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Schlüchtmm Zeitung

Krels-Kmtsblatt * Myememer amtlicher KnzeLtzev für Herr Kreis Ächlüchtem tnukuaö Beelag.tz.SteüMd Söhne* SesthLstsst-.Vnhnhofstr.S * Iernspr:Nr.i-»y * Pvstftherkk: ^m^ksuvtLLc.rrryo

Kr. 11S

Dienstag, den 28. September 1926

78. Fahr«.

Amtliche BetanntMachUngen.

J.-Nr. 9216. Die.Fleischbeschau« und Trichinenschauer werden an die pünktliche Einsendung der BierteljahreSnach- weisungen (Postkarten) erinnert.

Schlächtern, den 22. September 1926.

Der Land rat. J. V>: Dr. Hausmann

Biehfeuchenpolizeiliche Anordnung.

Zum Schutze gegen die Maul- und Klauenseuche wird auf Grund der §§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 (R. G. Bl. S. 519) mit Ermächtigung des Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten der § 1 meiner viehseuchenpylizeilichen Anordnung vom 24. v. MtS.

Schlüchterner Zeitung Nr. 101 wie folgt erweitert:

§ 1.

a. Sperrbezirk im Sinne dieser Anordnung ist Ort und Gemarkung Hütten;

b, Beobachtungsgebiet im Sinne dieser Anordnung ist z. Zt. nicht vorhanden.

§ 2. ,

Die vollständige hiernach erlassene vichseuchenpolizeiliche Anordnung vom heutigen Tage ist in der Gemeinde Hütten ortsüblich bekannt gemacht worden und kann auf dem Bürgermeisteramt daselbst oder bei mir eingesehen werden.

Schlüchtern, den 25. September 1926.

Der Landrat. J. V.: Hausmann.

Kreisartsschutz.

Abführung des Losholzgeldes betreffend.

J.-Nr. 4908 K. A. Diejenigen Herren Bürgermeister der Landgemeinden, welche noch mit Erledigung meiner Kreis- blatt-Verfägung vom 8. Januar 1897 J.-Nr. 70 K. A. Kreisblatt Nr. 2 von 1897) betreffend Anzeige über die Ab- ührung des Losholzgeldes an die betreffenden Forstkasten in Rückstände sind, werden hiermit nochmals erinnert.

Schlüchtern, den 23. September 1926. _____Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

Stadt Schlüchtern.

NekauntmaMvg

Es wird darauf hingewiesen, daß Anträge auf Erteilung 'vn Wandergewerbescheinen für das Jahr 1927 bei der unter- eichneten Polizeiverwaltung bis spätestens 10. Oktober d. J. Su stellen sind.

Schlächtern, den 23. September 1926.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

Republikancrtagmg in Berlin.

Sie Konstituierung des Republikanischen Reichs­bund es.

toter dem Vorsitz des RcichstagspräsidentcnLöbe w des Oberbürgermeisters Dr. Luppe- Nürnberg ^ Sonnabend und Sonntag im Berliner Rat- etne Führertagung des von Dr. Wirth ins Le- gerufenen Republikanischen Reichsbundes statt. Der wohnten u. a. zahlreiche Reichstags- und mwlagsabgeordnete des Zentrums, der Demokraten, und des Bayerischen Bauern-

hnn Hauptversammlung wurde mit einem Referat Luppe überWelche Wege führen zum deut- Einheitsstaat?" eingeleitet. Die Tagung des ^^bundes solle zeigen, daß der Ausbau der deut- J ^rtni)eit eine Schicksalsfrage des deutschen Volkes gä,,^oi!rbürgermeistcr Dr. Boetz begrüßte die Ver- v "g in Berlin und gab der Hoffnung Ausdruck, Die Ideen des Republikanischen Reichsbundes in IN Lanzen Tiefe und Kraft einen starken Widerhall baiih%$en deutschen Volke finden möchten. Zum nitnTiJs ^^r Tagung sprachen ferner das Sßräfibial= tinihrv?,!?68 Deutschen Hansabundcs Dr. Fick, Ministe- Vildenbrand ^C ®^ictcr ""^ Reichstagsabgeordneter

