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Kreis-Amtsblatt * Myememer amtlicherKuMger für tat Kreis Schtüchtem

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Nr. 7« (1. Blatt) Samstag, den 11. Juni 1927

79. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

J.-Nr. 4702. Vom Tierarzt Höxter in Treysa werden Versuche mit einem Heilmittel gegen ansteckende Blutarmut der Pferde gemacht. Der Bezirksverband übernimmt den Anteil der Kosten nach Maßgabe der Bekanntmachung votti 6. Mai 1926 (Regierungsamtsblatt S. 117), vorläufig je­doch nur für eine beschränkte Zahl nachgewiesener anämie- kranker Pferde. Anträge zur Behandlung sind bei Tierarzt Höxter unmittelbar zu stellen.

Schlüchtern, den 8. Juni 1927.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

J.-Nr. 4573. Dem Arbeiter-Samariter-Bund e. V. in Chemnitz ist die widerrufliche Genehmigung erteilt worden, in der Zeit vom 26. Juni bis 3. Juli 1927 an 2 Tagen innerhalb des ganzen preußischen Staatsgebietes durch Mit­glieder der Arbeiter - Samariter - Kolonnen auf öffentlichen Straßen und Plätzen Geldsammlungen zu veranstalten.

Die Genehmigung ist unter anderem an folgende Be­dingungen geknüpft:

a) zu den einzelnen örtlichen Sammlungömaßnahmen ist noch die besondere Zustimmung der Ortspolizeibehörde einzuholen, der die Befugnis zusteht, aus besonderen Gründen Beschränkungen oder Auflagen festzusetzen;

b) die Sammler müssen polizeiliche Ausweise bei sich führen. Zur Aufnahme der Spenden sind ihnen Sammelbüchsen mitzugeben, deren Beschaffenheit Ver­untreuungen ausschließt;

c) die Verwendung von Kindern und von Jugendlichen unter 18 Jahren bei den Sammlungen ist unstatthaft;

d) bei den Sammlungen ist auch der Vertrieb von Post­karten und von Abzeichen in der Form einer Blume zugelassen;

e) eui-S<pmndu von- Haus im Hauest unzulässig-. : Ich ersuche die Ortspolizeibehörden des Kreises, mir über den Verlauf und das Ergebnis der Samnllung bis zum 20. Juli d. I. zu berichten. Fehlanzeige ist nicht erforderlich. Schlüchtern, den 7. Juni 1927.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

J.-Nr. 4642. Bezugnehmend auf meine Verfügung vom 23. Februar d. Js., Nr. 1465, Schlüchterner Zeitung Nr. 27, betr.Bekämpfung der Rattenplage", ersuche ich die Herren Bürgermeister, mir über den Erfolg des Ver- tilgungsverfahrens alsbald zu berichten.

Schlüchtern, den 9. Juni 1927.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

Kreisausschutz.

J.-Nr. 2469 K. A. Die Herren Bürgermeister der Stadt- unb Landgemeinden des Kreises ersuche ich unter Bezug­nahme auf die Kreieblattverfügung vom 11. Mai 1905 J.-Nr. 1354 K.-A. (Kreisblatt Nr. 20 von 1905) den Bestand an Bullen, Kühen und deckfähigen Rindern nach dem Stande vom 1. Juni d. J. mir innerhalb 8 Tagen mitzuteilen.

Schlüchtern, den 7. Juni 1927.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

Kreishundssteuer-Hauptveranlagung.

J.-Nr. 2470. Die Herren Bürgermeister und Guts­vorsteher des Kreises mache ich auf die gemäß § 2 der Kreishundesteuerordnung vom 4. November 1920 in der letzt gültigen Fassung (abgedruckt im Kreisblatt Nr. 41 vom 8. April 1926) in diesem Monat zu erfolgende Hauptver­anlagung zur Kreiehundesteuer aufmerksam.

Schlüchtern, den 8. Juni 1927.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.

