Schlüchterner Zutuns
Kreis-Amtsblatt * Myememer mntlLcherKnzeiyev ftr Ken. Kreis Schlüchtem
Ät. 138 (1. Blatt) Samstag, den 20. November 1926
78. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Kreisausschutz.
Durchschnittspreise für Häute
nach dem Bericht deö Wirtschaftsverbandes deutscher Abdeckereiunternehmer in Hamburg für Oktober 1926. Roßhäute 220/— Ctm. . . . R.-M. 17,— pro Stck.
, 200/19 „ . . . , 12,75 » ,
. — /i99 - - - - - 8,75 „ ,
Fohlenfelle....... , 7,— „ „
Rindhäute....... „ —,43 pro Pfd.
Fresserfelle....... , —'53 „ ,
Kalbfelle ....... „ —,63 „ „
Schaf- und Lammfelle ... „ —,40 , „
Ziegenfelle, trocken .... „ 2,60 pro Stck.
Iickelfelle, trocken .... „ —,45 , ,
Cassel, am 9. n. 1926.
Der Regierungs-Präsident.
*
I.-Nr. 6189 K.-A. Wird veröffentlicht.
Schlächtern, den 16. November 1926.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses, von Trott zu Solz.
Die AbrüfiunMase.
Eine Aussprache im englischen Oberhaus.
Im Oberhaus wurde von Lord Parmoor die AbrüstungS- stage angeschnitten. Lord Parmoor wies darauf hin, daß die Abrüstungsbesprechungen in Genf nur sehr langsam vorwärts kämen. In den verflossenen sieben Jahren sei in dieser Frage kein Fortschritt erzielt worden. Da Englands Haltung zu dieser Frage äußerst bedeutsam sei, bitte er die Regierung um eine Stellungnahme. Der Earl of Oxfors wies darauf > Artikel 8 des Versailler Vertrages bringe bereits zum Aus . druck, daß die Aufrechterhaltung des Friedens von der Herabsetzung der nationalen Rüstungen abhängig sei.
Es sei jetzt die höchste Zeit, daß der Völkerbundsrat bestimmte Abrüstungspläne formuliere. Man dürfe sich nicht auf die Entwaffnung Deutschlands beschränken, vielmehr müsse die deutsche Entwaffnung nur als erster Schritt auf dem Wege zur allgemeinen Abrüstung betrachtet werden. Die Situation erfordere die baldigste Einberufung einer internationalen Abrüstungskonferenz durch den Völkerbund. Lord Oxford ging dann aus die Frage der chemischen Waffen und der Unterseeboote ein und forderte energisch ihre Abschaffung.
Lord C e c i l antwortete für die Regierung. Er sagte, für die englische Regierung siehe die Bedeutung der Abrüstungsfrage außer jedem Zweifel. Es sei bereits der Locarno-Vertrag abgeschlossen worden, der neue Maßnahmen in der Entwassnungsfrage ermögliche. Deutschland habe die Mehrzahl seiner Verpflichtungen in der Abrüstungsfrage er- und er hoffe, daß auch die Rcstfragen keine weiteren Schwierigkeiten machen würden. Die Regierung nehme in ^deutschen E n t w a f f n u n g s f r a g e eine sehr vor- stchtige Haltung ein. Weiter sagte Cecil: Der Kern der Entwaffnungsfrage sei noch nicht berührt worden. Daran sei die internationale Lage schuld. Trotzdem müsse anerkannt wer- kn, daß im letzten Jahr ein großer Fortschritt erzielt worden H Die Abrüstungssrage stände heute so günstig wie noch nie zuvor. Sie sei aus dem Bereiche der Theorie herausgenom- wen und eine Lebensfrage geworden. Cecil stimmte zu, daß chemischen Waffen und die Unterseeboote gänzlich abge- schafft werden müßten, doch sei dies ein sehr schwieriges Problem. Hinsichtlich der Unterseeboote seien die Meinungen ?°ch geteilt. Lord Cecil erklärte zum Schluß, daß auch Eng- land konkrete Vorschläge hinsichtlich der Abrüstung im Sinne des Artikels 8 des Versailler Vertrages machen werde.
Um die MiMonlwlle.
f Schwierigkeiten in Paris.
