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Nr. 12S (1. Blatt) Samstag, den 30. Oktober 1926
78. Jahr«.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
, J.-Nr. 5070. Den Ortspolizeibehörden wird in den nächsten Tagen ein Abdruck des Ministerialerlafses vom 17. Mai 1926 — I d 629 —, betr. „Strafregister und polizeiliche Lifte" zugesandt werden, mit dessen Inhalt sie sich zwecks genauer Beachtung vertraut machen wollen, r Schlächtern, den 26. Oktober 1926.
Der Landrat. I. V.: Schultheis.
I J.-Nr. 10295. In Mittelstellberg (Gemeinde Stellberg), Kreis Gersfeld, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
t Schlächtern, den 27. Oktober 1926.
Der Landrat.
| J.-Nr. 1391 'V. Die Herren Bärgermeister ersuche ich, alsbald festzustellen und mir zu berichten, ob Eheleu^e in der Gemeinde (Stadt) vorhanden sind, von denen jeder Ebe- gatle für sich Invalidenrente bezieht.
I In dem Bericht ist das Rentenzeichen anzugcbcn. Fehlanzeige ist erforderlich.
I Schlächtern, den 28. Oktober 1926.
Der Vorsitzende des Versicherungsamts.
8 I. V.: Schultheis.
Kreisausschutz.
Durchschnittspreise für Häute nach dem Bericht des Wirtschaftöverbandes deutscher Ab- * deckereiunternehmer in Hamburg für September 1926.
' Roßhaute 220/— Ctm. . . . R.-M. 16,— pro Stck.
, 200/219 , . > . , 12,— „ , . — /199 .... „ 8,— „ . t^obleuMf# . 6 ‘ c
? Rindhäute....... , —,43 pro P ■
Fresserfelle....... „ —,52 , ,
Kalbfelle ....... , —,62 „ „
Schaf- und Lammfelle ... „ —,37 „ „ I Ziegenfelle, trocken .... „ 2,50 pro Stck.
• Zickelfelle, trocken .... , —,45 , , I (A 111. 2281.) r Raffel, am 15. Oktober 1926.
Der Regierungs-Präsident.
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I J-Nr. 5839 K.-A. Wird veröffentlicht.
I Schlächtern, den 26. Oktober 1926.
Der Vorsitzende des Kreiö-Auöschuffes.
Deutscher Landivirtschaftsrat
Lebensfragen der Landwirtschaft.
In Berlin fand unter bcnt Vorsitz des Präsidenten Dr. erandcs-Althof eine Sitzung des Ständigen Ausschusses des Lutschen Landwirtschaftsrates statt, in deren Vordergrund ?le großen Probleme standen, die sich schon jetzt aus der Zn- Minenarbeit von Enquete-Ausschuß und dem Deutschen raudwirtschaftsrat ergeben. Daneben befaßte man sich ein- gehcnd mit der Zusammenarbeit der großen Spitzeuverbände deutschen Wirtschaft, die mit Rücksicht auf die Beteiligung I den bevorstehenden internationalen Wirtschaftsveryand- ^»gen besonderes Interesse beansprucht.
Die Behandlung der Probleme der Siedlung und Landes- ultur wurde durch wertvolle Anregungen aus den Kreisen der "tttrcter der Provinzen und Länder ergänzt. Im Anschluß °n die Sitzung halte der Präsident des Deutschen Landwirt- ^"stsratcs und der Preußischen .Hauptlandwirtschaftskammer, Brandes-Althof, die Regierungen des Reiches und der dnder und die Vertreter der großen Wirtschastsverbändc zu "nein Bierabend im Kaiscrhos geladen.
^„.^ichspräsident von Hindenburg bekundete durch rIDnltd)es Erscheinen sein Interesse an der Arbeit des Dent- Wt Landwirtschaftsrates im Sinne der weiteren Produktions- 'gcrung mit dem Ziel, das deutsche Volk auf eigener Scholle .Ri/r ,ren- Neben dem Reichspräsidenten wohnten dem b u- "- fast sämtliche Mitglieder der Reichsregierung preußischen Rcgicrnng bei, außcrdcin Vertreter samt- IbJ w "J1^1- des Reichsrales, des Preußischen Staatsrates, fx/„.7^wslages, des Reichswirtschaftsrates, des Preußischen sowie Vertreter der Reichsbank, der Rentenbank- M^ustalt, des Reichsverbandes der Deutschen Industrie zahlreicher landwirtschaftlicher und wirtschaftlicher
L.0 GcsSngnisrcvolte in einem amerikanischen Staats.
