriellen Rationen erleben, den die Welt je gesehen hat.
Die deutschen Reparationszahlungen.
Deutschland muß, so fuhr Paish fort, für 100 Millionen Pfund Sterling Waren verkaufen, um die Reparationszahlun« gen zu bestreiten, falls es das dazu nötige Geld nicht durch Anleihen aufbringt. Diese Reparationszahlungen fügen uns und anderen Rationen unermeßlichen Schaden zu. Mein Vorschlag ist, die Krise wenigstens zu vertagen dadurch, daß Amerika noch weitere Kredite gewährt, um die Lage zu erleichtern, und daß Deutschland die Erlaubnis erhält, "weitere Anleihen aufzu- nehmen, und daß diesen Anleihen bis zu einer gewissen Höhe der Vorrang vor den Reparationen eingeräumt wird. Aber zur Behebung dieser ganzen Schwierigkeiten müssen die Handelsschranken fallen. Bis zum Frühjahr 1929 müssen diese Probleme gelöst sein.
Mit 508 Millionen passiv!
Der deutsche Außenhandel im Januar.
Berlin, 21. Febr. Der deutsche Außenhandel zeigt im Januar 1928 im reinen Warenverkehr einen Einfuhrüberschuß von 508 Millionen Mark und hat damit wohl die bisher höchste Passivität erreicht. Bemerkenswert ist, daß an dieser Entwicklung nicht allein (wie in den Vormonaten) die weitere Steigerung der Einfuhr, sondern in gleichem Umfange auch ein
Rückgang der Aussuhr schuld trägt. Dieser Ausfuhrrückgang ist zum ersten Male wieder nach einer seit August lediglich mit nur geringen Schwankungen zu beobachtenden Steigerung der Warenausfuhr eingetreten, und die gesamte Warenausfuhr ist damit wieder auf etwa den Stand von August zurückgegangen, liegt jedoch immer noch etwas über dem Jahresdurchschnitt 1927. Die Cinfuhrsteigerung um 113 Millionen Mark ist hauptsächlich auf eme
Zunahme der Lebensmitteleinfuhr
(um 83 Millionen Mark) zurückzuführen. Diese Zunahme soll nach Erläuterungen des Statistischen Reichsamtes nur auf technische Zufälligkeiten zurückzuführen sein. Die Einfuhr an Rohstoffen zeigt eine Zunahme um 11 Millionen Mark. Eine erhebliche Abnahme dagegen zeigt die Einfuhr an Baumwolle um 39 Millionen Mark, ebenso an Eisenerzes, Steinkohlenteer und Zink. Auch die Fertigwa- reneinfuhr hat um 18 Millionen Mark gegenüber dem Vormonat zugenommen. Der Cinfuhrsteigerung steht ein Ausfuhrrückgang um 91 Millionen Mark gegenüber, der nach den amtlichen Erläuterungen
auf saisonmäßige (Einflüsse zurückzuführen ist. An diesem Rückgang sind hauptsächlich die Fertigwaren
Sein wahrer Name
Roman von Erich (Ebenstem
Copyright by Bremer & Comp., Berlin W 30.
11) (Nachdruck verboten)
Nun mußte es sich ja zeigen, ob dw Wiener Adresse richtig war. Er bezahlte die Rückantwort und begab sich dann nach seiner Wohnung, wo er die Hausbesorgerin verständigte, daß er ein Telegramm auf den Namen „Tr. Mittler" erwarte.
Zwei Stunden später lag die Rückantwort vor ihm.
„Kann wegen Krankheitsfall in der Familie erst in einer Woche in ©rat eintreffen. Wenn dringend, bitte um briefliche Darlegung. Dr. Richter."
Nun war es klar: Silas Hempel hatte eine falsche Spur verfolgen wollen. Dr. Richters Angaben entsprachen der Wahrheit, er hatte wirklich die Absicht, zurückzukommen, die angegebene. Adresse war keine fingierte gewesen.
