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Lokales.

7 Wieviel Finanzämter gibt es in Deutschland?

Im Reichshaushalt erscheinen folgende 26 Landesfinanz­ämter: Königsberg, Stettin, Breslau, Oberschlesien, Branden­burg, Berlin, Mecklenburg-Lübeck, Schleswig-Holstein, Unter- Elbe (Hamburg), Unter-Weser (Bremen), Oldenburg, Hannover, Magdeburg, Münster, Düsseldorf, Köln, Kassel, Thüringen (Rudolstadt), Darmstadt, Karlsruhe, Stuttgart, Würzburg, Nürnberg, München, Dresden und Leipzig.

Den Landesfinanzämtern sind die Finanzämter und die Zollämter unterstellt. Die einen haben die Besitz- und Ver­kehrssteuern zu verwalten und zu erheben, die anderen dagegen die Zölle. An Finanzämtern sind zurzeit 990 vorhanden. Für die Zollverwaltung dagegen sind folgende Behörden tätig:

237 Hauptzollämter

307 Zollabfertigungsstellen * 1505 Zollämter

! 1025 Zollinspektionen

L 3391 Zollaussichtsstellen.

Für die Landesfinanzämter und die ihnen Nachgeordneten Dienststellen ist insgesamt ein Zuschuß von 362,4 Millionen Reichsmark erforderlich. Ihr Personalstand beläuft sich auf insgesamt 83 631 Köpfe. Diese verteilen sich auf die einzelnen Beamtengruppen folgendermaßen:

Von den 71 283 planmäßigen Beamten entfallen 22 890 auf die Gruppe 5, je etwa 12 000 auf die Gruppen 6 und 7 und 9400 auf Gruppe 8. Unter Gruppe 5 find 5511 Beamte vorhanden. Weiter entfallen: 3846 auf Gruppe 9, 2517 auf Gruppe 10, 1306 auf Gruppe 11, 607 auf Gruppe 12, 149 auf Gruppe 13, 80 auf die Einzelgehälter. Die Beamtenpyramide läuft also nach oben ziemlich spitz zu. An außerplanmäßigen Beamten sind im ganzen nur 3340 vorhanden, an Wartegeld­empfängern 573 und an ^gestellten schließlich 445.

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Schadenersatzansprüche im Güterverkehr der Reiche bahn. Die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesell, schaft teilt mit: Bekanntlich treten vielfach Schadenersatz ansprüche aus dem Güterverkehr bei der Reichsbahn auf. ^ dürfte zu wenig bekannt sein, daß für eine fachliche Entschei­dung in Schadensachen die letzte Instanz die Reichsbahndirek­tionen sind. Wird gegen die Entscheidung einer Reichsbahn direktion Beschwerde erhoben, so wird die Angelegenheit vo« der Reichsbahndirektion ohne Bindung an die erste Stellung­nahme ebneut geprüft und endgültig entschiedn. ' Die Haupt­verwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft greift in eine sachliche Entscheidung einer Reichsbahudrcektron nicht ein. Nur über Beschwerden, die eine formelle (g-ichäftliche) Behand- 1 lung von Entschädigungsanträgen zum Gegenstand haben, wenn also beispielsweise Klage geführt wird, daß die Erl-d-.- zung eines Entschädigungsantrages ungebührlich lange ver­zögert worden sei, entscheidet in letzter Instanz die Haupt­verwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft. Beschw-erden )er letzteren Art können bei der Hauptverwaltung angebracht werden, wenn eine vorherige Stellungnahme der Reichsbahn- .ürektion den Beschwerdeführer nicht befriedigt, oder auch, wenn die Beschwerde sich unmittelbar gegen das Geschäfts- zebaren der R^chsbahndirektion richtet.

