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Nr. 1 Dienstag, den 3. Januar 1928 - 80. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
I.-Nr. 10481. Gemäß § 6 der Wahlordnung für die Handwerkskammer zu Kassel und ihren Gesellenausschuß vom 17. August 1899 — Regierungsamtsblatt für 1899 Seite 266/67 — wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß das Verzeichnis der wahlberechtigten Innungen des Kreises Schlüchtern vom 5. Januar 1928 ab acht Tage lang zur Einsicht der Beteiligten in meinem Dienftzimmer — Zimmer Nr. 3 — ausliegt. Etwaige Beschwerden gegen den Inhalt des Verzeichnisses sind binnen 14 Tagen und zwar in der Zeit vo^n 5. bis einschließlich 18. Januar 1928, bei mir an- zubringen.
Schlächtern, den 31. Dezember 1927.
Der Landrat. 3. D.: Jchultheis.
I.-Nr. 10371. Die Mitglieder der freien Innung für das Schuhmacher-Handwerk zu Schlächtern werden zur Vornahme der Wahl des Jnnungövorftandes auf Mittwoch, den 18. Januar 1928, 15 Uhr, (3 Uhr nachmittags) in den Sitzungssaal des hiesigen Kreishausee einberufen.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich von dieser Einberufung den in Frage kommenden Personen Kenntnis zu geben. Schlächtern, den 28. Dezember 1927.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung.
Es wird darauf hingewiesen, daß nach der Bestimmung im § 9 Abs. i der Verordnung vom 18. März 1919 (R G. Bl. S. 315) die offenen Verkaufsstellen von 7 Uhr abends bi^ Uhr morgens geschlossen sein müssen.
.nviderhandlungen werden bestraft. Mime^^^den 29. Dezember 1927.
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Ab Montag, den 9. Januar 192$ erfolgt die Feuerschau durch das Feuerschauamt in der Stadt^Schlüchtern.
Gemäß § 7 der Polizeiverordnung vom 13. Juni 1927 ist bei der Feuerschau der Eigentümer, der Nutznießer, der Verwalter des Gebäudes oder ein von diesen Personen Beauftragter zuzuziehen. Er hat alle zu besichtigenden Räume zugänglich zu machen und ist dem Feuerschauamt gegenüber zu jeder Auskunft über die bauliche Anlage und Benutzungs- art des Grundstücks verpflichtet.
Schlüchtern, den 2. Januar 1928.
Die Polizeiverwaltung. Gaenßlen.
Anziehende Warenpreise.
Berlin, 2. Januar. Die Reichstudexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und „Sonstiger Bedarf") Belauft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats Dezember aus 151,3 gegen 150,6 im Vormonat. Sie ist sonach um 0,5 v. H. gestiegen.
Polnische Sabotage in der Schulfrage.
Kattowitz, 2. Januar. Wie erinnerlich, sollte 1923 in Altdorf eine Minderheitsschule errichtet werden, da die Eltern für 88 Kinder Anträge hierzu gestellt hatten. Die Schule wurde nicht eröffnet, weil die Wojewodschaft eine nochmalige Aufforderung an die Erziehungsberechtigten der angemeldeten Kinder ergehen ließ, nach der die Kinder noch einmal auf ihre Muttersprache geprüft werden sollten. Der Vrä- sident der gemischten Kommission für Oberschlesien, Sa- londer, hat nun entschieden, daß die polnische Behörde nicht die Berechtigung besaß, die Prüfung der Kinder vorzunehmen, da für die Frage, ob eine Person als Minderheits- oder Mehrheitsangehöriger zu betrachten ist, nur der subjektive Wille des Jndividiums maßgebend sei. Calonder hat deshalb die unverzügliche Eröffnung der Minderheitsschule angeorbnet.
Notschrei des Saargebietes.