„Welches Glück, daß die Sache sich so rasch aufklärte, und ich keine Zeit verlor," dachte Hempel.
Tann beschloß er, Wasmut aufzusuchen, ihn von dem Einbruch in der Rablschen Wohnung zu verständigen und seine Ansicht zu hören.
Auch der Zettel, den er bei den Ohrringen gefunden hatte, ließ ihm keine Ruhe. Da sie ausdrücklich als „Eigentum" Eislers bezeichnet waren, mußte er doch irgend eine Aufklärung darüber geben können.
7. Kapitel.
Es war inzwischen Abend geworden. Im Bureau war Wasmut sicher nicht mehr. Hempel suchte ihn also in seinem Heim auf, hörte dort aber von der Wirtschafterin, daß ihr Herr mit Bekannten im Restaurant „Thalia" speise.
Das war ärgerlich. Indessen — sprechen müsse er ihn heute noch!
Er machte sich also auf den Weg nach der Stadttheater- Restauration. wo er m Untersuchungsrichter wirklich im Freundeskreis antraf.
Während die Herren zusammenrückten, um ihm Platz zu machen, glitt Hempels Blick zerstreut über die vollbesetzte Glasveranda hin.
Plötzlich stutzte er. Gar nicht weit von ihrem Tisch entfern. saß eine kleine Gefellschaft von vier Personen: Ein älteres Ehepaar, ein jüngerer, sehr schneidig und vornehm aussehender Herr und — Melitta Bankow!
Ja, sie war es wirklich. Ihre blauen Augen, ^ie gelangweilt umhersahen, begegneten jetzt den seinen. Sie zuckte merklich zusammen und errötete dann tief.
mit 78 Millionen Mark beteiligt. Die einzig bemerkenswerte Zunabme zeigt die Textilfertigwarenausfuhr um 1,2 Millionen. Die Lebensmittelausfuhr ist um 7,6 Millionen zurückgegangen, die Rohstoffausfuhr um 5 Millionen.
Die Reparationssachlieferungen, die in den obigen Zahlen nicht enthalten sind, erreichten im Januar einen Gesamtwert von 53,25 Millionen Mark.
Artur Schopenhauer,
der große deutsche Philosoph, kam vor 140 Jahren, am 22. Februar 1788, in Sandig zur Welt. Bereits seine 1813 erschienene Doktordissertation „Ueber die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde" hat ihm die Anerkennung Goethes eingebracht. Einige Jahre daraus vollendete Schopenhauer sein weltberühmtes Werk „Die Welt als Wille und Vorstellung". Eine Reihe von unsterblichen Büchern schloß sich spE an.
Schiffe in Not.
300—400 Personen bei Tschingkiang untergegangen.
Zum Zusammenstoß des chinesischen Dampfers „Hsinta- ming" mit dem japanischen Dampfer „Atsutamaru" berichtet der Kapitän der „Atsutamaru", daß diese flußabwärts fuhr, als plötzlich die „Hsintaming" versucht habe, den Weg seines Schiffes zu kreuzen. Dieses habe die „Hsintaming" unter der Wasserlinie durchbohrt. Die 550 Passagiere der beiden Dampfer wurden von einer Panik ergriffen. Einige sprangen ins Wasser, aber die Mehrheit, etwa 300 bis 400 Personen, seien mit dem sinkenden Dampfer untergegangen. Die „Atsutamaru" und einige Dschunken nahmen etwa 100 Passagiere auf, von denen viele indessen infolge der Kalte und des langen Aufenthaltes im Wasser starben.
Füns Todesopfer eines Schiffsunglücks.
^augefünd mit voller Geschwindigkeit auf Grund gelaufen und so schnell gesunken, daß keine Zeit mehr zum Aussetzen der Boote vorhanden war. Bei dem Unglück fanden der Kapitän, ein Passa- gier, zwei . Stewardessen sowie ein Strafgefangener, der in einem Raum eingeschlossen war, den Tod.
