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Schlüchterner Mung

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Nr. 37 (1. Blatt) Samstag, den 26. Mär; 1927 79. Jahrg.

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Amtliche Bekanntmachungen.

LandratSamt.

J.-N. 2413. Die OrtSpolizeibehörden und die Landjägerei- | ämter mache ich auf die im Regierungs-Amtölatt Nr. 10 | veröffentlichte Verordnung des Herrn Regierungspräsidenten i zu Kassel über den Aushang von Preisverzeichnissen in den Kleinverkaufsstellen für Fleisch, Fleischwaren und Wurftwaren l vom 9. März d.. aufmerksam.

Gleichzeitig weise ich zur Behebung von Zweifeln darauf ! hin, daß unter die Verordnung nicht etwa nur die Verkaufö- [ stellen der Metzgerei fallen, sondern auch die aller anderen , Lebensmittelhändler, die Frischfleisch, Gefrierfleisch, Fleisch­waren oder Wurftwaren im Kleinhandel feilhalten und daß l Preisschilder die gesetzlich vorgeschriebenen Preisverzeichnisse nicht zu ersetzen geeignet sind.

Schlüchtern, den 22. März 1927.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

J.-Nr. 2449. Diejenigen Herren Gesamtschulverbande- vorsteher, die mit der Erledigung meiner Verfügung vom 20. Januar 1914 J.-Nr. 148, betr. die Einsendung der Abschrift des Verteilungsplans über die SchulunterhaltungS- kosten für 1926, im Rückstände sind, werden hiermit daran erinnert.

Schlüchtern, den 22. März 1927.

Der Landrat. J. V.: SchulchsiS.

Kreisausschutz.

Beitreibung rückständiger Gemeindeabgaben.

J.-N. 539. K. A. Nachdem das Rechnungsjahr 1926/27 seinem Ende zugeht, ersuche ich die Herren Bürgermeister und Gemeinderechner der Landgemeinden dahin zu wirken, daß die in den 'Gemeindekassen vorhandenen Rückstände alsbald ? zur Einziehung gelangen.

Cömuß erreicht werden, daß bis zum Jahresabschluf der Kassenbücher sämtliche Rückstände beigetrieben sind. Ich verweise hierbei auf meine Rundverfügung vom 21. Juli 1926 - J.-Nr. 4182. K. A.

Bis zum 30. April d. Js. wollen mir die Herren Bürgermeifter der Landgemeinden berichten, ob und evtl. welche Rückstände noch vorhanden sind.

Schlüchtern, den 22. März 1927.

Der Vorsitzende des Kreisauöschusses. von Trott zu Solz.

Betr.: Aufnahme von Hagener Stadtkindern.

J.-Nr. 3085 F. Das Kreisjugendamt hat beschlossen, in diesem Jahre nur Knaben bis zum 15. und Mädchen bis zum 14. Lebensjahre in unserem Kreise aufzunehmen. Wenn ich auch die Aufnahme erholungsbedürftiger Stadtkinder außerordentlich begrüße, so verbietet die Er­werbslosigkeit und die Lehrstellennot unserer Jugendlichen die genannten Altersgrenzen zu erhöhe«.

Für diejenigen Pflegeeltern, die die Zuweisung schulent­lassener Jungen gewünscht haben, werden wir 1415jährige Knaven anfordern. Schulentlassene Mädchen werden nicht zur Entsendung kommen. Doch soll versucht werden, da wo schulentlassene Mädchen angefordert wurden, 1314jäh­rige Mädchen zu vermitteln.

Indem ich Vorstehendes zur Kenntnis der beteiligten Steife, insbesondere der Herren Vertrauensleute und der Her­ren Bürgermeister bringe, ersuche ich letztere, für eine so­fortige Benachrichtigung der Pflegeeltern Sorge zu tragen. Abänderungen in der Bestel­lung von Stadtkindern können noch bis z u m 2. April 1 9 27 v0rgen0mmen werden; die Liste liegt noch bis zu diesen: Zeitpunkt hier offen.

