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Nr. 68 Dienstag, den 7. Juni 1927 79. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

I.-Nr. 4521. Gemäß Ziffer II, Absatz 1 der im März­heft 1924 der Zeitschrift für das ländliche Fortbildungsschul- wesen veröffentlichten Grundsätze für die Unterstützung länd­licher Fortbildungsschulen aus Staatsmitteln ersuche ich die Herren Bürgermeister derjenigen Gemeinden, in denen Fort­bildungsschulen eingerichtet sind, mir bis zum 20. d. Mts. die Anträge auf Erlangung einer Staatsbeihilfe für 1927= 1928 einzureichen. Aus den Anträgen müssen der Name des Lehrers, oder der Lehrerin, des Schulleiters, voraussicht­liche Schülerzahl, die Zahl der Unterrichtsstunden, die Auf­wendungen für Lehrmittel usw. hervorgehen.

Die genaue und pünktliche Erledigung der Angelegen­heit mache ich den Herren Bürgermeistern zur besonderen Pflicht.

Schlüchtern, den 2. 3uni 1927.

Der Landrat. 3. D.: Schultheis.

3.=Hr. 4505. Nach der Bekanntmachung des Herrn Ressortministers vom 18. 3anuar 1882 Regierungsamts» blatt Seite 72 soll die Aufstellung der Schöffenlisten sei­tens der- Gemeindebehörden alljährlich bis zum 1. August und ihre Einsendung an die betreffenden Amtsgerichte bis zum 1. Sept. erfolgen. Unter Hinweis auf die Vorschriften in den §§ 31 bis 38 des Gerichtsverfassungsgesetzes in der Fassung des Gesetzes vom 22. März 1924 (R®BI. S. 299 ff) und diejenigen meiner Bekanntmachung vom 25. August 1886 Kreisblatt Nr. 67 werden die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises veranlaßt, die Schöffenlisten rechtzeitig sorgfältig aufzustellen, öffentlich auszu- legen und mit der vorgeschriebenen Bescheinigung versehen, bis 3um 1. Sept. d. 3s. an das zuständige Amtsgericht einzusendem.

3n die Schöffenlifte sind alle zum SchÖffenajnt befähigte männliche und weibliche Gemeindeangehörige einzutragen.

Schüchtern, den 3. 3uni 1927.

Der Landrat. 3. D.: Schultheis.

I.-Nr. 4506. 3m Monat Mai d. 3s. wurden folgenden

Personen Jagdscheine ausgestellt:

a) Iahresjagdscheine:

Seipel, Peter, Schneider, Marborn

Beringer, Karl, Eisenbahnarbeiter, Altengronau

Roll, Georg, Landwirt, Marjoß

Iobst, Bernhard, Wagner, Neustall

Hummel, Ludw., Kraftwagenführer, Bad Brückenau Klüh Philipp, Landwirt, Heubach

Iahn, Emil, Landwirt, Neustall

Bös, Wilhelm, Landwirt, Sarrob Hadermann, Ludwig, Mühlenbesitzer, Schlüchtern Hilbjg, Willi, Zchulamtsbewerber, Ahlersbach Elsässer, £., Iustizobersekretär, Schwarzenfels Klähne, August, Kaufmann, Oldenburg

b) Tagesjagdscheine:

Dr. Kraus, Gberregierungsrat, Bad Brückenau c) Unentgeltliche Iagdscheine:

Krüger, Forstassessor, Salmünfter

Schüchtern, den 1. Iuni 1927.

Der Landrat. 3. v.: Schultheis.

Kreisausschutz.

J.-Nr. 2555 K. A. Diejenigen Herren Bürgermeister der Landgemeinden, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 22. März 1927 J.-Nr. 539 K. A. (Kreisblatt Nr. 37 vom 26. März d. 3s.) betr. Beitreibung rückständiger Gemeindeabgaben, im Rückstände sind, werden an die Erledigung derselben binnen 8 Tagen erinnert.

