Einzelbild herunterladen
 

Wr. 22

Schlüchterner Zeitung

2. Blatt

ObmueiftcrtüMs in ®tln6cu|tn.

Die Handwerkskammer-Nebenstelle Hanau hatte auf Sonntag, den 13. Februar, die Obermeister der Innungö- russthüsse Hanau-Stadt und Land, Gelnhausen und Schlüch- tern zu einer Tagung nach Gelnhausen zusammenberufen. In der Gastwirtschaft Zipf hatten sich die Obermeister sehr zahlreich eingefunden. Der Vorsitzende der Kammer-Neben­stelle Hanau, Herr Georg Gilbert, konnte mit Freude den zahlreichen Besuch feststellen, begrüßte die Versammlung im Namen der Handwerkskammer-Nebenstelle Hanau und gab der Hoffnung Ausdruck- daß diese erste Tagung zu einem vollen Erfolg führen möge, umsomehr als die Geschlossenheit des Handwerks notwendiger denn je sei. Zur Einweihung des Frankfurter Handwerkerhauses wurde der Frankfurter Hand­werkerschaft ein Glückwunschtelegramm gesandt. Zu Punkt 1 der Tagesordnung sprach Herr Syndikus Dr. Bentz über die Aufgaben des Obermeisters und wies darauf hin, daß der Obermeister der Innung den richtigen Gehalt geben müsse, denn von ihm hängt das Gedeihen oder Verderben der In­nung ab. Dann gab Redner lehrreiche Ratschläge über die Technik der Versammlungen, seine Pflichten bei der Gestal­tung des Lehrlingswesens usw. und ging dann auf die Preis­politik der Innungen über. Er hob die verderbenbringenden Wirkungen der wilden Konkurrenz hervor, die durch das Sub- missronswesen und die derzeitige Lage im Handwerk noch ver­schärft wird. Es wird gewünscht, daß Verdingungsausschüsse im Einklang mit den Behörden das Verdingungswesen regeln müßten. Zum Lehrlingswesen wurden sachliche Ratschläge über deren Ausbildung und Verhütung der Lehrlingszüchterei ge­geben. In der Debatte wurde hervorgehoben, daß die Ober­meister auch in der Preispolitik einen erzieherischen Einfluß geltend machen sollen und mit Hilfe der Spitzenorganisation auf die Behörden einwirken, daß bei der Vergebung nach Maßgabe eines marktüblichen Preises entschieden wird. Herr Murawskt oehandelte die Frage der Stellung des Hand­werks bei den Wahlen und sprach für eine genügende Ver­tretung des Handwerks in den öffentlichen Körperschaften zU sorgen und durch engen Zusammenhalt die berechtigten Wünsche des Handwerks durchzusetzen zu versuchen. Das Hand­werk muß besonders auf den Gang der Wirtschaftspolitik ein wachsames Auge haben und seine Lehren daraus ziehen, da­mit das Handwerk den anderen Parteien ein Gegengewicht bieten kann. An der Diskussion wurde hervorgehoben, daß die mancherlei durch Zusammenstehen bei den Behörden errun­genen Vorteile Beispiel und Ansporn zu weiterer Zusammen­arbeit in dieser Beziehung sein müßten. Herr Syndikus Dr. Ferber hielt dann einen Vertrag über die Erfahrungen hinsichtlich der Steuerveranlagung im letzten Jahre. Er hob die Bedeutung ordnungsmäßiger Buchführung bei der Steuerveranlagung hervor und die Einführung von Buch­führungsstellen zur Anleitung der Handwerker. Redner be­rührte dann noch die Gewerbesteuer mit ihren Nachteilen und die Hauszinssteuer, deren Härte er durch einige Beispiele er-

Die Toten schweigen nicht...

28) Roman von Lola Stein.

Sie war schön, so wie sie war, ohne Schminke und Puder. Ohne raffiniert gearbeitete Gewänder und auffal­lenden Schmuck. Ihre frühlingsfrische Jugend brauchte das alles nicht. Aber sie begriff immer wieder, daß von Sonja Jwanowna ein pikanter, verführerischer Reiz ausging. Sie sah und merkte, wie viele Männer dieser schönen Frau verfielen, sie sah das Interesse des alternden Vaters, der sich seit ihrer Mutter Tod nie um andere Frauen geküm- mert hatte, der stets ruhig und abgeklärt »hnen allen er­schienen war, bis er die Gräfin kennen lernte. Und sie fand in ihrem Innern Entschuldigungen auch für Eriks kurze Schwärmerei für diese Frau.