Schlüchtern, den 22. März 1927.

Der Vorsitzende des KreiswohlfahrtSamteS.

Stadt Schlüchtern.

Bekanntmachung.

Die städtische Feldhütcrstelle soll baldigst neu besetzt werden.

BewerbungSgesuche sind bis sum 31. d. MtS. an den Magistrat einzureiKen.

Bevorzugt werden Bewerber, die mit den örtlichen Ver­hältnissen genau vertraut sind.

Schlüchtern, den 24. März 1927.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Bekanntmachung.

Für die jetzt beginnenden Kulturarbeiten im Stadtwald werden noch Arbeiterinnen angenommen.

Meldung bis einschl. Montag, den 28. d. Mts. bet Stadt­förster Klotz.

Schlüchtern, den 24. März 1927.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Bekanntmachung

Wegen vorzunehmender Reparaturen ist die städtische Fuhrwerkswage von Samstag, den 26. bis einschl. Dienstag, den 29. März 1927 für den öffentlichen Verkehr gesperrt.

Schlüchtern, den 24. März 1927.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Oeffentliche Mahnung.

An alle Zahlungspflichtigen, die ihre im Monat März 1927 bezw. für Vormonate zu entrichtenden Staatssteuern, städt. Steuern und sonstige Abgaben laut Aufforderung vom 10. März 1927 im Kreisblatt an die Stadtkasse Schlüchtern nicht bezahlt haben, ergeht hierdurch öffentliche Mahnung.

Bei Meidung kostenpflichtiger Einziehung sind sofort zu zahlen:

Preußische Grundvermögensfteuer mit Stadtzuschlag

Preußische Hauszinssteuer

Gewerbeertragsteuer für 1925

Gewerbeertragfteuer für 1926

Gewerbekapitalsteuer für 1925 und 1926 (Vorauszah­lungen bis zur endgültigen Veranlagung für die beiden Steuerjahre),

Holzgelder, Schulgelder, Wassergelder, Hundesteuern und alle angeforderten Abgaben.

Die Grundvermögens- und Hauszinssteuern sind am 15. eines jeden Monats fällig. Für verspätete Zahlungen sind Verzugszinsen zu entrichten.

Gleichzeitig wird darauf aufmerksam gemacht, daß alle Rückstände bis zum Ende des Rechnungsjahres 1926 letzter Termin: 31. März 1927 bei der Stadt­kasse Schlüchtern gezahlt sein müssen. Nach diesem Tage beginnt die Einziehung sämtlicher Reste.

Mahnungen erfolgen nur durch öffentliche Bekannt­machung. Die Einlegung von Rechtsmitteln hält die recht­zeitige Zahlung der Steuern und Abgaben nicht auf.

Schlüchtm-r, den LSi-Marz 1927,

Der Magistrat. Gaenßlen.

Frankreich und der Washingtoner See-Abrüstungspla».

Paris, 24. März. In der Frage der Entsendung eines Beobachters zu der in Washington einbernfenen Abrüstungs­konferenz will die französische Regierung, wie derPetit Parisien" wissen will, in den letzten Tagen ihren Standpunkt dahin geändert haben, daß es vorteilhafter sei, einen Beob­achter bei der Drei-Mächte-Konferenz zu haben, als es Dritten zu überlassen, Frankreich über die Verhandlungen in Kenntnis zu setzen.

Der ehemalige Sultan von Sansibar gestorben.

London, 23. März. Nach einer Meldung aus Mombassa ist der vormalige Sultan von Sansibar, Seyhid Kheled, gestorben. Er hatte vor 21 Jahren den Thron bestiegen, war aber nach tvenigen Stunden von den Engländern abgesetzt worden. Er entfloh nach Deutsch-Ostafrika und würbe im Jahre 1917 von britischen Streitkräften gefangen genommen und nach St. Helena geschickt. 1922 erhielt er die Erlaubnis, nach Mombassa zurückzukehren.

