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Nr. 10

Dienstag, den 24. Januar 1S28

80. Zahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

I .-Nr. 475. Die den Herren Bürgermeistern in den nächsten Tagen zugehenden neuen Formblätter B für die Zusammenstellungen der Ergebnisse der Schlachtvieh- und Fleischbeschau bei Schlachtungen im Inland für das Jahr 1927, ersuche ich den Beschauern sofort auszuhändigen. Da die Aenderung der Vordrucke eine teilweise Umgestal­tung der Zusammenstellungen veranlaßt hat, ersuche ich den Beschauern die genaue Beachtung der auf den Zusam­menstellungen abgedruckten Anweisungen für die einzelnen Eintragungen zur besonderen Pflicht zu machen.

Ferner ist noch darauf aufmerksam zu machen, daß im Formblatt B in der Nachweisung 3 dieabgekapselten Eiterherde" nicht mehr wie bisher in der ZeileEntzün­dungen der Haut", sondern in der Zeileandere Erkran­kungen und Mängel" nachzuweisen sind.

Zur ZeileSchlachtungen, bei denen eine Beschau der Tiere im lebenden Zustande nicht stattgefunden hat" der Nachweisung 1 ist zu bemerken, daß der Fleischbeschauer hier nur solche Tiere einzutragen hat, die er für untauglich erklärt hat. Die Zahlen in dieser Zeile dürfen nicht größer sein, als die in der Nachweisung 2.

Schlachtungen, bei denen der Fleischbeschauer die Fleischbeschau nicht ausgeführt hat, sind in der Sondernachweisung zu führen. Diese Angaben bleiben in den Nachweisungen 13 völlig unberücksichtigt.

Für die pünktliche Einsendung der Zusammenstellun­gen zum 1. Februar d. 3s. ersuche ich Sorge zu tragen.

Schlüchtern, den 21. Januar 1928.

Der kom. Landrat. 3. v.: Schultheis.

I .-Nr. '413. Die Grtspolizeibehörden werden an die Erledigung der Verfügung vom 4. Mai 1917 - Rr. 4064 - Kreisblua Nr. 3,, betr. Erreichung der NontrWßp^ über die im Laufe des Jahres 1927 ausgestellten Fischerei scheine nochmals erinnert.

Schlüchtern, den 20. Januar 1928.

Der kom. Landrat. 3. O.: Schultheis.

Kreisausschuß.

I .-Nr. 296 K. A. Auf Grund des § 13 des preußi­schen Gesetzes vom 27. Dezember 1927. G. S. S. 211 und der Ziffer E der ministeriellen Ausführungsanweisung vom 28. Dezember 1927 sind die nachstehenden Herren vom Kreisausschuß bis zur Auflösung der Gutsbezirke zu Gutsvorstehern bestellt worden:

1 .) Forstmeister Rang, Salmünster für den Forstgutsbe- bezirk Salmünster.

2 .) Forstmeister Richter, Marjoß für den Forstgutsbe- zirk Marjoß.

3 .) Oberförster Mehlburger, Mottgers für den Forst­gutsbezirk Mottgers Süd.

4 .) Oberförster Wachter, Mottgers für den Forstguts- bezirk Mottgers Nord.

5 .) Oberförster Schmedling, Niederkalbach für den Forst­gutsbezirk Niederkalbach.

6 .) Oberförster Lueder, Steinau für den Forstgutsbezirk Steinau.

7 .) Rentmeister Muche, Ramholz für den Gutsbezirk Ramholz.

8 .) Gutspächter Braun, Lindenberg für den Gutsbezirk Lindenberg.

9 .) Gutspächter Goll, Hundsrück für den Gutsbezirk Hundsrück.

Schlüchtern, den 20. Januar 1928.

Der Kom. Landrat: Dr. Müller.

^Deckblätter zum amtlichen Handbuch für die preußischen Standesbeamten.

RdLrl. d. MdI. o. 1. 1. 1928 - I e ^42/3.

