Schlüchtmm Zeitung
Kreis-Amtsblatt * Myememer amtlicherKazeLyer für 6m Kreis -Echtem Kemkwrb Verlag: H.SteinsM Söhne* Sesthäst^'^ahichofstr.H * JernsiwrVr.^* postflh«Kk:P!anksu!taM.rLryo Nr. 4« (1. Blatt) Samstag, den 16. April 1927 79. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
J.-Nr. 3063. Diejenigen Ortspolizeibehörden, welche mit der Einsendung des Verzeichnisses der Drogen- pp. Handlungen noch im Rückstände sind, werden hiermit daran erinnert. (S. Kreisblatt Nr. 7 für 1898 und 27 für 1910).
Ich mache hierbei nochmals darauf aufmerksam, daß die Revisionen der Drogenhandlungen von dem Herrn Medizinalrat (Kreisarzt) ausgeführt wird und die Ortspolizeibehörden bis zum 15. Mai jeden Jahres dieserhalb das Weitere mit dem Herrn Medizinalrat zu vereinbaren haben.
Schlüchtern, den 11. April 1927.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
J.-Nr. 2894. Die Herren Synagogenältesten zu Schlüchtern, Altengronau, Heubach, Hintersteinau, Oberzell, Eckard- roth, Sterbfritz und Ulmbach werden an die alsbaldige Einsendung der Voranschläge für 1927 nochmals erinnert.
Schlüchtern, den 11. April 1927.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
J.-Nr. 3235. In der Stadt Schlüchtern ist die Schafräude festgestellt worden.
Schlüchtern, den 14. April 1927.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Kreisausschutz.
J.-Nr. 1786 K. A. Auf Montag, de»25° April 1927 vormittags 10 Uhr habe ich einen
Kreistag
in Romsthal (im Saale des Gasthauses Weber) anberaumt. Schlüchtern, den n. April 1927.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
Schafbockverkauf.
J.-Nr. 1715 K. A. Am 22 April 1927 nachmittags 3 Uhr findet in Gotha in der Reitbahn die diesjährige Bockschau für Landschafböcke und am 23. April er. vorm t- tags von 11 Uhr ab findet am gleichen Ort eine Versteigerung von Jährlingsböcken der Württemberger-, Rhön- und Frankenschasrasse statt.
Die Schäfereien, insbesondere Gemeindeschäfereien und sonstigen Interessenten werden auf die Versteigerung, zu welcher das beste Bockmaterial aus ganz Deutschland gebracht wird, aufmerksam gemacht.
Schlüchtern, den 12. April 1927.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses, v. Trott zu Solz.
J.-Nr. 3395 K. A. Die Kreiskommunalkasse hierselbst hat Anweisung erhalten, den nachstehend aufgeführten Gemeinden die daneben angegebenen Beträge als Kreisbeihilfe zu den Unterhaltungskosten der Fortbildungsschulen für das Rech
nungsjahr 19 2 57 2 6 zu zahlen.
Schlüchtern
784,- AM.
Mottgers
104,60 RM.
Steinau
545 —
Neuengronau
69.70
1»
Salmünster
215,—
Niederzell
69,70
V
Soden
523,—
Oberkalbach
104,60
W
Ahlersbach
70,20
Oberzell
104,60
Altengronau
139,—
Reinhards
108,10
ff
Bellings
107,40
Romsthal
104,60
87 —
ff
Breitenbach
161,60
Sannerz
ff
Breunings
107,40
Sarrod,
196,20
ff
Elm
102,- 74,-
Schwarzenfels
69,70
//
Gundhelm
Seidenroth
108,10
W
Herolz
69,—
n
Sterbfritz
139,—
//
Heubach
104,—
Urzell
78,—
V
Hintersteinau
104,—
ff
Ulmbach
130,80
n
Hohenzell
100 —
Uttrichshausen
69,70
Hütten
98,—
Vollmerz
69,70
ff
Iossa
104,—
Wallroth
104,40
ff
Kerbersdorf
69,—
Weichersbach
98,—
ff
Kressenbach
101,—
V
Weiperz
78,40
V
Marborn
69,—
Züntersbach
69,70
w
Marjoß
104,60
Schlüchtern, den 14. April 1927.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
Stadt Schlüchtern.
