Deutscher Reichstag.
Berlin, 28. Januar.
In der fortgesetzten zweiten Beratung des Justizetats kommt Abg. Sänger (Svz.) auf die Feststellungen des bayerischen Untersuchungsausschusses in der Hitlerputschangelegenheit zu sprechen und erklärt im Anschluß daran: Nach diesen Feststellungen wissen wir, daß zwei in allen wesentlichen Punkten überführte Hochverräter, nämlich Kahr und Lossow, von der Justiz bewußt geschont worden sind. Der Gesandte v. Preger sei im Sinne eines Direktoriums in Berlin tätig gewesen. (Hört! hört! links.) Dieser iplomatische Vertreter des königlichen Freistaats Bayern ist noch ,eute aktiv in Berlin. (Hört! hört! links.)
Reichsjustizminister Hergt erklärt dazu: Ich bin nicht in der 'age und berufen, mich über die bayerischen Verhältnisse im allgemeinen zu äußern. (Unruhe links.) Was Abg. Sänger mit- ■eteilt hat, ist ja nicht eine Feststellung, sondern es sind nur Meinungen, Aeußerungen und persönliche Mitteilungen. (Stürmischer Widerspruch links.) Es ist noch gar kein abschließender Bericht )e» Untersuchungsausschusses erschienen. (Hört! hört! rechts.) Ich -abe mich wegen dieser Mitteilungen an die bayerische Regierung gewandt. Die bayerische Regierung ist im Augenblick nicht in der 2age, uns objektives Material darüber mitzuteilen. (Gelächter links.)
Im weiteren Verlauf der Sitzung kommt es während der Rede des Abg. Dr. Frick (Nat.-Soz.) zu erregten Szenen, als dieser eine Amnestie für den am Rathenaumord beteiligten Techow und für die Erzbergermörder verlangt. Vizepräsident Gräf erteilt mehrere Ordnungsrufe und weist den kommunistischen Abg. Florin aus dem Saal. Abg. Dr. Frick schließt uwer großer Unruhe mit scharfen Angriffen gegen die Republik.
Abg. Dr. Breitscheid (Soz.) ruft dem Vizepräsidenten Graf zu: Wollen Sie denn nicht einschreiten?
Vizepräsident Graf: Ich habe vorhin bereits gesagt, daß bei der allgemeinen Unruhe die Einzelheiten von mir nicht gehört werden. Ich behalte mir vor, die Rede nachher zu prüfen.
Die Freitagssitzung schließt unter großem Tumult.
Präsident Löbe erklärt in der Samstagssitzung vor Eintritt in die Tagesordnung: In der gestrigen Rede des Abg. Dr. Frick, während deren sich des Hauses große Unruhe bemächtigt hatte, waren eine Anzahl grober Verstöße gegen die parlamentarische Ordnung enthalten, die den amtierenden Vizepräsidenten zu Rügen und weiteren Maßnahmen veranlaßt hätten, wenn ihr genauer Wortlaut zu verstehen gewesen wäre. (Gelächter links und Rufe: Er ist nur nach rechts taub!) Sie sind aber weder von ihm, noch von den Schriftführern so genau gehört worden, daß ein sofortiges Einschreiten möglich war. Der Vizepräsident hat auch sofort erklärt, daß er sich nach Einsichtnahme in das Protokoll weitere Maßnahmen Vorbehalte. Im Einvernehmen mit ihm verkünde ich: Der Abg. Dr. Frick wird für die Beschimpfungen, die er gegen die Verstorbenen Minister und Abgeordneten Erzberger und Rathenau auch nach dem ersten Ordnungsruf noch fortgesetzt hat und die ich aus begreiflichen Gründen hier nicht wiederholen möchte und für die Ausführungen am Schlüsse seiner Rede, die den heutigen Staat, die Republik Deutschland, in gröblichster Weise beschimpften, zur Ordnung gerufen. Die weiteren Maßnahmen, die zweifellos gestern sofort beim ersten Ordnungsruf gefolgt wären, wenn diese Ausführungen verstanden worden wären, können heute natürlich nicht mehr eintreten. Ich rufe weiter den Abg. Jadafch zur Ordnung wegen der Drohung, die er gegen den Herrn Vizepräsi- dtznten^LULgerufe, hcu—(Unruhe bei den KoNMnnistxnü—
"Swg. Brodauf (Dem.) richtet an den Reichsjustizminister die Frage, was er seinerseits zu tun gedenke, um den vom Staatsgerichtshof festgestellten Anspruch Preußens auf den Sitz im Reichsbahnverwaltungsrat zu erfüllen. Die Antwort des Reichskanzlers auf die Frage des Abg. V. Guerard könne nicht befriedigen. Dr. Luther habe offenbar keine Empfindung dafür, daß es für ihn mindestens ein officium mobile wäre, durch freiwilligen Rücktritt den Platz für die Erfüllung des preußischen Anspruchs freizumachen.