... Die Pariser Rechtspresse setzt weiterhin ihre Kanipagn« für die Auslegung des Artikels 213 des Versailler Vertrage» in dem Sinne fort, daß derselbe eine Kontinuität der Kon- rolle Deutschlands durch den Völkerbund vorsehe, und zwar ? der Weise, daß deutscherseits keine Vorbehalte hinsichllich Bedingungen dieser Kontrolle gestellt werden konnten, «weit der Völkerbundsrat dieselbe für notwendig eracht«. Di« Jage wäre von ganz außerordentlicher Bedeutung, unter* lischt der „Temps".
Alle Alliierten und insbesondere Frankreich seien im Ren Maße daran interessiert, daß die Kontrolle der deutschen Wüstungen durch den Völkerbund nicht vollständig illusorisch ^°rde, sobald die unmittelbare Kontrolle der interalliierten Kontrollkommission ein Ende genommen habe. Es wäre daher
$u befürchten, daß die Aufhebung der interalliierten ^ntrollkommission, sobald das Reich seinen Abrüstung». ""Pachtungen nachgekommen wäre, keineswegs eine Lösung Schwierigkeiten bedeuten würde, ............................
Man müsse vielmehr befürchten, daß diese neue Schwierigkeiten schaffen werde, da man bereits jetzt jenseits des Rheins eine heftige Opposition gegen die Bedingungen entwickle, unter denen sich die Kontrolle des Völkerbundes vollziehen soll. Es könne auch nicht zugelassen werden, daß Deutschland, nachdem es nun dem Völkerbundsrat angehöre, die für di« Kontrolle des Völkerbundes entgültig festgelegten Punkte in Frage stelle. Ein Gerücht aus englischer Quelle, daß beabsichtigt sei, die Auslegung des Artikels 213 dem internationalen Gerichtshof im Haag zu unterbreiten, wird man mit einem Fragezeichen versehen. Daß man sich auf der Rechten jedoch keineswegs in der geschilderten Auffassung sattelfest fühlt, zeigt ein Artikel der nationalistischen „Liberto", in dein zum Ausdruck gebracht wird, daß es sehr schwer wäre, die Maßnahmen der Vorsicht und des Mißtrauens mit dem Regime der Zusammenarbeit und des Vertrauens, das in Locarno und Thoiry verkündigt wurde, in Einklang zu bringen. Die Kontrolle des Völkerbundes solle keine ständige sein und nur auf eine ordnungsmäßige Klage stattfinden.
Die Re'nigungskrise.
Die Lage der deutschen Volkswirtschaft.
Auf Einladung der volkswirtschaftlichen Bereinigung im rheinifch-westfälischen Jndustriegbiet entwickelte in Essen der frühere Reichswirtschaftsminister Hamm seine Auffassung zur augenblicklichen und kommenden Gestaltung der deutschen Volkswirtschaft.
Die Reinigungskrise, so erklärte er, sei erst vor etwa einem Jahre erreicht worden. Sie sei gekennzeichnet gewesen durch Kapitalmangel, durch öffentliche und stille Zusammenbrüche und durch steigende Arbeitslosigkeit. Es sei d'r Uebergang von der Krise zur Depression gefolgt. Der tiefste Punkt sei erreicht gewesen. Langsam, ganz allmählich gehe es wirtschaftlich wieder besser.
Die jetzige Rationalisierung habe nur Sinn und Berechtigung, wenn sie nicht weniger, sondern mehr Güter erzeuge und nicht weniger, sondern mehr Menschen beschäftige. Bei deLDltLMtzvtlla dieirsZM müsse immer .wedervorAugen gehalten werden, daß das eigentliche Absatzfeld aer dem cyen Erzeuger der innere Markt sei, für den wieder kaufkräftige Schichten geschaffen werden müßten. Man dürfe aber keineswegs neben die Rationalisierung der Wirtschaft die Rationierung der Arbeit stellen. Beide schlössen sich aus. Es dürfe nichts unterstützt werden. Dabei müsse man beständig die Lage der anderen Länder berücksichtigen. Hamm geht dann näher auf das Arbeitsbeschafsungsprogramm der Reichsregierung ein und streift schließlich die in ber zunehmenden Zu- iammenschlußbewegung nach horizontaler Richtung zum Ausdruck kommende neue einheitliche Wirtschaftsgesinnung. In diesem Zusammenhang gibt er seiner Ansicht Ausdruck, daß gerade im Kapitalismus kollektiven Sinnes ein starker Zwang zum allgemeinen Volkswirtschaftlichen und Gemeinwirtschaftlichen liege. Allerdings komme es darauf an, daß durch diese Umstellung innere Werte kein« Beeinträchtigung erfahren. Dem Staate falle bei der ganzen Neugestaltung nur insofern eine entscheidende Aufgabe zu, als er die Entwicklung mit Klugheit zu beobachten und nachdrücklich in günstigem Sinne zu beeinflussen habe.
