Achtstundentag als Regel erhalten, die nur bei Notfällen und bei Verständigung mit den beteiligten Arbeiterparteien Aus- nahmen zuläßt. Die Sozialdemokratie allerdings schickt sich an, gegen diese Ausnahmen Sturm zu laufen; sie hat sich aber dadurch, daß sie mit ihrem Mißtrauensantrag das frühere Kabinett stürzte, um jeden Einfluß gebracht. Die Mehrheit ist auch ohne sie gesichert.
Nicht enthalten sind in dem Regierungsprogramm die Wahlreform und das Konkordat. Sollte die Re- gierung wirklich auf eine Verbesserung des Wahlrechts verzichten, so würde dies eine Unterlassungssünde fein, die sich bitter rächen müßte. Die parlamentarischen Verhältnisse können nur gesunden, wenn man das Wahlalter erhöht und die Abgeordneten wieder in eine engere Verbindung mit der Wählerschaft bringt. Daß das Kabinett diese Zusammenhänge nicht siebt, möchten wir bis zum Beweise des Gegenteils bezweifeln. Würde dagegen auf ein Reichs konkordat verzichtet, so wäre ein bedenklicher Konfliktstoff ausgefchal- tet. Die übrigen im Programm enthaltenen Probleme sind mebr technischer Art und für das Schicksal des Kabinetts weniger belangreich.
Das Kabinett hat es hiernach in der Hand, sein Leben zu verlängern oder zu verkürzen, je nachdem es Widerstände hervorruft oder mildert. Gelingt es der Klugheit der führenden Persönlichkeiten, eine mittlere Linie einzuhalten, dann braucht eine neue Krisis in nächster Zeit nicht einzutreten.
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Der Fall Keudell
(Von unserm parlamentarischen Mitarbeiter.)
Nach dem erneuten Vorstoß der Sozialdemokratie gegen den neuen Reichsinnenminister von Keudell am letzten Sonnabend war man in parlamentarischen Kreisen verschiedener Meinung, ob der Bestand der jungen Regierungskoalition durch diesen Zwischenfall ernsthaft gefährdet würde. Die Erklärungen der Zentrumsfraktion, die in Uebereinstimmung mit den drei anderen Koalitionsparteien von dem Fraktionsvorsitzenden von Guerard vorgelesen und in der Abstimmung über das Gesamtkabinett verlangt wurde, hat jedoch die Lage insofern zunächst geklärt, als die Koalition von dem Fall Keudell aller Voraussicht nicht beeinträchtigt wird. Der Reichskanzler hat sich von Preußen die Akten kommen lassen. Welches Ergebnis die Prüfung auch haben mag, so rechnet man in parlamentarischen Kreisen damit, daß — im ungünstigsten Falle — Herr v. Keudell durch einen anderen deutschnationalen Minister erseht wird. Die durch den Reichskanzler zugesagte Prüfung wird sich nicht lediglich darauf beschränken, welche Handlungen oder Unterlaffun- gen Herrn v. Keudell in den Kapptagen im einzelnen vor- zuwerfen sind, sondern welches die Begleitumstände und die Voraussetzungen für die Handlungsweise des damaligen Landrats von Keudell gewesen sind. In deutschnationalen Kreisen weist man darauf hin, daß es in der damaligen bewegten Zeiten für Landrat v. Keudell geradezu unmöglich gewesen sei, festzustellen, wer als rechtmäßige Reichsregierung damals anzusprechen war. Da der Telefon- und Tele- graphenverkehr vollständig versagte, war jede Möglichkeit, sich schnell und richtig zu orientieren, so gut wie ausgeschlossen. In deutschnationalen Kreisen weist man aber auch weiter darauf hin, daß der Vorstoß gegen Herrn v. Keudell umso unbegreiflicher sei, als verschiedenen Persönlichkeiten aus anderen Parteien, die sich damals aktiv an der Unterstützung Kapps beteiligt hätten, bedenkenlos hohe Staatsstellungen nachträglich zugewiesen worden seien. Es wird insbesondere der damalige Oberpräsident von Hannover, von Richter, genannt, der später bekanntlich Finanzminister der großen Koalition in Preußen war.