Abg. Dr. Wienbeck (Dntl.) klagt über die Konkurrenz, die dem selbständigen Handwerk und Gewerbe durch die Arbeit in Gefängnissen und Strafanstalten gemacht werde. Die Ablegung von Gesellenprüfungen in Gefängnissen sollte unterbleiben.
Sein wahrer Name
Roman von Erich Ebenstein
Copyright by Greiner & Comp., Berlin W 30.
1) (Nachdruck verboten)
1. Kapitel.
Am Morgen des 17. Mai standen zwei Frauen unschlüssig vor dem Trödlerladen der Witwe Rabl in der Stern
Obwohl es bereits halb neun Uhr und alle anderen Läden offen waren, rührte sich hier nichts. Die Tur blieb versperrt, die Holzladeu vor dem Keinen Auslage lasten herab gelassen.
Es war den Frauen — zwei Arbeiterinnen, deren Männer kürzlich bei einem Gerüsteinsturz verunglückten, und nun im Spital lagen — sehr peinlich, hier so lange vor aller Leute Augen stehen zu müssen.
Wußte doch jedermann, daß „Mutter Wabl" gelegentlich Geld an Leute lieh, die unverschuldet in Not gekommen Allerdings nicht bedingungslos, — sie vergewisserte sich vorher sehr genau, ob es auch „ordentliche, arbeitsame Leute wären, mit denen sie in Verbindung trat. Oie netz nicht gegen Wucherzinsen, sondern nahm grundsätzlich nicht mehr als die üblichen Prozente.
„Ich schäme mich halbtot", flüsterte die eine der Frauen nun der andern zu. „Daß wir nichts kaufen wollen, steht uns jedermann an. Aber es war nicht nötig, daß die Leute hier herum, die uns kennen, erfahren, in welcher Beclegen- heit wir uns befinden. Wo sie nur bleibt, die Mutter Rabl A
Ein Schuster, der eben aus seinem Laden nebenan trat, grüßte die beiden Frauen. Dann sagte er, aus ihren wtte- nen ihre Verlegenheit erratend: „$d> würde Ihnen raten, Frau Wörmann, nicht länger hier aus Mutter Rabl zu warten. Sie ist sonst stets die erste, die ihren Laden öffnet. Wahrscheinlich ist sie trank. Wollen eae mit ihr ivrecken, gehen Sie lieber zu ihr in die Wohnung.
" Mohnt sie denn nicht hier?"
Nein! Am Laden ist keine Wohnung. Aber dort unten am Ende der Straße, in dem kleinen Haus, das tm Garten steht und dem Konsul Brankow gehört, bewohnt sie zwei Stuben in der Mansarde. Sie können gar nutzt e^ Die ^Frauen dankten und entfernten sich eilig.
Das bezeichnete Haus, ein alter Giebelbau, enthielt
Reichsjustizminister Hergt: In der vom Abg. Dr. Brodauf gestellten Frage wegen Preußens Anspruch auf den Posten im Reichsbahnverwaltungsrat bin ich nicht zuständig, sondern der Reichsinnenminister. Die Frage der Gefangenenarbeit werde Reichstag und Regierung noch eingehend beschäftigen bei der Reform des Strafvollzuges. Keineswegs sei eine weitere Schädigung des selbständigen Handwerks geplant.
Um 15.15 Uhr vertagt sich das Haus auf Montag 15 Uhr. Auf der Tagesordnung steht der Etat des Auswärtigen Amts.
Sie „Grüne Woche".
