Nr 27 (1. Blatt) Donnerstag, den 3. März 1927
79. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
:Sprechstunden beim Landratsamt: Dienstags; -und Freitags, vormittags von 9 bis 12 Uhr.;
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J.-Nr. 1573. Nach § 1. des Jmpfgesetzes vom 8. April 1874 (R. G. Bl. S. 31) soll der Schutzpockenimpfung unterzogen werden:
1. Jedes Kind vor dem Ablauf des auf fein Geburtsjahr folgenden Kalenderjahres, sofern es nicht nach ärztlichem Zeugnis die natürlichen Blattern überstanden hat.
2. Jeder Zögling einer öffentlichen Lehranstalt oder Privatschule mit Ausnahme der Sonntags- und Abendschulen innerhalb des Jahres, in welchem der Zögling das 12. Lebensjahr zurückgelegt, sofern er nicht nach ärztlichem Zeugnis in den letzten 5 Jahren die natürlichen^Blattern überstanden hat oder mit Erfolg geimpft worden ist.
Zur Ausführung dieser Bestimmungen haben nach § 8 des Reglements vom 4. März 1875 (Amtsblatt Seite 118/ 119) zunächst:
1. Die Herren Standesbeamten vollständige und genaue Listen der in der Zeit vom 1. Januar bis einschließlich 31. Dezember v. Js. geborenen und noch am L ben befindlichen Kinder für jede Gemeinde ihres Bezirks besonders aufzustellen und alsbald hierher einzusenden;
2. die Herren Lehrer bezw. Schulvorstände der oben unter 2 bezeichneten Unterrichtsanstalten Listen über diejenigen Kinder, welche im laufenden Jahre das 12. Lebensjahr zurücklegen, sowie ein Verzeichnis über diejenigen Schüler aufzustellen und hierher einzureichen, für welche der Nachweis der Impfung bisher nicht erbracht worden ist und
3. die Herren Bürgermeister eine Uebersicht über diejenigen Kinder, welche aus anderen Bezirken zugezogen sind, aufzustellen und alsbald hierher einzureichen oder Fehlanzeige zu erstatten. -
Die Herren Bürgermeister werden hiermit veranlaßt, diese Verfügung den Herren Lehrern bezw. Leitern der oben unter 2 gedachten Unterrichtsanstalten, sowie denjenigen Standesbeamten, welche nicht zugleich Bürgermeister sind, mit dem Ersuchen bekannt zu geben, für die Anfertigung und Einsendung der unter 1 und 2 gedachten Listen, zu welchen Formularpapier bereits übersandt worden ist, ungesäumt Sorge zu tragen.
Schlüchtern, den 23. Februar 1927.
Der Landrat. J. V.: SchultheiL.
J.-Nr. 1465. Unter Bezugnahme auf die in der letzten Bürgermeisterversammlung gegebene Anregung zur Beseitigung der Rattenplage teile ich mit, daß von der Deutschen Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung (Gen.-Vertr. Georg Dreyer und Co., G. m. b. H. in Frankfurt a. M., Steinweg 9) der in einzelnen Gemeinden mit gutem Erfolg erprobte Räucher- apparat „Hora" bezogen werden kann. Die Firma ist bereit, das Räucberverfahren jederzeit kostenlos an Ort und Stelle vorzuführen.
An die. Herren Bürgermeister ^der Stadt- und Landgemeinden.
Schlüchtern, den 23. Februar 1927.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
Stadt Schlüchtern. ~
Bekanntmachung.
Das Schuljahr der Stadtschule (Volksschule) schließt am 31. März. Die Aufnahme der zu Ostern dieses Jahres schulpflichtig werdenden Kinder findet am Freitag, den 1. April 1 92 7 statt und zwar die der Knaben um 9 Uhr, die der Mädchen um 11 Uhr.
Schulpflichtig werden alle Kinder, die bis zum 30. Juni d. Js. das 6. Lebensjahr vollenden, doch können auch noch solche ausgenommen werden, welche bis zum 30. September d, Js. 6 Jahre alt werden.
(Sprechstunden des Schulleiters täglich um 11 Uhr im Lehrerzimmer der Stadtschule.)