Saarbrücken, 2. Januar. In den Neujahrsart^elu der saarländischen Presse wird übereinstimmend ausgeführt, daß es nicht nur im Interesse des schwer dar- möderliegenden, politisch beispiellos entrechteten Saargebietes, sondern auch im Interesse der in Locarno angestrebten Friedenspolitik und des Ansehens des Völkerbundes höchste Zeit wäre, die Saarfrage zu liquidieren. Damit würde der heißersehnte Wunsch der Saarbevölkerung, heimzukehren zum deutschen Vaterland, von dem sie nur durch Gewalt und den Clemeneeau^Betrug mit den angeblichen 150 000 Saar- sranzofen losgerissen wurde, in Erfüllung gehen.
Explosion in einer Sprengstosfabrik.
Brüssel, 2. Januar. Eine furchtbare Explosion zerstörte die Sprengstosfabrik in Längeren bei Tongern. Von den neun in der Werkstatt beschäftigten Arbeitern wurden fünf als Leichen geborgen. Wie befürchtet wird, sind auch die übrigen vier unb der Fabrikleiter der Explosion zum Opfer gefallen.
Äeujahrsglüüwünsche Verlm-Wien. Dilegrammwechsel zwischen dem Reichspräsidenten und dem österreichischen Bundespräsidenten.
Anläßlich des Jahreswechsels sandte Bundespräsident Hainisch folgendes Telegramm an den Reichspräsidenten:
„Die Wende des Jahres, in der die ehrfurchtgc- bietende Persönlichkeit Euerer Exzellenz vas achte Jahrzehnt vollendet hat, bietet mir den erwünschte» Anlaß, Ihnen, hochverehrter Herr Reichspräsident, die wärmsten Wünsche für Ihr Persönliches Wohlergehen sowie für sas Blühen und Gedeihen des großen Deutsche« Reiches, das in so enger Gefühls- und Kulturgc- memschaft mit unserem Deutschen Baterlande steht, aus- zusprechen. Möge es dem Deutschen Reiche vergönnt sein, wie bisher ein mächtiger Faktor auf dem Gebiete der Befriedung der ganzen Welt zu bleiben."
Vorstehendes Telegramm hat sich mit folgende!« Telegramm des Reichspräsidenten von Hindenburg gekreuzt:
„Es ist mir ein lebhaft gefühltes Bedürfnis, Ihnen Herr Brrndespräsident und dem österreichischen Wolke zum Jahreswechsel die herzlichsten Glückwünsche auszu- sprechen. Möge die schwere Arbeit am nationalen Wiederaufbau Oesterreich und Deutschland im könn» ' > Jahre weiter vorwärts und aufwärts bringen."
Aeujahrsempfang Seim Aeichsprüsidenien Die Glückwünsche des Diplomatischen Korps nnd der Reichsregierung.
Anläßlich des Jahreswechsels fand im Reichspräsidentenpalais ein feierlicher Neujahrsempfang statt, an dem das Diplomatische Korps, die Reichsminister und Staatssekretäre, Reichstag, Reichsrat, Wehrmacht, preußische Staatsregierung sowie die Spitze der Reichsbahnverwaltung und der Präsident der Reichsbank te;f= nahmen. Im Namen des Diplomatischen Korps Über-
Nuntius Pacelli
dem Reichspräsidenten die Neujahrsglückwünsche der Chefs der fremden Missionen in der Reichshauptstadt. Reichspräsident von Hindenburg dankte und erwiderte die Glückwünsche. Im Anschluß an den Empfang des Diplomatischen Korps, dem u. a. auch Reichsaußen- minister Dr. Stresemann und Staatssekretär von Schubert beiwohnten, nahm Hindenburg die Glückwünsche der Reichsregierung entgegen. Außer den Reichsministern waren auch die Staatssekretäre beim Empfang anwesend. Reichspräsident von Hindenburg nahm darauf erneut das Wort und hielt eine bedeutsame Ansprache. Im weiteren Verlauf der Einpfangsfeierlich- keiten überblatten .Reichswehrminister Dr. Geßler, General Heye, der Ehes der Heeresleitung und Admiral Zenker dem Reichspräsidenten noch die Glückwünsche der deutschen Wehrmacht.
Heue Mahnung Parker Htmus.