In Berliner maßgebenden Kreisen hielt man am Montag Abend die Lage schon so weit geklärt, daß man mit einem Ausscheiden Herrn v. Keudells aus dem Kabinett nicht rechnete. Es darf allerdings nicht unbeachtet werden,
Die Toten schweigen nicht...
24) Roman von Lola Stein.
Er streckte abwehrend die Hände aus. „Nein, nein, das ist es nicht." Er erhob sich in höchster Erregung. „Verzeihen Sie mir, Fräulein Elena, aber es ist besser, wir brechen dieses Gespräch ab."
Er stand vor ihr, aber er konnte sich doch nicht losreißen. Ihre großen, plötzlich so traurig erscheinenden Augen bannten ihn.
„Bleiben Sie, Herr Ruperto. Ich bitte Sie, setzen Sie sich wieder. So dürfen Sie nicht von mir gehen. Nun müssen Sie mir schon mehr sagen. Was war in München?"
„Nichts mein gnädiges Fräulein. Ich habe mich wie ein Narr benommen. Noch einmal bitte ich, verzeihen Sie mir."
„Ich habe Ihnen nichts zu verzeihen, aber Sie dürfen mir, nachdem Sie dieses Gespräch begonnen haben, nicht plötzlich ausweichen. Sie haben mir etwas zu sagen, Herr Ruperto, etwas, das ich missen muß."
»Ich bin Eriks Freund, mein gnädiges Fräulein, Sie selbst haben es vorhin betont."
„Und sind Sie nicht auch mein Freund, Herr Ruperto^ Gaben Sie mir nicht Grund, dies zu glauben? Wenn Sie es sind, so sprechen Sie ganz offen zu mir."
Wieder küßte er ihre Hände. „Fräulein Elena, Eriks und meine Lebensauffassung sind sehr verschieden. Das missen Sie. Er nimmt alle Dinge leicht, ich nehme sie schwer. Was ihm Spiel ist, erscheint mir tiefster Ernst, vielleicht schon Verbrechen. Um es ganz kurz zu sagen, Erik hat sich in München, nach meiner sicher zu schwerfälligen Auffassung, nicht ganz so benommen, wie ein Bräutigam, wie Ihr Verlobter, Fräulein Elena, sich be- nehmen sollte. Das ist alles."
Sie war noch bleicher geworden. Sie sagte ein wenig mühsam:
„Er hat sich amüsiert, hat geflirtet, nicht wahr? Ja, er kann diese Dinge nicht lassen. Und vielleicht waren sie eine größere Sünde gegen seine tote Frau als gegen mich."
Er war verblüfft über ihre Auffassung, über die Resignation, mit der dieses sehr junge Mädchen sich in die Natur des von ihr erwählten Mannes zu finden schien. Als er schwieg und sie verständnislos ansah, meinte sie müde:
daß im Z e n t r u m eine starke Strömung vorhanden ist, die sich nach wie vor gegen Herrn v. Keudell wendet. Sollte das Zentrum, was aber noch durchaus nicht feststeht, die Ablehnung einer Zusammenarbeit mit Herrn v. Keudell be- schließen, dann dürfte sich allerdings Schwierigkeiten er- geben, deren Bereinigung ohne Schaden für die Regierungskoalition kaum möglich wäre. Die Sozialdemokratie scheint übrigens nicht gewillt zu sein, von ihrem Kampf gegen Keu- dell abzulaffen.
Für den Fall, daß die Untersuchung über das Verhalten Keudells in den Kapp-Tagen negativ verläuft, scheinen die Sozialdemokraten die Angriffe auf ein anderesGebiet zu verlegen. Das zeigen schon die neuesten Veröffentlichungen des sozialdemokratischen Preffedienstes, wonach v. Keudell Ab- teilungen der „Olympia" auch nach ihrer Auflösung durch die preußische Regierung noch unterstützt haben soll.
fim das Reichskonkordat.
Keine geheimen Verhandlungen mit dem Vatikan.