Warnung an die Hundehalter.
Aus Anlaß von Beschwerden werden die Halter von Hunden auf die nachstehenden Bestimmungen hiermit nachdrücklich hingewiesen:
1. Nach § 367 Ziff. 11 des Strafgesetzbuches wird mit Geldstrafe bis zu 150.— Mk. oder mit Haft bestraft, wer bösartige Hunde frei unterlaufen läßt oder in Ansehung ihrer die erforderlichen Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung von Beschädigungen unterläßt. Der Hund braucht noch nicht jemand zu beißen und zu verletzen, das „Anfällen" oder „Stellen" genügt.
2. Nach der Betriebspolizeiordnung vom 8. November 1873 (Rg. Amtsbl. S. 62) verfällt derjenige, dessen Hund in einem fremden Jagdrevier jagend, suchend
oder aussichtslos umherlaufend betroffen wird, in eine Geldstrafe bis zu 30.— RM.
3. Nach § 30 Ziff. 6 des Kurhessischen Gesetzes vom 7. September 1865 (G. S. S. 571) dürfen Hunde, die herrenlos oder deren Eigentümer unbekannt sind, wenn sie in fremden Jagdrevieren betroffen werden, vom Jagdberechtigten getötet werden.
Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen''unter 1 und 2 werden künftig unnachsichtlich mit strenger Strafe geahndet werden. Die Jagdberechtigten sind angewiesen, nach der Bestimmung unter 3 zu verfahren.
Schlüchtern, den 13. April 1927.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
ünweilerkalastrophen.
Wirbelstürme in Marokko. — Zahlreiche Schiffe verloren.
In Nordafrika und in Marokko hat sich in den letzten Tagen ein Unwetter ausgetobt, das große Berivü- stungen zur Folge hatte. Bei dem Unwetter und den Wirbelstürmen sind nicht nur zahlreiche Schiffe auf Grund geraten, sondern auch viele untergegangen, ohne daß es möglich war, ihren Mannschaften zu Hilfe zu kommen.
Das Lazarettschiff Castilla ist fast ganz zerstört. Hunderte von Fischerbooten sind verloren. Es sollen zahlreiche Opfer an Menschenleben zu beklagen sein. Der Sachschaden soll 50 Millionen Pesetas übersteigen. Späterhin wurde der ganze Verkehr in Melilla unterbrochen. Die Handelshäuser schloffen, da die Gewalt der entfesselten Elemente den Verkehr unterband. Die Stadt lag in tiefer Finsternis und bot einen beklagenswerten Anblick.
Wie halbamtlich mitgeteilt wird, dürfte in anbe- tracht der riesigen Ausdehnung der durch das Unwetter in Marokko angerichteten Schäden die Lage der spanischen Truppenabteilnngen, die infolge des Unwetters die Verbindung mit den Stützpunkten verloren haben, gefährlich werden. Primo de Rivera hat die in Madrid anwesenden Minister sofort zn einem Kabinettsrat zusammengerufen. Wenn die Lage der Truppen sich nach den letzten Meldungen auch wieder etwas gebessert hat, glaubt die Regierung doch auf die in Aussicht genommenen Ersatztransporte nicht verzichten zu können.
Sommersitz für den Reichspräsidenten. Kassel will Wilhelmshöhe zur Verfügung st e l l e n.
Der Bürgerbund in Kassel hat an den Magistrat eine Eingabe gerichtet, in der dieser gebeten wird, bei den zuständigen Regierungsstellen zu beantragen, Schloß Wilhelmshöhe als ständigen Sommeransenthalt für den Präsidenten der Deutschen Republik zur Verfügung zu stellen.
Der Eingabe ist eine Begründung beigegeben in der unter anderem gesagt wird, daß das im ganzen Reiche und weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannte und bewunderte Schloß Wilhelmshöhe mit seinen großen geschichtlichen Erinnerungen und seiner in Deutschland so günstigen zentralen Lage als zweiter Amtssitz für den Reichspräsidenten zweifellos mehr als jeder andere Ort würdig und geeignet sein dürfte. Dieser Plan sei überdies auch leicht zu verwirklichen, da Schloß und Park vor kurzer Zeit aus dem Besitz der Krongutverwaltung in den des preußischen Staates übergegangen seien.
