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20 Jahre Schlüchterner Heimatbund.

Hm Sonntag, den 29. Januar, nachmittags 4 Uhr, hielt der Heimatbund in der Turnhalle eine öffentliche Versamm­lung ab, die den Beweis erbrachte, ba^ der Heimatbund auch heute noch auf die Einwohnerschaft unseres Kreises eine große Anziehungskraft ausübt. Von nah und fern wa­ren die Besucher herbeigeströmt. Der Saal der Turnhalle konnte sie Kar nicht alle fassen. Der Gremmelssche Män­nerchor leitete die Versammlung in recht ansprechender Weise in mit dem Thorlied:Muttersprache, Mutterlaut" (non Kr. hegar). hierauf eröffnete der Vorsitzende, Herr Medizmalrat Dr. Tauer, die Versammlung mit herzlichen Vegrüßungsworten. Nachdem dann der Gremmelssche Män­nerchor das Lied:Wenn der Frühling auf die Berge steigt" (von K. Wilhelm) zum Vortrag gebracht hatte, gab Herr Lehrer Praesent-Breitenbach, der Schriftführer des Heimatbundes, einen Ueberblick über die Geschichte des Hei­matbundes in den vergangenen zwanzig Iahren. Das Ziel des Heimatbundes hieße und heißt: gute und getreue Nach­barn! Tr ist deshalb ein verein über oder, besser gesagt, zwischen allen vereinen. Im Iahre 1908 gegründet, hat er sich aus kleinen Anfängen zu einer großen Organisation entwickelt, die jetzt 900 Mitglieder zählt. Reimer charak­terisierte nun in feiner Weise die Gründer des Heimatbundes und die späteren Mitarbeiter. So hob er namentlich die Verdienste von Herrn Medizinalrat Dr. Tauer hervor, der in seiner ersten Arbeit:vernichtete Zchätze" die Ver­wüstung des inneren Klosters beschrieb und dabei feststellte: viel ist vernichtet durch Unkenntnis. Aber trotzdem ist der Faden, der uns mit dem Alten verbindet, nicht ganz abge­rissen. Manches können wir uns bei ernstem Forschen wie­der vergegenwärtigen und verlebendigen. Medizinalrat Dr. Lauer hat dann in den zwanzig verflossenen Iahren das Gerüst zur Geschichte unseres Kreises aufgestellt, sorgfältig und gut gegründet und so umfassend, wie es wohl wenige Landkreise unseres Bezirks aufweisen können. Gute Helfer standen ihm zur Seite: Landrat Valentiner, Pfarrer Freund in Ramholz, Oberlehrer Walther, Pater Pastor Fuchs, Pfar­rer Heilmann, Pfarrer Zeyb, der besonders der Erforschung der heimatlichen Natur sein Interesse zuwandte, und andere. Der erste Zchriftführer des Bundes war Herr Rektor Flemmig, der sich mit Kopf und herz dafür einsetzte, daß man über der Erforschung der Vergangenheit nur ja nicht die gute Nachbarschaft mit dem Gegenwärtigen vergesse. Sein Leitspruch war und ist: Der Toten eingedenk, begrü­ßen wir das Leben". Er schuf die Zeitschrift des Bundes: Unsere Heimat", die 7 stattliche Bände aufweisen kann. Er hat den besonderen Ton angeschlagen, der es erst mög­lich machte, die Ziele des Bundes wirklich ins Volk zu tragen. Nicht nur Pfarrer, Aerzte, Lehrer, Beamte lesen das Blatt, sondern auch der Iteinbrucharbeiter und die Gän- sehirtin im Dorf. Flemmigshausbacken Brot" ist weit verbreitet. Ein Führer durch die Stabs Schlüchtern erschien in den Uriegsjähren, in denen der Heimatbund eine sehr rege Tätigkeit entfaltete. Galt es doch, die Verbindung zwischen Feld und Heimat aufrecht zu erhalten, den Er- nährungsschwierigkeiten in der Uriegszeit zu steuern und darbenden Brüdern und Schwestern in der Großstadt Lebens­mittel zu verschaffen. Im Januar 1918 wurde ein Wohl­fahrtsamt vom Heimatbund geschaffen, das Ratsuchenden

