Schlüchterner Zeitung
Kreis-Km^blatt * flägemeiner amtlicher Mzeiges firr 6en Kreis Schtüchtem
-ruikunb Ve-lag-.Y.StAiMö Söhne* ^chöst-^'»»ichnhofstr.S* fn-nfprr.Nr.Kty* Postfth«^pm»KstMaM.rrr« ^ *55 Donnerstag, den 30. Dezember 1926 78. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
LandratSamt.
-Sprechstunden beim Landratsamt: Dienstags- :und Freitags, vormittags von 9 bis 12 Uhr.:
Biehseuchenpolizeiliche Anordnung.
J.-Nr. 12143.
Aum Schutze gegen die Maul- und Klauenseuche wird auf Grund der §§ 18 ff. des ViehseucdcngesetzeS vom 26. Juni 1909 (R. G. Bl. S. 519) mit Ermächtigung des Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten folgendes bestimmt:
§ 1.
Infolge Erlöschens der Maul- und Klauenseuche in der Gemeinde U l m b a ch werden die viehseuchenpolizeilichen Anordnungen vom 21. Oktober 1926 — Schlüchterner Zeitung Nr. 126 — vom 5. November 1926 — Schlüchterner Zeitung Nr. 133 — und vom 30. November 1926 — Schlüchterner Zeitung Nr. 143 — hiermit wieder aufgehoben.
Tchlüchtern, den 28. Dezember 1926.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
Der Saatenstand Anfang Dezember.
Regierungsbezirk Cassel, Kreis Schlüchtern. Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 =. Mittel (durchschnittlich), 4 = gering, 5 = sehr gering.
Fruchtarten usw
Durchschnitts- noten für den
Anzahl der ton den Vertrauensmännern des Kreises abgegebenen Noten
Staat
Siegs.« Bezirk
1
.-2
2
2—3
3
3-4
4
4-6
5
Wmlerwcizen
Wutterspel-(Dmgcli, a* nur
- Nötigen od.Wcizim
2,7
2,7
2,6
1
2
^intcV-roggen
Wintergerste
Gemenge aus Win- terKtreide
-vinterraps und Rübsen
Klee, auch mit Beimischung v. Gräsern
2,8
2,6
2,6
2,6
2,5
3,0
2,5
2,8
2,6
2,3
3
1
2
3
1
1
1
1
Der Präsident des Preußischen Statistischen Landesamts.
Dr. Saenger.
J.-Nr. 12196. In Bad Salzschlirf, Kreis Fulda, ist - die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Schlächtern, den 27. Dezember 1926.
Der Landrat.
J.-Nr. 11992. Der Herr Medizinalrat wird am Mittwoch, den 5, Januar n. Js. von vormittags 9 Uhr ab im biesigen Kreishause Sprechstunden halten.
Schlächtern, den 27. Dezember 1926.
____________Der Landrat. J. V.: Schuld is.
Kreisausschutz.
J.-Nr. 6921 K. A.
An sämtliche Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises.
Der Abdeckereibesitzer Ahrens in Wächtersbach hat infol- gk der mangelhaften und schlechten Abführung der Vichka- daver wie auch wegen der schlechten Absatzverhältnisse der Er- Mgniste des Abdeckcreibctriebcs einen erheblichen Rückgang eine Unterbilanz seines Unternehmens zu verzeichnen und ist deshalb wiederholt an den Kreis wegen Gewährung eines Zuschusses zur Aufrechterhaltung des Betriebes heran- getreteu. Bevor jedoch die Kreiskörperschaften über den An- ^ug des Herrn Ahrens beschließen, soll zunächst eine Prüfung des Abdeckereibetriebes Wächtersback hinsichtlich der aus dem Kreise Schlüchtern zur Ablieferung kon.wenden Kadaver wie auch der Rentabilität erfolgen. Zu diesen. Zwecke wird die Abdeckerei in der Zeit vom i. Januar bis 31. März 1927 die anfallenden Kadaver Durchschreibeblocks in doppcl- £ Ausfertigung führen, wovon i Stück stcio an das zu- andige Bürgermeisteramt ausgehändigt werden wird. Die .erren Bürgernieistcr und Gutsvorsteher des Kreises ersuche Nr b'C ,i(?nfn von der Abdeckerei Wächtersbach zugehinden kscheinigungen in Empfang zu nehmen und alsdann un- '"iüglicb hierher abzuführen. Die genaue Durchführung dwser Anordnung liegt sowohl im Interesse des Kreises wie a"ch sämtlicher Vichbcsitzcr, da hiervon die Höhe des evtl.
