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Schlüchterner Leitung

Kreis-Amtsblatt * MyemeLner amtticherKnzeLgev für öar Kreis Schlüchtem Krwkrmb Verlag: tz.Steü»fttö SLHae* Sesthüst^'-ichich^stv.S * fernspy.Vr.-49 * Poststherkk: PMrksrwtaLr.^D0o Rr. 9 (1 Blatt) Samstag, den 2t. Januar 1928 80. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

I.-Nr. 389. Das den Herren Bürgermeistern bezw. den Herren Schulverbandsvorstehern in den nächsten Tagen zugehende Formular zur Uebersicht über die Zahl der die öffentliche Volksschule besuchenden schulpflichtigen Kinder nach dem Stanbe vom 1. Februar 1 928 ist nach Benehmen mit dem betreffenden Schulleiter sorgfältig auszu- füllen und bis zum 5. nächsten Monats hierher zurückzu- senden.

Meine Verfügung vom 17. 3anuar 1927 Nr. 399 (Kreisblatt Nr. 10) und die Anmerkungen auf der Rückseite des Vordrucks ersuche ich genau zu beachten.

Schlächtern, den 17. 3anuar 1928.

Der kom. Landrat.: Dr. Müller.

Kreisausschuß.

I.-Nr. 67 K. R. Der Dienstmagd Katharina Jordan in Heubach ist für 40 jährige ununterbrochene treue Dienst- zeit im Hause des Bürgermeisters Ringler daselbst eine Prämie von 40. Mark aus Kreismitteln bewilligt worden.

Schlüchtern, den 14. 3anuar 1928.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller

I.-Nr. 169 L. N. Die Beiträge zur landwirtschaftl. Unsall- Berufsgenossenschaft sind von einer Anzahl Gemeinden noch immer nicht restlos an die Kreiskommunalkasse hier abge­führt worden.

Unter Hinweis auf mein Schreiben vom November o. 3s. und auf die Kreisblattbekanntmachung in Nr. 4 der Schlüchterner Zeitung vom 10. 3anuar 1928 ersuche ich die Herren Bürgermeister erneut, mit Nachdruck darauf hinzuwirken, daß die rückständigen Beiträge bis spätestens 1. Februar restlos eingezogen und zur Ablieferung ge= bracht werden. 3n diesem Falle d. h. der restlosen^ Ab­lieferung der Beiträge bis 1. Februar will der HE Landeshauptmann den Gemeinden die Verzinsung der rück­ständigen Beiträge erlassen.

Schlüchtern, den 18. 3anuar 1928.

Der Vorsitzende des Sektionsvorstandes: Dr. Müller.

I.-Nr. 170 L. N. Der vom Neichsversicherungsamt unter dem 22. Dezember 1927 genehmigte 1. Nachtrag zur Satzung der Hessen-Nassauischen landwirtschaftlichen Berufs- genossenschaft Ausgabe 1926 und die genehmigte Wahlordnung Ausgabe 1928 ist in Nummer 2 des Regierungsamtsblattes zur Veröffentlichung gelangt.

Die Herren Bürgermeister mache ich hierauf besonders aufmerksam.

Schlüchtern, den 18. Ianuar 1928.

Der Vorsitzende des Sektionsvorstandes: Dr. Müller.

Allgemsine Ortskrankenkaffe Schlüchtern.

Die alsbaldige Einzahlung der noch rückständigen Bei­träge aus den Zahltagen für die Monate Oktober, No- vemberund Dezember 1927 wird hiermit in Erinnerung gebracht.

H e b e t e r m i n e si n d e n st a t t:

1. In Stein au, am Mittwoch, den 25. Januar 1928, von vormittags 10 bis 4 Uhr nachmittags, in der Eckardschen Gastwirtschaft daselbst.

2. In Sterbfritz, am Mittwoch, den 1. Februar 1928, von nachmittags 3 bis 6 Uhr, in der Böhm'schen Gastwirt­schaft daselbst,

3. In Salmünster, am Mittwoch, den 8. Februar 1928, von vormittags 9 bis 12 Uhr, im GasthauseZum Engel" daselbst.

4. In Soden, ebenfalls am Mittwoch, den 8. Februar 1928, von nachmittags 1'/« bis 4',/z Uhr im GasthauseZur Hoffnung" Wirtschaft Wolf, daselbst, und zwar wie seither auch für alle den genannten Orten naheliegenden Gemeinden.

