Schlüchterner Zeitung
ßms-Kmtsblatt * Allgemeiner amtlicher Anzeiger für Kar Kreis Schlüchtem
Nr. 136
Dienstag, den 16. November 1926
78. Jahrg
; Amtliche Bekanntmachungen
Landratsumt.
/Sprechstunden beim Landratsamt: Dienstags: j jond Freitags, vormittags von 9 bis 12 Uhr.:
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' J.-Nr. 10805. Den Herren Bürgermeistern, in deren Gemeinden ländliche Fortbildungsschulen sich befinden, gehen in den nächsten Tagen für die am 25. d. MtS. stattfindende ^statistische Erhebung neben den allgemeinen Vorschriften olßtnbe Vordrucke, je in doppelter Ausführung, zu:
D 4. für die einzelnen ländlichen Fortbildungsschulen, D 5. für die Kosten dieser Schulen.
Die Erhebung erstreckt sich auf diejenigen ländlicken Fortbildungsschulen, die am 25. d. MtS. im Betriebe find. | Der Ausfüllung der Erhebungsformulare ist größte Aufmerksamkeit zu widmen. Die ordnungsmäßig ausgefüllten Vordrucke sind bis zum 5. Dezember d. I S. an mich einzusenden. Dieser Termin darf nicht überschritten Herden.
! Im Uebrigen sind die in den allgemeinen Vorschriften rolhaltenen Bestimmungen über die Obliegenheiten der Er- Hebungsorgane (§ 5) genau zu beachten.
Schlächtern, den 12. November 1926.
D«r Landrat. I. V.: Schultheis.
:’ J.-Nr. 10781. Von Reichs wegen findet am i.Dczcm- Jet d. Js. eine Viehzählung statt, die sich auf Pferde (ohne Militärpferde), Rindvieh, Schafe, Schweine, Ziegen und Feder- ? mh erstreckt.
5; I In Preußen werden außerdem noch die Maultiere und Maulesel, Esel, Kaninchen und Bienenvölker miterhoben, ferner wird aus besonderem zucht- und viehwirtschaftlichem Sntertffe in Preußen die Viehzählung bei den Pferden, Käl- km, Schafen und Hühnern durch Zusatzfragen erweitert.
Da das Ergebnis der Zahlung „i< einzige amtliche Quelle IiS, nach der der Stand der Viehzucht im Zusammenhang mit der allgemeinen Wirtschaftslage richtig beurteilt werden kann, ist es Aufgabe aller an der Zählung Beteiligten, mit besonderer Sorgfalt auf die Durchführung der Zählung Hin- suwirken. Die näheren Anweisungen enthalten die den Herren Bürgermeistern und Gutsvorstehern zugehenden Formulare > iu den Zählbezirkslisten C und den Gemeindelisten E. Mit bem Inhalt dieser Anweisungen und der Formulare wollen die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher sich alsbald eingehend vertraut machen und wegen der Ausführung der Zäh- *un9 das Weitere alsbald veranlassen. Insbesondere ist recht- , !*i!ig eine ausreichende Zahl Zähler zu bestimmen, die in gemeinsamer Besprechung mit dem Vordruck in der Zählbe- / ^ksliste und der Anweisung für die Zähler bekannt zu machen sinb.
I Ein etwaiger Mehrbedarf an Formularen ist rechtzeitig fe anzumelden.
Die sorgfältig aufgestellten Zähllisten sind vollzählig und fibald wie möglich, spätestens aber zum 7. Dezember 3e. hierher einzureichen und zwar die Zählbezirkslisten in zweifacher (Ur- und Reinschrift) und die Gemeindelisten w einfacher Ausfertigung. Der für die Einsendung der Mlpapiere. festgesetzte Termin darf nicht überschritten wer- ^n/ da zur Zusammenstellung und Nachprüfung der Listen M nur wenige Tage zur Verfügung stehen.
L , Da bei früheren Zählungen in einigen Fällen Tiere vcr- vnmlicht worden sind, ersuche ich die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, die Viehbesitzer darauf hinzuweisen, daß neben der Strafe, die das Gesetz zuläßt, die Beschlagnahme °kr verheimlichten Tiere angeordnet werden kann.