leistenden 'Zuschusses des Kreises für die Abdeckerei abhän- , 'u- Für die ordnungsmäßige Ablieferung der Beschei- ' wgungen sind daher die Herren Bürgermeister und Gute- avistehcr verantwortlich. " ,
schlüchtern, den 27. Dezember 1926.
Der Vorsitzende des KreiöausschusseS. 1
Durchschnittspreise für Häute
nach dem Bericht des Wirtschaftsverbandes deutscher Abdeckereiunternehmer in Hamburg für November 1926.
Roßhäute 220/— Ctm. .
, 200/219 „
- - /’99 „ -
Fohlenfelle..... Rindhäute..... Frcsserfelle..... Kalbfelle ..... Schaf- und Lammfelle . Ziegenfelle, trocken . . Zickelfelle, trocken . . Abzüge für Schuß 15%/ Kassel, am 13. 12. 1926.
. R.-M. 18—
pro Stck.
13,50
//
. „ 8,50
» n
8,—
„ —44
pro Pfd.
. —,55
// 0
. , -66
// n
, —,37
v //
3,75
pro Stck.
- —,45
Brack 35%.
fü
Der Regierungö-Präsident.
J.-Nr. 6923 K.-A. Wird veröffentlicht.
Schlüchtern, den 27. Dezember 1926.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses
Die Entwaffnungsfrage.
Ostbefestigungen und Kriegsmaterial.
Von zuständiger deutscher Seite wird zu den letzten Verhandlungen über diese Frage folgendes erklärt:
Die in der französischen Presse verbreitete Nachricht, General v. Pawels habe einen Brief an den Vorsitzenden des Interalliierten Militärkomitees in Versailles gerichtet, kann als nicht den Tatsachen entsprechend bezeichnet werden. Dagegen kann berichtet werden, daß alle Fragen, die sich auf die Entwaffnung beziehen, und die mit der Botschafterkonferenz zu regeln waren, bis auf die bekannten zwei strittigen Punkte, die Ostbefestigungen und das Kriegsmaterial, beigelcgt sind, und daß über diese beiden letzten Punkten ein Notenaustausch erfolgt ist und zum Teil noch durchgeführt wird. General v. Pawels wird in den ersten Januartägcn . n., ^ar-s zu.üctleil.,. . u« »u „ ..:... hingen mit den militärischen Sachverständigen und den Mitgliedern der Botschafterkonferenz zum Abschluß zu bringen. _
In französischen beteiligten Kreisen nimmt man an, daß eine Einigung über diese beiden Punkte mit der Botschafterkonferenz bis zu dem festgesetzten Termin, am 31. Januar, erfolgen kann.
Die Liga für Menschenrechte.
Zur elsaß-lothringischen Frage.
Der in Paris tagende Kongreß der Liga für Menschen- rechtc hat sich in seiner Schlußsitzung auf eine Resolution übe. die elsaß-lothringische Frage geeinigt, in der die Aufhebung der nach dem Waffenstillstand von Clemeuceau-erlassenen Bestimmungen über den Gebrauch der deutschen Sprache gefordert wird, damit vor den Gerichten die Anwendung dieser Sprache möglich werde. Der Kongreß verurteilte in der Resolution die aut0 n 0 m i st i sch en Umtriebe, billigte aber nicht die gegen Beamte, die das Heimat- bundmanifest unterzeichnet haben, ergriffenen Maßnahmen.
Der Kongreß beschäftigte sich weiter mit der Frage der G e f a h r d e s F a s z i s m u s und in Verbindung damit auch mit der Frage der Einwanderung. Es wurde der Grundsatz aufgestellt, daß ein Statut ausgearbeitet werden müsse, das die Naturalisierungsfrage regelt. Außerdem wird es für notwendig erklärt, die Gründung ausländischer Schulen, die französische Schulen ersetzen sollen, zu verbieten. Die Anwesenheit fremder Arbeiter dürfte den Interessen der französischen Arbeiter nicht schaden. Außerdem wird gefordert, daß den politischen Emigranten ohne Bedingungen das Ashlrecht zu gewähren sei.
