Schlüchterner Zutuns
Kreis Amtsblatt * Myemeiner amtlich er Anzeiger für den Kreis -chlüchtern
Keuckunb Verlag: tz.Stttnfetö Söhnen Gescdästsft: Vcchnhofstv.6 ^ ^evnfpvrNv.^ ^ Postschecks: PmnkstwdaL!r.rZryo
Ar. 142
Dienstag, den 30. November 1926
78. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen
Kreisausschutz.
J.-Nr. 6069. Die Herren Bürgermeister, die noch mit der Erledigung meiner Kreisblattverfügung vom 2. November 1926 — Kreioblatt Nr. 132 — betreffend: Hagener Stadtkinder, im Rückstände sind, werden hiermit an die Einsendung des geforderten Berichtes innerhalb 8 Tagen erinnert.
Schlüchtern, den 25. 11. 1926.. Kreiswohlfahrtsamt.
Jungbullenkörung.
J.-Nr. 6202 K.-A. Am Sonnabend, den 4. Dezem
ber 1926, vormittags von 10 Uhr ab findet in
Mottgers
(vor der Günther'schen Gastwirtschaft) eine
Iungbullentörung
statt.
Die durch Kreisblatt-Verfügung vom 24. Dezember 1925 — J.-Nr. 6667 K.-A. — (Kreisblatt Nr. 1 von 1926) für den 18. Dezember 1926 in Sterbfritz bekannt gegebene Zungbullenkörung fällt aus.
Schlüchtern, den 22, November 1926.
Der Landrat. v. Trott zu Solz.
Seine Entscheidung der Botschafter.
Aber beschleunigte Erledigung zugesagt.
Die Botschafterkonserenz hat sich erneut mit der Entwaffnungsfrage befaßt, ohne jedoch zu einem Beschluß zu kommen. In dem von Havas veröffentlichten Bericht heißt es lediglich, die Botschafterkonserenz habe Kenntnis genommen von verschiedenen Berichten über den Stand der noch in der Schwebe befindlichen Fragen betreffend die Entwaffnung Deutschlands, deren Studium sie, wie es in der amtlichen Auslassung heißt, mit dem Wunsche sortsetze, die Regelung soweit wie irgend möglich zu beschleunigen.
Dem Vernehmen nach sollen die Berichte der Mi- litärkontrollkommission u. a. auch eine Mitteilung über die von der deutschen Regierung neuerdings erlassenen Maßnahmen enthalten, die dazu bestimmt sind, den Beanstandungen der Alliierten über die noch nicht geregelte Frage der Wehrverbände, des Kriegsmaterials und der Festungen im Osten Rechnung zu tragen.
Der sterbende Ruma'nenkömg.
Bukarest befürchtet einen Putsch.
Nach den letzten Nachrichten ans Bukarest ist das Befinden des Königs Ferdinand von Rumänien vollständig hoffnungslos. Die Aerzte rechnen stündlich mit dem Ableben des Königs, der bekanntlich an Darmkrebs leidet. Bon einer Operation mußte w Anbetracht der großen Schwäche des Königs Abstaud genommen werden.
In der rumänischen Hauptstadt ist das Gerücht verbreitet, der König sei schon gestorben, dre Nachricht solle aber bis zu der für Dienstag erwarteten Rückkehr der Königin Maria aus Amerika verherm- s'cht werden, weil man Unruhen befürchte. Thronfolger -st nach dem Gesetz der jetzt fünfjährige Prmz Michael, der Sohn des früheren Kronprinzen Carol, der b^ kanntlich auf seine Thronsolgerechte verzichtet hat, und der Prinzessin Helena von Griechenland Da aber der frühere Kronprinz Carol im Heer und sm Volk noch viele Anhänger hat, fürchtet man einen Putschversuch zu seinen Gunsten.