Schüchtern, den 3. Juni 1927.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

Tgb. Nr. 1207 K. A. N. Betr.: Höhe der Beiträge, die zur Aufrechterhaltung der Anwartschaften in der Invaliden­versicherung für Erwerbslose zu zahlen sind.

Der Herr Reichsarbeitsminister hat durch Erlaß vom 23. 4. 1927, IV. 4406/27 entschieden, daß es genügt, wenn die Beiträge zur Invalidenversicherung in der Lohnklasse 2 entrichtet werden. Es sind nicht mehr Marken zu Kleben, als zur Ausrechterhaktung der Anwartschaft unbedingt not­wendig sind.

Schüchtern, den 4. Juni 1927.

Der Vorsitzende des Arbeitsnachweises.

I Landwirte! Laßt die Unkräuter i i nicht;ur Gamenbilbg. kommen, j

Winderlin, der neue KeMger des 0;cm

Nach errungenem Sieg vom Pech verfolgt!

Am zweiten Pfingstfeiertag in aller Frühe stand es fest: Ein zweiter Amerikaner, Clarence Chamber- lin, hat in einem glänzenden Fluge, zum ersten Male mit einem Passagier, seinem Finanzmann Levine, den Ozean überquert und die Leistungen seines Lands- mannes Lindbergh, der jetzt aus dem Dampfer Memphis aus der Rückreise in sein Vaterland begriffen ist, bei weitem übertroffen. Um 4 Uhr in der Frühe hat sich der Flieger über dem Flugplatz Dortmund nach dem Wege zur Reichshauptstadt erkundigt. Von da ab war­tete alles gespannt auf weitere Nachrichten. Endlich, um 10 Uhr, traf die Meldung von der ersten Not­landung der Flieger und ihrem Weiterflug «ach Ber- li« ein.

Die Reichshauptstadt war in fieberhafter Auf­regung. Ungezählte Scharen umlagerten das Tempel- Hofer Feld mit seinem Lufthafen, ein ungeheures Poli­zeiaufgebot sorgte für die notwendige Absperrung und die Umleitung des Verkehrs. Von Dächern schaute man gespannt den Himmel nach dem Flieger ab, wäh­rend Flugzeuge über Flugzeuge auf der Suche nach den Amerikanern die Luft durchkreuzte«, «m sie zu begrüßen und zum Flughafen zu begleiten. Die Ge­sichter wurden immer enttäuschter, da die Ozeanflie­ger nirgendwo zu entdecken waren. Um 12 Uhr mit­tags kam wieder böse Knnde. Bei einer Notlandung infolge Propellerbruchs ist die Maschine in der Um­gegend von Cottbus in einen Sumpf geraten. Ein bedauerliches Mißgeschick, durch das jedoch die gewal­tige Leistung der kühnen Flieger i« keiner Weise be­einträchtigt wird.

Die Columbia" fliegt ab.

Levines Frau wird ohnmächtig.

Bereits am Freitag war Chamberlin mit seinem Flugzeug startbereit zu einem Flug, der ohne Zwischen­landung vom Roosevelt-Flugplatz in New Aort nach dem Berliner Flughafen auf dem Tempelhofer Feld führen sollte. Durch ungünstige Wettermeldungen wurde er jedoch zunächst vom Start abgehalten. Als jedoch ein paar Stunden später die Wetterberichte mel­deten, daß an der Küste des Atlantischen Ozeans über Neu-Schottland und Neufundland günstiges Flugwetter herrsche, machte er sich kurz entschlossen zum Abflug fertig und stieg. Sonnabend früh 6.04New Aorker Zeit (11.04 mitteleuropäischer Zeit) zum Flug nach Berlin auf. Kurz vor dem Abflug kam es zu einem kleinen Zwischenfall. Als Levine, der Begleiter Chamberlins, im Straßenanzug in letzter Minute das Flugzeug be­stieg, wurde seine Frau, die nicht wußte, daß er mit­fliegen wollte, ohnmächtig. Auch der Start selbst ging nicht glatt von statten. Beim ersten Male legte das Flugzeug einige hundert Meter auf der Erde zurück, konnte jedoch nicht auffteigen, so daß es zum Start zurückkehren mußte. Unter dem Jubel' einer begei­sterten Zuschauenmenge erhob sich dieColumbia" dann in die Lüfte, machte noch einige Schleifen über dem Flugplatz und trat dann in Richtung auf Neustmd- land ihre weite Reise über den Ozean an. Ein Ge­schwader amerikanischer Flieger begleitete dieColum­bia" bis über Massachusetts. Die amerikanischen Kriegs­schiffe hatten Weisung erhalten, nach Chamberlain Aus­schau zu halten. Auch die Nachricht von dem Abflug Chamberlins ist durch Radiotelegramme an alle Emp- faugsstellen und Schiffe weitergegeben worden.

