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Nr. 35 Dienstag, den 22. März 1927 79. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
Biehseuchenpolizeiliche Anordnung.
J.-Nr. 2376.
Zum Schutze gegen die Maul- und Klauenseuche wird auf Grund des § 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 (R. G. Bl. S. 519) mit Ermächtigung des Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten folgendes bestimmt:
§ 1.
Infolge Erlöschens der Maul- und Klauenseuche in der Gemeinde U l m b a ch wird die viehseuchenpolizeiliche Anordnung vom 28. Januar d. Js. — Schlüchterner Zeitung Nr. 14 — hiermit wieder aufgehoben.
Schlächtern, den 18. März 1927.
Der Landrat. J. V.r Zchultbus.
J.-Nr. 2262. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, mir spätestens zum 1. April d. Js. eine Uebersicht über die im Kalenderjahr 1926 zur Besteuerung gelangten Wandertag e r einzureichen. Die Höhe der Steuer ist dabei anzu- geben.
Fehlanzeige nicht erforderlich.
Schlüchtern, den 16. März 1927.
Der Landrat. J. V.: Schultheiß
Kreisausschutz.
J.-Nr. 648 K. A. Diejenigen Herren Jagdvorsteher, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 8 Februar d. Js. — J.-Nr. 648 K. A. — (Kreisblatt Nr. 19) betr.: Berichterstattung, ob und evtl. in welcher Höhe im Rechnungsjahr 1926 Beträge für Wildschaden seitens der Jagdpächter gezahlt wurden, im Rückstände sind, werden hieran mit I4tägiger Frist erinnert.
Schlüchtern, den 16. März 1927.
Der Vorsitzende des Kreisallsschusses.
J.-Nr. 1356 K. A. Auf die am Sonnabend, den 26. März d. Js. in S t e r b f r i tz stattfindende
Jungbullenkörung mache ich nochmals besonders aufmerksam.
Schlüchtern, den 21. März 1927. Der Landrat.
Konfliktsgefahr auf dem Sultan.
Verdächtige serbische Rüstungen.
Die offiziöse italienische Zeitung „Giornale d'Jtalia" meldet aus Belgrad, daß nach aus sicherer Quelle stammenden Nachrichten der südslawische Generalstab unter Führung des Königs mit der Durchführung eines umfangreichen Planes beschäftigt ist, den man als Mobilisierung mit außerordentlichen Vorbereitungen bezeichnen kann, die den Charakter großer Eile tragen.
Alles weise darauf hin, daß Maßnahmen ergriffen worden seien, um das Heer so schnell wie möglich auf Kriegsfuß zu setzen. Der Berichterstatter der Zeitung erklärt, die Gerüchte über die Vorbereitungen zu einer Mobilisierung an der albanischen Grenze bestätigen zu können. Im Arsenal von Kragu- jevatz und in den staatlichen Pulverfabriken werde viel intensiver gearbeitet als früher. Große Einkäufe von Zelten und Ausrüstungsgegenständen würden vorgenommen. Man führe überall Verhandlungen für den Ankauf von Tanks und Flugzeugen.
Diese italienischen Meldungen über angebliche Mobilisierungsmaßnahmen in Jugoslawien finden in einem Teil der englischen Presse große Beachtung. Ein Berichterstatter der „T i m e s" in Albanien schreibt, in Tirana sei beträchtliche und berechtigte Besorgnis verursacht worden durch Berichte, daß neue Vorbereitungen auf jugoslawischem Boden für eine Erneuerung der letzten November gescheiterten Aufstandsbewegung gegen die albanische Regierung getroffen werden. Seit langem sei bekannt gewesen, daß die unzufriedene Elemente eine Organisation und einen verwaltenden Ausschuß in Jugoslawien haben. Bei einem Einfall von Komitatschi- banden nach Albanien würde der Vertrag von Tirana in Wirksamkeit treten und italienische Hilfe würde den albanischen Widerstand stärken. Es erübrige sich, die ernsten Möglichkeiten einer solchen Lage hervorzuheben.