Zweck und Ziel. — Eine Rede Schickes. — Hunderttage- ausftcllung: „Die Ernährung".
Ungefähr um dieselbe Zeit, da sie heuer beginnt, ist im vergangenen Jahre die zweite „Grüne Woche Berlin" zu Ende gegangen mit dem vielen Guten und Schönen, das sie gebracht. Einige recht bedenkliche Schönheitsfehler waren grell ins Auge gefallen. Damals stellte die Leitung fest: „Im vergangenen Jahre waren sie in erheblich größerer Anzahl vorhanden. Gut Ding will Weile haben!"
Am Samstag wurde nun die 3. landwirtschaftliche Ausstellung und Messe der Reichshauptstadt, die „Grüne Woche Berlin", unter Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste feierlich eröffnet. Hoffentlich kehren die Fehler vom vorigen Jahre nicht wieder! Das Berliner Messeamt, das unter Mitwirkung führender Verbände der deutschen Land- und Forstwirtschaft und der mit ihnen verbundenen Gewerbe die „Grüne Woche" als Ausstellung für Land- und Forstwirtschaft veranstaltet, sucht folgendes Ziel zu erreichen:
„Jahr für Jahr die wichtigsten Ausschnitte aus der land- und forstwirtschaftliche» Produktion in planmäßigem Wechsel vorzuführen und eine für Stadt und Land gleich beachtenswerte Schau darzubieten, welche die zahlreichen mündlichen Verhandlungen der großen „Landwirtschaftlichen Woche" durch praktische Anschauung ergänzt!"
Reichsminister Schiele spricht.
Bei der Eröffnungsfeier kennzeichnete Herr Hans Jürgen V. Hake vom Ausstellungs-, Messe- und Fremdenverkehrsamt der Stadt Berlin das Ziel der Ausstellung dahin, daß es den Ausstellern gelingen möge, neue erfolgreiche geschäftliche Verbindungen anzuknüpfen und alte zu festigen und daß diese Ausstellung sich als eine große Propaganda für das deutsche landwirtschaftliche Qualitätserzeugnis auswirke.
Hierauf sprach für das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft Herr Reichsminister Schiele. Der Minister schilderte zunächst die Notlage der Landwirtschaft, die eine Reihe von Verlustjahren durchgeinacht habe. Auf dem Spiele stehe nicht nur die Existenz unserer Landwirtschaft und die Sicherung der Volksernährung, sondern letzten Endes die Grundlage unserer gesamten deutschen Wirtschaft. Die Lage der Landwirtschaft ist verschuldet durch den ständig wachsenden
Einbruch ausländischer Lebensmittel und Getränke
in unsere heimischen Märkte. Mehr als vier Milliarden sind im Jahre 1927 für die Einfuhr von Nahrungs- und Futter- Mitteln ins Ausland geivandert. Bei rationeller und inten- K'er Berorrffchaftüng' hätten diest Erzeugnisse '"im - eigenen Lande gewonnen werden können. Der Minister forderte eine planmäßig auf dieses Ziel gerichtete Handelspolitik.
Er ging dann auf die Ausstellung der „Grünen Woche" ein, die den Besuchern zum größten Teil Spitzenleistungen aus den arbeitsintensivsten Zweigen unserer Agrar- und Gartenerzeugnisse biete. Die Ausstellung soll ein Appell an unsere Verbraucher sein:
Für deutsche Arbeit und für deutsche Waren!
Die hierauf folgende Rede des Herrn Staatsministers Dr. Steiger brächte einen Ueberblick über die verschiedenen - Abteilungen der Ausstellung. Der Hauvtnutzen der Aus-
nur eine größere Wohnung im ersten Stockwerk, die der Hausherr bewohnte, deren Fenster aber gegenwärtig alle durch Rolläden verschlossen waren.
Im Erdgeschoß wohnte links die Hausbesorgerin, Frau Moser, rechts gab es zwei Stuben ohne Küche, die bisher als Magazin vermietet waren, gegenwärtig aber von einem jungen Sprach gelehrten bewohnt wurden, der sie der ruhigen Lage wegen mietete.
Von den zwei kleinen Mansardenwohnungen stand die eine leer, die andere gehörte Mutter Rabl.
