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Nr. 31(1. Blatt)Samstag, den 12. März 1927 7S. Aahrg.

Amtliche Bekanntmachungen

Kreisausschutz.

Herstellung von Wappenentwürfen der Ge­meinden und Gemeindeverbände.

RdErl. des Ministers d. Innern v. 23. 2. 1927 IV a 1201.

Zur Bearbeitung von Wappenentwürfen, welche der Ge­nehmigung des Staatsministeriums unterliegen, werden den Gemeinden Und Gemeindeverbänden nicht immer Personen zm Verfügung stehen, welche die zur Aufstellung einwandfreier Wappenentwürfe notwendigen Kenntnisse besitzen, sodaß es ih­nen unter Umständen erwünscht sein wird, die Namen solcher Personell zu erfahren, um sich mit ihnen gegebenenfalls in Verbindung zu setzen.

Ich habe daher den Regierungspräsidenten ein von dem Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung aufge- ftellteö Verzeichllis mit den Namen einiger für Aufstellung von Wappenentwürfen in Frage kommender Künstler übermit­telt, die den Gemeinden Und Gemeindeverbänden auf Anfrage neben etwa den Regierungspräsidenten sonst noch bekannten Persönlichkeiten mitgeteilt werden wird.

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I.-Nr. 1122 K. A. Wird veröffentlicht.

Schlüchtern, den 7. März 1927.

Der Vorsitzende des Kreiöausschusses.

I.-Nr. 1206 K. A. Die Herren Bürgermeister der Stadt- Und Landgemeinden ersuche ich nur nach untenstehendem Mu­ster spätestens bis zum 16. d. Mtö. die Namen derjenigen Bockhalter mitzuteilen, welche über 10 Jahre lang einwand­freie Zuchtböcke gehalten haben.

Muster:

Der Bockhalter ..... in ..... . hat in der Zeit vom...... bis..... . Böcke für Zuchtzwecke einwand­frei gehalten.

" . ., den . . . . . . 192/.

Der Bürgermeister: "

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Schlächtern, den io. März 1927. Der Landrat.

Stadt Schlüchtern.

Bekanntmachung

Zu einer Besprechung über die Schaf-, Ziegen- und Schweinehute werden die Interessenten auf Montag, den 1 4. März 1 9 2 7 abends 8 Uhr nach der Gastwirtschaft Hafner hierdurch eingeladeil.

Schlüchtern, den 11. März 1927.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Oeffentliche Aufforderung zur Entrichtung von Staatssteuern, städt. Steuern und sonstigen Abgaben.

Im Monat März 1927 sind für März 1927 und Vormonate an die Stadtkaste Schlüchtern zu zahlen: Preußische Grundvermögenosteuer mit Stadtzuschlag

Preußische Hauszinssteuer

Gewerbeertragsteuer für 1925

Gewerbeertragsteuer für 1926

Gewerbekapitalsteuer für 1925 und 1926 (Vorauszah­lungen bis zur endgültigen Veranlagung für 1925 und 1926)

Holzgelder, Schulgelder, Wassergelder, Hundesteuern und alle anderen angeforderten Abgaben.

Die Grundvermögens- und Hauszinssteuern sind am 15. eines jeden Monats fällig. Für verspätete Zahlungen sind Verzugszinsen zu entrichten.

Mahnungen erfolgen nur durch öffentliche Bekannt­machung. Die Einlegung von Rechtsmitteln hält die recht­zeitige Zahlung der Steuern und Abgaben nicht auf.

Schlüchtern, den 10. März 1927.

Der Magistrat. Gaenßlen.

: Landwirte! Haltet für schwache Winter-; ifaaten auf Mitte März Salpeter bereit!

Die Opfer des Erdbebens in Japan.

Tokio, 10. 3. Nach den letzten vom Ministerium des Innern veröffentlichten Angaben mürben bei dein Erdbeben in ! Japan 2458 Personen getötet und 4107 verletzt. Außerdem werden 88 Personen vermißt. 6000 Häuser wurden einge­äschert und 2000 stark beschädigt.

Die deutsch-französische Annäherung.

Zur Aufrechterhaltung des Friedens.