Die „W e st m i n st e r Gazette" schreibt, die in London eingetroffenen italienischen Berichte über eine ungewöhnliche jugoslawische Tätigkeit an der albanischen Grenze seien besonders beunruhigend, da sie amtlich in Rom inspiriert zu sein scheinen.
Die „Time s" betont das „international anerkannte Interesse" der italienischen Regierung an der Unabhängigkeit Albaniens und fährt fort: Das schlimmste Merkmal in der augenblicklichen Lage ist, daß, nachdem ein Versuch, Ahmed Zogus zu stürzen, gescheitert ist, ein neues albanisches Abenteuer in Jugoslawien vorbereitet wird, unter Umständen, in 'denen sogar sein teilweiser Erfolg eine italienische Intervention zur Verteidigung des albanischen Status quo unvermeidlich machen wird.
Italiens Albaniennote.
Diplomatische rSchritt in Berlin.
Wie in den übrigen europäischen Hairptstäöten hat ute italienische Regierung auch in Berlin Schritte wegen der angeblichen Angriffsabsichten Jugoslawiens auf Albanien unternommen. Am letzten Sonnabend erschien der italienische Botschafter im Auswärtigen Amt und überreichte dem Staatssekretär von Schubert die angekündigte Beschwerdenote.
Die italienische Regierung hat dabei darauf hingewiesen, daß nach ihren Beobachtungen in Jugoslawien starke militärische Vorbereitungen mit Bezug auf Albanien getroffen würden. Die italienische Regierung beabsichtige nicht, hierauf mit militärischen Gegenmaßnahmen zu antworten. Sie werde aber der deutschen Regierung ebenso wie den übrigen am Balkan interessierten Mächten zur Entkräftung der im Zusammenhang mit diesen Rüstungen gegen Italien eingeleiteten Kampagne alsbald ausführliches Material vorlegen, das die tatsächliche Lage aufkläre.
Dem Schritt des italienischen Botschafters kommt eine besondere Bedeutung zu, weil bis zur nächsten Ratstagung der deutsche Außenminister Vorsitzender des Völkerbundrates ist und bei einer weiteren Zuspitzung des italienisch-jugoslawischen Konfliktes womöglich in die Lage kommen könnte, den Völkerbundrat in aller Eile wegen der Lage auf dem Balkan einzuberufen. In ö e u t s ch e n diplomatischen Kreisen hofft man, daß der Konflikt keine ernstere Formen annimmt, immerhin besteht die Gefahr, daß es bei dem höchst unsicheren Zuständen an der jugoslawisch-albanischen Grenze plötzlich doch zu folgenschweren Zwischenfällen kommen kann.
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Erregung in Paris. — London beruhigt.
In Paris ist man über den italienisch-jugoslawischen Konflikt sehr erregtund steht der weiteren Entwicklung mit um so größerer Besorgnis entgegen, als Frankreich durch sein Bündnis mit Belgrad durch einen Ausbruch eines italienisch-jugoslawischen Krieges vor die sehr heikle Lage einer militärischen Intervention gestellt werden würde. Im übrigen vertritt die französische Presse ziemlich übereinstimmend die Auffassung, daß die italienische Regierung lediglich nach einem Vorwand suche, um ihre seit langem bestehende Absicht, Albanien militärisch zu besetzen und so auf dem Balkan Fuß zu fassen, in die Tat umzusetzen.
Im Gegensatz zu Frankreich scheint die b r i t i s ch e öffentliche Meinung den neuen Balkankonflikt etwas rlänger zu beurteilen. Nach einer öffiziösen Reutermeldung vertreten die englischen Regierungskreise den Standpunkt, „daß, solange die Großmächte vereint für den Frieden arbeiten, wie sie es neulich in Genf getan haben, die Ruhe Europas nicht gefährdet sein wird." Trotzdem diese Erklärung jede Parteinahme peinlichst vermeidet, kann jedoch kein Zweifel darüber bestehen, daß England dem italienischen Vorgehen mindestens wohlwollend gegenüber steht.