Deutsche Mitwirkung an der Untersuchung des südslawisch- italienischen Streitfalles.

London, 24. März. Zur italienisch-südslawischen Span­nung schreibt der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph": Britische Kreise stimmen bem französischen Argument nicht zu, daß Artikel 179 des Versailler Vertrages Deutschland an der Ernennung von Offizieren zur Teilnahme an der Untersuchungskommission verhindern würde. Es scheint, daß die Mitarbeit Deutschlands, das in dieser Angelegenheit alsneutral" betrachtet werden kann, in London lebhaft gewünscht wird.

Eingreifen amerikanischer und britischer Kriegsschiffe in Nanking.

Schanghai, 24. März. (Reuter.) Nach einer Radio­meldung aus Nanking wurde der Hügel, auf demsich die Aus­länder aus Nanking geflüchtet hatten, beschossen. Man glaubt, daß das Feuer von Kantontruppen abgegeben wurde. Der Britische Konsul wurde verwundet und ein britischer Arzt getötet. Hierauf bombardierten britische und amerikanische Kriegsschiffe das Gelände in der Nähe des Hügels, um den Ausländern die Räumung des Hügels zu ermöglichen. Es wurden ferner zu diesem Zwecke auch Marinedetachements gelandet.

Nach Blättermeldungen soll RelchSwehrmiinster Geßler bei einem Empfang durch den Reichspräsidenten den Wunsch ausgesprochen haben, von seinem Posten als ReichSwehrmini- ster zurückzutreten.

In Schanghai ist Weisung zur Einstellung des General­streiks ergangen.

Bet den Kämpfen in Nanking sind eine ganze Annzahl Amerikaner getötet worden.

Von Woche zu Woche.

Von Argus.

Frühling, Frühling, Krieg gibt es bald! So könnte man sagen, wenn man auf das Geschrei, das sich in der Erdbeben­zone vom Adriatischen Meere erhebt, besonderes Gewicht legen wollte, aber das ist denn doch nicht erforderlich. Es ist eine bekannte, wenn auch keineswegs erfreuliche Tatsache, daß im Hexenkessel von Südosteuropa, im Balkan, es zu jedem neuen Frühling frischen Kriegslärm gibt, der nur seltener eine ernste Verwickelung im Gefolge hat, öfter schon Hammeldiebstähle und dergleichen. Es handelt sich für jetzt um Raufereien im ehemaligen Fürstentum Albanien, in dem 1914 Prinz Wil­helm von Wied einen kurzen Frühlingstraum als Ärndesvater erlebte. Es herrscht jetzt mal wieder ein Aufstand gegen die . Regierung de- unruhigen Republik Albanien, die ein kleines, aber sehr unruhiges Land ist, und die Aufständischen werden von dem benachbarten Jugoslawien (Serbien) unterstützt, während das offizielle Albanien eine Stütze an Italien hat, mit dem es eine Art von Allianzvertrag abgeschlossen hat. Die Sache läuft darauf hinaus, daß Serbien sowohl wie Italien die adriatische Küste in ihre Hand bringen wollen, und daß somit die Gefahr besteht, daß sich die beiden Länder um Albaniens willen einander in die Haare geraten. Es ist be­kannt daß die Beziehungen zwischen Italien und Slawien schon lange nicht mehr die besten sind, und diese Tatsache be­stärkt die Pessimisten in der Anschauung, daß es eines Tages zwischen beiden Staaten Ernst werden könnte. Indessen, wie schon weiter oben gesagt, die Dinge brauchen noch nicht über­mäßig ernst genommen und es kann abgewartet werden, was sich daraus entwickeln wird. Auch kann der Völkerbund in Genf noch zeigen, was er auszurichten vermag. Mussolini hat allerdings gesagt, er pfeife auf Genf.