Ttal^chlÄchte^

OeffentliKe Aufforderung

Mr Entrichtung von Preutz. Staatssteuer«, stadt.

Steuern «nd sonstige Abgaben.

Im Monat Juni 1927 sind für Juni 1927 und Vormonate an die Stadtkasse Schlüchtern zu zahlen: Preußische Grundvermögenssteuer mit Stadtzuschlag

Preußische Hauszinöstcuer

Gewerbeertrag- und Gewerbekapitalsteuer für 1925 u. 1926 Gewerbeertrag- und Gewerbekapitalsteuer-Vorauszahlun- gen für 1927

Holzgelder, Schulgelder, Wassergelder, Hundesteuern, Pachtgelder und alle anderen angeforderten Abgaben. Die Grundvermögens- und Hauszinssteuern sind am 15. eines jeden Monats fällig. Für verspätete Zahlungen sind Verzugszinsen zu entrichten.

Mahnungen erfolgen nur durch öffentliche Bekannt­machung. Die Einlegung von Rechtsmitteln hält die recht­zeitige Zahlung der Steuern und Abgaben nicht auf.

Schlüchtern, den 8. Juni 1927.

Der Magistrat. Gaenßlen.

Die Schweiz und Rußland.

Das Berliner Protokoll.

Im schweizerischen Ständerat gab Bundesrat Mvtta Er­klärungen über das Berliner Uebereinkommen mit Sowjet­rußland ab. Nach einer längeren Schilderung des Konflikts zwischen der Schweiz und Rußland führte er u. a. aus:

Die Regelung der zwischen der Schweiz und Rußland schwebenden Fragen kann, falls sie überhaupt erfolgen sollte, nur durch lange schwierige Verhandlungen erzielt werden, denen die de fure-Anerkennung der Sowjetregierung voraus- zugehen hätte oder unverzüglich nachfolgen würde. Eine solche Anerkennung erschien uns jedoch bisher ausgeschlossen und scheint dies auch weiterhin zu bleiben. Wir haben nicht einmal die Absicht, die Initiative zu Verhandlungen zwecks Regelung der immer noch schwebenden allgemeinen Fragen zu ergreifen; wir behalten uns nur vor, zu prüfen, ob solche Verhandlungen hinsichtlich der Art, der Zeit und des Gegenstandes angezeigt seien, falls man uns eine Formel vorschlagen sollte.

Die Erfahrungen, die andere Staaten gemacht haben, ver­anlassen uns zur größten Zurückhaltung, die wir nie aufgeben werden. Wir sahen uns soweit vor die Alternative gestellt: entweder endgültiger Verzicht auf die Regelung der politischen Folgen deß Worowski-Mordes, Weiterbestehen des fieberhaften Zustandes zwischen Rußland und. der Schweiz, Schaffung eines dauernden. Va^ ,nd<>ä h> m« ?. r. f r.ng, der ge­stattet, die Annahme von ienr^duilgen des Völkerbundes für Zusammenkünfte in Genf zu verweigern, Uebernahme der offensichtlichen Verantwortung gegenüber der - internationalen Gemeinschaft und damit die Gefahr, daß gegen uns früher oder später Druck jeder Art angewendet würde, dem vorzubeugen Gebot der Klugheit ist oder dann Regelung des Worowski- Handels im Sinne, wie es geschehen ist.

Deutsche Kriegsschiffe in Portugal,

Begeisterter Empfang in Lissabon.