Schlüchtern, den 13. November 1926.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
. A. 11. K. Nr. 2892/26. Wiederholte Beschwerden geben £lr Veranlassung, auf § 67 des Strafgesetzbuchs für das Putsche Reich vom 15 Mai 1871 (R. G. Bl. S. 127) Wnzuweisen, wonach die Strafverfolgung von Uebertretungen t drei Monaten verjährt.
I Es wird in letzter Zeit, besonders von Polizeibehörden l^sierhalb des Regierungsbezirks, Klage geführt, daß An- Wen inbezug auf Feststellung von Kraftfahrzeugführern, Ätzern usw. unnötig lange Zeit unerledigt liegen bleiben ,nb v'ele überhaupt nicht erledigt werden. Hierdurch ,st U'e Strafverfolgung ausgeschlossen. Mancher Kraftfahrzeug- stuhrcr, dem eine Strafe eine Warnung sein würde, geht auf Weise straffrei aus.
Jd) weise deshalb die Polizeibehörden darauf hm, daß amtliche Strafanzeigen, die von mir dorthin zur unmittel- uren weiteren Erledigung abgegeben werden, als Sofort- uchen behandelt werden müssen.
Eassel, den 3. November 1926.
Der Regierungspräsident. In Vertretung:
gez. Dr. Lehmann.
Kreisausschutz.
J.-Nr. 6075 K. A. Es liegt Veranlassung vor, die Herren Standesbeamten der Landgemeinden des Kreises wiederholt auf die pünktliche Erledigung meiner Kreisblatt-Verfügung vom 2. November 1925 — J.-Nr. 5606 K. A. — (Kreisblatt Nr. 132) betreffend die Einsendung der 2. Stücke der Zählkarten A und C an den Herrn Kreisarzt in Geln- hausen aufmerksam zu machen.
Ich erwarte bestimmt, daß die angesetzten Termine in Zukunft genau eingehalten werden.
Schlüchtern, den 13. November 1926.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
Der preußische Landgemeindetag.
Staatssekretär Popitz über den Finanzausgleich.
Aus den Kreisen der Landgemeinden find in der letzten Zeit zahlreiche Beschwerden über die Verzögerung der endgültigen Regelung des Finanzausgleichs laut geworden. Auf diese Klagen hat der Staatssekretär Dr. Popitz vom Reichsfinanzministerium auf der Tagung der Preußischen Landgemeinden, die soeben in Berlin stattsand, mit einer ausführlichen Rede geantwortet.
Es handle sich hier um eine aktuelle Frage für Reich, Länder und Gemeinden, und es müsse vor allem erstrebt werden, einen friedlichen Ausgleich der einzelnen Interessen herbeizuführen. Eine endgültige Lösung des Finanzausgleichs könne noch nicht in Aussicht gestellt werden, was besonders darauf zurückzufüh- ren sei, daß der Etat für 1926 bereits abgeschlossen sei und die statistischen Erhebungen über die Einkommen- und die Körperschaftssteuer noch nicht abgeschlossen seien. Das Reich verfüge auch noch nicht über die genügenden Unterlagen, so daß bei dem in Frage kommenden gewaltigen Fragenkomplex noch nicht damit gerechnet werden könne, daß vor dem 1. April 1^27 an eine endgültig: Regelung herangetreten werden könne. Durch das späte Wiederzusammentreten des Reichstages seien die gesetzgeberischen Arbeiten in Rückstand gekommen.
Der Staatssekretär kam dann auf die Klagen der Eisenbahngemeinden zu sprechen, die über einen großen Verwaltungsapparat verfügen, aber keine entsprechenden Einnahmen haben, weil die Reichsbahngesellschaft nicht verpflichtet ist, Steuern zu bezahlen. Diese Gemeinden würden durch die Zusicherung der Reichsbahngesellschaft, daß sie einen entsprechenden Steuerbetrag zahlen werde, in eine bessere Lage versetzt. Die Gesundung der Landwirtschaft sei deswegen von großer Bedeutung, weil durch die große Verschuldung des Großgrundbesitzes und das geringe Einkommen der Landarbeiter Steuerquellen auf dem Lande fast völlig fehlten und lediglich die Schichten der Bauern, der Gewerbetreibenden und der Beamtenschaft für die Steuerzahlung in Frage kämen.