Nach Meldungen ans Jcfferson-City in Missouri E in dein dortigen staatlichen Zuchthaus zu schweren »"utcreicn bet Gefangenen und blutigen Kämpfen mit den k Mgniswärtern, in deren Verlauf sieben Verbrecher lebeitö- k'°hrlich verletzt worden sind.
Deutschland und Amerika.
Keine Verstimmung in Washington.
„Associated Preß" meldet aus Washington: In Regierungs- kreisen ist man überrascht über die im Ausland veröffentlichten Nachrichten, daß Amerika gegen Deutschland verstimmt sei wegen der geplanten Auflegung von deutschen Eisenbahnbonds und der Bildung des europäischen Stahltrustes.
Das Staatsdepartement und das Schatzamt erklärten, daß die amerikanische Regierung über die beiden Vorschläge nicht befragt worden sei, das Staatsdepartement erklärte ausdrück- lich, daß es durch Prcsscnachrichtcn Kenntnis von dem Stahl, trustplan erhalten habe. Das Schatzamt äußerte, es sehe keinen Grund, warum es über den Trustplan hätte befragt werden sollen.
In Regierungskreisen wird betont, daß die Londoner und Pariser Meldungen über eine amerikanische Verstimmung keinerlei berechtigte Grundlage haben. Es wird dagegen an. gedeutet, daß hier einige Verstimmung bestand über das kürz- liche Bestreben der britischen und französischen Presse, den Vereinigten Staaten die Verantwortung für ein mögliches Scheitern von Vereinbarungen zwischen dem französischen Ministerpräsidenten und dem Reichskanzler zuzuschieben.
Hollet und die Militärkontrolle.
„Die Augen auf Berlin gerichtet!"
Wie aus London berichtet wird, war der frühere Vorsitzende der Interalliierten Militärkontrollkommission und Mitglied des französischen obersten Kriegsrates, General Rollet, der Ehrengast bei einem Frühstück des englischfranzösischen Klubs, an dem auch der englische Kriegsminister Worthington Evans teilnahm. In einer Ansprache sagte Rollet u. a.:
Die Tatsache, daß die Rationen sich nicht länger aus Söldnerheere verließen, mache die Bestimmung des Ausdrucks Abrüstung schwierig. Tatsächlich könne eine Ration nicht länger zur Impotenz verurteilt werden, wenn diese Ration beträchtliche industrielle Hilfsquellen besitze, die rasch die Herstellung von Munawu . .mi^uiJCH, m« wenn auße-oeu, m^- ^ aill.. mwohl quantitativ als auch qualitativ genügend Menschen- Material zur Verfügung habe. Dies sei der Fall in Deutschland.
Die Bestimmungen des Versailler Vertrages hätten zum Ziel die Erhaltung von Sicherheiten für die Sieger für eine genügende Zeit. Deutschland habe Schwierigkeiten jeder Art ihrer Durchführung in den Weg gelegt, deshalb sei es notwendig, weiterhin die Augen auf Berlin zu richten. Als Sicherheit halte Frankreich weiterhin einen Teil des Rheins besetzt, und es sei wohl bekannt, welche Bedeutung die französische öffentliche Meinung dieser Besetzung beimesse. Sie grenze an die entmilitarisierte Zone, die sie isoliere und ihr eine insulare Lage gebe. *■
Anschlußfrage und Wirtschaft.
Eine Rede des bayerischen Ministerpräsidenten.
Nach einer Meldung aus München nahm in der Vollsitzung des Wirtschaftsbeirates der Bayerischen Volkspartei Ministerpräsident Dr. Held das Wort und erklärte u. a. zur » Anschlußfrage, daß auf dem Wege der Wirtschaft der Anschlnß- gedanke am ehesten verwirklicht werden könnte. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Verbindung zwischen Deutschland und Oesterreich sich immer inniger gestalten müßte. An die Wirtschaft richtete er die Mahnung, niemals zu vergessen, daß das erste und höchste Prinzip die Einstellung zum Staat sein müsse. Der Staat könne nicht durch wirtschaftliche Organisationen ersetzt werden.