Die angesehene Lissaboner Zeitung,Diario de Noticias", beschäftigt sich in einem Leitartikel eingehend mit dem Besuch des'deutschen Geschwaders. -D e ü t s ch l a nb; so heißt es in den Ausführungen, ist infolge der Qualitäten ;einer Führer wieder a u f g e st i e g e n. Es verfolgt eine stetige Politik der Toleranz und Zusammenarbeit. Außenminister S t r e s e- m a n n, seit langem der Pfeiler der Regierung, steckt sich in der Außenpolitik des Reiches mutig als höchstes Ziel das Ein« Vernehmen mit Frankreich, um auf diese Weise endgültia den Frieden zu sichern. Er wird dabei von allen Parteien unter­stützt. Der Besuch des deutschen Geschwaders ist eine erneute Kundgebung für ein internationales, herzliches Einvernehmen, das die Leiter: der Geschicke Deutschlands mit dem früheren Feinde zu begründen wünschen. Portugal nimmt, ohne je­doch aufzuhören, der treue Alliierte Englands zu sein, diese Kundgebung m i t d er g r ö ß t e n Sh mp a t h i e auf. Die ausgedehnten wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland ver­langen, daß auch die freundschaftlichen Beziehungen zum Deut­schen Reich sich enger gestalten. Der Artikel unterstreicht die Wichtigkeit der ausgetauschten Botschaften und Trinksprüche. Die Ehrungen, die die portugiesische Regierung veranstaltet habe, hätten einen lauten Widerhall in der öffentlichen Mei­nung Portugals gefunden. Der Artikel hebt das mustergültige Verhalten der Mannschaft der deutschen Schiffe an Land lobend hervor. Im Gegensatz zu anderen Matinebesuchen sei wäh­rend des bereits viertägigen Aufenthaltes von 3000 Mann kein einziger Fall von Betrunkenheit oder Streit vorgekom- men. Die öffentlichen Veranstaltungen und Festlichkeiten des Geschwaders, z. B. ein von Tausenden aller Stände besuchtes Konzert im Zoologischen Garten, trugen dazu bei, die gegen­seitige Sympathie zu steigern.

Revolutionäre Umtriebe in Portugal.

Paris, 9. Juni. Havas meldet aus Badajoz, das Gerücht laufe um, daß eine revolutionäre Bewegung in Portugal aus­gebrochen sei. Die Regierung habe den Truppen des Nordens Befehl erteilt, alle notwendigen Maßnahmen zu treffen. Die Truppen seien in Entrocamento konzentriert. Die Bahnlinien von Colimbra und Pampilhosa seien militärisch besetzt.

Rückblick.

Dr. Kl. Als die beiden Ozeanflieger in der Nähe von Bischofsroda ihre erste Notlandung vornehmen mußten, sollen sie einen zufällig anwesenden Landmann gefragt ha­ben, ob die Deutschen amerikafeindlich gesinnt seien. In­zwischen werden sich Ehamberlin und L e v i n e über­zeugt haben, daß nicht nur ihre Befürchtungen sinnlos wa­ren, sondern daß nirgendwo anders in der Welt ein- be­geisterterer und herzlicherer Empfang ihnen hätte zuteil werden können, als auf deutschem Boden. Es liegt den Deutschen nicht, unfruchtbaren Haß zu nähren. Selbst.von einer Franzosenfeindlichkeit im Sinne der systematischen Revanchehetze, wie sie das amtliche Frankreich uns gegen­über leider vor dem Kriege getrieben hat, kann man bei uns nicht sprechen, so sehr auch die Rhein- und Ruhrpolitik der Franzosen die bittersten Gefühle und Erinnerungen in uns wachruft. Amerika gegenüber, mit dem wir noch vor 10 Jahren im Kriegszustand lebten, ist am allerwenigsten irgendein Gefühl der Animosität zurückgeblieben. Der kur- zen Episode, in der die deutsch-amerikanischen Beziehungen vorübergehend gestört waren, steht ein Jahrhundert gegen­über, in dem, wie der amerikanische Botschafter Schur- man beim Empfang Chamberlins auf dem. Tempelhofer Feld wirkungsvoll zum Ausdruck brächte, die Grundlage für eine dauernde Freundschaft zwischen dem deutschen und amerikanischen Volk gelegt wur­den. Daß man auch in Amerika die Wiederkehr dieser Cpi- sode nicht wünscht, hat das amerikanische Volk seit Kriegs­ende zu wiederholten Malen zu erkennen gegeben. Wir erinnern uns mit den Gefühlen größter Dankbarkeit des Hilfswerkes hochherziger Amerikaner, die bemüht waren- in der Zeit größten deutschen Wirtschaftselends die Not vieler Tausende in Deutschland durch Geldspenden und Lebensmittel nach Möglichkeit zu lindern. Heute erfreuen wir uns guter politischer und wirtschaftlicher Beziehungen zu Amerika, und wir begrüßen es deshalb besonders, daß Ehamberlin und Levine als Ziel ihres Europafluges '..D^ntsMaud «<* wtbltixtben. $? W d»S -t-tnr-iu^rnugsvuA-^ v>.cheißungsvolles Symbol für die politische und mansch lrchs Freundschaft, die das deutsche und das amerikanische Volk hoffentlich auch in Zukunft verbindet. Daß es der ernste Wille des gesamten deutschen Volkes ist, diese Be­ziehungen weiter zu pflegen und noch intensiver zu gestalten, möge das amerikanische Volk aus der Herzlichkeit ersehen, mit der seine Söhne in Deutschland ausgenommen worden sind.

