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Nr. 53 Dienstag, den 3. Mai 1927 7S. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

J.-Nr. 567 V. Vorbehaltlich der nachträglichen Geneh­migung durch den Gesamtvorstand der' Landesversicherungs­anstalt Hessen Nassau zu Kassel ist das den Angehörigen eines Erkrankten während des Heilverfahrens nach § 1271 der Reichsversicherungsordnung zu gewährende Hausgeld auf das 21/2fad)e des gesetzlichen Betrages erhöht und über die Gewährung dieses Hausgeldes seitens des Vorstandes der Landeeversicherungsanstalt Hessen Nassau im einzelnen folgen­des bestimmt worden:

a. Wenn der Versicherte bisher aus seinem Arbeitsver­dienst den Unterhalt eines Angehörigen bestritten hat, so beträgt das Hausgeld den i^fachen Betrag der gesetzlichen Mindestleistung (3/4 des Krankengeldes, 3/8 des Ortslohnes); im gleichen Falle beträgt;

b. bet zwei Angehörigen das Hausgeld den 2 fachen Betrag der gesetzlichen Mindestleistung (volles Kranken­geld, */2 des Ortslohnes);

C. bet drei und mehr Angehörigen das Hausgeld den 2^/zfachen Betrag der gesetzlichen Mindestleistung i1^ Krankengeld, 5/8 des Ortslohnes).

d. Sofern das Hausgeld den vollen Betrag des Kranken­geldes übersteigt, wird es nur bis zum Höchstsatz von 25, Mk. für die Woche gewährt.

Schlächtern, den 26. April 1927.

Der Vorsitzende des Versicherungsamteö. J. V.: Schultheis.

Schoupramie« für seltene Raubvögel.

Unsere Raubvögel sind wegen ihrer Seltenheit zum größ­ten Teil Naturdenkmäler geworden, sodaß das Gesetz sich ihrer angenommen hat. Die Verminderung läßt sich auf mehrere Ursachen zurückführen: Einerseits tötet man sie aus Unkenntnis und Schießlust, wie auch nach dem sogenannten Nützlichkeitsprinzip, andersseits trägt die Kultivierung der Landschaft mit dazu bei, ihre Bestände zu lichten.

Nach den verschiedenen Gesetzen sind fast alle Raubvögel geschützt. Der Bund für Vogelschutz e. V. Stuttgart, Jägerstr. 34, ist bestrebt, die Abnahme der Raubvögel zu verhindern; er will das Gesetz durch Schonprämien in Höhe bis zu 25 Mk. oder in Gestalt von Literatur und Anerkennungsschreiben zu unterstützen. Jeder Jagdinhaber, Jagdaufseher, Forstbe­amte usw., durch dessen Förderung eine Brut folgender Raubvögel bis zum völligen Ausfliegen hochkommt, erhält nach der Bestätigung durch seine Vorgesetzte Behörde eine Be­lohnung, die je nach den Umständen und der Seltenheit des Vogels bestimmt wird. Die zu schützenden Vögel sind: alle Adler, Uhu, Kohlrabe, Wanderfalke Baumfalk, Wespenbussard, Korn- und Wiesenweihe, Waldohreule, und Milane, Sumpf­ohreule.

Die Anmeldung muß spätestens am 15. August in den Händen des Vorsitzenden der Ortsgruppe Groß-Berlin des Bundes für Vogelschutz e. V., Herrn Major a. D. Dr. Weg- ner, Berlin S. 42, Oranienstr. 68, sein, der das weitere ver­anlaßt.

(A 111. 5434 a/27.)

Bund für Vogelschutz e. V. Stuttgart.

J.-Nr. 3485. Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutevorfteher, welche noch mit der Erledigung meiner Ver­fügung vom 2i. v. MtS. Nr. 3283 (Kreisblatt Nr. 49,) betr. Reichswohnungszählung und Feststellung der Zahl der Wohnungssuchenden, im Rückstände sind, werden ersucht den Bedarf an Meldebogen sofort hierher anzuzeigen.

Schlächtern, den 2. Mai 1927.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

KreiSaus-chuß.