Fünf schiffbrüchige Seeleute von einer deutschen Rettungsstation gerettet.
Der dänische Schoner „Sterna", der sich mit einer Ladung Kohlen auf der Reise von Danzig nach Dänemark befand, bekam auf der Höhe von Narmeln (Frische Nehrung) ein Leck. Der Kapitän mußte das Schiff auf Strand laufen lassen. Der 1 Rettungsmannschaft der Narmelner Rettungsstation gelang es
Wasmut, der Hempels Blick gefolgt war, lächelte.
„Aha — du hast sie auch gleich entdeckt", flüsterte er ihm zu. „Wirklich, ein Prachtweib, das muß man sagen. Aber — la Donna e mobile — —!"
„Was meinst du damit?" —
„Na, — daß sie offenbar ihre höchst übereilte Torheit, sich mir als „Braut" Eislers vorzustellen, eingesehen hat und sie nun — gutzumachen sucht."
„Ich verstehe dich noch immer nicht!"
„Wirklich? Und ein Blinder kann doch sehen, daß der Anbeter an ihrer linken Seite nicht das Ansehen eines hofsnungsloien Liebhabers hat."
„Unmöglich!"
„Was?"
„Daß sie . . ." Hempel starrte verwirrt nach dem Tisch hinüber an dem Melitta, die sich wieder ganz gefaßt hatte, nun wirklich mit liebenswürdigstem Lächeln der Unterhaltung ihres Nachbars zu lauschen schien.
War es denn möglich? Er sah sie noch im Geiste vor sich, wie sie mit tränennassen Augen wenige Tage zuvor vor ihm gestanden und von ihrer Liebe zu Eisler gesprochen hatte, „die nichts je ertöten und kein Widerstand besiegen könnte" . . . wie sie sagte!
Was war inzwischen geschehen?
Hatte irgend etwas ihren Glauben an seine Unschuld erschüttert?
Aber auch dann! Auch dann! Man wirft sich doch nach solch grausamer Enttäuschung nicht lachend dem nächstbesten Anbeter in Die Arme!
Melitta Brankow wenigstens schien nicht aus diesem Holz geschnitten.
„Wer ist denn der Mensch überhaupt?" fragte er nach einer Pause.
„Ein Herr von Kreutzen, Besitzer der Herrschaft Schwanselde bet Buchenberg. Darum hat er, her Alte, offenbar dort Sommerfrische genommen. Wie eben vorhin an unserem Tisch erzählt wurde, bewirbt sich Kreutzen schon lange um die schöne Melitta, und Papa Brankow, der außer dem kleinen Haus in der Berggasse nur feine Pension hat, setzte sich von Anfang an lebhaft für die Verbindung ein. Uebrigens begreiflich, Kreutzen ist Millionär und von Adel. Eine ganz passende Partie für die schöne Melitta."
„Aber sie! Wie kann sie jetzt — gerade jetzt? — Nein, i:>, glaube es nicht!"
„Bedenke ihre Lage: An Eislers Schuld glaubt heute die ganze Stadt —. wenn sie nicht will, daß man spöttisch
unter großer Mühe, die aus fünf Mann bestehende Besatzung des Schoners mit Hilfe des Raketenapparates zu retten.
Schwere Havarie eines deutschen Dampfers.
Der auf der Fahrt von Hamburg nach Vigo befindliche Doppelschraubenschnelldampfer „Antonio Delsino" der Ham- burg-Südamerika-Linie ist auf der Höhe von Cap Finisterre mit einem französischen Dampfer „ zusammengestoßen.. Das Schiff, dessen Wand zwei Meter über der Wasserlinie ein- gedruckt wurde, konnte noch seine Fahrt nach Vigo fortsetzen.
*
Flugzeugunfälle.