Vielleicht nur Parum, well er ihr innerlich fern und beinahe gleichgültig war. Weil sie nicht anders an ihn dachte, wie an einen Bruder und niemals wie an einen begehrten Mann. Es war wohl so. Denn das Interesse eines Mannes, den sie liebte, für eine andere Frau, hätte sie nicht ruhig und verzeihend geduldet, das fühlte Elena sehr wohl.

AIs die Gräfin sich ihren anderen Gästen wieder zu- wandte, trat Elena neben den Vater.

Ich hörte, daß Erik dich nicht begleitet hat. Was ist mit ihm?"

Nichts, Papa. Er wollte arbeiten und hatte keine Lust fortzugehen. Ich wundere mich sehr, dich hier am Nachmittag zu treffen."

O, Ihr lieber Vater machte sich oft nachmittags für ein Stündchen frei, um eine Taste Tee mit mir zu trinken, liebste Elena", rief Sonja Jvanowna, die in der Nähe im Gespräch stand und Elenas Worte gehört hatte, zu ihr herüber. Sie lächelte eigen dabei.

Der Kommerzienrat schien verlegen.Es geht schon manchmal für ein Stündchen", sagte er auf die fragenden Augen seiner Tochter.Ich habe mit der Gräfin ja auch zuweilen geschäftliche Dinge zu besprechen, wie du weißt", setzte er leise hinzu.

Elena glaubte seinen Worten nicht. Sie war grenzen» los traurig. War es nicht entsetzlich, daß diese ihr so wenig sympathische Frau auf die Männer, die zu ihr gehörten, diese Macht, diesen Zauber ausübte. Für Erik schien sie

läuterte. Der Vorsitzende, Herr Gilbert, stellte den zu­friedenstellenden Verlauf der Tagung fest und das große In­teresse an einer Wiederholung einer solchen. Dadurch sei es nur möglich, die drei Kreise Hanau, Gelnhausen und Schlüch- tern näher zu bringen und den Opfersinn aufzubringen, der zur Erhaltung der gemeinsamen Geschäftsstelle notwendig ist. Herr Dr. Bentz verlas eine Resolution, die auf die Un­gunst der wirtschaftlichen Verhältnisse in Handwerk und Ge­werbe hinweist. Von den Behörden wird gefordert, daß die Errichtung von gewerbeschädigenden Regiebetrieben sowie die - Handhabung des Submissionswesens, durch das nicht das reelle Handwerk geschützt sondern das Pfuschertum Unter­stützung findet, vermieden wird. Der gewerbliche Mittelstand, der durch die Vielheit und die Höhe der Steuern an den Rand des Abgrundes gebracht ist, fordert, daß die Steuern des Reiches, der Staaten und der Gemeinden verteilt und ent­sprechend der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit umgelegt wer­den. Insbesondere ist eine schärfere steuerliche Heranziehung der Doppelverdiener unter Berücksichtigung der jetzigen Ver­hältnisse durchzuführen. Das Handwerk und Gewerbe ver­langt, daß der Finanzausgleich mit größter Beschleunigung zur Verwirklichung gebracht wird, damit den Gemeinden das Recht zuerkannt wird, Zuschläge zur Einkommensteuer zu er­heben. Von den Behörden ist zu verlangen, daß die Veran­lagung gerade der wirtschaftlich Schwachen unter Berück­sichtigung ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit vorgenom­men wird und daß keine Uebertreibung der steuerlichen Schraube eintritt. Die Milderungsbestimmungen der einzel­nen Steuergesetze sind möglichst weitherzig unter Vermeidung kleinlicher Nachforschungen durchzuführen. Das Handwerk, das von jeher der feste Diener des Staatsgedankens ist, ver­langt von dem Reich und Staat und den Gemeinden die ge­bührende Achtung, die ihm als selbständigen Berufsstand und bedeutenden Faktor in der Volkswirtschaft zukommt. Die Resolution fand einstimmige Annahme. Damit war das Arbeitsprogramm der ersten gemeinsamen Obermeistertagung des südlichen Kammerbezirks beendet und fand in einer wucht- vollen Kundgebung für den Lebenswillen des deutschen Hand­werks einen würdigen Schluß. Die nächste Obermeisterver­sammlung soll in einem Vierteljahr wieder in Gelnhausen und eine große Handwerkerversammlung im Mal in Bad, Orb stattfinden.