D. Wtnlkler 70 Zahre alt.
Am Sonntag vollendete der Präses der £reup Südjen Generalsynode, D. Winckler, fein ?0-Lebensjahr. 185ß in Krankkurt a O. geboren, studierte Friedrich'Winckler von 1875 bis 1879 die Rechts- wissensLftlnV 1886 erfolgte seine Ernennung zum Landrat in steiü Diesen Posten verwaltete er, bis er 189g wegen" seiner Abstimmung gegen die Kanalvor- sege zur Disposition gestellt wurde; darauf schied er W ^m Staatsdienst. Von 1^0^ bis 191 « gehörte 0. windlet als Mitalied der konservativen Parket oem Reichstag an. 1913 wurde er in den Prcußischen Land- t°g gewählt, dem er heute noch angehört Die deutsch^ natwnalc Fraktion wählte ihn wegen sc-ncr^taktischen Fähigkeiten zu ihrem Vorsitzenden. Vorübcrgchend wa er auch - nach dem Rücktritt Hergts - deutschnatio- naler ParteivoriiNender doch legte er im Friitziatzr Ä f^reö nach seiner Wahl ziun ^o^war Win^ ^chensenats dieses Amt nieder. Seit 1907 war Wm^ ' schon Mitglied der Generalsynode seit, 1916 Bov- schender des Generalsynodalvorstandes. Dre erste t "eralsynode nach der neuen Verfassung wählte ihn ^ ihrem Präsidenten Mit diesem Anit ist versassungS- ^mäß auch der Vorsitz im Kirchensenat, dem neuen "bersten Organ des KirchenregimentS, verbunden.
Die Richtlinien der Agrarpolitik.
Der Reichsernährungsminister auf dem Bauerntag in Ulm.
Im Rahmen eines vom Landwirtschaftlichen Hauptverband für Württemberg und Hohenzollern einberufenen Bauerntages sprach Reichsminister Dr.Haslinde in Ulm über die Richtlinien der Agrarpolitik. Der Minister führte u. a. folgendes aus:
Die gegenwärtige allgemeine Lage werde im wesentlichen gekennzeichnet durch die sich immer drückender auswirkenden äußeren Fesseln des Vertrages von Versailles und des Dawes-Paktes, im Innern durch die bei fortdauernder allgemeiner Krisis sich unter gewaltigen Zuckungen vollziehende
Neuorientierung unserer Gesamtwirtschaft und das erschreckende Heer der Arbeitslosen. Eine gewisse Entspannung sei in den letzten Monaten eingetreten. Aber man dürfe mit Rücksicht auf die tatsächlichen Ursachen dieser Erleichterung sich vorerst keinen übertriebenen Hoffnungen hingeben.
Der bisher mit allem Nachdruck angestrebte Ausweg über die Steigerung unseres Exportes stoße im Auslande vorläufig noch auf starke Hindernisse. Die angebahnte Verständigung auf außenpolitischem Gebiete schreite, ohne daß Deutschland ein Verschulden treffe, nur recht langsam vorwärts. Die letzten Wochen ließen außerdem bei der
Stellung unserer Nachbarländer
erhebliche Zweifel darüber aufkommen, ob für eine Verwirklichung der im internationalen Wirtschaftsmanifest zusammengefaßten Ideen vorläufig schon die wesentlichen Voraussetzungen gegeben sind. So töricht es an sich wäre, sich einer als notwendig erkannten Entwickelung der Verhältnisse entgegenstellen zu wollen, ebenso verhängnisvoll wäre es, dabei zu übersehen, daß der internationale Austausch und Zusammenschluß lediglich eine Ergänzung der nationalen Wirtschaft bilden, diese aber niemals ersetzen können.
Eine wachsende internationale Vertrustung der Industrie müsse bei gleichzeitiger Preisgabe der Landwirtschaft letzten Endes zum Ruin unserer Wirtschaft wie auch zur ®o sährdung des Staates selbst führen. Ein gesunder und dauernder Wiederaufbau unserer Wirtschaft sei nur möglich durch die restlose Erschließung und Heranziehung aller inneren Kraftquellen. Eine der stärksten Lebensadern des deutschen Volkes aber ruhe in unserer Landwirtschaft. Hier müsse notwendigerweise also auch der Hebel angesetzt werden für den Wiederaufbau unserer gesamten Volkswirtschaft. Was unsere Landwirtschaft auf dem Gebiete der Handelspolitik mit Recht fordern könne, sei die Wahrung ihrer für die Volkswirtschaft so bedeutsamen Belange in verständigem und gerechtem Ausgleich mit den anderen wirtschaftlichen Interessen und ein für die Sicherung ihrer Existenz und einer gesunden Fortentwrcke- lung ausreichender Schutz.