Der Verlag des Reichsbundes der Standesbeamten Deutschlands, Berlin SW 61, Gitschiner Str. 109, wird im ^aufe des Monats Januar 1928 jedem Standesbeamten Preußens die neu erschienenen Deckblätter des amtlichen Handbuchs gegebenenfalls als Beilage der Zeitschrift für 5tandesamtswesen, zusenden. Sollte ein Standesamt bis zum 1. April 1928 die Deckblätter nicht in Händen haben, so ist dies dem Verlage unmittelbar anzuzeigen. Die Ober­präs., Reg.-Präs. und Landräte erhalten demnächst durch mich je 2 Abdrücke der Blätter. Die im übrigen für die stellvertretenden Standesbeamten oder sonst erforderliche hahl von Deckblättern ist bei dem bezeichneten Verlag be­sonders anzufordern.

Die Standesbeamten sind verpflichtet, die Deckblätter nach Empfang an den betreffenden Stellen des amtlichen Handbuches einzukleben und sich in Zukunft nach den ge­änderten Vorschriften zu richten.

Die Standesbeamten erhalten auch durch dieZeit­schrift für Standesamtswesen" von diesem RdErl. Kenntnis.

An die Ober- und Reg.-Präs., Landräle und Stan­desbeamten. MBliv. Nr. 2.

Stadt Schlüchtern.

Ausschreibung.

Die Glaserarbeiten für die städtischen Neubauten (Drei­und Vierfamilienwohnhaus) sollen vergeben werden.

Schriftliche Angebote sind in verschlossenen Briefum­schlägen mit der AufschriftSubmission" bis spätestens Samstag, den 28. Januar vormittag s 1 1 Uhr dem Stadtbauamt einzureichen.

Die Oeffnung der Angebote geschieht in Gegenwart etwa erschienener Bewerber.

Zeichnungen und Bedingungen können daselbst ein­gesehen und die Angebotsformulare in Empfang genommen werden.

Zuschlagserteilung bleibt vorbehalten.

Schlüchtern, den 23. Januar 1928.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Groeners Amtsantritt.

Er ist dem Rufe Hindenburgs gefolgt.

Der neue Reichswehrminister Groener hat am Sonnabend sein Amt von seinem Vorgänger offiziell übernommen. Dabei hielt er eine Ansprache, in der er nach Dankesworten an Dr. Geßler u. a. ausführte:

Vielen von Ihnen bin ich persönlich aus gemein­samer Arbeit, anderen bin ich mindestens durch schlech­tes oder durch besseres Renomme bekannt. Jedenfalls komme ich nicht in dieses Haus als ein Fremder und als einer, der Ihnen fernsteht. Denn meine ganze Liebe galt immer unserer Wehrmacht bis zum heutigen Tage und von heute an erst recht.

Es ist keine Kleinigkeit für mich, aus dem beschau­lichen Dasein des halben Gelehrten rotier in die Oef- fentlichkeit und in die Politik einzutreten. Ich tue es aber gern, weil ich berufen bin durch das Vertrauen unseres Herrn Reichspräsidenten, unseres allverehrten und geliebten Generalfeldmarschalls.

Das ist der Boden, auf dem ich stehe: das Ver­trauen Hindenburgs!

Herr Minister Gehler hat ja schon an das Ber- i trauen appelliert, das Sie mir entgegenbringen wer­den. Wir werden uns kennen lernen, wir wollen ge­meinsam unsere Schuldigkeit tun und Vertrauen zuein­ander haben, in voller Offenheit, und ich bin über­zeugt, daß wir die gute Grundlage, die in der Zeit meines Herrn Amtsvorgängers geschaffen worden ist, weiter ausbauen, weiter Erfolge erzielen werden, wenn wir geradeaus den Weg der Pflicht gehen. Außerdem drängt es mich, Ihnen zu sagen, daß Sie mich als Kameraden betrachten sollen, und aus dem Gefühl der Kameradschaft heraus wird manche Schwierigkeit, die entstehen könnte, leicht überwunden werden."

Keßlers Abschledsrede«

Vorher hatte sich Dr. Geßler von seinen Mit­arbeitern mit einer Ansprache verabschiedet, in der er des Tages gedachte, an dem er vor acht Jahren als Fremder sein Amt übernommen.