Wie dem „Matin" aus St. RaPhaLl gemeldet wird, ist ein Marineflugzeug bei einem Uebungsflug abgestürzt. Die vier Mann starke Besatzung ist schwer verletzt worden. — Ha das berichtet aus P a u: Ein Militärflugzeug ist aus bisher unbekannter Ursache abgestürzt. Der Führer, ein Sergeant, kam ums Leben. Sein Begleiter, ein Monteur, wurde leicht verletzt — Der Fliegeroffizier Jackson ist im Verlauf der militärischer Operationen gegen die Wahabiten in der Wüste abgestürzt und war sofort tot. Das Flugzeug wurde zertrümmert.
9irx in Köln verhaftet.
Er hatte noch 26000 Mark bei sich.
Am Rosenmontag wurde in Köln am Rhein der Frankfurter Kassendieb Birx verhaftet. Birx hatte noch 26 000 Mari bei sich. Besonders erwähnenswert ist, daß Birx sich wegen fortgesetzter Ausgabe von Zehnmarkscheinen verdächtig gemacht hatte. Er stand zunächst im Verdacht der Falschmünzerei. Die näheren Ermittlungen ergaben aber, daß es sich um den von Frankfurt aus gesuchten Kassendieb Birx handelt.
Ein französisch-belgisches Wirtschaftsabkommen.
Brüssel, 22. Februar. Nach einer Meldung der belgische« Telegraphenagentur sollen die französisch-belgischen Wirt- schustsbesprechungen zum Abschluß eines Wirtschaftsabkommens geführt haben.
Großadmiral v. Küster f.
Kiel, 22. Februar. Der frühere Großadmiral Hans k t Küster ist im Alter von 84 Jahren in seiner Wohnung in Kiel gestorben.
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mitleidig mit den Fingern nach ihr zeigt, so gibt es nui einen Weg, den Leuten die Mäuler zu stopfen: sich mt einem anderen zu verloben. Man kann Dann dreist behaupten, das übrige wäre — Klatsch gewesen."
„Das wäre ebenso niedrig und feig, wie Fräulein Brankows erstes Eintreten für Eisler hochherzig gewesen ist."
„Bah — du siehst, daß sie es tut. Vielleicht halb gezwungen und innerlich widerwillig — aber doch tut!"
Hempel versank in düsteres Nachdenken.
Es konnte kein Zweifel sein, je länger er sie beobachteten Herr von Kreutzen unterhielt sich mit ihr vie ein Bräutigam.
Er gab sich keine Mühe, seine Verliebtheit zu verbergen, und Melitta schien dies ganz selbstverständlich zu finden.
Der Konsul, den Hempel nun zum erstenmal sah, strahlte, und strich sich alle Augenblick seinen buschigen, grauen Schnurrbart mit der zufriedenen Siegermiene eines Kämpfers, der seinen Willen durchgesetzt hat.
Frau Brankow allein schien nicht ganz auf der Höhe der allgemeinen Stimmung. Sie sah blaß und abgespannt aus und blickte schweigend vor sich hin.
Und einmal schien es Hempel, als streife ihr Blick die Tochter in einem seltsamen Gemisch von Angst, Staunen und Unruhe.
Melitta vermied es geradezu, zu ihm hecübeczusehen Schämte sie sich vielleicht doch?
Der Detektiv wurde aus seinem Grübeln aufgeweckt durch die Wendung, die das Gespräch jetzt neben ihm nahm.
Wie begreiflich, hatte man auch hier von dem Mord gesprochen, der die Gemüter der ganzen Stadt noch in Atem hielt.
Und einer der Herren brächte nun das Gespräch auf Eislers Mutter, die er ziemlich gut gekannt hatte, denn sie wohnte bis zu ihrem Tode in einem ihm gehörigen Hause.
Er bezeichnete sie als eine durch und durch anständige, wenn auch sehr einfache Frau, die mit zärtlicher Liebe an dem einzigen Sohne gehangen habe.
„Ein Glück, daß sie seinen Fall jetzt nicht mehr erlebt hat," schloß der Herr. „Es hätte ihr das Herz gebrochen-
Fortsetzung folgt