Schlüchtern, am 28. Februar 1927.
Der Rektor: Flemmig.
Bekanntmachung
Für die städtischen Schulen sollen 20 zweisitzige Bänke für Kinder im Alter von 12 — 14 Jahren und 10 zweisitzige Bänke für Kinder im Alter von 10 — 12 Jahren beschafft werden.
Angebote mit genauer Beschreibung der Ausführung (System, Material pp.) und Angabe der Lieferungsfristen wollen bis zum 10. März d. Js. mittags 12 Uhr an den Magistrat eingereicht werden.
Schlüchtern, den 28. Februar 1927.
Der Magistrat. Gamßlen.
Sie SerhaMnngen mit Frankreich.
Zum endgültigen Handelsvertrag.
Der Leiter der deutschen Delegation für die deutschfranzösischen Handelsvertragsverhandlungen, Ministerialdirektor Posse vom Reichswirtschaftsministerium, ist mit der deutschen Delegation nach Paris abgereist. Außer Mitgliedern des Reichswirtschastsministeriums sind auch mehrere Mitglieder des Auswärtigen Amtes in der Delegation. Die Verhandlungen selbst sollen sofort offiziell ausgenommen werden. Der Gegenstand der Verhandlungen ist die Ergänzung des bisherigen provisorischen Handelsvertrages zwischen Deutschland und Frankreich.
Die deutsche Delegation steht bei der Wiederaufnahme der Verhandlungen auf dem Standpunkt, daß der Versuch gemacht werden muß, in den nächsten Monaten einen endgültigen Handelsvertrag abzuschließen. Dieser Handelsvertrag hat als Grundlage den neuen französischen Zolltarif. Dieser neue französische Zolltarif ist übrigens nach wie vor auf der Basis des Papierfranken aufgebaut. Von französischer Seite wird die Frage des Weinzolls in den Vordergrund gestellt.
Die deutsche Delegation wird aber nicht zugestehen, daß die Frage des Weinzolls in das Provisorium mit einbezogen wird. Die Weinfrage selbst könnte nur gelöst werden, wenn entsprechende Kompensationen auf dem Gebiete der Industrie- zölle gegeben würden. Auch dann würde Frankreich nur eine Zollermäßigung auf der Höhe der spanischen und italienischen Sätze erhalten können. Daraus werden sich bereits am Anfang der Verhandlungen erhebliche Meinungsdifferenzen ergeben. Infolgedessen wird man abwarten müssen, ob die französische Delegation von dem Kündigungsrecht Gebrauch macht, das sie bekanntlich am 21. März hat. Sie kann dann nach den bisherigen Vorverhandlungen auf den 31. März kündigen.
Frankreichs Sicherheit.
Befestigung der französischen Ostgrenze.
Der französische Kriegsminister Painlevä erklärte einem Vertreter des „Petit Parisien":
Zwilchen meiner Pflicht als Kriegsminister und der von Briano verfolgten Friedeäspoläu stech rein Widerspruch. Um aber der Sache des Friedens bester dienen zu können, muß Frankreich sich militärisch schützen und die Verteidigung seiner Sicherheit mutig übernehmen. Ein Frankreich, das unfähig wäre, einem Einfall erfolgreich Widerstand zu leisten, würde für die bösen Mächte, die die alte Welt beunruhigten, die gefährlichste Verfuchung sein.
Painleve bezeichnete es in seinen weiteren Ausführungen als eine Verleumdung, daß Frankreich am Rhein bleiben wolle, und ging dann auf den Plan der Befestigung der fran- zöstschen Grenze ein, wobei er mitteilte, daß die Arbeiten, die voraussichtlich mehrere Jahre dauern würden, im Juli auf- genommen werden sollen. Man darf jedoch, so schloß Painlev^, daraus nicht aus einen aggressiven Gedanken schließen.
Polen lenkt ein.
Korrektur eines Ausweisungsbefehls.