An den Hebetermintagen 25/1. und 8/2. 1928 bleibt die Kasse in Schlüchtern für Ein- und Auszahlungen geschossen.

Rückstände, die nach diesen Tagen noch verbleiben, muffen alsdann wegen des Jahresabschlusses unverzüglich zur zwangSweisen Einziehung gelangen.

Die Herrn Bürgermeister bitten wir dieses, im Interesse ihrer Gemeindeangehörigen wie seither ortsüblich bekannt machen zu laffen.

Schlüchtern, den 20. Januar 1928.

Der Vorstand der Allg. Orlskrankenkasse.

Stadt Schlüchtern.

Bekanntmachung.

Die das Loskaufgeld für die Befreiung vom Feuer- löschdienst betreffenden Absätze 15 des § 3 der Ord­nung, betreffend die Regelung des Feuerlöschwesens in der

Stadt Schlüchtern vom 8. Ianuar 1907 in der Fassung des Nachtrags vom 23. Mai 1913 / 3. Iuni 1926 sollen durch einen neuen Nachtrag ersetzt werden.

Der Entwurf dieses Nachtrags liegt in der Zeit vom 23. Ianuar bis 5. Februar 1928 im Rathaus Dienst­zimmer des Stadtinspektors zur Einsicht der Gemeinde­angehörigen öffentlich aus. Einwendungen können inner­halb der Auslegungsfrist beim Magistrat erhoben werden.

Schlüchtern, den 19. Ianuar 1928.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Bekanntmachung.

Die Berechnung des staatlichen Anteils an dem Pacht­erlös des gemeinschaftlichen Iagdbezirks Schlüchtern I für das Pachtjahr vom 1. Februar 1927 bis 31. Ianuar 1928 liegt in der Zeit vom 23. Ianuar bis 5. Februar 1928 im Rathaus Dienstzimmer des Stadtinspektors zur Ein­sicht der Gemeindeangehörigen öffentlich aus.

Schlüchtern, den 19. Ianuar 1928.

Der Iagdvorsteher: Gaentzlen.

Oeffentliche Mahnung.

An alle Zahlungspflichtigen, die ihre im Monat Januar 1928 bezw. für Vormonate zu entrichtenden Staatesteuern, (Grundvermögens- und Hauözinssteuern) städt. Steuern und sonstigen Abgaben laut Aufforderung vom 4. Januar 1928 im Kreisblatt an die Staatssteuerhebestelle und Stadtkasse Schlüchtern nicht bezahlt haben, ergeht hierdurch öffentliche Mahnung.

Bei Meidung kostenpflichtiger Einziehung sind sofort zu zahlen:

Staatliche Grundvermögenssteuer,

Staatliche Hauszinesteuer,

Städtische Grundvermögenssteuer-Zuschläge,

Gewerbeertrag- und Gewerbekapitalsteuerreste für 1926 . ^.Gewerbeertr/'g- und $emerb:^pttfllfhutt*^

gen für 1927

Holzgelder, Schulgelder, Wassergelder, Polizeiftrafen, Städtische und Kreishundesteuer, Pachtgelder, Kanal- und AnerkennungSgebühren, sowie alle angeforderten Abgaben.

Schlüchtern, den 16. Januar 1928.

Der Magistrat: Gaentzlen.

Pressestimmen zu Trseuers Ernennung.

Die demokratischen Blätter, die gestern abend noch keine Kommentare zu der Ernennung des Generalleutnants a. D. Groener zum Neichswehrminister gebracht hatten, beschäf­tigen sich heute morgen ausführlich in Leitartikeln mit dem neuen Mann im Neichswehrministerium.