Der frühere französische Botschafter in Berlin, Jules Cambon, befaßt sich in einem soeben erschienenen, längeren Artikel mit dem Verhältnis Frankreichs zu Deutschland. Dieser Artikel geht von dem Gedanken aus, daß eine deutsch-fran­zösische Annäherung für die Aufrechterhaltung des Friedens notwendig ist, damit die Atmosphäre des Mißtrauens, der Rankünen und der Eifersucht, die die Beziehungen der beiden Länder beherrscht, verschwindet. Die Regierungen allein könnten jedoch diese Politik nicht durchführen; sie hätten hierzu den Beistand der Völker nötig.

Cambon sagte, es sei klar, daß jeder Man« in Frankreich den Krieg verabscheue. Er sei auch überzeugt, daß in Deutsch­land die Mehrheit, die ebenso gelitten habe wie in Frankreich, den Krieg verabscheue, aber er sehe in dem Symptom einer Wiedergeburt der deutschen Prosperität Anzeichen, die ihn skeptisch machten. Außerdem will er festgestellt haben, daß auch jetzt noch Preußen im Reiche den beherrschenden Einfluß ausübt, wie zurzeit des Kaiserreiches und daß der traditionelle Royalismus, der ehemals die Kraft des alten Preußens aus­gemacht habe, noch vorhanden sei, besonders in den hohen Klassen, aus denen sich das Offizierkorps des Heeres zu- sammensetze.

Jules Cambon fährt dann fort: Es ist entscheidend, daß die deutschen Behörden die Tendenz haben, sich so viel als möglich Den Verpflichtungen, die der Friedensvertrag Deutsch­land aufgezwungen hat, zu entziehen. Es gibt keinen schlagen­deren Beweis hierfür als die Schaffung der Festungen an der Ostgrenze des Reiches. Diese Angelegenheit ist glücklich be­endet. Aber diese Zwischenfälle wie viele andere, die sich seit Ende des Krieges ereignet haben, haben gezeigt, warum ein Gefühl des gegenseitigen Mißtrauens zwischen den beiden Ländern besteht. Die Regierungen, so sehr sie auch den Armen der Verständigung haben mögen, finden da eine Quelle von Unbehagen und Mißverständnissen, die eine Annäherung schwieriger gestalten. Die Politik, die die französische Regie­rung verfolgt und die sie in Locarno betont hat, ist die einzige, die zu einer wirklichen Entspannung führen kann. Aber es ist nötig, daß sie in bc- beiden Ländern verfolgt wird. Fran- zösischerseits muß man

eine Ausgleichspolitik mit Deutschland treiben, aber sie zum Schaden unserer Freundschaften durch- zuführen, wäre vielleicht nicht das richtige Mittel zu unserem Ziel zu gelangen, das darin besteht, die Aufrichtigkeit des Friedens sicherzustellen. Wir dürfen nichts von dem ver­lieren, was unsere Kraft ausmacht, denn je stärker wir sein werden, um so freier werden wir sein und um so sicherer wer­den wir uns gegenüber dem guten Willen und dem Wunsch, alle Mißverständnisse zu beseitigen, befinden. Der Artikel schließt mit den Worten: Wir haben den Frieden nötig, in Deutschland aber hat man ihn auch nötig. Aber man muß so handeln, daß die Lage sich nicht verändert, daß Deutschland immer fühlt, daß wir nicht isoliert in der Welt dastehen und daß die Annäherung zwischen ihm und uns nicht nur der Not­behelf eines Tages ist.

Die Auswertungsfrage.

Eine bestimmte Erklärung der Reichsregierung.

Im Rechtsausschuß des Reichstages gab Reichsjustiz­minister Dr. H e r g t namens der Reichsregierung eine Erklärung ab, in der es heißt:

An den Grundsätzen der Aufwertung dürfe nicht gerüttelt werden. Maßgebend für diese Einstellung ist einmal die not­wendige Rücksicht auf die Kontinuität der Gesetzgebung, ferner die Rücksicht auf die Wirtschaft des gesamten Volkes, die eine nochmalige Aufrollung bereits abgeschlossener Rechts­verhältnisse nicht vertragen würde, des weiteren die Sorge für eine ungestörte Pflege des Realkrcdits.