J.-Nr. 1929 K. A. Am Freitag, den 13. Mai 1927, vormittags 10 Uhr findet im Kreishause hier- selbst eine Sitzung des

Kreistages statt..

Schlächtern, den 27. April 1927.

Der Landrat.

Die Maifeiern sind im ganzen Deutschen Reiche ohne besondere Störung verlaufen. Ruch im Rusland haben sich nennenswerte Zwischenfälle nicht ereignet.

Das Befinden des Botschafters Hoesch in Paris hat sich so gebessert, daß er in einigen Tagen das Bett verlassen kann.

Nach Blättermeldungen aus London fühlt sich Valdwin sehr amtsmüde und denkt daran, nächstens von seinem Rmt zurückzutreten.

Das deutsche Seamtentum.

Ein lebenswichtiges Glied.

Bei der Eröffnung der Niederrheinischen Verwaltungs- akademie in Düsseldorf hielt der frühere Reichsminister des Innern D r. K ü l z einen programmatischen Vortrag über das Thema:Der deutsche Beamte im Gegenwartsstaat". Der Vortragende entwickelte das Verhältnis des Beamten zum Staate, das Problem Beamtentum und Wirtschaft und die Fragen der Beamtenbildung. Die Entwicklung vom Obrig- feitsstaat zum Bolksstaat verlange auch vom Beamten die ent­sprechende Einstellung und ein Arbeiten nicht von Obrigkeit zu Untertan, sondern von Mensch zu Mensch. Der Beamte muß ein Beispiel dafür geben, daß die Idee des Staates und der Gemeinschaft über dem eigenen Ich stehe.

Das Bernfsbeomtentum sei auch im Volksstaat eine Staatsnotwendigkeit. Nicht Abbau des Berufsbeamtentums, sondern Festigung, Modernisierung und Stärkung der Lei­stungsfähigkeit seien die Forderungen des Gegenwartsstaates hinsichtlich des Beamtentums. Der Persönlichkeitswert des Beamten sei in erheblichem Umfange durch Art und Matz seiner Vorbildung und seiner Weiterbildung bedingt. Es sei deswegen dankbar zu begrüßen, daß die Beamtenschaft von sich aus in den Berivaltungs-Akademien und den Beamtenhoch- schnlen Stätten der Weiterbildung sich geschaffen habe. Das Ziel dieser Weiterbildung dürfe nicht Fachdrillerei sein, son­dern wissenschaftliche Verknüpfung des Einzelwissens, Er­ziehung zur Arbeitsertüchtigung im gewählten Dienstzweig und zur Persönlichkeit.

Zwischen Beamtenschaft und Wirtschaft dürfen keine Spannungsmomente bestehen. Die Wirtschaft hat ein ur­eigenes Interesse an der Sicherstellung des Beamten und der Beamte wird der Wirtschaft gegenüber innerlich die beste Ein­stellung finden, wenn er sich als Helfer des Staates und der Wirtschaft betrachtet. Das Allgemeinwohl erfordere, daß beide Energiezentren unseres ^Gemeinschaftsleben, die in der Beamtenschaft und der Wirtschaft gegeben sind, in starker Lei- stungskraft btm Volksganzen nutzbar sind. Das letzte Ziel sei eine in sich gefestigte, in ihrer Stellung gesicherte und geachtete Beamtenschaft als lebenswichtiges Glied eines freien und un- obhängigen Volkes, als eine starke Säule des Staates, mit dem 6e steht und fällt.

Deutschland und China.

Eine Erklärung Stresemanns.

Rerchsaußennunister Dr. Stresemann gab dem ameri­kanischen Journalisten Kun ein Interview über Deutsch­lands Stellung zu China. Darin führte er aus, daß Deutsch­land, da es auf die sogenannten ungleichen Verträge ver­zichtet habe, von den jetzigen Ereignissen in China unmittel­bar nicht berührt werde.

Die -rutsche öffentliche Meinung stehe den legitimen nationalen Forderungen der Chinesen freundlich gegenüber, könne aber andererseits auch die wirtschaftlichen Sorgen der fremden Kaufleute in China verstehen. Man sollte das Streben nach einem Uebergang zu modernen Lebensformen unterstützen; so würde am besten der gesamten Menschheit gedient.