Auskunft erteilte, auch Arbeit vermittelte und Rechtshilfe und Unterstützung gewährte. Im August 1918 fand die 3. Uriegs-Volksakademie des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung in Schlüchtern statt. Die Art und Weise der Tätigkeit des Heimatbundes war sehr verschiedenartig. Kenner hielten Vorträge über Heimatgeschichte, Natur- Volkskunde, Musikabende, Theatervorführungen wurden veranstaltet, die Herrichtung von Volksbüchereien, Vogel­schutz, Blumenpflege wurden gefördert. Für die Erhaltung von Natur- und Geschichtsdenkmälern suchte man Verständ­nis zu wecken. Ein Heimatkalender, von Herrn Rektor Flemmig herausgegeben, mußte leider in den Inflations- jahren sein Erscheinen einstellen, von Anfang an haben die Behörden des Kreises und der Stabt verständnisvoll und weitschauend die Bestrebungen des Bundes unterstützt. Hof­fentlich kehren die Schwierigkeiten, die in den Inflations- jahren die Tätigkeit des Heimatbundes hemmten, nicht wieder. Das Blatt erscheint wieder regelmäßig, die Heimch- sammlung ist georbnet; Versammlungen und Abende sollen wieder stattfinden. Möge dann der Bund auch im 3. Iahr- gehnt eine segensreiche Tätigkeit entfalten! Nach dieser Rückschau von Herrn Lehrer Praesent trug Herr Pfarrer Sepb ein Begrüßungsgedicht in Mundart vor, und der Gemischte Thor sang:Wenn ich den Wandrer frage" (von Fr. Brückner). Es folgte dann der Hauptvortrag von Herrn Metropol. Liz. Dr. Boette-Marburg überVolkshumor". Es würde zu weit führen, diesen sehr interessanten vortrag, der den Zuhörer einen Blick in die Tiefen des deutschen Volksgemütes tun ließ, seinem Inhalte nach genau wieder- zugeben. Redner schilderte die verschiedenen Typen des Volkshumors, zeichnete in lebendiger Weife den Satiriker und Humoristen, wies darauf hin, aus welchen Ouellen der Volkshumor gespeist wird, zeigte, auf welchem Ge­biete er sich erstreckt und belegte seine Ausführungen mit zahlreichen Beispielen. Der vortrag legte Zeugnis ab von einem umfassenden Wissen auf dem Gebiet der Volkskunde und von feinem Verständnis für die Regungen der Volts­seele. Nachdem der Gemischte Thor:G Täler weit, o Höhen" gesungen hatte, trug Herr Pfarrer Seyd eine Anzahl humoristischer Gedichte in Mundart vor, die mit großem Beifall ausgenommen wurden. Herr Pfarrer Drüner rich­tete im Namen des Vorstandes herzliche Worte des Dankes an alle, die zum Gelingen dieser Veranstaltung mitgewirkt hatten, insonderheit dankte er den beiden Gesangvereinen und ihrem Dirigenten, Herrn Musiklehrer Bettin, er wies noch einmal heraus hin, wie notwendig die Tätigkeit des Heimatbundes in unserer Zeit sei und warb um Mitarbeit und Mithilfe. Wenn etwas ihm den Abschied von Schlüch- tern schwer machen könne, so sei es die wunderbar schöne Landschaft, durch die sich der Kreis Schlüchtern vor andern auszeichne. Tr schloß seine Ansprache mit den Worten: lebe wohl, schönes Rinzigtal, halt fest an deiner Eigenart, pflege allzeit Heimatsinn und Heimatliebe! An Stelle von Herrn Medizinalrat Dr. Tauet, der leider einen Unfall erlitten hatte, schloß Herr Bürgermeister Gaenßlen die Ver­sammlung, innern er die Hoffnung aussprach, daß der Unfall des Herrn Medizinalrats keine bösen Folgen haben möchte, und indem er freundliche Worte des Abschieds an Herrn Pfarrer Drüner richtete. Einen wirkungsvollen Ab­schluß und Ausklang bildete der vom Gremmelsschen Män­

nerchor vorgetragene Thor:Kennt ihr das Land der Eichenwälder?" (von Fr. Hegar). Möchte diese Veranstal­tung neues Interesse für den Heimatbund in allen Schich­ten der Einwohnerschaft geweckt haben!

Frankfurter Schlachtviehmarkt vom 30. 1. Der Auftrieb des heutigen Hauptmarktes bestand aus 1237 Rindern, darunter 283 Ochsen, 67 Bullen, 550= Hen, 302 Färsen, ferner 590 Kälbern, 206 Schafen und 6198 Schweinen. Ochsen A I 5862, II 5557, B I 5154, II 4750, T 4246, Bullen A 5255, B 4751, Rühe A 4750, B 4146, T 3440, D 2833, Färsen A 6063, B 5559, T 4554, Kälber B 7275, T 6571, D 5464, Schafe R 4854, B 4246, Schweine H 5658, B 5658, T 5557, D 55-57, G 5054, G 4552. Jm vergleich zu den Notierungen des Hauptmarktes vom 23. 1. waren Rinder 1 bis 2 Mark teurer. Gegenüber den preisen bes letzten Nebenmarktes waren Schafe 1 bis 3 Mark, Schweine 1 bis 2 Mark teurer und Kälber behauptet.