* 1"
Jugoslawien bestreitet jede Angriffsabsicht.
Die Belgrader Regierung hat die italienischen Beschuldigungen sofort mit einem scharfen Dementi beantwortet. In einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur werden alle Meldungen über angebliche militärische Rüstungen Südslawiens gegen Albanien als erfunden bezeichnet. Andererseits wird in der Belgrader Presse ganz offen der Verdacht ausgesprochen, daß Italien mit dieser Note versucht, seinenEin- bruch in Albanien endgültig durchzusetzen und ihn zu rechtfertigen. Das jugoslawische Kriegsministerium veröffentlicht eine amtliche Erklärung, daß weder ein serbischer Soldat nach der albanischen Grenze geschickt worden sei, noch irgendwelche anderen militärischen Vorbereitungen getroffen würden. Die Belgrader Zeitungen greifen in scharfer Weise auch England an, da es die Ruhestörungen auf dem Balkan unterstütze.
Fort mit der Rheinlandbesatzung!
Mainz, 21. März. Der Provinziallandtag Rheinhessens begrüßt in einer Entschließung die Erfolge, die bis jetzt auf außenpolitischem Gebiet zu verzeichnen sind als Vorbedeutung für Deutschlands bessere Zukunft. Er hofft zuversichtlich, daß es der Reichsregierung gelingt, der Besetzung rheinischen Bodens, die der wahren Verständigung zwischen den westlichen Mächten und uns Deutschen ein stetes Hindernis sein muß, ein baldiges friedliches Ende M bereiten. ~
— Am Samstag nachmittag hat ein 15 Jahre alter Schüler in Cannstatt bei Stuttgart einen 14 Jahre alten Kameraden im Streit erstochen.
— Auf dem Bahnhof Berlin-Lichterfelde-Ost kam es am Sonntag abend zwischen Anhängern der Rechtsverbände und Kommunisten zu einer blutigen Schlägerei, die derart ausar- tete, daß der Bahnhof gesperrt werden mußte. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen.
Der Reichselat.
Die Aufstellung des Reichsetats macht bekanntlich diesmal deshalb große Schwierigkeiten, weil der Reichstag in seiner Bewilligungsfreudigkeit, Millionensummen genehmigt hat, für die jetzt einfach keine Deckung vorhanden ist.
Im Reichstag wurden daher die Verhandlungen zwischen der Reichsregierung und den finanzfachverständigen Mitgliedern der Regierungsparteien über die Bilanzierung des Reichshaus- Halts für 1927 fortgesetzt. An den Beratungen beteiligten sich von der Regierung der Reichskanzler Dr. Marx, der Finanz- minister Dr. Köhler, der Landwirtschaftsminister Schiele, der Wirtschaftsminister Dr. Curtius, der Verkehrsminister Dr. Koch. Die Etatslage ist bekanntlich durch die bisherigen Beschlüsse und Anträge auf Erhöhung der Etatsmittel in einer ganzen Reihe von Ausgaben stark überspannt worden. In den Verhandlungen wurde versucht, diese gespannte Lage durch Ersparnisse und Abstriche von den Erhöhungsanträgen wieder auszugleichen. An Steuererhöhungen wird dabei nicht gedacht. Insbesondere können wir nach der bestimmtesten Versicherung der unterrichteten Stellen versichern, daß an eine Erhöhung der Umsatzsteuer nicht gedacht ist, und niemals gedacht worden ist. Die Mitteilung eines Berliner Spätabendblattes, die von einer solchen Absicht wissen wollte, ist vollkommen grundlos. Es wurde im Verlauf der Beratungen die Hoffnung gehegt, daß man zu einem Abschluß kommen würde. Es ist bereits gelungen, die Summe des Defizits bis auf einen verhältnismäßig geringen Betrag herabzudrücken. Die Einzelheiten entziehen sich vorläufig noch der Veröffentlichung.