Deutschland sei vollkommen neutral sowohl den kämpfen- den chinesischen Parteien gegenüber wie den Mächten, die sich mit dem chinesischen Problem beschäftigen, und werde bo.be i von der deutschen öffentlichen Meinung unterstützt, wie der freiwillige Verzicht auf Waffenverschiffungen nach China seitens unserer Kaufmannschaft und Reeder gezeigt habe. Im übrigen stehe man in Deutschland auf dem Standpunkte, daß ein friedlicher Ausgleich im Interesse aller an China interessierte« NatlSKen gelegen wäre.

*-« Eine internationale Frontkämpfertagung in Luxem­burg. Die Internationale Bereinigung früherer Front­kämpfer hat offiziell die Vereinigungen der ehemals feind­lichen Länder aufgefordert, in Luxemburg am 21. und 22. Mai gemeinsam die Probleme der Nachkriegszeit zu studieren. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkie: 1. Tätigkeit der ehemaligen Frontkämpfer für die Aufrecht­erhaltung des Friedens in der Welt und besonders in Europa.

2. Unter welchen Bedingungen kann die Annäherung unter den Nationen erfolgen, die am Zdriege teilgenommen haben, und wie erzielt man die Entivasfnung der Geister? 3. Die Schaffung eines internationalen Instituts für Kriegsgefan­gene. Schließlich wird noch die Frage einer gemeinsamen Regelung der Pensionsverhältnisse und die Frage der Mög- lichkeit 'der Beschäftigung der ehemaligen Frontkämpfer erörtert werden.

Der NNssissippidamm im Kreise Toncordia (Louisiana) ist an vier Stellen geborsten. Das Leben von Hunderten von Personen, die die Warnung nicht beachtet hatten, ist in <5e= fahr.

In Zairmont (Westvirginia) sind in einem Bergwerk in Tvrestville 91 Bergleute verschüttet worden. Zwei auf den Halden beschäftigte Rrbeiter wurden durch den Luftdruck ge­tötet, 15 verletzt.

Die Wellwirtschaftskonserenz.

In den nächsten Tagen tritt in Genf die Internationale Wirtschaftskonferenz des Völkerbundes zusammen. Die all­gemeinen Aussichten für diese Konferenz sind leider nicht allzu günstig, wenn man den Blick nach Polen und nach Süd­afrika, nach England und vor allem nach Frankreich richtet und überall verstärkte Abschließungsmaßnahmen und Verschärfun­gen des Zollprotektionismus sieht. Maßgebend für die Kon­ferenz und ihre Ergebnisse werden vor allem zweierlei Dinge sein: einmal die sachliche Arbeit, die sich die Konferenz vor- nimm* und die sich in der Tagesordung ausprägt, und zweitens die Persönlichkeiten, die gewillt sind, die Konferenz zu gutem Ende zu führen.

Deutschland wird in Genf durch den Vorsitzenden deS Vorläufigen Reichswirtschaftsrates, Carl Friedrich von Siemens, den Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium Trendelenburg, den Vorsitzenden des deutschen Enqueteaus­ausschusses und Präsidialmitglied des Reichsverbandes der deutschen Industrie Dr. Lammers, M. d. R., den früheren Reichsernährungsminister Dr. Hermes als Vertreter der Landwirtschaft und den Gewerkschaftsführer Wilhelm Eggert vom Allgemeinen Deutschen Gcwerkschaftsbund vertreten sein.

Daß nicht alle Punkte der Tagesordnung unmittelbare praktische Ergebnisse haben werden, liegt auf der Hand. Die Erkenntnis der Grundzüge und Grundprobleme der weltwirt­schaftlichen Lage, mit der die Konferenz beginnen soll, kann manche neuen Ergebnisse zutage fördern. Die Ein- und Aus­fuhrverbote und -beschränkungen sind schon an anderer Stelle im Völkerbünde behandelt worden. Vielleicht gelingt es, den geplanten Entwurf für einen Kollektivvertrag zur Aufhebung der Handelsschranken baldigst und ohne jeden Rückhalt zu ver­abschieden.