Kinberfreube Llternlust! Roter Kreuz-Tag am Rcisbruntren! Das Ereignis des kommenden Sonntags wird unzweifelhaft auch bei uns das kasperlethea- ter sein, von dem die Frkft. 3tg. folgendes schrieb:Das ' war ein lustiger Nachmittag, den Liesef Simon mit ihrem Münchener Kasperletheater Frankfurts Kindern, den gro­ßen und kleinen, gegeben hat. Die kleinen waren außer Rand und Banb über die Lpäße des guten Kasperls und die Großen lachten Tränen über die Freude der kleinen. Rber wie gingen die auch mit, wie nahmen die Bnteil, ^>ie respek­tierten sie feierlich den weißen Bart und den Heiligenschein des heiligen Petrus, und wie zitterten sie für Kasperl, wenn er in seiner Keckheit irgendein Gebot mißachtete ober ein versprechen nicht hielt. Sie erinnerten ihn, sie warnten, sie schrieen:Nicht essen, nicht essen!",' wenn er verbotener­weise vom Lämmchenbraten naschte, es war ein kreischen und Toben vor Furcht und Mitleid und von Begeisterung, denn die bösen Teufel wurden doch gefangen und durchge­prügelt, bis sie mausetot waren. Rus dem schüchternen ersten Zuruf einzelner wurde im Handumdrehen eine La­wine von Lärm, ein Grkan von Stimmen, der den wohl- organisiertesten Theaterskandal in den Schatten stellte und von Wänden und Decken zurückprallte, daß, man meinen konnte, das Haus sollte einstürzen. Rber es stürzte nicht ein, die kleinen Damen und Herren behielten recht mit ihrem vertrauen zur Architektur, Mütter und Väter aber saßen erschöpft inmitten der Brandung und taxierten insgeheim die Entfernung zum Notausgang. So viel Lebendiges kann nur durch etwas Urlebendiges geweckt werden, und das ist das hübsche Theaterchen der Liesel Simon mit seinen ent­zückenden Dekorationen und den ausdrucksvollen charakte­ristischen Puppen, die mit viel Humor und Geschick und mit glänzender Unterhaltung der einzelnen Stimmen geführt werden. Also Kinder, trotz der gesträubten haare des Herrn Papa und Muttis Nerven zum Trotz: Fein wars doch, und das nächste Mal gehen wir wieder hin..."

Wann ist die Heuernte vorzunehmen?Die Diese ist die Mutter der Viehzucht". Leider wird dieser Latz auch im kreise Lchlüchtern noch zu wenig beachtet. Man will auf der Wiese nur ernten, ernten und noch mal ernten, ohne sie sonst eines Blickes zu würdigen. Dabei ist es doch selbstverständlich, daß eine Wiese, soll sie lohnende Erträge bringen, genau so der Pflege und der Düngung bedarf, wie die Becker. Manche Landwirte glauben, sie hätten eilten guten Wiesenbestand, während es in Wirklichkeit nur wert­lose Gräser, gewissermaßen nur Unkräuter sind, über deren üppiges Gedeihen sie sich so sehr freuen. Wo aber gute Grä­ser wachsen, werden sie durch unsachgemäße Ernte im Werte vermindert. Das sollten sich vor allen Dingen diejenigen Landwirte merken, in deren Gemeinden bereits verkoppelt ist, sodaß sie zu jeder Zeit mit dem Wägen auf , die . Wiese können. Durch ein frühzeitiges Ernten können sie die ent­standenen Kosten für die Verkoppelung an der (Qualität des Heues wieder wettmachen. Man kann wohl behaupten, daß sämtliche Wiesen zu spät gemäht werden. Manche Landwirte glauben, es käme auf die Länge des Halmes an, andere meinen, noch auf das Wachsen der Untergräser warten zu