Das 8. T. sagt: Wir denken nicht daran, den neuen Wehrminister mit Vorschußlorbeeren zu Kränzen oder ihm selbst, nach der Ausdrucksweise eines deutschnationalen Blat­tes, als Vorschutz auf eine künftige Linksregierung zu betrachten. Er wird zeigen müssen, ob er sich auch der Gruppe gegenüber durchsetzen kann, die seinem Vorgänger die tatsächliche Macht aus der Hand gewunden hat. Groener übernimmt eine schwierige Erbschaft. Man wird die Taten des Mannes, dessen persönliche Lauterkeit und dessen Befähi­gung von keiner Seite angezweifelt wird, ohne Vorurteil, aber auch ohne voreiligen Applaus abwarten müssen.

Die Vossische Zeitung schreibt u. a. zu der Ernennung Groeners, er kann, da er als alter erfahrener Soldat die militärischen Bedürfnisse zu beurteilen verstehen sollte, ohne das Gespenst einerZerschlagung der Wehrmacht" herauf- zubeschwören, die langersehnte Reform der Neichswehr durch­führen, wenn er sie will und für notwendig hält. Er muß seine Reform damit beginnen, daß er seine Offiziere an den neuen Staat heranbringt, daß er sie lehrt, die Republik zu achten.

Auch der vorwärts, der gestern nur eine kurze redaktio­nelle Bemerkung zu der Ernennung Groeners gemacht hat, beschäftigt sich heute in einem Leitartikel mit der Persön­lichkeit Groeners und den seiner harrenden Aufgaben. Er besitzt zur Lösung dieser Aufgaben, so schreibt das sozial- demokratische Blatt, Tradition und Zähigkeit, es muß sich zeigen, ob auch der politische Wille da ist. Die eine dieser Aufgaben ist die Bereinigung des Neichswehretat, die andere Aufgabe ist die große Neichswehrreform.

Der Senior der theologischen Fakultät der Univer­sität Iena, Geheimer Kirchenrat Professor Dr. theol. u. phil. Hans Wendt, früherer Vertreter der systematischen Theo­logie und Direktor des theologischen Seminars, ist Donners­tag früh im 75. Lebensjahr gestorben.

In Stuttgart wurde in einem Büro Donnerstag nachmittag ein älterer Buchhalter von zwei maskierten Bur­schen Überfällen. Sie schlugen ihn mit Stöcken und als er sich wehrte, versetzten sie ihm mehrere Stiche in die Brust. Die Täter sind geflüchtet.

Rückblick

Dr. H. P. Die deutsche Politik wurde in den letzten Tagen von zwei Ereignissen beherrscht: von dem Rücktritt des Reichswehrministers und von der Länderkonferenz. Beide glichen sich darin, daß sie bestehende Schwierigkeiten nicht beseitigten, sondern noch verschärften. Die Verdienste Keßlers um die Reichswehr sind unleugbar. Er hat eine politische Pädagogik geübt, die erst später ganz ge- würdigt werden wird. Nur eines fehlte ihm: die starke, wenn es sein mußte, rücksichtslos zugreifende Hand. Die Reichswehr soll ein Instrument der Republik sein, verfas­sungstreu und unbedingt gehorsam. Wer sich diesem Grund­gedanken nicht anpassen will, gehört nicht hinein und muß entfernt werden. Wäre danach -stets verfahren worden, so hätte man Eigenmächtigkeiten, wie sie vorgekommen sind, nicht gewagt und die Absichten der Führung nicht durch­kreuzt. Etliche Exempel unnachsichtiger Ahndung würden reinigend und vorbeugend gewirkt haben. Der Phöbus-Fall, der dem Reiche Millionen kostet, und manches andere wäre unmöglich gewesen. Als Nachfolger Geßlers kann nur ein Mann von großer Sachkenntnis und Energie in Frage kommen. Als solchen hat der zurückgetretene Wehrminister den General G r ö n e r empfohlen, der bereits unter Schlies­sen gearbeitet und an dem bekannten großzügigen Kriegs­plan, den der zweite Moltke leider abänderte, mitgewirkt hat. Eröner ist parteipolitisch nicht abgestempelt; er steht zwischen der Demokratie und der Deutschen Volkspartei, gehört der Liberalen Vereinigung an, die einen Zusammen­schluß dieser beiden Parteien anstrebt. Er könnte also auch in der großen Koalition, die man als Ergebnis der Neu­wahlen erwartet, als Fachminister bleiben. Jedenfalls sind stetige Verhältnisse in der Leitung der Reichswehr dringend erwünscht.

