Schlüchterrer Zeitung
Kreis-Kmtsbtatt * Myememev amtlicher KnzeLgN'tÄr -ar Kreis Schlüchtem
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Rr. 118 Dienstag, den L. Oktober 1926 78. Iahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
-Sprechstunden beim Landratsamt: Dienstags; i und Freitags, vormittags von 9 bis 12 Uhr. -
J.-Nr. 9399. Im Monat September d. Js. sind folgenden Personen Jahresjagdscheine erteilt worden:
Druschel, Karl, Zahntechniker, Schlüchtern, Klaß, Direktor, Brückenau, Zeller, Konrad, Rangierführer, Josia, Zeber, Ludwig, Oberpostschaffner, Jossa,
Kern, Wilhelm, Frankfurt a. M.,
Kern, Karl, Frankfurt a. M.,
Kempel, Heinrich, Waldschütz, Hintersteinau,
Stooß, Konrad, Landwirt, Marjoß,
Wämser, Konrad, Lehrer, Uttrichöhausen,
Dr. Köster, Baurat, Bad Nauheim.
Schlüchtern, den 1. Oktober 1926.
Der Landrat. J. V.: Rehmert.
J.-Nr. 9023. Die Herren Bürgermeister und Guts- Vorsteher des Kreises ersuche ich, ortsüblich darauf hinzuweisen, daß die abgestorbenen Obstbäume oder Teile davon, die infolge des strengen Winters im vorigen Jahr oft vorkommen, im Interesse der Obstbaumpflege beseitigt werden müssen, weil diese gern von den Schädlingen als Brutstätte oder als Winterquartier benutzt werden.
Schlüchtern, den 30. September 1926.
Der Landrat. I. V.: Dr. Hausmann.
«retsausschutz.
J.-Nr. 5316 K. A. Die Herren Bürgermeister der Stadt- und Landgemeinden ersuche ich, mir bis zur Bürgermeister- versammlung am 1 4, Oktober d. J s. ein Verzeichms über die in ihrer Gemeinde vorhandenen Söhne von Landwirten und Gewerbetreibenden im Alter von I6—23 Jahren einzureichen, die sich dem landwirtschaftlichen Berufe widmen, bezw. in demselben verbleiben wollen oder werden. (Vor- und Zuname, Alter, Haus-Nr.)
Schlüchtern, den 30. September. 1926.
Der Landrat.
J.-Nr. 5363 K. A. Ich habe Veranlassung darauf hinzuweisen, daß nicht an gekörte Ziegenböcke zum Decken fremder Ziegen keine Verwendung finden dürfen.
Bei Zuwiderhandlungen macht sich nicht nur der Ziegen- bockhalter, sondern auch die Ziegenbesitzer, die einen unge- - °örlcn Bock benutzen, strafbar. In allen zur Anzeige kommenden Fällen tritt Strafverfolgung ein.
Vorstehendes gilt auch entsprechend für Bullen und Schaf- böcke. Die Herren Bürgermeister wollen für ortsübliche Bekanntmachung Sorge /tragen, und die Herren Landjägereibeamten werden angewiesen, jeden Ucbertretungsfall unnach- nchthch zur Anzeige zu bringen.
vchlüchtern, den 30. September 1926.
Der Landrat des Kreises Schlüchtern. von Trott zu Solz.
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. 3Mr. 5209 K. A. Bei der am 18. September d. Js. *n Sterbfritz stattgefundenen Körung sind die Jungbullen ^^thstehend aufgeführten Besitzer angckört worden:
@9- Werthmann in Schwarzenfels mit 74 Punkten,
Kör-Nr. 239 B Bulle
Berkel in Weichersbach mit 72l/2 Pkt. Kör-Nr. 240 A Bulle » am Röder in BreuningS „
Ommert, Oberkalbach , Koch, Schwarzenfels „ derselbe ontz Müller, Schwarzenfels " ^derselbe Mb- Christ, Gundhelm " Paul, Elm , 70 1n t e r Vorbehalt wurde angekört, ^'ngvnachweis fehlt, der Jungbulle des w>t 73 Punkten A Brille.