müssen, wieder andere stehen Tag für Tag auf der Wiese und warten mit dem Mähen, weil ihnen nicht genug Masse" vorhanden ist. Bber was wächst denn an dem Grase noch? Der Halm wird länger, strohig und verliert seinen Nährstoffgehalt und wird als Futter wertlos. Durch das Emporschießen der Gbergräser werden die wenigen Un­tergräser, die vorher noch wuchsen, völlig unterdrückt. Das Gras und der Klee nahmen an Masse nicht mehr zu, wohl aber die Unkräuter, die jetzt Zeit zur Entwickelung haben, rasch reifen und so für ihre schnelle Verbreitung sorgen. Deshalb sind Wiesen, die verunkrautet sind, am zeitigsten zu mähen. Ganz allgemein ist der beste Zeitpunkt zum Mähen die Zeit der beginnenden Blüte. Je jünger die Grä­ser sind, umso reicher sind sie an Eiweiß und Zucker und umso nahrhafter sind sie. Die wichtigen Nährstoffe wandern bei der Reife in die Wurzeln und Früchte, die Stengel wer­den dadurch dauernd nährstoffärmter, verholzen und sind in diesem Zustande sehr schwer zu verdauen. Da wir aber nicht nur aus Nährstofsreichtum Wert legen, sondern auch eine gewisse Menge ernten wollen, begannen wir mit dem Schnitt, sobald sich an den Gräsern die Blüten zeigen, vor allen Dingen ist auf die Blütezeit bes Wiesenschwingels zu achten. (Oft wird dieser Zeitpunkt als der günstigste angesehen. In der Blütezeit haben Stengel und Blätter noch einen ge­nügenden Vorrat an Nährstoffen und man bekommt auch noch eine hinreichende Menge Heu. Je rascher nun das Gras trocknet, je schneller es eingebracht und so der Einwirkung der Witterung entzogen wird, desto größer ist der Futter­wert bes daraus gewonnenen Heues. 5chm.

Bus der evangelischen Landeskirche. Bls Bb- geordnete der evangel. Landeskirche in Hessen-Kassel neh­men an dem Kirchentag in Königsberg vom 17.19. Juni teil der Landesoberpfarrer D Moeller, Landespfarrer D Fuchs, Präsident des LKB. D Stamm, Präsident des LTK. D Dithmar-Eschwege. Der Kirchentag ist die oberste Vertretung des die sämtlichen 28 deutschen Landeskirchen umfassenden Kirchenbundes. Bußerdem gechören ihm 41 Buslandsgemeinden, sowie die deutsch-österreichischen Kir­chen an. Der deutscheBund vom blauen kreuz", ver­ein zur Rettung von Gewohnheitstrinker und für vollkom­mene Blkoholenthaltung, beging in Kassel die Feier seines 50jährigen Bestehens unter außergewöhnlicher Teilnahme der Bevölkerung Kassels und auswärtiger Gäste. Zur Förderung der psychologischen und unterrichtlichen Busbil­dung der Geistlichen richtete die Kirchenregierung Wander- Kurse ein, die allmählich alle Kirchenkreise erfassen sollen. Der zweite derartige Kursus fand soeben in Bebra statt, wo die Stubienbirektoren Löwer und Hassenstein vortrugen und praktische Uebungen stattfanden.

Bhlersbach. Bm 19. Juni begeht der älteste Einwoh­ner unseres Dörfchens, der Zimmermann Bdam Loos, im Volksmund genannts aal hannödge", in seltener geisti­ger und körperlicher Frische seinen 86. Geburtstag. Möge ihm noch ein recht langer und sonniger Lebensabend beschieden sein.