Es ist nicht nur die Freude über die sportliche Rekord» leistung, die in diesen Tagen die Menschen Diesseits und jenseits des Ozeans in gleicher Weise begeistert. Die Äeberwindungvon Raum und Zeit durchdas Flugzeug in einem bisher nicht gekannten Maße verdient eine höhere Wertung. Ist es nicht zwingend, daß eine solche epochemachende Umwälzung auf dem Gebiete der Ver­kehrstechnik auch große politische Umgestaltungen im Gefolge haben muß? Wer denkt heute nicht an die Zeiten, da als unmittelbare Folgen anderer damals ebenso revolutionärer verkehrstechnischer Erfindungen, so z'Ä. \ des Baues von Eisenbahnen, die Binnengrenzen sich allmäh­lich verwischten, um schließlich beinahe, ganz zu fallen. Heu­te, da die Ueberbrückung von Kontinenten in wenigen Stunden durch das.Flugzeug ermöglicht wird, drängt sich von selbst die Frage auf, ob nicht auf diese Weise auch die Völker, die auf diesen Kontinenten wohnen, sich menschlich und politisch näher kommen müssen. Von dieser höheren Warte aus gesehen, gewinnt der Ozeanflug der Amerikaner eine Bedeutung, die weit über das rein sport­liche hinausgeht. Daß es Amerikaner sind, die aus solche Weise sich als Missionare der Humanität betätigen, erfüllt uns Deutsche nicht mit dem geringsten Neid; sind es doch auch Deutsche gewesen, die gerade aus dem Gebiete der Er­oberung der Luft Bahnbrechendes geleistet haben. In Die­sem Zusammenhang des Grafen Zeppelin zu gedenken, ist eine Pflicht der Dankbarkeit und Pietät.

Noch ist aber die völkerverbindende Kraft gros­ser menschlicher Leistungen auf dem Gebiete der Technik und des Geistes nicht so stark, daß mit einem Schlage all die Barrieren fallen die heute noch der Annäherung der Völker und Staaten entgegenstehen. Manchmal möchte man sogar meinen, daß heute weniger denn je der aufrichtige Wille vorhanden ist, die Berge des Mißtrauens und Der Unvernunft, die das Zusammenkommen der Menschen und Völker verhindern, abzutragen. Der r uj- s i s ch - e n g l i s ch e Konflikt bedroht nach wie vor den Weltfrieden in gefährlicher Weise. Wenn bisher der Zu- sammenprall zwischen Moskau und London auf das diplo­matische und wirtschaftliche Gebiet beschränkt geblieben ist, so hat das nicht zuletzt seinen Grund darin daß die Spe­kulation gewisier Störenfriede in Europa, die eine unvor- sichtige Parteinahme Deutschlands für den einen oder an-

Sonntag, den 12. Juni 1927, nachmittags I30 AhrSportplatz Auwiese"

Gffenbacher Kickers 1. Mannsch. F. V. Schlüchtern 1010