Schloß Wilhelmshöhe war bekanntlich vor dem Kriege Sommersitz des Deutschen Kaisers. Hinden- burg hat im Jahre 1919 von Wilhelmshöhe aus die Demobilisation des deutschen Heeres durchgeführt. Die endgültige Entscheidung iiber den Kasseler Antrag wird vom vrenßischen Innenministerium gefällt.
— Irr Argentinien ist^am 14. d. Mtö/früh ein Erdstoß wahrgenommen worden, durch den zahlreiche Gebäude beschädigt, 16 Personen getötet und 50 verwundet wurden.
— Die kommunistische Bauernunion in Hankau hat die gewaltsame Durchführung der Landaufteilung in der Provinz Hunan in Angriff genommen. Verschiedene Grundeigentümer wurden getötet.
— Wie aus Rom gemeldet wird, ist am Vesuv ein leichtes Erdbeben verspürt worden.
— In vielen Gegenden der Vereinigten Staaten haben große Stürme und Ueberschwemmungen schweren Schaden angerichtet. Ueber 100 Personen sollen ums Leben gekommen sein. 2000 Menschen sind obdachlos. "z
— Ueber Leipzig ging am Karfreitag ein^schweres Gewitter nieder, dessen Blitze mehrfach einschlugcn^und erheblichen Schaden anrichteten.
— In Almeria (Spanien) hat ein Sturm gewaltigen Schaden angerichtet. Tausende von Familien sind dem Elend preisgegeben. Ueber 200 Fischerfahrzeuge sind zerstört worden.
Gedanken zum Osterfest
Kr. Kr. Etwas, wovon der moderne, nach allen Regeln der europäischen Erziehung verbildete Mensch am wenigsten wissen will, ist die M a ch t d e s Empfindens. Die Macht dessen, was der alte Grieche im höchsten Ausmaß besaß und er mit dem Wort „Aisthesis" bezeichnete. Wir haben Wort und Begriff von den Griechen übernommen, aber ganz entsprechend unserer Kartotheken-Bindung eingeschränkt auf ein bestimmtes Gebiet. Die Aesthetik bat nach der Meinung des Normal-Europäers nur in der Kunst eine Berechtigung. Dieser Normal-Europäer, der sich selbst den ungeheuren Raum dieser Wunderwelt, in der er mitten drin steht, beschränkt, in diesem Falle nicht meisterhaft beschränkt zu einem eingezäunten Weideplatz, auf dem er sein behagliches Leben fristet! Bis er stirbt. Die funkelnde Welt umkreist ihn, aber kein Strahl fällt in seine Seele. > Er ist angekettet an eine klägliche Lebenspflicht wie ein gutgezogenes Haustier. Die Tage streichen dahin, Winter und Sommer wechseln, er ahnt nicht, in welchem Zauber der Bewegung er eingebettet liegt. Nur dann und wann taucht in einer solchen Menschenseele das Bewußtsein dafür auf, daß sein Leben doch Anteil hat an dem urgewaltigen Vorgänge alles deffen, was sich in der Welt bewegt. Das sind dann die Größen der Menschheit, das sind jene Heroen, in deren Persönlichkeit alles Menschsein eingeschmolzen ist. In deren Augen das Wiffen von der elementaren Verbundenheit aller Dinge, aller Vorgänge ruht! In den Bereich ihres Wirkens wird alles Dasein, alles Vorgehen hineingezogen. Sie sind die Erfüller des Menschentums, kraft ihrer wclt- umfaffenben Empfindung, die gewaltiger ist als alles Wis- sen, alles vom Verstände angeeignete Wiffen von den äußeren Dingen, selbst von den geheimsten. Wer so durchflutet ist von dem Urström des Werdens, der ist des Gottes voll. Ist Gottes Kind! Ist Mittler zwischen dem enggebunde- nen Menschenvolke und jenem Allumfasser, der uns Gott heißt. Sein Leben und Wirken erlöst die Menschen aus dem Banne des Chaos! Erlöst sie und führt sie über sich hinaus ins Reich des Höchsten.