Wo wir alle," fuhr Dr. Gehler fort,bedrückt waren von der Sorge um den nächsten Tag, um die Erhaltung unseres Vaterlandes, dem heute wie damals doch von einem großen Teil unserer früheren Gegner höchstens so viel des Lebens gelassen werden will, daß wir die Lasten, die uns der Vertrag von Versaille. aufgezwungen hat, leisten können. Vor uns stand die ungeheure Aufgabe, die tragische Aufgabe, die 2lu<; lösung des alten Heeres. Tausende von pflichttreuen i Soldaten, Offizieren und Beamten muhten ihren 516 schied nehmen, die in der Inflation einem sehr unsiche ren Schicksal entgegengingen, Männer, die das Gemüt und das Recht hätten, zu sagen, daß sie in der schwer sten Zeit Deutschlands mehr als ihre Pflicht getan haben. Die Jahre gingen hin: jedes Jahr hat uns neue Sorgen, neue Probleme gebracht.

Ich bitte, es nicht unbescheiden zu nennen, daß ich das Gefühl habe, daß mich auch jedes Jahr mehr mit denen verbunden hat, die ich hier als meine Mit arbeitet in diesem Hause gehabt habe, daß uns das Gefühl geeinigt hat, »an einer großen Aufgabe miru- arbeiten, das Gefühl, daß wir alles Persönliche zurü stellen und uns selbstlos in den großen Dienst umeres deutschen Vaterlandes zu stellen haben. Und wenn ich heute aus Ihrem Kreise scheide, so scheide ich nicht r als Fremder, sondern im Gefühl der Waffenbrüderschaft der Freundschaft und Kameradschaft, die mich mit | meinen Mitarbeitern verbindet. Das beruht aus Gegen , seitigkeit, und auf dieses Gefühl glaube ich stolz sein ; zu können. Kann es für einen Mann etwas Köst licheres geben, als wenn er aus dem Amte scheidet mit dem Gefühl, seine besten Kräfte hingegeben zu haben, wenn er aber auch die Ueberzeugung hegen darf, daß sein Werk gefördert ist, dessen Srunbfteiu er gelegt hat."

phoxhus und anderes.

Die Etatdebatte im Reichstag, die übliche Gelegenheit zu großen politischen Auseinandersetzungen, hat keine Sensation gebracht. Die Debatte war sogar auffallend ruhig und sachlich. Selbst der Sprecher der größten Oppositionspartei, der Sozial- demokrat Severing, bekanntlich früherer preußischer Innen­minister, der übrigens aus diesem Anlaß zum erstenmal seit vielen Jahren im Reichstag wieder das Wort ergriff, war, wenn auch in der Sache scharf, so doch in der Form gemäßigt. Daß Reichskanzler Dr. Marx von sich aus auf die unange­nehme Phoebus-Filmangelegenheit zu sprewen kam und nicht abwartete, bis die Opposition eine Erklärung darüber provozierte, war ein recht geschickter Schachzug. Die Affäre selbst ist natürlich eine recht bedenkliche Geschichte. Aus den Darlegungen des Kanzlers geht hervor, daß die Presse­meldungen darüber mögen sie auch im Einzelnen über­trieben gewesen sein im großen und ganzen zutrafen. Jedenfalls steht fest, daß ein zum Reichswehrministerium kommandierter Marineoffizier hinter dem Rücken des verant­wortlichen Ministers Staatsgelder, über die er verfügen konnte, in das Phoebus-Filmunternehmen hineinsteckte und daß er außerdem Bankaktien dafür kaufte. Er hat diese Geld­geschäfte nicht zu feinem eigenen Vorteil gemacht, sondern hat geglaubt, dabei im Interesse des Reiches zu handeln. (Das Dann allerdings schließlich doch um erhebliche Summen ge­schädigt worden war!) Aber trotzdem: der Reichskanzler hat erklärt, daß das gesamte Kabinett derartige Eigenmächtig- keiten einzelner Referenten mißbillige und in der Tat sind das Dinge, die nicht wieder vorkommen dürfen. Letztlich stam­men, nebenbei bemerkt, diese Beträge aus den Taschen der Steuerzahler; somit hat auch die Oessentlichkeit ein Interesse daran, daß Vorkommnisse dieser Art vermieden werden. Es handelt sich bei der ganzen Affäre um eine jener typischen Nachkriegserscheinungen, die allerdings jetzt endlich verschwin­den müssen. Da die Regierungsparteien selbst diese Sache mißbilligen, wird ihnen die Opposition aber keine weiteren Schwierigkeiten daraus machen können.