>--> Zur Frage der Regierungsbildung. Gegenüber einer Darstellung des Demokratischen Zeitungsdicustcs, wonach die Bestrebungen rechtsgerichteter Kreise darauf gerichtet seien, mit Hilfe der Deutschen Volkspartei ein Beamtenkabinett der verschleierten Rechtsregierung oder aber ein rechtsgerichtetes Minderheitskabinett zu bilden, schreibt die „Tägl. Rundschau": Tatsächlich liegen die Dinge so, daß voraussichtlich ein Mann der Rechten mit der Regierungsbildung beauftragt wird, und daß man versuchen werde, ein Kabinett sämtlicher bürgerlichen Parteien zu bilden. Sollte dieser Versuch und der Versuch, gegebenenfalls ohne Demokraten ein Kabinett zu bilden, mißlingen, so werde wahrscheinlich wieder die Mitte mit der Regierungsbildung betraut werden müssen. Scheitere ein Kabinett auf dieser Grundlage, so bliebe wohl weiter nichts anderes übrig als die Auflösung des Reichstages.
Die „Daily News" für die Räumung der Rhcinlandc.
London, 28. Dezember. Die „Daily News" sagen in einem Leitartikel, der den vom französischen Kriegsgericht in Landau verurteilten Deutschen gewährte Straferlaß sei ein kluger, begrüßenswerter Beitrag zum internationalen guten Willen. Man dürfe hoffen, daß baust der Zwischenfall erledigt sei, der ehr gefährlich hätte werden können. Niemand werde der ranzösischen Regierung die ihr gebührende Anerkennung ver- agen. Die Lehre der ganzen Angelegenheit werde aber nicht begriffen fein, bevor man sich klargemacht habe, daß solche ZwischenfÄle immer wieder entstehen müssen, solange die Be- schling andauert und daß bc» einzige Heilmittel nicht nachträg- sicher Großmut fei, die die Wirkung der Besetzung mildern soll, sondern die Staatsku ü tue einsichtig und mutig genug sei, um den eigentlichen Anta, om.r Zwischensalle zn beseitigen.
Neues vom Tage.
— Der Großindustrielle Fritz Thyffen hat in einem Brief an den Vorsitzenden des Deutsch-französischen Verständigungs- komitees, Mayrifch, seinen Austritt aus dem Komitee erklärt, da es ihm nach dem unerhörten Urteil von Landau nicht länger möglich sei, Mitglied dieses Komitees zu bleiben.
— Auf der Straße von Erbenheim nach Mainz-Kastel stürzte am Dienstag abend infolge Glatteises ein Automobil gegen einen Baum. Die beiden Insassen, ein Bildhauer- meister aus Mainz und ein Redakteur der „Mainzer Volkszeitung" wurden schwer verletzt.
— Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei hat den Parteiausschuß zu Dienstag, den n. Januar 1927 vormittags 10 Uhr nach Berlin zu einer Sitzung einberufen. Auf der Tagesordnung steht die Erörterung der politischen Lage und die Vorbereitung des vom 22. bis 27. Mai in Kiel stattfindenden Parteitages.
— Nach einer Reutermeldung gab der südafrikanische Eisen- bahnminister bekannt, daß die Verträge über die Lieserung von 55 Lokomotiven mit deutschen Firmen, wie angekündigt, am 22. dieses Monats abgeschlossen worden waren, bevor die öffentliche Aus- schreibung erfolgte. Das Abkommen sei fest abgeschlossen.
— Wie der „Petit Parisien" aus Madrid meldet, sollen vier von den zwanzig kürzlich wegen eines geplanten Attentats gegen Primo de Rivera und den König verhafteten Syndikalisten nach einem gegenwärtig in Madrid umlausenden Gerücht nach Abschluß eines summarischen Verfahrens erschossen worden sein.