Diese mystische Macht offenbart sich in größter Vollendung bei jenen, die dem Menschen die Lehre des Heiles bringen. Die Künder religiösen Wollens. Das Religiöse imMenschen allein hebt ihn über alles animalnche Wesen hinaus. Im religiösen Geiste wird das Tierische erst zum Menschen geboren. Wenn immer das Licht des Wiffens als der Menschheit edelster Schah gepriesen wird, es bedeutet nichts gegenüber der Allmacht religiöser Weisheit. Nur die Lehren religiöser Weisheit ergreifen die Menschenseelen ganz. Selbst jenes Wissen, das darauf ausgeht, das Religiöse zu vernichten, muß früher oder später die Waffen strecken vor der stahlharten Macht des Religiösen im Menschen.
Wie kläglich erscheinen uns heute die Versuche des neunzehntenIahrhunderts, an die Stelle derReligion irgendwelche verstandgeborenen Systeme des Wissens zu setzen! Sie haben alle kapituliert vor der Religion. Wo sie noch ein kümmerliches Leben führen, so nur als gehässige Verneinung.
Im religiösen Bereich der modernen Menschheit thront unerschütterlich jener, der sich selbst Menschensohn und Gottessohn nannte, C h r i st u s. Jener Heilsbringer, der wie kein anderer das tausendfältige Leben mit der unge- heurenKrafi klarsienEmpfindens erfaßt hat und denMenschen in schlichtesten Formen ersassen ließ. Sein tiefstes Geheimnis ist sicherlich das der Wandlung. Der ewigen Wand- lung alles Daseins und besonders der Menschen. Wie kein anderes Symbol ergreift uns das der A u f c r st e h u n g mit mystischer Gewalt. „Christ ist erstanden!" Wie ein Jauchzen fliegt es durch die Menschenherzen: „Christ, der den Tod besiegt, dieser Christ ist es, der die Schauer des Todes von der Seele des Menschen scheuchte. Das düstere Grab hatte keine Gewalt über ihn. Wie die Natur ringsum in den Tod des Winters sinkt und sich jubilierend zu neuem Leben erhebt, so strahlt dem ins Grab gesunkenen Menschen ein neues Leben auf, das Leben neuen Seins, neuen Werdens." Das künden dem wissensdurstigen Menschen Faust die Glocken am Ostermorgen. Alles Wiffen wird nie dem Menschen den Sinn des Daseins, das Muß des Lebens, den Zweck der Existenz erklären, allein in der gewaltigen Empfindung des Mysteriums der ewigen Auferstehung, der ewigen Geburt, des Donnerwortes: Stirb und Werde, allein in dieser erhabensten aller Empfindungen quillt Faust, dem Menschen, die Träne auf: die Erde hat ihn wieder! Aus der Todessucht wird ihm neuer Lebensmut geboren.
Dieser tiefen Erinnerung weihte der Mensch die O st e r- Tage. Dieser Erinnerung dienen alle jene Symbole und symbolischen Handlungen an diesen Tagen. Sie alle geben im innersten Kern dasselbe wieder, was der Menschen- und Gottessohn nach heiligen Ueberlieferungen gelebt hat. Die Qualen der Todesangst, die blutige Peinigung um seines innersten Wesens willen, die gewalsame Opferung und die strahlende Auferstehung. Das ist der Ablauf alles Geschehens im Menschenleben und überhaupt alles deffen, was im Weltraum sich bewegt. Es ist die innere Gesetzmäßig- feit alles dessen, was Lebe» heißt. Nur in dieser Gesetz- Mäßigkeit, in dieser Ordnung im Zeitlichen erfassen wir das Geschehen des Lebens überhaupt. Dem Zwang dieser regeln- den Kraft im Dasein unterliegt jedes Ding, unterliegt auch der Mensch. Dieser Ordnung, dieser Gesetzmäßigkeit, dieser