" Beginnende Wirtschaftskrisis in Frankreich. In Frankreich machen sich die ersten Anzeichen einer Wirtschaftskrise bemerkbar. Die Zahl der freien Arbeitsstellen ist seit einem Monat fühlbar zurückgegangen. In der Industrie zeigt sich eine Auftragsverminderung, die teilweise schon dazu geführt hat, die Arbeitszeit durch freie Vereinbarung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu verkürzen. Es tritt das Bestreben zutage, von der Regierung eine schärfere Kontrolle der Beschäftigung ausländischer Arbeiter zu fordern.
Die deutsche Beamtenschaft und der Staat. Bei einem Wohlfahrtsfest, das der Reichsausschuß der deutschen demokratischen Beamten in Berlin vcranstaltctc, hielt der Reichs- minister des Innern Dr. Külz eine Ansprache, in der er sagte, die demokratische Beamtenschaft dürfe sich als eine Kerntruppe der Demokratie betrachten. Sie sei die starke und sichere Stütze des Staates und der Träger des demokratischen und republikanischen Gedankens. Für dieses innere Verbundenscin gebühre ihr wärmster Dank.
Um die sächsische Ministerpräsidentschaft.
Dresden, 18. November. Wie verlautet, mirb die sozial- demokratische Landtagsfraktion ben früheren Unterrichtsminister Hermann Fleißner für das Amt des sächsischen Ministerpräsidenten in Vorschlag bringen.
Prinz Heinrich von Preußen bei dem Präsidenten von Cuba.
Paris, 18. November. Nach einer Meldung aus Havanna hat Prinz Heinrich von Preußen, der sich auf einer Reise nach Mexiko befindet, gestern dem Präsidenten Machado einen Höflichkeitsbesuch geinacht.
Die Lage in Nicaragua.
New Aork, 18. November. Die „New 2)or! Times" führt zu dem Jntervcntionsersuchcn des Präsidenten Diaz von Nicaragua, in welchem Mexiko der Unterstützung der Insurgenten in Nicaragua bezichtigt wird, u. a. aus: Es ist eine heikle Sache, Mexiko der Einmischung in Nicaragua schuldig halten zu wollen. Wahrscheinlich hat Mexiko vielmehr mit den Unruhen in Nicaragua nichts zu tun. Erst kürzlich hatten die Vereinigten Staaten Schwierigkeiten, eine gegen den Präsidenten Calles gerichtete Expedition Estradcs zu verhindern.
Neues vom Tage.
— Das Reichskabinett befaßte sich mit dem Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1927. Nachdem die enzclncn Etats einer sorgfältigen Prüfung unterzogen und eingehend besprochen worden waren, erteilte das Reichskabinett dem Haushaltspläne seine Zustimmung.
— Die Meldung, daß General Ludendorff wegen einer schweren Krankheit sich in einer Klinik befinde, ist unrichtig. Eine harmlose Erkrankung des Generals wurde von dessen Arzt in seiner Wohnung behandelt.
— In Altheim bei Buchen im Odenwald wurden durch Groß- feuer innerhalb fünf Stunden drei Wohnhäuser und zehn Scheunen vernichtet.
— Der Heeresausschuß der französischen Kammer hat beschlossen, eine Kommission in das Rheinland zu entsenden, um an Ort und Stelle die verschiedenen militärischen und politischen auf die Besatzung bezüglichen Fragen zu prüfen.
— Im englischen Unterhause wurde Chamberlain über die angeblichen deutschen Verfehlungen in der Frage der Königsberger und Küstriner Befestigungsanlagen befragt. Der Minister antwortete, daß diese Angelegenheit gerade von den alliierten Regierungen behandelt werde.
— Nach einer Meldung aus Barcelona ist der Anarchist Domingo Magaz, der ein mißlungenes Attentat gegen Primo de Ribera versucht hatte, zu zehn Jahren Gcsängnis verurteilt worden.