Nach einer Nachricht aus Kattowitz meldet die „Polonia*. daß der im November vorigen Jahres erlassene Ausweisungsbefehl gegen den Generaldirektor der Verwaltung der Graf Henckel v. Donnersmarckschen Werke, Schulz, berichtigt worden ist. Generaldirektor Schulz behält seinen Wohnsitz in Ostoberschlesien noch ein halbes Jahr bei und erhält dann die Genehmigung, so oft er will, nach Ostoberschlesien zu fahren und dort sein Amt auszuüben.
Der Ausweisungsbefehl war erfolgt, weil auf den Gräflich Henckelschen Werken Anschläge erschienen waren, daß die fälligen Löhne der Arbeiter nicht ausgezahlt tver- deu könnten, weil das hierfür bestimmte Geld von der Steuerbehörde beschlagnahmt worden sei. Die Zeitung teilt ferner mit, daß gegen die für den Aushang verantwortlichen Direktoren der Henckelschen Werke ein Strafverfahren eingeleitet worden sei, in dem sie beschuldigt werden, in unzulässiger Weise gelegentlich der Gemeindewahlen für die deutsche Seite Partei ergriffen zu haberr.
Am das Loolidge-Memorandum.
Englands Antwort.
Auf eine Anfrage Mac Donalds erklärte Ehamberlain im Unterhause, daß die Antwort der englischen Regierung auf das Memorandum Coolidges in der vergangenen Woche dem amerikanischen Botschafter zugestellt worden fei.
Die Antwort spreche die Sympathie der Regierung für die Vorschläge Coolidges aus und nehme die Einladung Coolidges an. Sie sagt imiter, daß die britische Regierung sich bemühen tverde, den Erfolg der Konferenz zu sichern. Sie bemerke indessen, daß das Verhältnis besagter Konferenz zu den Arbeitei: der Genfer vorbereitenden Kommission sorgfältig erwogen werden müsse. Ehamberlain stellte dann fest, daß alle Dominions die Antwort gebilligt hätten, mit Ausnahme des irischen Freistaates, der noch nicht geant- worter hätte.
Verbot des Retchstagsfilmes.
Berlin, 1. März. Wie die Blätter erfahren, ist der Film, der einen stürmischen Tag im Reichstag behandelt, verboten worden, weil er geeignet ist, das Ansehen des Reichstages M schädigen. j
Neues vom Tage.
— Der deutsche Botschafter in Rom, v. Nenrath, ist in San Storno bei Stresemann eingetroffen.
— Der „Jntransigeant" dementiert die Nachricht des „Petit Parisien", König Georg von England treffe zu einem mehrtägigen Besuch beim englischen Botschafter ein. Es handle sich nicht um König Georg, sondern um seinen Sohn, den Prinzen Georg, der in Paris drei Tage Aufenthalt nehmen werde.
— Der englische Außenminister Ehamberlain erklärte, daß die englische Regierung die Note der Sowjetregierung nicht beantworten werde.
— Dem amerikanischen Schatzamt wurde zur Kenntnis gebracht, daß das amtliche französische Angebot, 1« Millionen Dollar als Abschlagszahlung für die Kriegsschulden zu bezahlen, von Paris aus nach Washington übermittelt worden sei. Diese Zahlung wird, wie es scheint, vom Schatzamt als zufriedenstellend angesehen.
— Das amerikanische Repräsentantenhaus bewilligte 26150 000 Dollar für die Modernisierung zweier Schlachtschiffe und die Vollendung der jetzt noch im Bau befindlichen drei Schiffe.
Die Konzeffionszonen.