Sotschasterkat und Entwaffnung.
Noch keine endgültige Entscheidung.
Die Pariser Botschafterkonferenz hat am letzten Sonnabend eine Sitzung abgehalten, in deren Verlauf sie sich auch mit der Frage der deutschen Entwaff- nung beschäftigt hat. Sie traf keinerlei endgültige Entscheidungen. Die Frage der zukünftigen Regelung der Kontrolle wurde nicht angeschnitten. General Walch, der eine Inspektionsreise durch Deutschland machen soll, wird dann der Botschafterkonferenz nach seiner Rückkehr Bericht erstatten. Im Laufe der Besprechungen wurde festgestellt, daß Deutschland „einen Teil der Forderungen der Botschafterkonferenz erfüllt" habe.
Baudervelve über seinen Pariser Aufenthalt.
Der belgische Minister des Aeußeren, Vander- Velde, der von seinem eintägigen Pariser Aufenthalt wieder in Brüssel eintraf, erklärte einem Vertreter des Soir u. a., daß Briand und er mit Befriedigung die vollkommene Uebereinstimmung der Ansichten beider Regierungen festgestellt hätten. Bei der Aussprache sei der ganze Fragenkomplex über die Thoiry-Verträge aufgerollt worden. Man habe u. a. die Fragen der Entwaffnung, die der interalliierten Kontrollkommission in Deutschland, der Verminderung der Befatzungsarmee am Rhein und der Mobilisierung der Eisenbahnobligationen erörtert. Wenn die Konferenz der Botschafter die von Deutschland einzugehen« den Verpflichtungen als ausreichend beurteile, werde der Völkerbund die militärische Kontrolle ausüben.
Die Arbeitsloseuversichcrung im Reichsrat.
Berlin, 15. Novbr. Die Reichsratsausschüsse haben die zweite Lesung des Gesetzentwurfes über die Arbeitslosenversicherung beendigt.
Deutsch-italienischer Lustverkehrsvertrag.
Berlin, 15. Novbr. Zwischen der Deutschen Lufthansa und dem Italienischen Aero-Lloyd ist ein Vertrag über die Aufnahme des Luftverkehrs Berlin- Rom zustande gekommen, dessen wichtigste Strecke wegen des Problems der Alpenüberfliegung das Mittelstück München—Mailand ist.
Neues vom Tage.
— Bei den Gemeinderatöwahlen in Polnisch-Oberschlesien kann mit einem großen Erfolg der deutschen Listen gerechnet werden, da sie sich über 50% der abgegebenen Stimmen sichern konnten.
— Bei den sächsischen Gemeindewahlen hat sich vielfach eine kleine Verschiebung nach links ergeben.
— Im Fleimschtal (Dolomiten) explodierte in einer Waldhütte eine noch aus dem Kriege stammende Granate. Von den anwesenden Personen waren 12 sofort tot, drei andere wurden schwer verletzt.
— In Neu-Köln kam es an mehreren Stellen anläßlich eines Demonstrationszuges der Nationalsozialisten zu Zusammenstößen mit Kommunisten. Die Polizei mußte cin- schreiten und konnte 13 Personen festnehmen.
— In der Angelegenheit der Ruhrkohlenschiebung hat die Polizei mehrere Haussuchungen in Duisburg vorgenommen und umfangreiche belastende Korrespondenzen beschlagnahmt, die als Beweismaterial wichtig sind. Die Polizei hat weitere Verhaftungen vorgenommen.
— Der bayerische Brauerbund erhebt erneut gegen eine Er. höhung der Biersteuer Einspruch.
— Der diplomatisch« Berichterstatter des „Daily Telegraph" will von kirchlicher Seite in Rom Informationen erhalten haben, die auf die Beschleunigung des Abschlusses eines Konkordats zwischen dem Vatikan und der italienischen Regierung infolge des Anschlages auf das Leben Mussolinis hindeuteten.