Der Ministerpräsident forderte die Wirtschaft auf, der bayerischen Regierung in ihrem Kampfe um die Eigenstaatlichkeit der Länder bcizustehcn und sich nicht durch falsche Unkenrufe, daß die Haltung der bayerischen Regierung reichsfeindlich sei, irremachen zu lassen. In Bayern sei man sich bewußt, mindestens ebensogut für d a s R e i ch s g a n z c zu wirken, als diejenigen, die glauben, die Sorge für das Reich in Erbpacht genommen zu haben.
Im Anschluß hieran sprach noch als Vertreter des Bundeskanzlers Seipel bet frühere österreichische Minister H c i n l über die Erschwerung des wirtschaftlichen Lebens in Oesterreich durch die Friedensverträge. Seine Ausführungen gipfelten in der Feststellung, daß der Anschluß kommen muß, wenn er zunächst auch durch übermächtige Widerstände noch nicht ver- wirklicht werden könne.
■Hr Stresemanns Erkrankung. Rcichsaußcnminister Dr. Stresemann ist noch immer stark erkältet. Er hat an der letzten Kabinettssitzung nicht tcilgeuommeu und seine Rede in Dresden absagen müssen. Ob er bis zum kommenden Dienstag wieder ycrgestcllt sein wird, ist noch fraglich, so daß auch der Zusammentritt des Auswärtigen Ausschusses für den 2. November noch nicht sicher ist. Er befindet sich jedoch auf dem Wege der ^Besserung.
** Bom ReichS-Milch-Ausschuß. In bet „Westfälischen Zeitung" wird unter einer sensationellen Ueberschrift die Be- hauptung aufgestellt, der Reichs Milch-Ausschuß Iverbe infolge Mangels an Mitteln demnächst gezwungen sein, seine Tätigkeit einzustellen. Die Nachricht entspricht i\t keiner Weise den Tatsachen. Die Finanzierung des Reichs-Milch-Ausschusses erscheint vollkommen gesichert. Der Rcichs-Milch-AusAuß mirb durchaus in der Lage sein, das milchlvirtschaftliche Pro- gramm auszusiihrcn. ' ‘
Neues vom Tage.
— Generalleutnant Heye, Chef der Heeresleitung, wird mit Wirkung ab 1. November zum General der Infanterie befördert.
— Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund, der Ge- werkschaftsring deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenverbände und der Allgemeine Freie Angestelltenbund haben eine Entschließung angenommen, in der die Forderung nach Schaffung eines Notgesetzes zur Wiederherstellung des Achtstundentages zum Ausdruck gebracht wird.
— Die Verwaltungen der Hapag, der Deutsch-Australischen Dampfschiffahrtsgesellschaft und der Deutschen Schiff- fahrtsgesellschaft „Kosmos" haben am Donnerstag die Fusion der drei Unternehmungen beschlossen.
— Die dem Internationalen Transportarbeiterverband angeschlossene deutsche Organisation des Binnenschiffahrts- personals hat, nach einer Meldung aus Amsterdam, alle Maßnahmen getroffen, um die geforderte io°/0ige Lohnerhöhung durch einen Streik durchzusetzen.
— Am Donnerstag fand in Paris eine neue, fast i*/2 Stunden dauernde Besprechung zwischen dem deutschen Botschafter v. Hösch und Briand statt. Eö wurden die gesamten Probleme der deutsch-französischen Verständigung durchgesprochen. Eine weitere Unterredung ist für die erste Hälfte der nächsten Woche vereinbart worden.
— In Italien ist am Donnerstag der vierte Jahrestag des faschistischen Marsches auf Rom gefeiert worden.
— Die Lohnverhandlungen in der Rheinschlffahrt sind gescheitert.