Die Ergebnisse der Wirtschaftsenquete und der in Genf tagenden Weltwirtschaftskonferenz, in der jetzt enblich die deutsche Landwirtschaft durch einen eigenen Delegierten vertreten sei, würden gewiß für die weitere Führung unserer Handels- und Wirtschaftspolitik wegweisend sein. Wenn
die augenblickliche Lage der Landwirtschaft
aus den bekannten Gründen auch immerhin noch recht gespannt und ernst sei, so könne man doch gegenüber dem größten Tiefstand nach der Ernte des Jahres 1925 in mehr als einer Hinsicht von einer beginnenden Besserung sprechen Leider habe d i e d i e s j ä h r i g c E r n t e die in sie gesetzte Erwartungen enttäuscht. Sie dürfte nach der bisherigen Schätzung bei Brotgetreide um etwa 20 Prozent, bei Kartoffeln sogar um 25 Prozent hinter der Ernte des Vorjahres zuruckbleiben. Dieser wenig günstige Ernteausfall habe zusammen mit ande- ren Ursachen
die Preise für landwirtschaftlich Produkte, vornehmlich für Roggen und Weizen, bisher auf einer Höhe gehalten, daß die Landwirtschaft sich im allgcmeien n 1 cht beklagen könne. Es läge indessen keineswegs im wohlverstandenen Interesse der Landwirtschaft silbst, wenn sich diese durch die Preisentwicklung der letzten Zeit zu einer verfehlten Spekulation verleiten lassen und cttva Getreide künstlich znrückhaltcn würde, ganz abgesehen davon, daß die Ernährung unseres in weiten Schichten verarmten und, besonders in dein großen Heer der Arbeitslosen, notleitenden Volkes zu erträglichen Preisen sichcrgcstellt werden müsse.
Es besteht kein Zweifel, daß unsere Landwirtschaft und vor allem auch unser Bauernstand den besonders schweren Aufgaben der Nachkriegszeit gerecht zu werden sich bemühe Die Baucrusöhue gehörten nicht in die Stadt, wo sie Gefahr liefen, im Sumpfe des ungewohnten Daseins zu versinken. Wenn
die Landflucht
sich in den nächsten Jahren auch nur annähernd in dem Maße fort setze wie in der hinter uns liegenden Zeitspanne, dann sei unser deutsches Volk auf dem besten Wege, sich selbst das Grab -u graben. Die Sicdluugsfragc fei in mehr als einer Hinsicht eine Schicksalsfrage unseres Volkes. Man dürfe erwarten, daß - es bei allseitigem guten Willen gelinge, sie in absehbarer Zeit einer großzügigen Lösung entgegenzuführen.
Browning gestorben.
Brüssel, 29. Novbr. Der amerikanische Erfinder F. N. Browning ist in Lüttich, wo er einigen Experimenten in der belgischen Waffenfabrik Herstal bei- wohnte, infolge von Herzschwäche verschieden.
Neues vom Tage.
— Der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drommond, ist zu Besprechungen mit dem Auswärtigen Amt in Berlin eingetroffen.
— Auf der Zeche de Wendel in Heringen ereignete sich eine Schlagwetterexplosion. Drei Bergleute wurden getötet, fünf schwer und sechs leicht verletzt. Bei einer weiteren Explosion wurden vier Knappen leicht verletzt.
— In Hankau droht ein allgemeiner gegen die Ausländer gerichteter Streik und Boykott. Zwei Chinesen, die sich gestern im französischen Konzessionsgebiet Ausschreitungen erlaubt haben, wurden hingerichtet.
— Anläßlich einer Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Passanten am Knie in Charlottenburg wurden 16 Personen, darunter vier Verletzte, festgenommen. Am Fehr- berliner Platz kam es ebenfalls zu Zusammenstößen zwischen Reichsbannerleuten und Nationalsozialisten. Ein Reichsbanner- mann wurde durch einen Schuß am Kopfe verletzt. Die Polizei nahm eine Reihe Verhaftungen vor.
— Der vormalige deutsche Kronprinz ist zu einem kurzen Besuch des Kaisers in Doorn eingetrossen. Von Apeldooru ab reifte er in Begleitung des holländische« Innenministers.
— General Ludendorff mußte sich infolge zunehmender Atembeschwerden einer Operation unterziehen. Es handelt sich um die Entfernung eines Kropfes. Ludendorff hat die Operatun gut überstanden und wird wahrscheinlich völlig wieder- hergestellt werden.