Eine Beschimpfung, die ein flawischer Abgeordneter in der Belgrader Volksvertretung gegen den italienischen Ge­sandten aussprach, wurde sofort von der Regierung korrigiert, womit der Zwischenfall erledigt ist. Uebrigens hat auch Dr. Stresemann im Deutschen Reichstage erklärt, er glaube nicht daran, daß es im Balkan zum Kriege kommen werde.

Zugleich hat ein polnischer General in Oberschlesien bei de: Jahresfeier der dortigen Volksabstimmung den Krieg an die Wand gemalt, einen Konflikt mit Deutschland sogar als unausbleiblich bezeichnet. Wir wollen auch das nicht allzu tragisch nehmen, sehen aber doch, wie die Stimmung in Warschau ist. Die vorbereitende Wrüstungskonferenz in Genf hat jedenfalls einigen Anlaß, von diesen Auslassungen Notiz zu nehmen, denn sonst wird bei den Beratungen doch nicht viel herauskommen, da nicht einmal England und Frank­reich wegen der Vorbereitungen ein und derselben Meinung sind. Der deutsche Vertreter hat unumwunden erklärt, daß die Rüstmrgen abgebaut werden müßten. Deutschland fei damit vorangegangen, und die übrigen Staaten müßten also nachfolgen.

Der Deutsche Reichstag hat in fortgesetzter Etatsberatung die Kapitel des Ministeriums des Innern, für Ernährung und Landwirtschaft und der Postverwaltung genehmigt. An um­fangreichen programmatischen Darlegungen hat es von feiten der Minister nicht gefehlt und Reformarbeiten wird es in Hülle und Fülle geben. Die Erwartung, den Reichshaushalt für 1927 ohne neue Steuern abzuschließen, erscheint nunmehr feststehend. Die Einnahmen sollen etwas höher angesetzt und die Ausgaben verringert werden.

Der Antrag der Freunde der Aufwertung, ein Volks­begehren über dieselbe herbeizuführen, hat in dem betreffenden Reichstagsausschuß die Zustimmung der Regierung nicht ge­funden. Ob unter diesen Umständen die Aufwertungs­Agitation zur Ruhe gelangen wird, ist zum mindesten zweifel­haft.

Unsicher sind auch die Aussichten für die deutsch-französi­schen Handelsvertragsverhandlungen, da es noch nicht ge­lungen ist, eine Verständigung über die französische Wein­einfuhr nach Deuffchland zu ermöglichen.

Den Mittelpunkt des Interesses der letzten Reichstags­verhandlungen bildete die Beratung des Etats des Mini­steriums des Auswärtigen, in der Dr. Stresemann über seine Genfer Erlebnisie sprach und ein Vertrauensvotum er­hielt. Das Wichtigste war, daß er zugeben mußte, daß wir von der Räumung des Rheinlandes noch recht weit entfernt sind, daß dies Abwarten aber keinen Verzicht bedeutet. Vor- Würfe wegen der Genfer Beschlüsie wies er zurück und ebenso solche, daß Mussolini Schuld an der Zuspitzung im Balkan habe. An einen Krieg glaubt Stresemann nicht.

In Ostasien ist jetzt die größte chinesische Industriestadt Schanghai, die schon lange im Zentrum des Interesses stand, von den Nationalisten, der Kantonarmee, besetzt worden. Nun muß sich entscheiden, ob eine Auseinandersetzung zwischen China und England möglich ist. Bei einem Zusammenstoß zwischen Engländern und Chinesen gab es auf beiden Seiten Tote und Verwundete, doch gilt deshalb die Lage noch nicht weiter als kritisch. Zwischen den chinesischen Generalen steht eine Einigung im nationalen Sinne bevor, für die Engländer also gerade kein besonders günstiges Zeichen.

Neue Jndustriellenverhandlungen.

Brüffel, 24. März.Sibre Belgique" kündigt für Ende dieser Woche wichtige internationale Jndustriellenverhand­lungen in Brüssel an. Die Mitglieder des Internationalen Stahlkartells würden die Frage, der eventuellen Schaffung internationaler Verkaufsorganisationen prüfen,