Durch die Teilnahme an der Länderkonferenz war die Reichsregierung verhindert, einen sofortigen Entschluß zu fassen. (Inzwischen ist die Ernennung Gröners er­folgt). Die Verhandlungen, die bcr* unter Beteiligung X vtt Landes geführt wurden, t^M Widerstände zu Tage treten, von denen man nicht weiß, wie sie überwun­den werden sollen. Vergewaltigen darf man die Widerstre­benden nicht; denn sonst wird der Wirrwarr noch größer. Sie zu überzeugen, ist aber ebenso aussichtslos, da es sich mehr um Interessen als um Ideen handelt. Man verteidigt zum Teil Ministerposten und Parlamentsmandate. Aber gerade die Parlamentarisierung und Politisierung ist es, die sich für Selbstverwaltungskörper nicht eignet. Die Zusammensetzung des Reiches läßt sich nur historisch erklä­ren, aber sachlich nicht rechtfertigen. Weit über hundert Enklaven erschweren und verteuern die Verwaltung. Einige 60 Minister und etwa 2600 Parlamentarier belasten den Etat, während die eigentlichen politischen Entscheidungen doch nur beim Reiche liegen. Trotzdem drängen namentlich die süddeutschen Staaten, allen voran Bayern, auf Ver­fassungsautonomie, auf Sicherstellung gegen Eingriffe der Reichsverwaltung, auf Wiederherstellung einer größeren finanziellen Selbständigkeit der Länder. Von württembergi- scher Seite wurde sogar ein drohender Ton angeschlagen, der die Schwierigkeiten der Lage besonders deutlich er­kennen ließ. Was herauskam, ist ein Notbehelf: ein Ausschuß soll die Beratungen fortsetzen und Vorschläge machen. Ob diese Vorschläge mehr im umtaristischen oder im föderalistischen Sinn ausfallen, steht dahin. Zur Ruhe aber kommt die Frage nicht; zur Lösung drängen schon die »finanziellen Verhältnisse, die steigenden Fehlbeträge der Länder, die sich ohne eine grundsätzliche Reform nicht decken lassen.

Außerhalb der Bürokratie verstärkt sich die Ueberzeu­gung von der Notwendigkeit der Reichsreform. Das be­weist der Bund zur Erneuerung des Reiches, der unter Führung Luthers ins Leben trat und eine Fülle führender Persönlichkeiten in sich schließt. Das beweisen ebenso Par­teianträge, die unter dem Druck der kommenden Neuwah­len gestellt worden sind.

^r Frankreich finden die Wahlen voraussichtlich Ende April statt. Wie sie ausfallen werden, vermag selbst­verständlich niemand vorher zu sagen, schon deshalb nicht, weil man vom System der Listenwahl zu dem des Einer- Wahlkreises übergegangen ist Aber auch die Chancen und Kombinationen der verschiedenen Parteien lassen sich schwer voraus berechnen. Die Sozialdemokraten sind gespalten; ihr linker Flügel möchte mit den Kommunisten zusammen­gehen, ihr rechter Flügel mit den Radikalen. Die Ratio- nalisten verlangen die Erfüllung des Versailler Vertrages und widersetzen sich einer baldigen Rheinlandräu- muna. Die Linke ist geneigt, die Rheinlandräumung vor Ablauf der Fristen als Rückwirkung von Locgrno zuzulassen, aber nur unter der Bedingung, daß Deutschland dafür fi­nanzielle und politische Gegenleistungen bietet Selbst Al­bert Thomas, der Leiter des Internationalen Arbeitsam­tes, und Paul-Boncour verlangen eine militärische Ueber« wachung des Rheinlandes und der sogenannten Freizone, eine Voraussetzung, die Deutschland nie erfüllen kann. Sehr unangenehm ist den Franzosen die Weigerung Ame­rikas, den Antikriegsvorschlag, so wie Beiand ihn vorschlug. zu unterschreiben. Die Amerikaner find nur