einer voraufgegangenen internen Sitzung hatte Nes^kS^'"^'stor Dr. Luppe in Verbindung mit dem erün i1^ ein Referat über die politische Lage 8ests/d, ®inc Kommission soll sich mit der endgültigen feiikat»? eines BundesprogrammS beschäftigen. > ^ fibent Löbe, Dr. Luppe und Ministerial- Nem^^r^^' Spieker wurden als Vorstandsmitglieder, hiebet Nah als Leiter der NeichsgeschäftSstelle leiunhi^ I" den Reichsausschuß wurden u. a. teorbnh Keichstagsabgeordnete Frau Bohm-Schuch, Ab- bt Erkelenz, Georg Bernhard, Abgeordneter er Ä»' Polizeivizepräsident Dr. Friedensburg, Rek- Oberpräsident Noske, sowie hmb?" Sonntag sprachen als Hauptredner Reichs- Ävtheiu^' ^' Wirth und Reichsminister a. D.

Kehraus in Genf.

Schlußsitzung bei leeren Vänkeu.

Die Genfer Tagung ist mit dem Schluß der vori- gen Woche zu Ende gegangen. Die meisten Delegatio­nen haben unmittelbar nach der Schlußsitzung Genf verlassen. Die deutsche Delegation ist am Sonntag vormittag abgereist.

_ Der letzte Tag brächte noch zwei Sitzungen der Vollver;ammlung. In der Vormittagssitzung wurde u. a. die Frage des Schiedsgerichtes, der Sicherheit und der Abrüstung verhandelt. Dabei stand ein An- trag des serbischen Berichterstatters Markowitsch zur Debatte, dre Grundsätze der Locarnoabkommen der Voll­versammlung als Grundlage der Außenpolitik aller Staaten zu empfehlen. Diese Entschließung wurde auch angenommen, nachdem noch Bundesrat Motta dazu gesprochen hatte.

. . Weiter wurde auch der Bericht der sechsten Kom­mission über die Mandatsfragen angenommen. Fritjof Nansen bedauert dabei die Ueberhaftung dieser Frage. Die Nachmittagssitzung brächte nur noch unbedeutende Fragen, die bei stark gelichtetem Hause erledigt wur­den, und dann

das Schlußwort Nintschitschs, in dem dieser u. a. ausführte:

Ich will nicht den Versuch machen, die Arbeiten aufzuzählen, die die Vollversammlung in diesem Jahre erledigt hat, doch dürften die charakteristischsten Züge gerade dieser Versammlung, der man sich in später Zu­kunft noch erinnern wird, nicht den außerordentlichen Umfang der geleisteten Arbeit in den Schatten stellen. Er hob dann vor allen Dingen die Beschlüsse über die Einberufung der Wirtschafts- und der Abrüstungskon­ferenz und die interessante und vielversprechende De­batte hervor, die sich an sie geknüpft hätte.

Die charakteristischsten Merkmale dieser Versamm­lung würden in aller Zukunft oU Umgestaltung des Völkerbundes und Deutschlands Eintritt in den Böl- kerbnud sein. Nach langen und sorgfältigen Studien wäre es gelungen, die Frage der Umgestaltung des Völ­kerbundes zu lösen, denn die Krisis, die der Völker­bund glücklich überstanden hätte, hätte ernstliche Be­unruhigung geschaffen

Die Gegner des Völkerbundes hätten stets hervor­gehoben, daß er nur einen Teil der Völker umfasse, und zwar nur diejenigen, zwischen denen keine Schwie­rigkeiten der Verständigung beständen. Die Vollver­sammlung dieses Jahres sei durch ein wichtiges Er­eignis gekennzeichnet. Wir sehen diejenigen Völker, die der schrecklichste aller Kriege entzweite, Seite an Seite in voller Eintracht im Völkerbund sitzen, alle verbunden durch die freiwillige Anerkennung der Satzungen des Völkerbundes. Wenn der Völkerbund auch noch nicht alle Nationen umfasse, so wäre doch der Beweis erbracht, daß er sie umfassen werden könne und werden würde."