Ueber den Wellen.

Gegen 2 Uhr nachmittags mitteleuropäischer Zeit hatte Chamberlin Province Town auf der Halb­insel Cod, dem äußersten Ausläufer des amerika­nischen Festlandes, passiert und flog direkt in öst­licher Richtung dem offenen Meere zu. Um 5 Uhr nachmittags Berliner Zeit überflog die Columbia die Stadt Avrmouth in Neu-Schottland, und um 9 Uhr abends wurde sie 30 Meilen östlich Halifax in Neuschottland mit dem Kurs auf die Neufundlandbänke gesichtet. Um 11,50 Uhr deutscher Zeit hatte das Flugzeug die Insel Neufundland überflogen und damit endgültig den offenen Ozean erreicht. Die Wetterbe­dingungen waren ausgezeichnet, der mäßige westliche Rückenwind kam den Fliegern sehr zustatten, so daß die Flieger bereits gegen 15 Uhr 30 westeuropäischer Zeit von dem DampferMauretania" etwa 360 Mei­len westlich der Gr i lly - I n se In (Südengland) ge­sichtet werden konnte. Um 21 Uhr wurde die eng­lische Hafenstadt Plymouth überflogen. Gegen Mitternacht passierte dieColumbia" Boulogne s. M. in Begleitung eines englischen Flugzeugs in öst­licher Richtung. Um 4 Uhr früh erreichte sie den Dortmunder Flughafen. Er ging auf geringe Höhe hinunter und rief: Nach Berlin, nach Berlin! Darauf wurde ihm von der Flugpolizei durch Perl- Zeichen die Richtung nach Berlin angeben.

Die Flieger über Deuschland.

Notlandung wegen Benzinmangels.

Gegen 6 Uhr morgens mußten die amerikanischen Flieger in einem Weizenacker bei B i s ch o f r o d e b.

Eisleben wegen Brennstoffmangels eine Notlandung vornehmen. Gegen 9 Uhr 35 erfolgte die Weiterfahrt nach Berlin, nachdem die Piloten durch ein Flugzeug der Lufthansa mit Brennstoff versorgt worden waren Der Start ging glatt vonstatten.

Die Berliner Empfangsvorkehrungen.

In Berlin waren für den Empfang des ameri­kanischen Fliegers alle notwendigen Vorkehrungen ge­troffen worden. Nach Rücksprache mit dem amerika­nischen Botschafter hat das Berliner Polizeipräsidium den Polizeidienst auf dem Flugplatz Tempelhof ganz erheblich verstärkt, um durch umfangreiche Absper­rungsmaßnahmen eine Belästigung der Flieger durch allzu begeisterte Zuschauer zu verhüten und eine Wie­derholung der Vorfälle wie in Paris und London zu vermeiden. Zur Begrüßung hatten sich auf dem Flug­platz der amerikanische Botschafter Schurman, Ver­treter der Reichsregierung, des Auswärtigen Amtes, des Reichsverkehrsministeriums, der Stadt Berlin, der Deutschen Lufthansa und des Aeroklubs eingefunden. Viele Tausende von Zuschauern umsäumten seit Mit­ternacht den Flugplatz und warteten auf die Ankunft der Flieger, die sich von Stunde zu Stunde weiter hinauszögerte.