Vortragsabend der Technischen Nothilfe. Es war eine sehr ansehnliche Hörerzahl, die sich am Mittwoch Abend im Saale desHotel Stern" zusammengefunden hatte, um den Lichtbild- und Filmvortrag der Technischen Nothilfe anzuhören. Nach kurzen Begrüßungsworten des hiesigen Lei­ters der Nothilfe, Herrn Katasterdirektors M o m s e n, die sich auch an die zahlreich verttetenen Behörden richten konnte, nahm als Hauptredner des Abends der Landesleiter der Tech­nischen Nothilfe für beide Hessen, Herr Oberingenieur H a e g e l y das Wort. Unter Vorführung einiger statisti­scher Lichtbilder gab er zunächsteinen Ueberblick über die ^Ent­stehung und die Entwicklung der Nothilfe, erläuterte ihre

zwar überwunden zu sein, aber das Jntereste, das der Vater der Gräfin darbrachte, ängstigte Elena.

Du weißt doch, daß wir heute abend zusammen zu Geheimrat Laber gehen, um die Vorbesprechungen für das Wohltätigkeitsfest einzuleiten, Elea", lenkte der Kommer­zienrat von dem für ihn unbequemen Thema jetzt schnell ab.

Ja, ich habe daran gedacht, Papa. Sehr gerne gehe ich nicht."

Aber, Kind, ich habe wirklich geglaubt, du hättest die Scheu, unter Menschen zu gehen, jetzt endlich überwunden."

Das habe ich ja auch, wie du weißt und siehst, Papa. Nur dieses große, rauschende Wohltätigkeitsfest, bei dem ich durchaus eine Rolle spielen soll, sagt mir wenig zu."

Es ist für eine gute Sache, du weißt es, Elena. Und dann liegt mir persönlich sehr viel daran, den Verkehr mit Labers zu pflegen. Schließlich sollst du nur mit im Komitee sitzen und am Abend des Fests Blumen oder Sekt ver­kaufen. Das ist doch nicht schlimm."

Ich will es ja auch tun, Papa. Wie ist es, kommst du noch nach Hause und holst mich ab?"

Auf jeden Fall. Nur muß ich vorher noch einen Sprung ins Büro machen. Wir brauchen auch nicht vor acht zu gehen."

Andere Menschen kamen jetzt zwischen die beiden. Es sollte musiziert werden. Man bat Elena um ein Lied. Sie lehnte ab, sie war nicht in Stimmung, zu singen.

Sie hörte sich ein paar Vorträge an. Dann verabschie­dete sie sich von Sonja Jvanowna, entschuldigte ihr frühes Gehen mit Kopfschmerzen und der Tatsache, daß sie am Abend noch einen Besuch machen mußte. Sie wollte sich inzwischen ein wenig niederlegen, sagte sie.

Der Vater war immer noch da. Sie nickte ihm herzlich zu und verließ dann mit einem erlösten Aufseufzen das Haus, in dem sie sich heute noch weniger wohl als sonst gefühlt hatte.

Zehntes Kapitel.

Das Auto fuhr Elena ihrem Heim zu., Sie saß müde zurückgelehnt in den weichen Polstern und hörte wieder auf das schmerzliche Sehnsuchtslied, das ihr Herz sang.

Die kleine schwache Hoffnung, Herbert Ruperto im Hause der Gräfin Timerjasoff zu treffen, war zu Boden gesunken. Sicherlich hatte auch er eine Einladung bekom­

Verbreitung über das ganze Deutsche Reich und gab interes­sante Einblicke über ihre Tätigkeit in ruhiger und bewegter Zeit. Sehr bald ging er dann in die einzelnen Tätigkeitsge­biete über und zeigte die vielseitige Arbeit der Nothilfe. Er führte uns zunächst mit seinen Lichtbildern in die Bergwerks- belriebe über und unter der Erde, in die Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke und erläuterte, wie die Nothilfe nicht nur die Versorgung der Bevölkerung mit dem Lebensnotwendigem durchführt, sondern auch große Werte unserer Volkswirtschaft erhält, die nicht in Verlust geraten dürfen. Besonders hervor­gehoben sei an dieser Stelle, daß z. B. das Verhüten des Ersaufens oder das Zusammenstürzen eines Bergwerkes in erster Linie der Arbeiterschaft selbst zugute kommt, die dann nach beendetem Stteik ihre Arbeitsstätte unversehrt wieder- findet und keine Einbuße an Lohn und Beschäftigung erleidet. In gleicher Weise führte uns der Redner in die Gebiete der Landwirtschaft, der Schiffahrt, des Eisenbahnverkehrs und viele andere Betriebe und zeigte, wie die Nothilfe in uneigen­nützigster Weise alle die Arbeiten verrichtet, die für die Be­völkerung, die Volkswirtschaft und für ein geregeltes Staats- wesen keine Unterbrechung erfahren dürfen. Zum Schlüsse liefen noch zwei Filmwerke. In dem ersten wurde der schwie­rige Rangierbetrieb der Eisenbahn und dessen Lösung auf Güterbahnhöfen gezeigt, die täglich 35000 Wagen abzu- fertigen haben. Aber auch auf die vielen Gefahren wurde hingewiesen, die mit dem Rangierbetriebe verbunden sind. Der zweite Film zeigte in humoristischer Auffassung, wie man bequem reisen kann und auf der anderen Seite, welche Unannehmlichkeiten einem blühen, wenn man nicht zu reisen versteht. So bot der Abend viel Lehrreiches imb Interessantes. Es ist zu hoffen, daß er dazu beigetragen hat, eindringlich zu erläutern, daß wir die Technische Nothilfe heute noch nicht entbehren können und daß zur Stärkung der hiesigen Orts- gruppe sich bei Herrn Direktor Momsen noch manche als Mitglieder melden werden, die heute noch kein Nothelfer sind.