So wäre ein reibungsloser und verhältnismäßig leichter Fortgang der sachlichen Arbeiten des Reichstags mindestens .M Dtr Verabschiedung des Etats garantiert, wenn sa rün . das R e i ch s s ch u l g e s e tz nicht wäre. Die Beratun­gen im Bildungsausschuß des Reichstags nähern sich nun rasch dem kritischen Punkt. Das ist der vielgenannte Paragraph 20. Die Deutsche Volkspartei beantragt dazu, daß für die Länder mit gesetzlich festgelegter Simultanschule es bei dem jetzigen Zustand verbleiben soll. Wenn die S o z i a l d e m o k r a t e n diesem Antrag zustimmen, könnte er Annahme finden. Was dann? Würde das Zentrum einen Konflikt daraus machen, der zur Kabinettskrise führt? Und wenn die Sozialdemokratie dem Antrag nicht zustimmt weil sie ja prinzipiell für die weltliche Schule ist, wenn der Antrag aber sofort abgelehnt wird, was macht dann die Deutsche Volkspartei? Auf diese Fragen ist eine Antwort noch nicht möglich. Sie zeigen aber das Kritische der Situation. Ob es möglich sein wird, durch ein Kompromiß darüber hinwegzukommen, wie man das beim § 16 bezüglich der kirchlichen Einsichtnahme in den Religions­unterricht vermocht hat, ist ebenfalls noch fraglich. Man wird aber sehr bald klarer sehen, da die Entscheidung ül r den Paragraphen 20 in dieser Woche fallen wird.

Deutschland und Oesterreich.

Oesterreichische Stimmen für den Zusammenschluß.

Im Finanzausschuß des österreichischen Nationalrats wies bei der Budgetberatung über das Kapitel Handel und Verkehr der großdeutsche Abgeordnete Straffner darauf hin, daß die völlige Gesundung der österreichischen Wirtschaft erst zu erwarten sei, wenn Oesterreich einem großen Wirtschafts­gebiet, nämlich dem Deutschen Reiche, angegliedert sei. Auch die sozialdemokratische Abgeordnete Frau Emmi Freundlich meinte, in Oesterreich solle man sich auf einen engen wirt­schaftlichen Zusammenschluß mit Deutschland vorbereiten. Der christlich-soziale Abgeordnete Streeruwitz stimmte dieser For. derung zu, doch mahnte er, diese Fragen mit großer Vorsicht zu behandeln, damit sie nicht etwa von anderer Seite als An biederungen unerwünschter Art aufgefaßt werden.

Zesahungsschikanen.

Ein Hotel zwangsweise geschlossen.

Wie aus Aachen gemeldet wird, hat das belgische Ober­kommando das Hotel Vier Jahreszeiten für die Zeit vom 20. Januar bis 6. Februar geschlossen, weil in letzter Zeit mehrmals in Anwesenheit von belgischen Offizieren das Deutschlandlied angeblich in provozierender Weise gesungen wurde.

Der Reeder Hermann Schuchmann, Mitinhaber der Reedereifirma W. Schuchmann in Bremerinnen und Ham­burg, verunglückte mit seinem Automobil in der Nähe von Burg auf der Bremerhavener Landstraße. Sein Wagen geriet ins Schleudern und fuhr gegen einen Baum. Der Wagen wurde zertrümmert. Schuckmann wurde sehr schwer verletzt. Er mußte nach dem Krankenhaus in Bremerhaven gebracht werden.