Marjoß. Bm Sonntag, den 14. Bugust bs. Js. wird das von dem in unserem Kreise bestbeckannten Bildhauer, Herrn Professor Emil Tauer-Berlin entworfene und in sei­nem Btelier auch hergestellte Kriegerdenkmal für die Ge­fallenen der Gemeinde Marjoß eingeweiht werden. Blle Vorbereitungen sind getroffen, um diesen Tag nicht nur zu einer hehren Feier für unsere Helden, sondern auch gleich­zeitig zu einer imposanten Kundgebung des heimatlichen und vaterländischen Gedankens zu gestalten. Vertreter der Regierung, der Kirche, der Sdfule und der Kriegervereine werden neben den Einheimischen sprechen. Die kombinierten Kapellen der Herren Johannes und Nikolaus Lchreiber- Marjoß haben die Musik übernommen, außerdem wird der Männeraesangverein Marjoß unter Leitung seines Diri­genten, Herrn Lehrer Füller, singen. Die Einladungen an die Krieger- und Gesangvereine unseres Kreises, des Joß- und Sinngrunbes sind bereits ergangen, und es sind von ihnen zum größten Teil schon Zusagen erfolgt. Das vost- auto wird an diesem Tage zwischen Grb und Marjoß einer­seits und Jossa und Marioß andererseits verkehren, sodaß den von Grb bezw. von Jossa kommenden Kriegervereinen sowohl die hin- wie Rückfahrt ermöglicht wird. Die ge­naue Zeit des Postautos wie auch das spezifizierte Pro­gramm wird noch durch dieLchlüchterner Zeitung" be­kannt gegeben werden. Das Denkmal selbst, das auf histori­schem Boden vor der Kirche Marjoß Bufstellunq findet die Gründung der Kirche können wir bekanntlich bis ins 12. Jahrhundert, die Uranfänge sogar bis ins 8. Jahrhun­dert zurückverfolgen zeigt auf 1 Meter hohem, Posta­ment einen 2 Meter großen verwundeten Krieger., in dem der Bildhauer den Trotz und den Willen zur Wiederauf- richtung zum Busdruck bringen will. Möchte das alte Ka­meradschaftsgefühl, einst geboren im gemeinsamen Tragen des Waffenrocks und im gemeinsamen Erleben des Front­geistes, recht viele an dem 14. Bugust in Marjoß vereinen, getreu den Worten unseres Dichters:Wohl dem, der sei­ner Väter gern gedenkt, der froh von ihren Taten, ihrer Größe, den Hörer unterhält und, still sich freuend, ans Ende dieser schönen Reibe sich geschlossen sieht".

Fulda. (Wechsel bei der Fuldaer Reichswehr.) Der Kommandeur bes Reichswehr-Brtillerie-Regiments Nr. 5, Gberst Grimme, wurde zum Stäbe des Brtillerieführers VI in Münster i. W. kommandiert. Bn feine Stelle tritt Gberst Knauth vom Stäbe bes 3. Brtillerie-Reaiments in Frank­furt a. G. Wie zuverlässig verlautet, soll Gberst Grimme in nächster Zeit Nachfolger des Brtillerieführers in Mün­ster werden.

Fulda. (Handtaschenraub im D-Zug.) Eine Dame hatte sich in einem 2. Klasse-Bbteil des D-Zuges München-Bre­men niedergelegt und war eingeschlafen, plötzlich wurde sie auf der Strecke Fulda-Hünfeld dadurch gestört, daß je­mand an ihrem kovf herumrüttelte. Bls sie erwachte, sah sie eine Männerhand, die durch die wenig geöffnete Tür ihr die Handtasche mit einem größeren Geldbetrag unter dem Kopfe fortgezogen hatte. Sie schlug sofort Lärm und

Passagiere und Beamte eilten herbei. Es gelang aber nicht, den Täter zu fassen. Später wurde die entleerte Börse im Bbort gefunden. Die Handtasche fand ein Eisenbahnbeam- ter von Hünfeld beim Ztreckenabgehen. Der Geldbetrag war gestohlen und vom Täter fehlt noch jede Spur.

Würzburg. (Erfindung einer Geldzählmaschine.) Nach Meldungen aus Nürnberg, hat ein Stubierenber des dor­tigen Technikums, Ludwig Eiffländer aus Königsberg (Un­terfranken) je eine Geldzählmaschine für hart- und Pa­piergeld erfunden. Die Reichsbank hat ihm für das pa­tent 1,6 Millionen Mark geboten, eine Newyorker Firma 6 Millionen Dollar.