— Das „Echo de Paris", das Poincars nahesteht, behauptet, daß Poincarö die Schuldenverhandlungen mit London und Washington in kürzerer Frist wieder ausnehmen werde. Als Vorspiel für diese Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten sei die bevorstehende Ernennung des neuen Botschafters anzu- sehen.
— Bei dem deutschen Gesandten in Warschau fand ein großer diplomatischer Empfang statt, der von der polnischen Presse als ein Beweis angesehen wird, daß die deutsch-polnischen Verhandlungen —..en guten Verlaus nehmen.
Die Wirtschastswoche.
In der berfloffenen Woche kennzeichnete sich die Tendenz der letzten Effektenbörsen im allgemeinen als uneinheitlich, wobei aber ein schwacher Unterton sich bemerkbar machte. Der Grund hierfür waren Befürchtungen politischer Art, die sich nicht bewahrheiteten. Es fehlte der Börse aber vor allem die Beteiligung der Bankenkundschaft auf breiter Grundlage, da die Schwankungen der letzten Börsen abschreckend gewirkt haben. So blieb die Spekulation unter sich und verhielt sich sehr vorsichtig. Als Hauptgrund für das starke Nachlassen des I. G. Farbenkurses ist das vor dem Abschluß stehende Abkommen zwischen dem Klöckner- und dem Winterhall-Konzern zu nennen, das die gemeinsame Errichtung einer chemischen Fabrik zur Gewinnung synthetischen Ammoniaks zum Ziele hat. Es handelt sich hierbei um eine Konkurrenz auf dem Gebiete der Stickstofferzeugung gegen den Farbenkonzern, über deren Aus- Wirkung sich allerdings zunächst kein klares Bild gewinnen läßt. Aber auch auf den übrigen Marktgebieten kam es zu Rückgängen, die allerdings wesentlich geringer waren als bei I. G. Farben. Ungünstig auf die Börsenstimmung wirkten die letzten Nachrichten über das in der Freigabeangclcgcnheit angeblich zu erwartende Kompromiß, das eine für die deutschen Forderungsberechtigtcn wenig günstige Lösung bringen würde. Vielfach wurde das Interesse von den Aktienmärkten auch auf die festverzinslichen Werte, deren Kurse anzogen, hingelenkt. Anregend wirkten hierbei die Erwartungen hinsichtlich einer Diskontermäßigung der Reichsbahn zum Jahresende.
Auf dem Devisenmärkte brächte diese Woche nach einer längeren Hausse die Abschwächung des französischen Franken. Auch die Lira schwächte sich ab. Im übrigen war das Devisengeschäft ruhig.
Am Geldmarkt blieb Tagesgeld reichlich angeboten und Prolongationsgeld dürfte etwa in der bisherigen Höhe wieder zur Verfügung stehen. Mit Schwierigkeiten bei der Geldbeschaffung auf Ultimo ist unter diesen Umständen kaum zu rechnen, zumal sich die Börsenengagements nicht vergrößert haben. Der Satz für Tagesgeld bewegte sich zwischen 3 und 5 Prozent, für Monatsgeld zwischen 6 und 7 Prozent. Die schwachen nord- amerikanischen Preismeldungen machten auf die deutschen Prodnktcnmärkte wenig Eindruck, weil die argentinischen Forderungen, angeblich auf festere Frachten eher höher lauteten. Auch zeigte sich, besonders seitens der Mühlen, anscheinend infolge Befürchtung von Frostwetter, manche Frage nach nahem ausländischem Weizen. Vom Jnlande war Weizen etwas mehr angcbotcn und die Forderungen waren teils behauptet, teils etwas nachgiebiger. In Roggen war man fest, ba das Julandsangebot andauernd gering blieb. Auch in Gerste und Hafer hat sich bei mehr als genügendem Angebot und sehr vorsichtiger Kauflust die Lage nicht geändert. Weizenmehl hatte mäßigen, aber unrentablen Verkauf, Roggenmehl war cttvas mehr gefragt.
Am Rohhäutemarkt ist die Lage saunt verändert. Groß Viehhäute, besonders Kuhhäute, waren cttvaS mehr begehrt und zogen eine Kleinigkeit an. Ochsen- und Farrenhäute waren im Preist uneinheitlich, indem sie zwar im allgemeinen die letzten Preise erzielten, aber auch zu etwas niebrigeren Preisen abgegeben wurden. Schaffelle gingen etwas im Preist zurück.