1 Vulle wurde abgekört.
Schlüchtern, den 28. September 1926.
Der Landrat.
weil der Abstam- Adam Börner in
^adt «Schlüchtern.
^'" Mittwoch, den 6. d. Mto. vormittags 8'/, Uhr wird ""f dem Rathaus — Kanzlei — der Schafpfcrch öffentlich '""^bietend verpachtet.
Schlüchtern, den 4. Oktober 1926.
Der Magistrat.
Stresemann über die Kriegsschuld.
Im Anschluß an die Ausführungen über die Politik von Thoiry ging Dr. Stresemann auf die Kriegsschuldfrage ein und führte hierzu u. a. aus:
Es ist allerdings als ein schmerzlicher Nachklang zu die- ser Politik der allgemeinen Befriedung zu bezeichnen, wenn neiit.dings aus der Gegenseite von hoher verantwortlicher Stelle in der Öffentlichkeit wieder die alten Behauptungen von der alleinigen Kriegsschuld der Mittelmächte verkündet worden sind.
Die Aufklärung der Völker ist zu weit fortgeschritten, als daß derartige Behauptungen noch jetzt geglaubt werden diiisten (stürm. Zustimmung). Wir brauchen uns umso weniger zu fürchten, wenn diese Behauptungen sich aus einer Stellungnahme zu allen diesen Fragen erklären, deren fast zwangsläufige Parteilichkeit vor aller Welt offen zutage liegt. (Stürmischer Beifall.) Wir sind bereit, uns jedem unparteiischen Gerichtshof zur Seite zu stellen, der die Ursachen des Weltkrieges untersucht (stürm. Zustimmung). Die Menschheit hat ei» Recht auf Wahrheit in dicker Frage, und niemand wird sich diesem Wunsche und diesem Rechte der Menschheit nach einem unparteiischen Schiedsgericht aus die Dauer widersetzen können. (Anhaltender Beifall.)
Die Wcitcrdauer der Besatzung — eine unerträgliche Belastung.
Die Diskrepanz zwischen denen, die die Freiheit genießen, und denen, die sie noch erhoffen müssen, tritt, so führte Dr Stresemann weiter aus, angesichts der neuen europäischen Lage besonders deutlich hervor.
Die Wcitcrdauer der Besatzung ist eine Anomalie. Wer nicht will, daß die Verständigung zwischen den Völkern immer wieder durch neue schwere seelische Belastungen aufs Spiel gesetzt werde, der schasse die Ursachen dieser Belastung weg! (Stürmischer Beifall.)
Stresemann schließt seine Ausführungen über die Außenpolitik mit dem Ansdruck der Hoffnung, daß bald alle Dome und Kirchen des Rüeinlandes die Freiheit des ganzen Rheinlandes verkünden mögen.
Zur Innenpolitik übergehend, bedauerte Dr. Stresemann, daß sich in den nationalen Verbänden neuerdings parteipolitische Bestrebungen geltend machten, wobei er auf die Vorgänge in Sachsen anspielte. Er erklärte hierzu: Wir erstreben ein Näh er treten aller bürgerlichen Parteien, daneben aber auch die Verständigung mit jedem, der gewillt ist, den Klassenkampfcharakter aus dem politischen Leben auszuschalten. Weiter richtete Dr. Stresemann eine Mahnung an die Ausländsdeutschen, sich nicht zu zersplittern. Stresemann berührte dann die geistigen Ziele der Partei. In diesem Zusammenhang wandte er sich scharf gegen die Uebersteigerung des Sportgv- dankens. Zum Schluß seiner Rede mahnte Dr. Stresemann, die Einigkeit und Geschlossenheit der Partei zu wahren.
Die Versammlung brächte dem Redner am Schlüsse seiner Ausführungen stürmische Kundgebungen dar, die minutenlang andauerten.
Bet der Diskussion, die keine neuen Gesichtspunkte brächte, ergriff Reichstagsabgeordneter Mol- denhauer das Wort, um Dr. Stresemann für seine Politik Dank zu sagen.