Festsetzung einer Gesamtsumme der deutschen Reparationszahlungen unerläßlich. — Der Zeitpunkt für die
Revision ungewiß.
Nach einer Meldung aus Washington gab Parker Gilbert dort erneut seiner lieber^ zeugung Ausdruck, daß eine ' wirkliche Lö sung der Reparationsfrage erst eintreten kann, wenn man sich über einen festen Betrag geeinigt hat. Er erklärte, über die Höhe dieses Betrages müßten die Fachmänner entscheiden, lehnte es aber ab, eine Erklärung darüber abzugeben, wann nach seiner Ansicht dieser Schritt erfolgen müsse. Wie vertäuter, hat Parker Gilbert heute oder morgen eine
Besprechung mit Schatzsekretär Mellon, der allgemein große Bedeutung beigemessen wird, wenn natürlich auch greifbare Ergebnisse aus dieser Unterredung für die nächste Zeit nicht zu erwarten sind.
Zusammenkunft Stresemanns mit Woldemaras.
In Kürze werden die deutsch-litauischen Han- aelsvertragsverhandlungen, die bisher infolge polr- lischer und wirtschaftlicher Schwierigkeiten wenig gefördert werden konnten, wieder ausgenommen. Im Zusammenhang damit begibt sich der litauische Ministerpräsident Woldemaras nach Berlin, wobei eine Unterredung mit dem ReichSminister des Aeußern Dr. Strese- mann stattfinden wird.
Litauen verweigert Polen seit Grenzübertritt.
Warschau, 2. Januar. Der Genfer Korrespondent der polnischen Telegraphen-Agentur, der in Genf von dem litauischen Premierminister das Einreisevisum nach Litauen erhalten hatte, traf an der Grenzstation zwischen Polen und Litauen ein und verlangte den Durchgang auf das litauische Gebiet. Dieser wurde ihm aber von dem litauischen Grenzposten, der sich vorher mit Kowno in Verbindung gesetzt hatte, der» weiaert.
Aus dem Reichshaushalt.
Der Reichstag wird sich sofort nach seinem Wieder- zusammentritt mit dem Haushaltsplan des Reiches für 1928 beschäftigen. Nach der ersten Lesung wird der Etat dem Haushaltsausschuß überwiesen, der die Hauptarbeit zu leisten hat; er geht Position für Position der umfangreichen Drucksache durch, macht Abstriche oder beschließt Mehraufwendungen usw. —• das letztere allerdings immer unter Protest des Reichsfinanzministers, der erklärt, daß höhere Beträge als die vorgesehenen nicht verfügbar sind. Dies alles ist natürlich eine mühsame Arbeit, und wenn der Etat rechtzeitig, d. h. zum 1. April 1928, verabschiedet werden soll, muß sich der Reichstag gehörig anstrengen.
Aus dem Haushaltsplan seien noch einige Zahlen genannt, die allgemein interessieren:
Der ordentliche Haushalt schließt in Einnahme und Ausgabe mit 9,3 Milliarden Mark ab. Von den dauernden Ausgaben entfallen auf Steuerüberweisungen an Länder und Gemeinden 3 217 817 000, innere Kriegslasten (Renten usw > 209 627 660, äußereKriegslastensRcparations- zahIungen) 1 227 500 000 Mark.
Der außerordentliche Haushalt gleicht sich mit 146 295 410 Mark aus.
Die 20 Anlagen bringen die Einzelhaushalte, und zwar: Haushalt des Reichspräsidenten, des Reichstages, des Reichskanzlers und der Reichskanzlei, des Reichsministeriums, des Auswärtigen Amts, des Reichsministeriums des Innern, des Neichsministeriums für die besetzten Gebiete, des Reichswin- schaftsministeriums, des vorläufigen Reichswirtschaftsrates, des Reichsarbeitsministeriums, des Reichswehrministeriums, des Reichsjustizministeriums, des Reichsministeriums für Er nährung und Landwirtschaft, des ReichsverkehrsministeriumZ. für Versorgung und Ruhegehälter, des Rechnungshofes drs Deutschen Reiches, der Reichsschuld, des Reichsfinanzmiui- steriums, der Allgemeinen Finanzverwaltung, des Reichsposi- ministeriums (einschließlich Reichsdruckerei) und für die Kriegslasten.