Etwas von den Nesselpflanzen.

Von W. Kammacher. Zittau.

Die Brennessel wuchert wieder aufs üppigste an Zäu­nen und auf Schutthaufen und macht sich dem Gesichts­sinne durch ihre schmucklose Blüte, dem Gefühlssinne durch stechenden Schmerz bemerkbar.

Aber auch der Geschmackssinn hat zuweilen Gelegenheit, diese früher mißachtete Pflanze kennen zu lernen. Denn die jungen Brennesseln werden in verschiedenen Gegenden zur Bereitung von Salat verwendet und sind auch als kraut- artiger Bestandteil für die Suppe hier und da bekannt. Da das Brennesselkraut 3 Prozent reinen Fruchtzucker und 5 Prozent zuckerliefernde Substanzen, außerdem etwa 10 Pro­zent Stärke enthält, ist seine Verwendung als Nahrungsmittel gerechtfertigt: nur nehme man in solchem Falle die Brenn- nessel, die auf Wiesen und nicht direkt am Wege wächst und verwende nur die jungen Triebe und Blätter der Pflanze.

Uebrigens wird aus den Brennnesselblättern ein grüner Farbstoff, das Chlorophyll, gewonnen, der zur Färbung von Konserven, Zuckerwaren usw. dient.

Doch auch die Früchtchen und Rispchen, die Ol und Eiweiß enthaltenden Samen und besonders die Stengel der Nesselpflanze sind gut verwendbar, letztere vornehmlich zur Herstellung von Gespinsten.

Die Rinde des Nesselstengels enthält nämlich lange, wert­volle Fasern, die denen des Flachses bis zu einem gewissen Grade vergleichbar sind. Besonders die kargen Kriegsjahre lehrten uns, dieses Hilfsmittel in großem Maßstabe industriell zu verwenden, wenn auch die gehegten Erwartungen nicht ganz erfüllt wurden. Allerhand Stoffe für Unterkleider und Kleider, Wäsche, Rucksäcke, Pferdeschutzdecken usw. werden aus Brennesselfasern hergestellt, und selbst die Monturen unserer Vaterlandsverteidiger in den letzten Jahren des Krie­ges wiesen hin und wieder Brennesselfasern auf.

Auch dienen Holz und Mark dieser Pflanze vermahlen zu Viehfutter oder zur Bereitung von Pappdeckel.

Das österreichische Kriegsministerium zahlte 1916 für 100 Kilogramm getrocknete Nesselstengel 6 und für 100 Kilogramm getrockneter Nesselblätter weiter^ 6 Kronen. Da­bei wurde darauf hingewiesen, daß besonders hoch geschossene, dicht über der Erde mit der Sichel, dem Messer oder der Schere abgeschnittene Brennessel erwünscht waren, da sich hieraus lange, gut verwendbare Gespinstfasern erzeugen lassen.

Die geernteten Nesseln, läßt man einen Tag abwelken, wo­durch die Brennhaare ihre Steifheit verlieren und sich das Laub von den Stengeln leicht abstreifen läßt. Ohne die Stengel zu knicken, bindet man sie hierauf zu Bündeln, die eine Zeit zur vollständigen Abtrocknung der frischen Luft aus­gesetzt werden.

Nicht jedem unserer Leser dürfte bekannt sein, daß es (von den Taubnesseln ganz abgesehen) zweierlei Nesseln gibt, die einjährige und die vieljährige Brennessel. Die ein­jährige Nesselpflanze wird nicht höher als einen halben Meter, die vieljährige dagegen schießt oft übermannshoch auf. Da die letzten in Bezug auf männliche und weib­liche Blüten zweihäufig ist, nennt sie der Botaniker Urtica dioica, zum Unterschiede von der einhäusigen und mit be­sonders zahlreichen Brennhaaren ausgestatteten Urtica urens.