— Einer Information aus Sofia zufolge ist ein neues kommunistisches Komplott aufgedeckt worden, an dem mehr als 150 Personen in Sofia und mehr als 800 Personen in der Provinz beteiligt sein sollen. Eine große Anzahl verdächtiger Personen, darunter der Führer der Kommunisten Pawlofs, seien verhaftet worden. Pawlofs habe ein Geständnis abgelegt.
— Die letzten Nachrichten über die kommunistischen Unruhen aus Java lauten wieder beruhigend.
Den Woche D WvHe.
Von Argus.
Der Deutsche Reichstag hat, nachdem er das Krisen- fürsorgegesetz endgültig angenommen hat, eine Pause von acht Tagen gemacht und wird nach Ablauf derselben mit der Aussprache über die umfangreichen Einzelheiten der auswärtigen Politik beginnen, in welcher Minister Dr. Stresemann sehr ausgedehnte Darlegungen zu geben haben wird. Es sind allerlei Dinge vorgefallen, die eine genauere Erörterung verdienen. In dieser Woche haben auch die mündlichen Besprechungen über die Abrüstungskontrolle zwischen den Vorsitzenden der beiderseitigen Kommissionen, dem französischen General Walch und dem deutschen General von Pawels, von neuem in Berlin begonnen, und man denkt, daß bis zum Dezember eine Einigung erzielt werden wird. Es handelt sich namentlich noch um die Cntfestignng von Königsberg und um das Verbot der Sportverbände, und es heißt, daß die deutsche Reichsrcgiernng hierin nachgeben wird, womit dann die Ausschaltung der Kontrollkommission erfolgen könnte. Aus Paris lauten die Meldungen allerdings noch etwas anders, und man meint dort, daß noch verschiedene Punkte erledigt werden müßten, bis die Kontrolle an den Völkerbund übergehen könnte. Im Dezember wird der Völkerbundsrat in Genf zusammentreten. Ob Briand, Chamberlain und Stresemann in Genf schon wieder Zusammentreffen werden, steht einstweilen noch bahin. Chamberlain soll sich Mühe geben, auf die Aufhebung der Kontrolle hinzuwirken, doch ist, wie gesagt, das letzte Wort noch nicht darüber gesprochen.
Von den Mitteilungen über die Umbildung der deutschen Reichsregierung und dem Zustandekommen einer neuen Großen Koalition im Reichstage, die ein festes Fundament für das Reichskabinett abgeben könnte, ist es vorläufig Ivicber still geworden; es soll bei der in der Vorwoche getroffenen Ab- inachung verbleiben, nach der von Fall zu Fall über jede Vorlage eine Vereinbarung getroffen werden wird. Namentlich wird das von den sozialpolitischen Gesetzentwürfen gelten, bie noch an den Reichstag gelangen werden. Es wird sich noch wiederholt Gelegenheit hierfür ergeben, da erhebliche finanzielle Sorberungen mit den kommenden Vorlagen Zusammenhängen, iel Aufsehen hatte die Nachricht aus Washington gemacht, wo die deutsche Botschaft am Tage des von der amerikanischen Regierung als Triumph angesehenen Waffenstillstandes die Reichsflagge ohne eine Weisung aus Berlin gehißt hatte, während das deutsche Generalkonsulat in New Vork eine solche Handlungstveise unterlassen hatte. Man dürfte sich hierüber im Reichstage in der nächsten Woche verständigen.
Kommunale Neuwahlen haben in Polnisch-Oberschlesien stattgefunden, die zum nicht geringen Verdruß der Polen eine einwandfreie deutsche Mehrl-eit ergeben haben. In Warschau hatte man stets nur von einer deutschen Minderheit in Ober- schlesien gesprochen, bis nun jetzt das Gegenteil bewiesen ist. Selbst Einwohner polnischer Zunge haben jetzt das fragwürdige Regiment aus Warschau gründlich satt. Bei den Wahlen im Freistaat Sachsen haben die sozialistischen Parteien Vorteile über ihre bürgerlichen Gegner errungen. Der Grund dieses Ergebnisses war eine flaue bürgerliche Wahlbeteiligung, die auch in Baden beobachtet worden ist.
In Paris hat die Kammer ihre Beratungen wieder ausgenommen, und es ist Poincars gelungen, die Beratung des Budgets unter Ausschluß aller anderen Angelegenheiten im be- schlcnnigten Tempo durchzusetzen. Er hat dann freie Hand für die Unterbringung der französischen Anleihen in Frankreich