— Der Deutsch-Evangelische Kirchen-Ausschuß hat nach Anhören von namhaften Künstlern und Sachverftäudigen beschlossen, für eine einheitliche Kirchenfahne ein dunkelviolettes Kreuz auf weißem Grunde allen Instanzen zu empfehlen.
— Die Internationale Vereinigung der Demokratischen Partei veranstaltet vom 15. bis 17. Januar in Karlsruhe einen Kongreß, an dem die Demokratischen Parteien zahlreicher europäischer Staaten teilnehmen werden. Aus der Tagung wird neben einem französischen Delegierten der Vorsitzende der Deutschen Demokra- Hschen ParK X über br m »ralsiche.Abrüstung sprechen.
— Beim Wiederzusammentrüt des Rcichshaushalisaüsschusier, wollen die Veamtenorgauiiatioucn daraus hinwirken, daß bis zur »rundsätzlichen Neuregelung der Besoldungsordnung die als Weih- nachtsbeihilse bewilligte Sonderzulage wcitcrgczahlt wird.
— Am 1. Januar, 12 Uhr mittags, findet ein großer Empfang beim Reichspräsidenten für das gesamte Diplomatische Korps statt, das bei dieser Gelegenheit seine Neujahrswünsche abstattet. Der Doyen des Diplomatischen Korps, der Päpstliche Nuntius Pacclli, hält in dessen Namen eine Ansprache, auf die der Reichspräsident erwidert.
— Anläßlich des Hinscheidens des Vizepräsidenten des Preußischen Landtags, Gehcimrats Garnich, richtete der Staatssekretär in der Reichskanzlei, Pündcr, zugleich namens des von Berlin ab- > wesenden Reichskanzlers, ein Beileidstelegramm an die Witwe des i Verstorbenen.
Die Lage der Landwirtschaft.
„Teutsche, kauft deutsche Waren!"
Im Landwirtschaftlichen Rundfunk der Deutschen Welle sprach Reichsminister a. D. H a s l i n d e über die Lage und die Aufgaben der deutschen Landwirtschaft und den Stand unserer Bolksernährung an der Jahreswende.
Der Minister wies einleitend daraus hin, daß die Lage unserer deutschen Wirtschaft, insonderheit unserer Landwirtschaft, bei Ausgang des Jahres 1926 noch außerordentlich ernst und drückend erscheine. Wenn die Reichs- und Ländcrrcgie- rungen zur Behebung der ernsten Notlage der Landwirtschaft im Laufe des letzten Jahres tatkräftig eingcgrisfcn haben, so handle es sich hierbei nicht so sehr um die Unterstützung eines Berufsstandes als solchen, als um die Erhaltung der Ernährungsbasis unseres deutschen Volkes. Die deutsche Landwirtschaft selbst schreite zielbewußt und allen Schicksalsschlägen trotzend zur Durchführung ihrer Aufgaben.
Der Minister ging dann im einzelnen auf die Hilfs- und Förderungsmaßnahmen ein, die auf diesem Gebiete gerade seitens des Reichsernährungsministeriums in letzter Zeit getroffen sind, und fuhr fort: Wollen wir unsere politische und wirtschaftliche Selbständigkeit wiedergewinnen, so müssen wir in erster Linie besorgt sein, uns auf dem wichtigen Gebiete der Bolksernährung von der Macht und der Spekulation des Auslandes möglichst unabhängig zu machen. Die Parole: Deutsche kauft deutsche Waren! müsse zum Sammelruf werden für alle diejenigen, denen das Wohl und die Zukunft des deutschen Volkes am Herzen liege. Das Ziel müsse dahin gehen, Erzeuger, Bauer und Arbeiter, Industrie und Handel, kurz alle Schichten unsere Volkes zu einer einzigen großen, ihre gemeinsamen Interessen erkennenden Arbeitsgemeinschaft zusammen- zuschließen zum Schutze und zur Förderung der nationalen Produktion, zur Wiedererstarkung unserer Wirtschaft und unseres Vaterlandes.
Dr. Luther Rcichswchrminister?
Berlin, 28. Dezember. Die „B. Z." verzeichnet als interessantesten Vorschlag zur Lösung der Regierungskrise, daß das Reichswehrministerium im kommenden Kabinett dem ehemaligen Reichskanzler Dr. Luther angeboten werden soll.