Bei den alten Germanen stand die Brennessel in hohem Ansehen und wurde sogar als dem Donnergott Donar ge­weihte PflanzeHeilig" verehrt. Noch heute spielt die Nessel im Volksglauben der Tiroler eine Rolle: man ver­brennt sie dort in der Meinung, dadurch das Einschlägen des Blitzes verhüten zu können. Am Johannistage bäckt und ißt man Brennesselkuchen, sog.Pfannzelten" zum Schutze gegen Hexerei. Auch soll das Tragen von Brennesseln Furcht und Angst verhüten.

Schleiden nennt die Brennesseln die Schlangen des Pflan­zenreiches, da sie nicht nur heimtückisch verwunden und durch ihren giftscharfen Saft dem verwundeten Glied Schmer­zen verursachen, sondern weil ihre Stacheln den Giftzähnen einer Schlange in mancher Hinsicht ähneln. Denn der Stachel einer Nesselpflanze ist äußerst fein und spitz, innen aber hohl und von einer Eiftblase unterlegt. Berührt nur die Hand einen Nesselzweig, so fahren gewöhnlich ein paar Stacheln in die weiche Hand, brechen ab und ergießen in die­selbe jene scharfe Flüssigkeit, die das bekannte Jucken und Brennen verursacht.

Viel gefährlicher als unserePflanzenschlangen" sind aber die der Tropen, wo beispielsweise das Teufelsblatt (Urtica urentifsima) Verwundungen bringt, die das verletzte Glied unter schrecklichen Qualen unförmig anschwellen lassen, bis nach Monaten und Jahren die Geschwulst verhärtet und den erkrankten Körperteil lebenslänglich entstellt. Es sind sogar schon Fälle vorgekommen, wo auf solche Verwundungen der Tod des Betreffenden eintrat.

Wie erstaunt man nun, wenn man hört, daß die Haare und Bläschen der gefährlichen Nesseln so fein und leicht sind, daß sich mehrere Hundert unter dem Mikroskop am gehäufte auch mit der feinsten Wage nicht bestimmen ließen Ein Gelehrter hat ausgerechnet, daß bei einer Verwundung mit dem Stachel der Nessel kaum 1 Zwanzigmillionstel Gramm Gift in die Haut dringt: somit ist das Nesselgift das gefährlichste aller pflanzlichen und tierischen Gifte. Ein Tropfen Flüssigkeit aus den Stacheldrüsen von Urtica urentissima würde hin­reichen, das stärkste Geschöpf unserer Erde augenblicklich zu töten.

Noch sei bei dieser Gelegenheit auf einen höchst unange- nebinen Sonderling unter den Bäumen aufmerksam gemacht: es ist der im nördlichen Australien besonders auf der Halb­insel Pork vorkommende Brennesselbaum. Schön ge­wachsen, erinnert er an unsere Erle oder Buche und erreicht die .ältliche Höhe von dreißig Meter. Wer aber einen Zweig von ihm abbricht oder des Baumes Blätter nur flüchtig berührt, zuckt zusammen, als ob er in ein Büschel Brenn- nesseln gegriffen hätte. Nur ist das Nesselgift der feinen Härchen, die sich an beiden Seiten der Blätter befinden, noch schärfer und ruft sehr schmerzhafte Entzündungen der Haut hervor. Die vom Winde losgelösten Härchen dringen zu­dem leicht in Nase und Ohr des Borüberschreitenden, so daß dieser heftig niesen muß. Besonders gefährlich scheint das Unterholz des Baumes zu sein. Die Pferde, die es be­rührt haben, werden wie rasend, wälzen sich auf dem Boden und sind tagelang zum Reiten unbrauchbar. Der Zweck des Nesselbaumes scheint der zu sein, alles, was da kreucht und fleucht, von sich fernzuhalten.

Landwirte! Mäht Klee und Gräser frühzeitig!