In Wahrung dieser Grundsätze glaube die Regierung indessen, dem Reichstag eigene Vorschläge machen zu sollen, die dazu bestimmt sind, gewisse Zweifelfragen von erheblicher Tragweite zu klären, Mißbräuchen des Gesetzes im Wortlaut entgegenzutreten, sowie allgemein zur Vereinfachung und zur Beschleunigung der Abwicklung der Aufwertung beizutragen.

-^ Zweitausend neue Finanzbeamte. Zu der Forderung des Reichsfinanzministers Dr. Köhler, ihm 2000 neue Finanz­beamte zu bewilligen, wird aus parlamentarischen Kreisen be­richtet, über die Notwendigkeit der Beamtenvcrmchruna herrsche völlige Einmütigkeit im Reichstag. Von sachverstän­diger Seite wird versichert, daß die Steuereinnahmen bei reff» ofer Durchführung der Gesetze um weit über 100 Millionen teigen werden, während die 2000 Beamten, selbst wenn man ie, was ein hoher Durchschnitt wäre, mit 5000 Mark pro Mann und Jahr einsetzt, nur 10 Millionen Mehrausgaben verursachen werden. Eine geregelte Durchführung der Steuer­erhebung sei geradezu eine Vorbedingung für eme zukünftige Senkung der Steuersätze.

Toppelmord und Selbstmordversuch. In Halle schnitt die Frau eines Stadtobersekretärs ihrem schlafenden 18jährigen Sohn mit einem Küchenmesser die Kehle bis auf den Wirbel durch und erschoß den gleichfalls schlafenden Ehemann. Darauf versuchte sie sich die Schlagadern durchzuschneiden und stürzte sich dann aus dem dritten Stockwerk in den Hof hinab. Die Frau, die schwer verletzt im Krankenhaus liegt, ivar geistesgestört und bis vor kurzer Zeit in einer Nervenheilanstalt

Rückblick.

Kr. Kr. Während die Vertreter der meisten Staats­völker in Genf tiefsinnige Beratungen pflegen, wie dem Menschenvolk das Hausen auf der Erde friedfertig ge­staltet werden könnte, hebt sich an einem winzigen Punkte in Japan, diese heimtückische Erde; hebt sich und senkt sich um einige Zentimeter bloß, und wA furchtbarem Krach bricht alles Menschenwerk zusammen. Trümmer begraben Tausende von Menschenleben mit einem Schlage. In Mi- nuten todbringender Erschütterungen zeigt der Erdboden eine winzige Veränderung. Aber solche winzigen Veränderwigen fortgesetzt während einiger Iahrmillionen, hat das Gesicht der Erde so geschaffen, wie wir es heute sehen. Hat bis Runzeln und Falten gebildet, die Gebirge hochgeworfen, die Meerestiefen gesenkt, die Flußtäler ins Land geschnit­ten, alles das, was den Menschen, den Menschenstämmen, den Menschenvölkern ein abgeschlossenes Siedlungsbereich schafft. Am dessentwegen sich die Menschen oft so bitter bös raufen und schlagen. In ein paar Iahrmillionen sieht das Antlitz der Erde wieder anders aus, und es ist sogar fraglich, ob dann überhaupt noch Menschen auf ihr siedeln. Ob dann nicht der große Tod über das Land weht wie über die Kugel des Mondes!