Freigabe Karnevalistischer Veranstaltungen. Der Regierungspräsident in Kassel bat seine Polizeiverordnung, betref­fend öffentliche Karnevalistische Veranstaltungen vom 11. Januar 1925 aufgehoben. Oeffentliche Karnevalistische Veranstaltungen find nunmehr besonderen einschränkenden Bestimmungen nicht mehr unter­worfen.

Afrikanische Reife-Erinnerungen.

Eine Vergnügungsreise nach Algier gab mir Veranlassung, die dortigen Volksgebräuche zu studieren, was mir in fremden Ländern immer besonderes VergnLaen macht. In diesem Falle hatten meine Beobachtungen ein merkwürdiges Ergebnis. Sie führten nämlich da­zu, daß ich für die Dauer meines afrikanischen Aufenthaltes keine Butter genoß. Man wird dieses ohne weiteres verstehen, wenn ich hier erzähle, in welcher Weise die Butterherstellung bei den Ein­heimischen vor sich geht. Als Ersatz für das anscheinend unbekannte Butterfaß bediente man fich eines Ziegenfellsackes, dessen haarige Außenseite nach innen kam. Der von der Milch abgeschöpfte Rahm wurde in diesen Ziegenfellsack geschüttet, einer Art Galgen aufge­hangen und nun so lange geknetet und gedrückt, bis der Rahm ausgebuttert hatte. Die Butter wurde dann geschmolzen, damit sich der darin reichlich befindliche Schmutz und die H«rre des Zie­gefelles zu Boden senken sollten.

Durch einen Zufall hatte ich kurz vor Antritt meiner Afrika- reise Gelegenheit gehabt, einen der riesigen Musterbetriebe der Rama- werke, in denen die butterfeine Rama-Margarine hergestellt wird, zu besichtigen, welcher mit seinen blitzsauberen maschinellen Einrich­tungen allerdings einen wohltuenden Gegensatz zu der Art afri­kanischer Butterbereitung bedeutete.

Es ist eben auf Reisen eine immer wieder gemachte Erfahrung, daß unsere deutschen Ansprüche in Bezug auf Sauberkeit draußen leider vielfach zu vermissen find, was namentlich für den Orient gilt, wo in Bezug auf Sauberkeit vielfach noch merkwürdige Be­griffe herrschen.

Privathandelsschule.

Donnerstag 8Y- Uhr Vortrag des Herrn Supe­rintendenten Orth: Ein Besuch bei Jeremias Gotthelf.

Mali-verein Schlichtern 1811L

Mittwoch, den 1. Februar abends 8 Uhr im Vereinslokal »Hafner"

Spielersitzung

sämtlicher Mannschaften.

Der Spielausschuß.

Konkursverfahren.

In dem Konkursverfahren über das Ver­mögen des Sterbfritzer Konsumvereins, e. G. m. b. H. in Sterbfritz ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters, zur Erhe­bung von Einwendungen gegen das Schlußver­zeichnis der bei der Verteilung zu berücksichtigen­den Forderungen und zur Beschlußfassung der Gläubiger über die nicht verwertbaren Ver­mögensstücke sowie zur Anhörung der Gläu­biger über die Erstattung der Auslagen und die Gewährung einer Vergütung an die Mitglieder des Gläubigerausschusses der Schlußtermin auf den 15 fett Februar 1928, vormit­tags 10 Uhr, vor dem Amtsgerichte in Schwar­zenfels bestimmt.

Schwarzensels, den 28. Januar 1928.

w ^ Das Amtsgericht.

für Handel Industrie

Gewerbe

und Privat sowie

BekanntmaAung.

Freitag, den 3. Februar 1928 sollen um

10 Uhr bei der Steinbrücke zu Schmidtmühle 1 Nähmaschine, 1 Sofa, 1 Kleiderschrank, 1 Milchzentrifuge, 1 Kommode, 1 Kuhrind, 1 Schwein, 1 weiteres Kuhrind und weitere 2 Schweine

Miethen mittags in der Gastwirtschaft Iobst 1 vollständiges Bett u. 1 Kleiderschrank und

^Ulmb iAch""ttags in der Gastwirtschaft Happ . 1 Nähmaschine

Mentlich meistbietend gegen Barzahlung zwangs­weise versteigert werden.

^kobeioch, Obergerichtsvollzieher in Steinau.

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