Frau Moser, eine behagliche rundliche Witwe von fünfzig Jahren, reinigte eben den Flur, als die beiden Frauen nach Mutter Rabl fragten.
„Mutter Rabl? Ja, ist sie denn nicht längst in ihrem Laden? Ich habe sie heute noch nicht gesehen!"
„Nein, der Laden ist geschlossen."
da müssen wir gleich mal nachsehen! Wird doch nicht krank sein, die gute Mutter Rabl?"
Alle drei stiegen die Treppe hinauf und klingelten wiederholt an Frau Rabls Tür. Aber es rührte sich nichts in der Wohnung.
Die Hausbesorgerin wurde unruhig.
,Mas kann denn nur los sein mit ihr? Gestern abend war sie doch noch ganz munter und vergnügt, weil ihr Patenkind, der junge Herr Lehrer Eisler, sie besuchen sollte."
Inzwischen kam der Briefträger hinzu. Er riet einen Wachmann zu holen, und erbot sich sogar, dies zu be- ^^Ser Wachmann erschien, klingelte ebenfalls erfolglos und ließ endlich die Tür gewaltsam öffnen.
Als man eintrat, prallten die Frauen, erschreckt aufschreiend, zurück.
Hinter der Eingangstür lag Mutter Rabl steif und starr in einer Wutlache! Nun war es freilich Kar, ivarum alles Klingeln vergebens gewesen! Sie war ermordet worden.
Der Kopf der alten Frau war jämmerlich zerschmettert. Das Mordwerkzeug, eine kleine Hacke, die nach Aussage der Hausbesorgerin Eigentum der Ermordeten war, lag daneben.
Eine halbe Stunde später war das stille, freundliche Gartenhaus von einer dichtgedrängten Menge aufgeregter Menschen belagert, durch die Polizisten nur mühsam einen Weg bahnten für die Gerichtskommission.
Unser neuer Roman.
Sonderbare Wege läßt das Schicksal oft seine Menschen gehen. Und doch sind es manchmal gerade des Schicksals Lieblingskinder, die es über verworrene Pfade hiutveg- führt, um fie schließlich das Glück erringen zu lassen. So weiß der bekannte Erzähler Erich Eben st ein das Interesse der Leser aufs äußerste zu erwecken, wenn er in unserem neuen Roman „Sein wahrer Name" verwickelte Menschenschicksale entrollt. Es ist eine besondere Freude dem Autor darin zu folgen, wie er mit geschickter Hand die Fäden einer scheinbar unlösbaren Situation entwirrt und allen Hindernissen, die sich seinen Helden in den Weg stellen, zum Trotz doch alles zum guten Ende führt. Der Roman „Sein wahrer Name" darf darum des Beifalls unserer Leser sicher sein.
stellung soll sein, daß sie Erzeuger und Verbraucher einander näherbringt.
Dann hielt Oberbürgermeister D r. B ö ß die Eröffnungsrede. Die „Grüne Woche Berlin", sagte der Redner, ist tra- dikionell geworden. Sie ist ein festes und bedeutungsvolles Glied in der Reihe der periodisch wiederkehrenden Ausstellungen und Messen der Reichs- und Landeshauptstadt. Berlin würdigt die große Bedeutung der Ernährungswirtschaft auch dadurch, daß es in diesem Jahre außer der „Grünen Woche" auch die Hunderttageausstellung, die „Ernährung", veranstaltet.
Nach einer Reihe weiterer Ansprachen wurde alsdann die „Grüne Woche" für eröffnet erklärt.
Der Württembergische Landtag hinter Bazille.
Stuttgart, 30. Januar. Im Württembergischen Landtag wurde die Debatte über die Rede des Staatspräsidenten Bazille aus der Berliner Länderkonferenz abgeschlossen. Der kommunistische Antrag, dem gesamten Staatsministerium das Mißtrauen des Landtages auszusprechen, wurde gegen die Kommunisten abgelehnt. Der sozialdemokratische und der demokratische Antrag wurden ebenfalls abgelehnt. Dafür stimmten die Sozialdemokraten, Kommunisten und Demokraten. Ein demokratischer Eventualantrag, der den Eindruck der Rede des Staatspräsidenten bedauert, wurde ebenfalls abgelehnt. Außer den bereits genannten Parteien hatte die Deutsche Volkspartei für diesen Antrag gestimmt.