Dabei streiten sich die kurzsichtigen Menschen untereinan­der, um sich gegenseitig denVodenabzuhandeln und das Was- ser abzugraben. Jedes Volk tut so, als ob es allein Lebens­recht hätte, Recht auf den Boden. Als ob es ewig bestände und von seinem Bestände die Existenz der Welt und das Glück der Menschheit abhänge. Es ist wie bei dem Einzelnen, der da glaubt, nur sein Dasein rechtfertige das Leben, und der in dieser Gesinnung so tut und handelt, als ob er ewig lebte. Aber als Greis schon, mag er sich umgetrieben haben, wie er will, wird sein melancholisch gewordenes Auge andere, neue, nichtgeahnte Kräfte am Werk sehen, zu vernichten, was er für die Ewigkeit gebaut glaubt. Was sähe er erst, wäre es ihm vergönnt, nach einem Jahrhundert wieder einen Blick auf sein Werk zu werfen? Kaum mehr als eine blasse Erinnerung bei diesem oder jenem, mehr ist auch nicht von 0 '.' Gewaltigsten geblieben. Könnte eine solche Betrachtung wöh- den Menschen veranlassen,sich das kurze Dasein auf dieser wechselnden Erde angenehmer zu machen? Rein, niemals! Denn des ist das Angeheuerliche bei den Men­schen, daß Kräfte sie zum Handeln treiben, die nie von der Vernunft eingefangen werden können, die im wahrsten Sinne des Wortes: blind und dumm sind. Die Wirkung dieser Kräfte ist leider das Leben. Ist leider das Leben der Völker!

Diese blinde Lebenskraft der Völker rumort mit unge- schwächter Macht auch in jener Menschenorganisation, die nach den reinsten Forderungen der Vernunft und des klaren Willens geschaffen wurde: im Völkerbund. Rein, nicht die Gerechtigkeit herrscht dort als allumfassende Göttin. Denn welche Gerechtigkeit wäre als Lenkerin der Geschicke zu berufen? Wenn der rumänische Abgeordnete sagt, daß seine Regierung ganz im Einklang mit den Gesetzen seines Landes die ungarischen Vodenbesitzer enteigne, so mag er recht haben. Welche Gerechtigkeit spricht aber aus den stockenden Worten des Angarn, der in den Versammlungs­saal hineinruft:Es handelt sich um M e n s ch e n !" Men­schen, denen ihr Lebensdasein vernichtet wird! Am Men­schen, die aus ihrem Lebenswerk roh hinausgeworfen werden und nun sehen können, wie sie völlig verarmt ihr Dasein weiterfristen! Manch einer im Rate dieses Bundes der Völker wird seine Hände waschen und fragen: Was ist gerecht? Es ist keine Kleinigkeit, was da dem Engländer Chamberlain aufgebürdet wurde, die Frage zu klären. Kann es immerhin eine Frage nach der Gerechtigkeit geben dort, wo kein geschriebenes Rechtswort feststeht, so ist ein Fragen nach dem Recht bei feststehenden Verträgen ganz unerklärlich.

Wenn unter diesen Bedingungen eine solche Frage auf­tauchen kann, dann muß es sehr schlimm um den Schutz sol- cher Verträge stehen. Es sieht klar und deutlich in den Ver- sailler Bestimmungen, daß im Saargebiet kein Mili- tär, also auch kein französisches Militär stehen darf. Seit sieben Jahren fordert die Bevölkerung des Saargebietes und mit ihr die Volksgenossen im Reich den Abzug des französi­schen Militärs aus dem Völkerbundsland. Trotz der klaren Bestimmung, trotz des Patronats des Völkerbundes: ver­geblich! Mit allen Mitteln und Mittelchen sucht Frankreich die klare Bestimmung zu umgehen, ja zu brechen. Wie sorg­sam umgeht der Völkerbund eine klare Entscheidung! Es ist nicht ausgemacht, ob die französischen Truppen nicht bis zum Endtermin der Saargebietszeit 1935 dort bleiben wer­den. Gerade hier muß noch einmal auf die Merkwürdig­keit hingewiesen werden, daß im Namen des demokratischen Menschenrcchtes das Volk an der Saar nach einem System regiert wird, wie es schlimmer nicht unter dem Szepter des Absolutismus bestanden hat. Schon aus diesem Grunde hätten alle Demokratien der Welt das größte Interesse dar­an, daß das Saargebiet sobald als möglich wieder mit dem elementarsten Menschenrechte begnadet wird.

Ein anderer merkwürdiger Fall steht in Genf ebenfalls zur Diskussion. Polen hat in dem Statut über Ost 0 ber- s ch l e s i e n die Bestimmung verlangt, daß jeder Oberschle- sier selbst seine nationale Zugehörigkeit bestimme. Ein ganz gerechtes Verlangen. Plötzlich sieht Polen aber, daß eine große Anzahl Oberschlesier, ^ie es als Polen ansprechen