Den in der Öffentlichkeit immer noch verbreiteten Gerüchten über geheime Vereinbarungen mit dem Vatikan anläßlich der letzten Regierungsbildung ist mittlerweile sowohl von kirchlicher Seite als auch durch die Rede des Zentrums- führers v. Guerard im Reichstage am 4. Februar scharf entgegengetreten worden. Seitens der Reichsregierung ist zu der Angelegenheit folgendes zu bemerken:
Verhandlungen zwischen der Reichsregierung und dem Heiligen Stuhl über den Abschluß eines Reichskonkordates haben anläßlich der Bildung der neuen Reichsrcgierung nicht geschwebt. Diese Frage ist in keinem Stadium der Besprechungen über die Regierungsbildung überhaupt nur berührt worden.
Im übrigen kann über die in der Vergangenheit liegenden Konkordatsvorbereitungen folgendes mitgeteilt werden:
„Das Problem einer Verständigung mit den kirchlichen Stellen über die vielfachen Wechselbeziehungen zwischen Staat und Kirche, soweit eine Reichszuständigkeit auf diesem Gebiete in Frage kommt, ist seit Erlaß der neuen Reichsverfassung fast von allen Reichskabinetten ernstlich erwogen worden. Ein früheres vom Reichskanzler Dr. Marx geführtes Reichskabinett hat im Oktober 1924 beschlossen, die nötigen Vorarbeiten für ein Reichskonkordat wieder aufzunehmen. Aber auch Reichskanzler Dr. Luther hat immer auf den Abschluß eines derartigen Konkordates Wert gelegt. Es darf ferner an die Erklärungen erinnert werden, die am 30. Juni 1920 zwischen dem verstorbenen Reichspräsidenten Ebert und dem beim Reich beglaubigten päpstlichen Nuntius gewechselt worden sind. Der Nuntius hat damals bei Ueberreichung seines Beglaubigungsschreibens betont, es sei seine Aufgabe in Berlin, mit den zuständigen Stellen die Beziehungen zwischen Kirche und Staat in Deutschland von neuem so zu regeln, wie es der neuen Lage und den heutigen Bedürfnissen entspreche. Der Reichspräsident Ebert hat darauf erwidert, daß er mit dem Nuntius die Aufgabe, das Verhältnis zwischen Kirche und Staat in Deutschland neu zu regeln, zu lösen gedenke. Das solle geschehen auf Grund der Verfassung der Republik, die vollste Gewissensfreiheit verbürge. Auf dieser Grundlage sind die zu- ständigen Ressorts feit längerer Zeit in emer Prüfung der einschlägigen staatsrechtlichen und kirchenpolitischen Fragen begriffen, ohne daß es aber — wie eingangs bereits hervorgehoben — zu irgendwelchen Verhandlungen mit dem Heiligen Stuhl bisher gekommen ist."
Angriff auf amerikanische Schiffe in China.
Paris, 8. Februar. Nach einer im „New Aork Herald" veröffentlichten Agenturmeldung sind dem Bericht des Konsuls der Vereinigten Staaten in Hankau zufolge zwei amerikanische Handelsschiffe auf dem Jangtse von Chinesen unter Feuer genommen worden.
„Die Frauen kommen Erik — sehr entgegen, Herr Ruperto. Und er ist schwach. Das alles weiß ich. Darum bin ich von dem, was Sie mir sagen, nicht so furchtbar überrascht. Er selbst hat mir von der Schönheit der beiden Mädchen, die er Dort malte, vorgeschwarmt, wahrscheinlich waren sie es, mit denen er flirtete."
Herbert Ruperto widersprach nicht. Er saß noch immer ganz fassungslos, ganz benommen Elena gegenüber.
„Fräulein Elena", stammelte er endlich. „Kann Liebe so ruhig, so fern jeder Eifersucht, so abgeklärt fein? Die Liebe eines so jungen Geschöpfes, wie Sie es sind?"
Nun war ihr schönes Gesicht plötzlich von flammender Glut überzogen. Sie wandte das Haupt zur Seite und antwortete nicht.
„Kann es das Glück einer Frau, wie Sie eine sind, bedeuten, wenn der Mann eigene Wege geht? Und wenn er Sie tausendmal liebt, und wenn er auch immer wieder zu Ihnen zurückkehrt nach den kleinen Abweichungen seiner spielerischen Laune, kann Ihnen solche Liebe genügen?"