Sotveit die Großmächte an der Lage in China interessiert sind, handelt es sich hauptsächlich um die sogenannten Konzessionszonen. Nach einer Meldung ans Peking veröffentlichen jetzt die diplomatischen Vertreter der interessierten Länder durch die chinesische Presse eine Erklärung, in der es heißt, die Schaughaier Konzessionen seien auf Grund regelrechter Abkommen mit der chinesischen Regierung geschaffen worden, um es den Ausländern zu ermöglichen, dort Wohnsitz zu nehmen und Handel zu treiben. Im Verlaufe der Parteikämpfe, die in der Gegend von Schanghai ftattgefuirdeN hätten, hätten die Behörden der ausländischen Konzeffionszoneu sich gewissenhaft davor gehütet, irgend eine der chinesischen Parteien zu begünstigen. Trotz der Schwierigkeiten der Lage hätten sie die durch den Charakter der Niederlassungen gebotene Neutralität aufrecht erhalten. Sie seien also iercMi$t Jettona. fv>5 ch-^ sichelt Parteien die Beobachtung der gleichen Regeln zu erwanen und zählten darauf, daß die einander bekämpfenden Arnueführer sämtliche Maßnahmen treffen würden, um Zwi- scheufälle zu vermeiden, durch die die ausländischen Behörden zu lpegenmaßnahmen für den Schutz ihrer Angehörigen gezwungen sein würden.
Einer Reutermeldung aus Schanghai zufolge treffen dort Schantuugtruppen in großer Zahl ein, nur wenige jedoch be- geben sich nach Sungkiang. Anscheinend beabsichtige General Tschang Tschung tschang in Schanghai, in Erwartung der Ereignisse in Sungkiang eine große Truppenmacht in Reserve zu halten. Die Nordtruppen frühen bereits eine Art von Verteidigungslinie in einer Entfernung von 5 Meilen jenseits der britischen Stellung nnb westlich der internationalen Nieder- laff, ng.
Im übrigen haben nach dem Abzug der Truppen Schan- tungs nach Schanghai ehemalige Anhänger Sung Sei yaos Plünderungen verübt, einen Zug angehalten und die darin befindlichen Ausländer festgenonnnen. 2000 Mann hätten 300 Einwohner fortgeführt. Die Weißrussen Tschang Tschung tschangs, die zur Unterdrückung der Plünderungen entsandt seien, zeigten ebenfalls eine schlechte Haltung.
Sie deutsche Aktenpublilalion.
Eine würdige Schlußfeier.
In Berlin fand int Hause des Staatssekretärs v. Schubert anläßlich des Abschlusses der Aktenpublikation des Auswärtigen Amtes zu Ehren der Herausgeber Dr. Thimme und Prof. Mendelssohu-Bartholdh eine Festlichkeit statt.
Staatssekretär v. Schubert dankte den Herausgebern in einer längeren Ansprache im Namen des Ministers des Auswärtigen,' Dr. Stresemann, für die von ihnen geleistete Arbeit. Er führte u. a. aus, wie sie in rückhaltsloser Offenheit die Schleier von unseren tiefsten politischen Geheimnissen gezogen hatten, um jedem, der die Wahrheit wirklich sucht, die Möglichkeit zu geben, sie zu finden. Die Vollstrecker dieses Beschlusses, die Herausgeber der Aktenpublikation, haben sich um uns alle in hohem Grade verdient gemacht. Ihr Werk ist ein Denkmal für die jüngste deutsche Vergangenheit und zualeich ein überaus wertvolles Vermächtnis an kommende Geschlechter.
Im Anschluß daran überreichte Staatssekretär v. Schubert den Herren Dr. Thimme und Prof. Mendelssohn je ein Dankschreiben des Herrn Reichspräsidenten. Außerdem erhielt Dr. Thimme als besonderes Zeichen dankbarer Anerkennung eine Brouzeplakette. — In dem Handschreiben des Herrn Reichspräsidenten heißt es u. a.: Die Enthüllung auch der letzten Geheimnisse anderer diplomatischen Ziele und Handlungen ist die rückhaltlos offenherzige Antwort auf die gegen Deutschland gerichteten Anklagen hinsichtlich der Verantwortung für den Weltkrieg. In sechs Jahren angestrengtester Arbeit haben Sre mit unermüdlichem Meist, mit Umsicht und mit selbstloser ZM- gabc an die Ihnen gestellte Aufgabe eine Leistung vEbracht, d« um ilMschränkte Anerkennung finden muß.
Das Befinden des Reichstagspräfidenten.
Berlin, 1. März. Das Allgerminbefinden des Reichstags- Präsidenten Lobe war auch heute früh ausgezeichnet. Auch der objektive Befund der Aerzte war in jeder Hinsicht zufriedenste llerrd.