Eisenbahnunglück in Hinterindien.
Rangoon, 30. Januar. Auf der Strecke Rangoon —Mandalay ist ein Personenzug von einer Brücke abgestürzt. Bisher wurden vierzig Tote und zahlreiche Verletzte aus den Trümmern geborgen.
Ermordung eines deutschen Gelehrten.
Berlin, 29. Januar. Dr. Walter Stoll, der Südwest- anatolien zu Sprachforschungen bereiste, war seit einiger Zeit verschollen. Die deutschen amtlichen Vertretungen m der Türkei betrieben seit längerem mit Hilfe der türkischen Behörden Nachforschungen. Diese führten zu dem traurigen Ergebnis, daß Dr. Stoll in der Gegend von Dawas, alfo entgegen anders lautenden Meldungen auf türkischem Gebiet, erschossen worden ist. Der Mörder ist festgenommen und das Verfahren gegen ihn eröffnet. Ein deutscher Beamter ist zur Beisetzung der Leiche und Sicherung des Nachlasses entsandt.
— Die Zahl der bei dem Eisenbahnunglück bei Rangoon ums Leben gekommenen Personen hat sich inzwischen auf 52 erhöht.
— In Danzig-Langsuhr hat ein arbeitsloser Bäckergeselle, anscheinend in einem Zufall geistiger Umnachtung, auf sechs vorübergehende Schüsse abgegeben, von denen Zwei schwer verletzt wurden. Der Täter verübte daraufhin Selbstmord.
Frau Mosers „gute Stube" wurde von Dem Untersuchungsrichter Dr. Wasmut beschlagnahmt, der darin, nachdem der Lokaltermin oben beendet war, Verhöre vor- nahm.
Aus dem Ganzen ergaben sich nach und nach folgende Tatsachen:
Das Haus, in dem der Mord geschah, war zurzeit schwach besetzt. Da Der Hausherr vor einigen Tagen mit Frau und Tochter zum Sommeraufenthalt nach Buchen- berg in Obersteiermark gegangen war, wohnten unten nur Frau Moser und Der junge Gelehrte, Dr. Richter, oben in der Mansarde Mutter Rabl.
Der Mörder hatte also leichtes Spiel gehabt, beton» ders. Da Der einzige Mann im Haus — Richter — keine Gefahr für ihn bildete.
Der junge Gelehrte arbeitete, wie Frau Moser an» gab, an einem wissenschaftlichen Werk, lebte nad^ der Uhr, verließ seine Wohnung nur morgens auf zwei Stunden, um seinen Spaziergang zu machen und kümmerte sich absolut um nichts in seiner Umgebung.
Jede Partei besaß einen eigenen Hausschlüssel. Um neun Uhr wurde das Tor von der Moser versperrt, nachdem sie stets vorher noch Umschau im Hause gehalten hatte.
Auch gestern war dies geschehen, ohne daß sie etwas Verdächtiges bemerkt oder nachher gehört hätte.
Als sie schlafen ging, war oben bei Frau Rabl deren Patenkind, der Lehrer Felix Eisler, zu Gast.
Er sollte, wie Mutter Rabl Der Moser erzählt hatte, heute früh eine neue Stelle irgendwo in Obersteiermar' antreten, und war aus diesem Anlaß von ihr zu einem Abschiedsessen für gestern abend eingeladen worden.
Wie lange er geblieben, wußte die Moser nicht. schlief von zehn Uhr an in einem Zuge bis früh. Er wurde von der Hausbesorgerin als ein sehr netter Mann, solid, ordentlich' und dankbar gegen seine Wohltäterin, Mutter Rabl, geschildert.
Dr. Richter befand sich noch auf seinem Morgenspazier- gang. In Den beiden Stuben der.Ermordeten herrschte furchtbar Unordnung. Alle Laden waren aufgezogen und durchwühlt, die Kasten geöffnet, sogar das Bettzeug her- ausgezerrt. „ 6
Offenbar hatte es der Mörder nur auf Bargeld angesehen, denn Schmuck- und andere Wertsachen fanden sich in Menge vor.
(Fortsetzung folgt)