Darmstadt. (Radikaler Abbau der Gewerbesteuer.) Das Stadtparlament beschloß einstimmig, die Gewerbesteuer vom Ertrage für 1925 um H4 also auf 1/4 der bisberigen Steuer herabzusetzen und für den Rest auf Anttag Raten­zahlungen zu gewähren bis zum 1. Juli.

Fandwikte! jtühbrntru lind die Mru!

Mit bestem Fleischextrakt und feinen Gemüseauszügen sind MAGGIs fltild)btiil|wiirftl auF das sorgfältigste hergestellt. Man achte auf den Namen MAGGI und die gelb-rote Packung.

men und war nicht erschienen. Nach ihm fragen wollte Elena nicht. Gewiß war er nicht gekommen, um ihr und Erik nicht zu begegnen.

Warum mied er sie nach jener schicksalsvollen Aus- spräche, in der sie sein tiefes, starkes Jntereste für sie ge­fühlt hatte? Mied er sie jenes Gefühls wegen? Aber warum dann auch Erik? Und er war doch so lange zu ihr gekommen, obwohl er wußte, daß sie Braut war. Des Freundes Braut, dem er sie nicht gönnt. Von Anfang an war er als Freund zu ihr gekommen, denn von Anfang an hatte er um ihr Bündnis zu Erik gewußt. Warum entzog er ihr nun auch plötzlich seine Freundschaft, ohne die sie nicht mehr sein konnte, ohne die das Dasein ihr leer und ohne Sinn erschien.

Die tiefe Melancholie, die sie zuerst nach Renates Tod umfangen gehalten, die nicht nur dem Schmerz über den Verlust der gäiebten Schwester, die auch der Angst vor der Zukunft an Eriks Seite entsprungen war, hatte Elena von neuem überwältigt. Eine kurze, glückliche Zeit war sie mit einem Lächeln um die Lippen durch das Dasein ge^ schritten. Das war in jenen Wochen, als Herbert Ruperto in ihren Tagen war. Um ihn, um seine Freundschaft schien ihr das Leben wert, gelebt zu werden. Um ihm zu gefallen, dünkte es sie wundersam, sich zu schmücken, um ein Aufleuchten seiner schönen, ernsten Augen zu sehen. Sie war plötzlich nicht mehr innerlich einsam, wie sie sich seit Renates Tod gefühlt hatte. Die verwandte Seele Herbert Rupertos schwang mit der ihren in einem beseligenden Gleichklang. Sie fühlte sich ihm nahe und vertraut wie zuvor keinem Manne, keinem Menschen überhaupt. Er schien ihr die Ergänzung ihres Wesens zu sein. In seiner Nähe kam eine wunderbare Geborgenheit über i.e. Zu­sammen mit ihm erschien ihr die Welt vollkommen und schön, wie ein Lächeln der Gottheit. Und doch hatte sie von Anfang an nur den Freund in ihm gesehen und nicht mehr vom Schicksal verlangt als nur die Freundschaft die­ses Mannes.

Hatte sie es wirklich getan? Sie grübelte jetzt viel darüber nach. Aber es war so. Sie hatte nicht mit sündigen Gedanken, nicht mit verlangenden Wünschen an diesen Mann gedacht, solange er ihr nahe war. Jetzt erst, seit sie ihn verloren hatte, seit er ein unbegreifliches RätsA aus ihrem Leben verschwunden war, jetzt erst erkannte sie, daß sie ihn liebte.