— In der Berliner Stadtverordnetensitzung am Donnerstag, in der die Wahl von vier neuen Stadträten erfolgte, verübten die Kommunisten derartige Ruhestörungen, daß die Polizei herbeigerufen werden mcißle, die mit dem Gummiknüppel gegen die Ruhestörer vorging.
- Der Schwiegersohn des verstorbenen Reichspraiiden m -•' r . van. ’ wird »a- feitet Uevernah.. ' ;n d.i: yrct:h schen _ .ulöeicnft bei der Polizei eingestellt werden.
— Im Preußischen Landtag ist ein kommunistischer Alttrag cingcgangen, der das Staatsministerium ersucht, die Verkündung des Gesetzes über die Vermögensauseinandersetzung mit den Hohenzollern aufzuheben und den Gesetzentwurf zur nochmaligen Beratung an den Landtag zurückzuverweisen.
— Das bayerische Gesamtministerium hat den Gedenktag für die Opfer des Weltkrieges in Bayern in diesem Jahre aus den 14. November festgesetzt. Die Bcranstaltung gipfelt in kirchlichen Feiern. Der Bayerische Kriegerbund wird öffentliche Gedächtnisfeiern abhalten.
— Die Staatsanwaltschaft in Offenburg hält die franzö- fische,l Nachrichten über die Berhaftung eines Erzbergermörders für eine der Kombinationen, wie sie bezüglich der Mörder Erz- bergers und ihrer Hintermänner von Zeit zu Zeit auftauchen.
— Ueber die Aussprache der britischen Rcichskonfercnz über die auswärtigen Angelegenheiten wird strengstes Stillschweigen bewahrt. Trotzdem erfahren „Daily News", daß die Vertreter der Dominions einstimmig beschlossen habe», den Locarno-Vertrag anzuerkennen.
— Nach einem Telegramm aus Bukarest soll in dem Befinden König Ferdinands eine Wendung zum Schlimmen eingetreten sein. Es heisst, daß die Königin Maria telegraphisch anfgesordcrt worden sei, ihren Aufenthalt in Amerika abzubrechen und so rasch wie möglich nach Rumänien zurückzukehren.
— Nach einer Meldung aus Buenos StireS sind in Minos Geraes im Innern Brasiliens ernste revolutionäre Unruhen aus- gebrochen. Die Kolonisten fliehen mit allem verfügbaren Hab und Gut, da sie den Ausbruch des Bürgerkrieges befürchten.
Der Weltspartag.
Auf Anrcgung bot Lombardischen Sparkasse in Mailand fanden sich im Jahre 1924 Vertreter der Sparkassen aller Länder zu dem ersten internationalen Sparkassenkongreß in Mailand zusammen, um die Frage der Sparförderung zur Diskussion zu stellen. Man war sich klar darüber, daß die in einem gut gespannten und ausgedehnten Sparkassennetz an- gesammelten Gelder das beste Bollwerk gegen ivirtschaftlichc Nöte eines Landes sind. Aus diesem Grunde sollten die nationalen Grenzen bei diesem Problem völlig ausscheiden, da alle Wirtschaft ökonomisch und nicht Politisch bedingt sei. Einem besonders eingesetzten internationalen Ausschuß wurde das Studium des Sparwesens übertragen, außerdem beschloß man, den Endtag der Konferenz, den 31. Oktober, zum Weltspartag zu machen. An diesem Tag soll in Zukunft in allen Ländern der Welt in Wort und Schrift auf die Bedeutung des Spar- gedankens nachdrücklichst hingcivicsen werden.
Der Weltspartag bedeutet also nichts anderes als einen Aufruf, eine Mahnung an jeden einzelnen, zu sparen, die Ausgaben in das tvirtschaftlich richtige Verhältnis zu den Ein- nahmcn zu bringen, nach Möglichkeit Rücklagen zu bilden für Zeiten bet Not. Wenn irgendwo in der Welt, so gilt dies heute in erster Linie dem deutschen Volke, das durch die Verluste der vergangenen Jahre und die hohen, im Friedens- vertrage auferlegten Lasten in arge Dfot geraten ist. Jahrzehntelange Arbeit lvnrde mit einem Schlage vernichtet. Wenn trotzdcni seit dem Beginn der Stabilisierung der Gedanke des