Sie warf mit einer plötzlichen leidenschaftlichen Gebärde beide Hände vor das Gesicht. Ihr Leben, ihre Zukunft taten sich bei den Worten des Mannes vor ihr auf wie ein gähnender Abgrund, in den sie willenlos, hilflos hineintaumelte.
„Ich bitte Sie", flüsterte sie, „fragen Sie mich vsichts mehr. Nicht diese Dinge."
„Gibt es solche Frauenliebe, Elena? Ich habe sie bisher nicht gekannt! Gibt es eine solche Selbstaufopferung? Ich verstehe das alles nicht. Nur Liebe kann oer Grund sein, wenn Sie Eriks Braut sind. Aber Liebe ist nicht so geduldig und so langmütig wie Ihr Gefühl. Oder ist es ein Empfinden, mir ganz neu und unbegreiflich."
Nun stand Elena auf. Sie ließ die Hände langsam sinken. Ihr Gesicht war wieder sehr bleich. Ihre Augen sahen leer, wie erloschen aus. Und mit furchtbarer Deutlichkeit begriff der Mann: Dieses Mädchen ist nicht glücklich.
„Wir wollen unser Gespräch beenden, Herr Ruperto." „Fräulein Elena, was ich sagte, was ich fragte, geschah aus meiner großen aufrichtigen Freundschaft für Siel" Er sprach schwer, mühsam formten sich ihm die Worte. „Aus Angst für Ihre Zukunft, aus einer dumpfen Beunruhigung für Ihr Glück redete ich so offen zu Ihnen. Zürnen Sie mir nicht, Fräulein Elena."
Sie Revolution in Portugal.
Ausdehnung des Aufstandes.
Nachdem es schon vor einigen Tagen in Porto zu Unruhen gekommen war, ist nun auch in der Hauptstadt Lissabon der Aufruhr ausgebrochen, an dem die Marine, die republikanische Garde, die Polizei und Infanterie teilnahmen.
Die aufständischen Streitkräfte besetzten verschiedene Stellungen in der Stadt. Ihr endgültiger Sieg ist sicher. Die ganze Zivilbevölkerung hat zu den Waffen gegriffen und unterstützt die Bewegung. Der Minister des Innern und der Minister des Aeußern wurden verhaftet. Der Berichterstatter des „Daily Expreß" in Lissabon meldet vom 7. Februar, daß der Führer der aufständischen Bewegung Oberst Mendesreis ist. „Daily News" meldet aus Lissabon, daß bisher sieben Tote und zwanzig Verwundete gemeldet wurden. Der Kreuzer „Carvalhao Araujo", ein früheres britisches Kriegsschiff von 1200 Tonnen, feuerte aus die Stadt und die Küste. Artillerie erwiderte das Feuer.
Dem Pariser „Journal" wird von der portugiesischen Grenze über Madrid gemeldet, daß das revolutionäre Komitee, das unter dem Vorsitz des Generals Susa stehe, der gleichzeitig den Befehl über die aufständischen Truppen führe, an General Carmona ein Ultimatum gerichtet habe, in dem er aufgeforbert werde, unverzüglich ein national-republikanisches Kabinett zu bilden und das verfassungsmäßige Regime wieder einzuführen.
Die Beisetzung des Mado.
Riesige Anteilnahme der Bevölkerung.
Nach einer Meldung aus Tokio ist nunmehr die Leiche des verstorbenen Kaisers vom Palaste nach den Shinjukugärten übergeführt worden. Trotz der Zitteren Kälte hatten sich viele Hunderttausende von Einwohnern aus dem ganzen Lande angesammelt. Der Weg war mit weißem Sande bestreut, um böse G e i st e r zu vertreiben. Truppen und Polizei bildeten beiderseits Spalier. Fackelträger, Beamten in altertümlicher Tracht, Trommel- und Gongschläger, Bannerträger und Krieger schritten dem Zuge voran. Dem Katafalk voran schritten hohe Offiziere und Beamten mit Fackelträgern zur Seite. Es folgten hohe Hof- und Regierungsbeamte, dann Prinz Tschitschibu als Vertreter des Kaisers, der auf Rat der Aerzte nicht an dem Zuge teilnahm. Dem Prinzen folgten Abordnungen des Heeres und der Marine. An dem in den Shinjukugärten errichteten provisorischen Pavillon wurde die Totenfeier abgehalten. Um Mitternacht wurde der Sarg nach dem Mausoleum bei Higashi- Asatvaka überführt.