Eine Entschließung, die einstimmig zur Annahme gelangte, dankt den Brüdern am Rhein, in Hessen, in der Pfalz und an der Saar für ihre Standc- Haftigkeit und Treue aufs wärmste. Des weiteren wird Stresemann für seine kluge, von tiefem vaterländischen Gefühl geleitete staatsmännische Politik gedankt, Die großzügig und weitblickend dem Ziel der Freiheit und Stärkung des Reiches zustrebe. Der Parteitag dankt ferner der Reichstagsfraktion für ihre geschlossene vertrauensvolle Arbeit. Schließlich wird mit Genugtuung die völlige Einmütigkeit der Deutschen Volkspartei sestgestellt. _____________
Briand über Germersheim.
Dte — deutschen Nationali sten sind schuld!
In seinen Erklärungen gegenüber den Pressevertretern nach seiner Unterredung mit Chamberlain kam der französische Außenminister Briand am Sonnabend nachmittag auch auf die Germersheimer Vorfälle zu sprechen.
Nach seiner Auffassung stellten diese rein örtliche Zwischenfälle dar, an denen allerdings die Gereiztheit der deutschen Nationalisten keineswegs unbeteiligt erscheine. (!) Auch dürfe man nicht vergessen, daß sich diese Zwischenfälle vor dem Ausgang eines Wirtshauses ereigneten und nur Umstände und Umgebung die Bedeutung der Borfälle in wichtigerem Lichte erscheine» ließen. Bon der französischen Regierung werde alles getan werden, um ähnlichen Bor- kommnissen durch entsprechende Maßnahmen vorz«- beugen.
Die in Germersheim außer Holzmann und Otto Fechter verhafteten jungen Leute sind noch ein Bruder des letzteren und ein dritter junger Mann mit Namen Kicgler, alle aus Germersheim. Sämtliche Verhaftete wurden nach Landau ins Gefängnis gebracht. Die von der deutschen Behörde unternommenen Schritte haben bisher einen Erfolg nicht gebracht.
Furchtbare Flugzeugkatastrophe.
London, 4. Oktober. Unweit des Flugplatzes Pcus- hnrst stürzte ein französisches Flugzeug ab und geriet in Brand. Der Führer, der Mechaniker und fünf Passagiere fanden den Tod in den Flammen.
Die Mrtschaftswoche.
Im Börsengeschäft gaben in der abgelaufenen Wock- die wirtschaftlichen Ereignisse den Ausschlag und bildeten einen gewissen Damm und eine Stütze gegenüber Einflüssen, die immer wieder hervortraten, um die feste und zuversichtliche Stimmung zu untergraben. Die Widerstandskraft der Effektenbörse verdient um so mehr hervorgehoben zu werden, als der Ultimo mit seinen ungünstigen Begleiterscheinungen zu überwinden gewesen ist, was denn auch ohne Schwierigkeiten erfolgte. Wenn auch die Geldverknappung und die Zinserhöhung für langfristige Geldgeschäfte eine wesentliche Erleich. terung nicht aufzeigte, so dürfte doch die Tatsache des sicheren, aber langsamen Wiederaufstiegs der deutschen Wirtschaft eine nicht zu unterschatzende hoffnungsfreudige Stimmung ausgelöst haben, die bereits im Börsengeschäft als ein wichtiger Faktor bewertet wird. Die Beteiligung des Privatpublikums, das sich in den letzten Wochen für das Effekten- und Rentengeschäft wieder in größerem Umfange zu interessieren beginnt, ist gleichfalls als ein Zeichen gebesserter Konjunkturverhältnisse aufzufassen.
Die Spekulationsbetätigung wandte sich in gesteigertem Maße erneut dem Rentengeschäft zu, wo besonders türkische Werte im Mittelpunkt des Interesses standen, da man die Verhandlungen der Deutschen Bank mit der Türkei als aussichtsvoll bezeichnete. Es konnte deshalb zu einer ausgesprochenen Anatolierhausse kommen. Aber auch Aktien, besonders führende Werte, erzielten eine lebhafte Umsatztätigkeit, so daß trotz der unvermeidlichen Schwankungen die feste Haltung die Oberhand behalten konnte.