Bei Cottbus mit Propellerbruch gelandet.

Gegen 12 Uhr mittags traf in Berlin die Nach­richt aus Cottbus ein, daß die Europaflieger bei dem Dorfe Klinge, das zum Amtsbezirk Cottbus ge­hört, mit Propellerbruch aus sumpfigem Gelände lan­den mußten.

Bei bett Ozeanflieger« in Kottbus.

Thamberlain und Lewine erzählen, daß ihre Fahrt nicht gerade von Glück begünstigt war. Insbesondere über Ir­land waren sie in ein schweres Unwetter geraten, dem sie dadurch ausweichen wollten, daß sie in große Höhen stiegen. Sie machten dann einen Bogen nach Süden über den Aer- Tmäfctmal in der Hoffnung, hier besseres Wetter zu finden. Diese Hoffnung erfüllte sich auch bis Dortmund, aber hinter Dortmund kamen sie in dichten Nebel, und da sie keine deut­schen Karten hatten, sondern nur nach dem Kompaß flogen, verloren sie die Richtung auf Berlin. Das Fehlen der deut­schen Karten wurde ihnen dann bei dem zweiten Aufstieg nach ihrer ersten Notlandung bei Eisleben wieder zum Ver­hängnis.

Auf der Rückfahrt vom Landungsplatz ins Hotel er­klärte Thamberlain: Ich werde aller Wahrscheinlichkeit nach am Dienstag in später Nachmittagsstunde in Tempelhof eintreffen. Man hat ja den Empfang vorbereitet. Ich richte mich danach. Ich betone, daß wir weder und irgendeinen verdienst noch Honorar gestartet sind. Ich habe kein Geld für den Flug erhalten. Herr Ingenieur Bellanca, der Kon­strukteur derEolumbia" hat mich gebeten, nach Berlin zu fliegen.

Ich werde mich unter allen Umständen Ende dieser oder Anfang nächster Woche nach Wien und Rom öder um­gekehrt begeben und kehre wahrscheinlich am 15. Juni auf dem gleichen Wege nach Amerika zurück, bleibe jedoch ein paar Stunden in Paris und in London.

New pork, 7. 6. (WB.) Das amtliche geologische Büro in Washington hat die Flugstrecke Lindberghs mit 3610, die Thamberlins mit 3905 Meilen festgesetzt.

In einem Glückwunschtelegramm Toolidges an Tham- berlin heißt es: Unser Land freut sich mit mir über die glückliche Landung nach dem ersten Dauerflug Amerika- Deutschland, durch den Sie dem deutschen Volke unsere Grüße überbracht haben.

Der Polarflieger Byrd erklärte, Thamberlin habe wie­der gezeigt, daß er ein hervorragender Flugzeugführer ist. Gleichzeitig sei sein Flug eine Mission des Friedens und der Freundschaft zu Deutschland.

Frau Lewine und Frau Thamberlin traten gestern nacht ihre Reise nach Deutschland an.

Die Brooklyner Handelskammer, die den Flug der Tolumbia" nach Europa finanziert hatte, ließ Frau Tham- berlin 15 000 Dollar für ihren Gatten als preis für den gelungenen Flug Amerika-Deutschland überreichen.

*

Berlin, 7. 6. Reichspräsident v. Hindenburg hat an den Präsidenten Toolidge ein Glückwunschtelegramm ge­richtet. Ebenso hat Reichskanzler Dr. Marx den beiden Fliegern in Kottbus seine sowie des deutschen Volkes Glück­wünsche übermittelt.

Die Vorgeschichte des Fluges.

Für diesen Flug war schon seit Wochen alles vorbereitet, viel gründlicher als bei dem Flug seines Landsmannes Lindbergh oder gar der verschollenen französischen Flieger Colt und Nungesser. Chamber­lin, der etwa im 36. Lebensjahre steht, machte zum