Von besonderem Interesse ist der Etat des Aus- £?jä rtijfit Amts, dessen Ausgaben von 62,5 auf bX5 Millionen gestiegen sind. Eine beträchtliche Erhöhung ist bei den Reisekosten euigetreten, die mit 530 000 Mark eingesetzt sind (bisher 409 000). Dazu kommen 350 000 Mark für Reisekosten der Beannen im Auslande. „Die Höhe des Ansatzes wird beeinflußt ^"rch die große Anzahl der Reisen, die zu .üommissionsverhanölungen usw. ins Ausland erforderlich sind, ferner durch die Vermehrung der Kurierreisen und die Notwendigkeit, int J-^esse der Sicherheit der diplomatischen Post die Kuriere bei Reisen ins Ausland in der ersten Wagen- Lasse fahren zu lasien."
Für Umzugsko'ten wird eine Million veranschlagt.
Unverändert ist der Ansatz von 6 Millionen „zur Pflege kultureller, humanitärer und wissenschaftlicher Beziehungen zum Auslande". „Die steigende Not vieler Deutscher im Auslande" macht eine Erhöhung des Fonds für Unterstützungen und Beihilfen von 1330 000 auf 2 300 000 Mark nötig. Auch hier sind die „Mittel übertragbar".
In Monrovia soll ein neues Konsulat errichtet werden Die bisherigen Räume lagen in dem vom Gelben Fieber heim gesuchten Eingeborenenviertel. Die Kosten betragen 120 O(H Mark. Das neue Botschaftsgebäude in Angora sol 2 900 000 Mark kosten, von denen bisher 1 500 000 Mark be willigt sind.
Die erste Rate zum Bau eines Panzerschiffes, die in den Etat enthalten ist, hat der Reichsrat bekanntlich gestrichen Die Entscheidung liegt nun, da die Regierung an der For derung selbstverständlich festhält, beim Reichstag, dessen B» Schlüsse in Etatsfragen endgültig sind.
Wra Mücke vom Flugzeug Mrs. Graysons gesunden?
New Aork, 2. Januar. Nach einer Meldung au» Halifax wurden bei dem Prince Edward Island im St. Lorenz-Gols Wrackstücke aufgefischt, die vermutlich, von einem Flugzeug stammen. Man nimmt an, daß es sich um Reste des Flugzeugs der Mrs. Grayson handelt. Einzelheiten über den Verbleib der Flugzeuginsassen fehlen bisher nach wie vor.
Zusammenstoß von drei Zügen.
Chicago, 2. Januar. Hier ereignete sich infolge eines Schneesturmes ein ungewöhnliches Bahnun- glück, nämlich ein Zusammenstoß von drei Personen- ;ügen der Chieago- und Alton-Eisenbahn. Dabei wurden 25 Personen verletzt. Der Unfall entstand dadurch, daß ein Personenzug zur Wasseraufnahme an- hielt, der nachfolgende Zug dicht dahinter Halt machte, ein dritter Zug in den zweiten Hineinfuhr und diesen in den vordersten Zug hineinstieß.
Feierliche Einleitung des Schubert-Jahres in Wie«.
Wien, 2. Januar. Das Schubert-Jahr 1928, das m Wien durch eine Reihe von Festkonzerten begangen werden wird, wurde in der Silvesternacht in besonder» feierlicher Weise eingeleitet.
Norvseeiuscl« dnrm Eid von der Außenwelt avge« schnitten.
Amsterdam, 2. Januar. Infolge gastierend des Grouinger und des Friesischen Wattenmeeres sind bte beiden Nordseeinseln Ameland und Sd^icrmonmioog völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Es soll versucht werden, einen Notverkehr mit Flugzeugen auf rrchtzuerhalten.