D'" Fragen der internationalen Vereinheitlichung der Zoll* Nomenklatur und der Beseitigung der vielfachen zolltarifari- schen Mißverständnisse verdienen ganz besondere Aufmerksam­keit und führen hoffentlich zur weiteren Ausgestaltung der hierfür notwendigen Arbeiten. Die dieserhalb dem Völker­bünde von Staatssekretär Trendelenburg eingereichte Denk­schrift weist mit Recht darauf hin, daß eine internationale Ver- «il^itlichung der zolltarisarischen Schemata und nicht eüu3 einheitlichen Warenverzeichnisses geeignet ist, die hier be­stehenden Schwierigkeiten zu beseitigen, ohne die Zollauto­nomie der einzelnen Staaten zu beeinträchtigen.

Besondere Aufmerksamkeit wird man auch dem Punkte der Tagesordnung widmen müssen, der sich mit der inter­nationalen Organisation der Erzeugung befaßt. Drei aus- filhrliche Denkschriften, die das Völkerbundsekretariat hat her­stellen lassen, befassen sich mit derartigen internationalen Jn- dustri everei nbarungen.

poWhe Tssessthau.

-nr Verminderung der Garnison im Saargebiet. Wie schon kurz gemeldet, ist über die Hälfte des in Saarlouis liegenden französischen Dragonerregimentes, bisher in Stärke von zwei Schwadronen, nach ihrer neuen Garnison St. Avold abgerückt. Der Abzug erfolgte, um die durch Berlegung fran­zösischer Truppenteile aus Lothringen nach Sir-frankreich ent­standene Lücke in der lothringischen Garnison wieder aufzu- füllen. Das in Saarbrücken garnisonierte 173. Infanterie­regiment bleibt vorläufig noch dort, da der vom^ Völkerbund für den Abzug festgesetzte Termin für die französischen Saar­landtruppen bet 12. Juni ist. Ueber die Bildung des Bahn­schutzes ist noch nichts bekannt. Er würde ebenfalls erst am 12. Juni in Tätigkeit treten.

* « Die Frage der Verlängerung d« Schutzfrist vor dem Reichswirtschaftsrat. Der Ausschuß zur wirtschaftlichen Förderung der geistigen Arbeit des vorläufigen Reichswirt­schaftsrates hat im Anschluß an eine Vernehmung von Sach­verständigen zur Frage einer Verlängerung der Schutzfrist auf 50 Jahre folgende grundsätzliche Entschließung gefaßt: Der Reichswirtschaftsrat kann einer Verlängerung der Schutzfrist auf 50 Jahre nur unter der Voraussetzung An­stimmen, daß die Verlängerung auch tatsächlich in erster Linie den Erben -er Urheber von Nutzen ist."

* « Die Hamburgische Bürgerschaft gegen die Finanz­politik des Reiches. Die Hamburgische Bürgerschaft rurhm eine sozialdemokratische Entschließung an, die gegen die Finanzpolitik des Reiches schärfsten Widerspruch erhebt und die Erwartung ausspricht, daß die Reichsregierung bei der endgültigen Regeluirg des Finanzausgleichs zu einem allen Ländern gerechtwerdenden Ausgleich komme. Insbesondere sieht d-e Entschließung in der Annahme der Aenderung der Biersteuer im Reichstag mit einfacher Mehrheit eine Ver­letzung der Verfassung, weil die Aenderung des Gesetzes nur mit einer für Verfassungsänderungen vorgeschriebenen Mehr­heit erfolgen dürfe. Der Senat wird efiucht, diese Ent­schließung der Reichsregierung zu übermitteln.

« Verlängerung des theologischen Studiums. Die Preußische Generalsynode nahm einen Gesetzentwurf an, durch den die Dauer des theologischen Studiums von sechs auf acht Semester verlängert wird. In der Debatte erklärte Dr. Fischer als Vertreter der Liberalen, es sei eine Großtat der Kirche, daß sie in einem Augenblick der äußeren Not es wage, zunächst der inneren Not mit dem Opfer der Verlänge- rung des theologischen Studiums zu begegnen, um auf diesem Wege die Lage des theologischen Nachwuchses und das Ansitzen des Pfarrerstandes zu heben. Im ähnlichen Sinne sprachen sich verschiedene andere Mitglieder der General­synode aus.