Das der Reichsregierung nahestehende Berliner Zentrumsorgan, die „Germania", weiß zu diesen Verhandlungen noch zu berichten, daß der Etatsausgleich u. a. durch Erhöhung einer Reihe von Einnahmepositionen gegenüber dem Etatsvoranschlag herbeigeführt werden soll. Das Reichsfinanz- 1 Ministerium glaube durch schärfere Erfassung der Einkommensteuer und der Körperschaftssteuer wesentlich erhöhte Erträge aufbringen zu können. Man spreche von Summen bis zu 300 Millionen Mark. Dem „Lokalanzeiger" zufolge rechnet man damit, daß der Reichsfinanzministgr schon sehr bald in der Lage sein wird, dem Hauptausschuß eine Uebersicht über die Neugestaltung d-s Etats zu geben.
Seichsregierung und Arbeitszeit.
Forderungen Stegerwalds.
In einer Versammlung der christlichen Gewerkschaften Münchens führte der Erste Vorsitzende des Deutschen Gewerk- fchaftsbundes, Ministerpräsident a. D. Stegerwald, u. a. aus:
Als Norm muß das Arbeitszeitnotgesetz die 48-Stunden-
Woche bringen. Entweder die jetzige Regierungskoalition macht in einer Stunde, in der zwei Millionen Arbeitslose vorhanden sind, ein vernünftiges Arbeitszeitnotgesetz, oder sie spielt mit ihrer Existenz. Nach der bloß privatwirtschaftlichen Einstellung vieler Arbeitgeber läßt sich keine Staatspolitik mehr machen. Auch Persöhnlich lehne ich es ab, in allen Situationen, die national nicht lebenswichtig sind, mich als Bremsklotz gebrauchen z« lasten.
Ich habe die jetzige Koalition nicht gewollt, weil ich die Außen- und Innenpolitik nicht für ausgereift hielt. Diejenigen, die sie erzwungen haben, haben jetzt praktisch zu beweisen, daß sie mit ihr nicht die sozialpolitische Reaktion, sondern die Stärkung des nationalen Lebenswillens des deutschen Volkes wollten.
Vor dem Fall Schanghais. DieFrontderNordtruppendurchbrochen.
Der Versuch der chinesischen Nordtruppen, den Vorstoß der Kantonarmee auf Schanghai aufzuhalten, ist endgültig gescheitert.
In der Nähe von Sunkiang ist die Verteidigungslinie von den Kantontruppen durchbrochen worden. Im entscheidenden Augenblick gingen mehrere Generale der Schantungarmee mit ihren Truppen zu den Kan- tonefen über, während der Rest der Nordarmee sich tn der Richtnng auf Schanghai zurückzieht.
Durch den Durchbruch ist Schanghai nunmehr vom Land abgeriegelt. Die im Schanghaigebiet stehenden Truppen sind von ihrer Rückzugslnne abgeschnitten. In der Stadt selbst herrscht grope Erregung, da man sich auf das Herannahen der -sud- truppen vorbereitet. In englischen Kreisen rechnet man damit, daß die Kantontruppen in wenigen Tagen ru Schanghai einziehen werden. Der britische, amerikanische, französische und japanische Kommandeur haben eine gemeinsame Konferenz abgehalten, um die letzten Vorsichtsmaßnahmen noch miteinander zu besprechen. Im ganzen sind znr Verteidigung der internationalen Niederlassung etwa 18 000 Mann aufgeboten morden.
— In Duisburg kain es am Samstag nachmittag nach einer „Stahlhelm"-Feier zu blutigen Zusammenstößen zwischen Stahlk^linleMen und Roten Frontkämpfern. Acht Personen wurden verletzt; ebenso drei Schupobeamte durch Steinwürfe verwundet.