In der Geldmarktlage ist es bemerkenswert, daß, während die auswärtigen Geldmärkte nach Erledigung der Ultimo- geschäfte bereits eine Erleichterung aufzuwcisen baben, die Lage des deutschen Geldmarktes eine andauernde Verknappung zeigt. Der Satz für Tagesgeld hat sich in wenigen Tagen "infolge scharfer Nachfrage bis auf 6 Prozent erhöht.
Im Valutenverkehr brachten die aussichtsreichen internationalen Eisenverhandlungen eine leichte Befestigung des Pariser Franken. Der Abschluß dieser Verhandlungen bewirkte denn auch ein weiteres Stechen, dep weMchxu Valuten Der J mgmtg, den die deutsche Mark erlitten hatte, konnte rasch wieder aufgeholt werden.
8m die Arbeitslosenversicherung.
Beschlüsse des Reichswirtschaftsrates.
Ein Jahr hat der Reichswirtschaftsrat gebraucht, um den Gesetzentwurf über eine Arbeitslosenversicherung gründlich durchzuberaten. Das Ergebnis der jetzt gefaßten Beschlüsse des Sozialpolitischen Ausschusses ist im Wesentlichen folgendes:
Land- und Forstwirtschaft sollen zwar nicht von dem Lastenausgleich der allgemeinen Versicherung befreit werden, sie sollen aber eigene Träger der Versicherten und besondere Bestimmungen für die Befreiung von der Versicherung erhalten. Der Kreis der Arbeitslosen-Pflichtversicherten ist über die Grenze der Krankenversicherungspflichtigen aus alle Angcstelltcn-Vcrsicherungspflichtigen ausgedehnt worden. Ferner auch aus die Binnen- und Küstenfischerei, die seemännischen Arbeiter und Angestellten ist die allgemeine Versicherung einbezogen worden.
Einmütig war man im Ausschuß der Anschauung, daß zum Lohnklasscnsystcm mit Einheitslöhnen für jede Kla se übcr- qegangcn werden müsse. Die Beratung über die Klas cneintei- lung führte aber zu keinem Resultat. Die in dem Gesetzentwurf vorgesehene Bedürftigkeitsprüfung wurde abgelehnt. Grundsätzlich beschlossen wurde dagegen eine Kurzarbeiterunter. Unterstützung und andererseits die Entziehung des Unter» stützungsansprnchcs, falls ein Arbeitsloser zum zweiten Male ohne berechtigten Grund Arbeit ausschlägt oder sich weigert, sich einer Berufsumschulung oder Fortbildung zu unterziehen. Schließlich wurden für die Verhandlungen der Reichsregierung mit der Reichsbahngesellschaft über die Sonntagsruhe Grund-
chsbahngesellschaft über die Sonntagsruhe Grundsätze aufgestellt, wonach für die Verkaufsstände auf bahn- eigenem Gelände die gesetzlichen Bestimmungen über Sonntags- ruhe nur mit ganz geringen Ausnahmen anzuwenden sind.
Die Unterrehung Briand-Chamberlain. Der amtliche Bericht. — „Ein Herz und eine Seele."
Ein amtliches Commnnique, das über die am vorigen Sonnabend nachmittag in Paris erfolgte Unterredung zwischen Briand und Chamberlain ausgegeben wird, erklärt, daß sich im Berlaufe der Besprechung die vollkommene Uebereinstimmung für die Lösung der gegenwärtigen internationalen Probleme ergab.
Es wurde die auswärtige Lage geprüft, wobei namentlich die deutsch-französischen Beziehungen, die durch die Abkommen von Locarno und die Unterhaltungen von Thoiry bestimmt worden sind, im Vordergründe der Erörterungen standen. — Briand und Chamberlain konnten, so heißt es in dem Commnnique weiter, feststellen, daß die Anbahnung des Friedens enger, inniger und vertrauenk voller gewesen ist als je zuvor.
Die Abreise Chamberlains nach London erfolgte im Laufe des Sonntags.