Schwere Unfälle. \
Während des Leichenbegängnisses wurden an einer Stelle in dichtem Gedränge ungefähr 100 Personen verwundet, davon fünf schwer. Eine Person wurde getötet. An einer anderen Stelle des Weges wurden 20 Personen in eine« Graben gestoßen und erlitten Verletzungen.
□ Mittelholzer bei Be»ra gelandet. Mittelholzer ist mit der „Swizerland" bei Beira glatt gelandet.
D Eine dänische Eisenbahnbrücke beschädigt. Die Eisen- bahnbrücke, die bei Aalborg über den Limfjord führt, Däne- Marks größte Brücke, wurde von einem schwedischen Motorschiff, das wegen Maschinenschadens von Bugsierbooten durch den Fjord geleitet wurde, gerammt. Die Brücke verschob sich, und der Zugverkehr über die Brücke wurde unmöglich gemacht. Der Schaden ist sehr beträchtlich. Die Brücke muß für mindestens vierzehn Tage für allen Verkehr gesperrt und der ganze Eisenbahnverkehr umgelegt werden. Da sie sich jedoch nach wie vor öffnen läßt, so ist die Schiffahrt nicht gehemmt.
köstliche Schokolade
5. Fortsetzung.
„Ich danke Ihnen", sagte das Mädchen. Ihre Stimme klang warm. „Warum sollte ich Ihnen wohl zürnen? Was Sie mir sagten, war mir nicht neu. Ich danke Ihnen für Ihre Freundschaft, Ihre Sorge um mich."
Wieder brannten seine Lippen auf ihrer kühlen Hand.
„Fräulein Elena, Ihre Worte geben mir Mut, noch mehr zu sagen, noch mehr zu wagen. Ich bitte Sie um Ihrer Ruhe, um Ihres Glückes willen: schränken Sie den Verkehr mit der Gräfin Timerjasoff ein."
Das Mädchen erbebte einen Augenblick. „Ich kenne auch diese Gefahr", murmelte Elena dann leise.
„Und versuchen nicht, sie zu bannen?"
„Was soll ich tun?"
„Wenigstens bei den Sitzungen zugegen sein. Ich weiß Sie sind es nicht."
„Nach der Gräfin werden noch viele schöne Frauen von Erik gemalt werden, mein Freund. In seinem Atelier oder in ihren Häusern. Ich kann nicht immer zugegen sein. Eine Frau kann einen Mann nicht bewachen. Das ist unmöglich. Ich weiß, daß Eriks Künstlerblut leid)* entzündlich ist, daß er sich schnell begeistert, schnell schwärmt. Ich weiß es, und habe mich mit dieser Seist seines Wesens abgefunden. Aber ich weiß auch, daß ei mich liebt. Und einer wirklichen Untreue, eines wirklichen Verrats halte ich ihn nicht für fähig."
Sie sagte diese Worte ohne rechte Ueberzeugung. Aber Herbert Ruperto widersprach ihr nicht. „Sie soll in dein Glauben bleiben", dachte er. „Ich will sie ja nicht unglücklich machen. Und wenn sie für mich verloren ist, so maü sie weiter an Erik glauben." Er selbst glaubte nicht mehl an die Treue des Freundes.
„Haben Sie mir noch etwas zu sagen, lieber Freund? fragte Elena, als Ruperto noch immer vor ihr stehen bliel und sichtbar mit sich zu kämpfen schien.
„Darf ich noch fragen, Fräulein Elena?"
„Fragen Sie!"
„Und Sie werden mir nicht zürnen?"
„Ich werde Ihnen ganz gewiß nicht zürnen."
„Fräulein Elena, Sie werden mich für einen schlechtes einen verräterischen Freund halten. Und doch muß w diese Frage tun. Es gibt höhere, wichtigere Dinge, als N lose Freundschaft, die Erik und mich verknüpft.
(Fortsetzung folgt.)