— Die französische Kammer hat mit 365 gegen 207 Stimmen der Regierung das Vertrauen ausgesprochen. Erst nach Erledigung des Budgets werden die Interpellationen zur Sprache kommen.
— Wie aus Tokio gemeldet wird, versuchten drei mit Dolchen bewaffnete Individuen, die der revolutionären Partei angehören, in das Wohnhaus des Ministerpräsidenten einzudringen. Sie wurden sofort verhaftet.
Die Wirtschaflswoche.
Die Tendenz der Effektenbörsen wurde in der vorigen Woche von einer Seite aus nachhaltig erschüttert, die man bisher in Anbetracht der wirtschaftlichen Fundamente, auf denen die Börsenkonjunktur beruhte, fast völlig vernachlässigen zu können glaubte, nämlich von der Politik aus. Den Anstoß zu Erhöhung der Börsenumsatzsteuer und die drohende Regierungskrise. Solch eine Situation mußte sich für die Effektcu- börsen um so stärker auswirken, als nach .den monatelangen starken Kurserhöhungen eine gewisse Nervosität hinsichtlich der weiteren Gestaltung des Kursniveaus schon vorhanden war. Unter diesen Umständen schritt natürlich die berufs- niässige Spekulation in erheblichem Maße zu Entlastuugs- verkäus Ihr folgte dann die Bankenkundschaft, die durch die Verhano.-.ngen im Reichstag schon beunruhigt worden ist, so daß die Woche für die Effektenbörsen in unsicherer Haltung schloß. Falsch wäre es aber, in solch einer Situation Effekten wahllos auf den Markt zu werfen. Von der Geldmarkt- und von der Konjunkturseite her bestehen nach wie vor die Faktoren weiter, die die Grundlage der Börsenbewegung in der letzten Zeit sind. Wenn also die Verkäufe aus spekulativer Absicht und aus schwacher Hand aufgehört haben, können sich wieder Anregungen für eine neue Befestigung der Tendenz ergeben.
Auf dem Devisenmarkt war der franz. Frank mehrmali- gen Schwankungen ausgesetzt; infolge von Interventionen erfolgte dann wieder eine Befestigung. Auch die Lire mußte einige Male zurückgehen. Fest lag dagegen Kopenhagen.
Die Lage des offenen Geldmarkts hat sich weiter verbessert. Tägl. Geld stellte sich zwischen 4 und 6 Prozent, Monatsgeld zwischen 5,75 und 7 Prozent.
Am Produktenmarkt blieb das Getreidegeschäft sehr still. Vom Ausland fehlte jede Anregung. Argentiniens Forderungen sind etwas billiger geworden, diejenigen Nordamerikas wenig verändert. Kauflust fehlte aber für Auslaudsmatcrial. Vom Jnlande blieb dab Angebot in Weizen, wie in Roggen sehr klein; die Forderungen waren sehr hoch und die Weizen- mehlpreise blieben bei dem lustlosen Mehlgeschäft nicht auf der Höhe der Getrcidcprcise. Hafer blieb bei wenig Angebot fest; für Gerste ist die Geschäftslage nach wie vor preishaltend.
Ant Rohhäutemarkt ist die Lage unverändert geblieben. Auf den letzten Häutcvcrsteigcrungen, die durchweg gut besucht waren, zeigte sich das gewohnte Bild. Die Käufer operierten recht vorsichtig; es waren also in der Preisgestaltung kleinere Schwankungen nach oben und unten unvermeidlich. Für Großviehheute war die Nachfrage verhältnismäßig gut, wogegen Schaffelle vernachlässigt waren. Kalbfelle konnten sich wieder erholen.
Am Ledermarkt hat sich das Geschäft durch die der Jahreszeit cntsprechenc Witterung weiter günstig entwickelt. Das Angebot in allen Sorten Leder fand fast restlos Käufer, da der gute Bedarf in deu lcderverarbcitcnden Industrien, besonders aber in der Schuhindustrie, anhielt. Die erzielten Preise bewegten sich auf der bisherigen Höhe. Mehrsorder- ungen wurden seitens der Käufer abgelehnt.
Oslo, 14. November. Wie in amtlichen Kreisen verlautet, wird am L ^til 1927 die Prohibition in Norwegen abgeschafft werden.