Hieraus erklärte der Vorsitzende die siebente Session des Völkerbundes für geschlossen.

Eine programmatische Rede Hergts.

Hof, 27. Septbr. Auf dem Landesvarteitag der Deutschnationalen Volkspartei in Bayern, der am Sonn­abend in Hof zusammentrat, hielt u. a. auch Staats­minister a. D. Reichstagsabgeordneter Hergt als Haupt­redner eine programmatische Rede, in der er sich be­sonders mit der Völkerbundstagung in Genf beschäf­tigte. Weiter erklärte er dann: Ein Pakt mit dem Auslande sei nicht grundsätzlich abzulehnen, die Deursch- nationalen seien durchaus bereit, eine friedliche Ver­ständigung mitzumachen. aber unter der Bedingung, daß die deutschen Lebei.siutcressen erhalten, daß die deutsche Würde gewahrt bleibe. Die Deutschnationalen erklärten sich nicht nur zur positiven Mitarbeit an den Regierungsgeschäften bereit, sondern sie verlangten so­gar mit vollem Recht diese Mitarbeit. Sie machten den anderen Parteien keine Angebote, sie erklärten sich nur bereit, überall dort mitzuarbeiten, wo ihre großen Ziele im Auge behalten würden.

Schiffszusammenstoß in der Straße von Gibraltar.

Paris, 27. Septbr. Der schwedische Dampfer Uppland" ist in der Straße von Gibraltar mit dem italienischen DampferLevante" zusammengestoßen und gesunken. Mit Ausnahme eines Schiffsingenieurs sind Passagiere und Besatzung des schwedischen Dampfers von dem italienischen Dampfer gerettet und in Gi­braltar an Land gesetzt worden.

Amerikas Vorbehalt für die Allgemeine Abrüstungs­konferenz.

New York, 27. Septbr. In Washingtoner Kreisen erzählt man sich, daß sich Präsident Coolidge gegen Amerikas Teilnahme an der Allgemeinen Abrüstungs­konferenz aussprechen werde, wenn an der Diskussion über die Seeabrüstung Mächte entscheidend mitwirken, die selbst keine Flotte besitzen.

Neues vom Tage.

Am Samstag Nachmittag wurde in der Tauentzien- straße in Berlin mit Hilfe von Kanonenschlägen ein dreister Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft verübt. Den Räubern sind Stücke von großem Wert in die Hände gefallen. 15000 Mark Belohnung sind für die Ergreifung der Räuber aus­gesetzt.

Die Arbeitslosigkeit hat in der Zeit vom 1. bis 15. September einen Rückgang von ungefähr vier Prozent erfahren.

Die südbrasilianische Provinz Sao Paolo ist von einem Orkan heimgesucht worden. Die Stadt Jtaube wurde vollständig zerstört. Bis jetzt wurden 200 Tot: geborgen.

In Jnwo»d (Michigan) sind 35 Bergleute durch Seilbruch eines Förderkorbes ums Leben gekommen.

Auf dem Schlußbankett der Tagung derKriegsbe- schädigten in St. Germain hat Ministerpräsident Poincare am Sonntag eine Ansprache gehalten, in der er u. a. auch die Frage der Kriegsverantwortlichkeit streifte.

Bei der am Sonntag in Dresden erfolgten Eröffnung des außerordentlichen Landesparteitages der Deutschen Demo­kratischen Partei Sachsens hielt Reichsinnenminister Dr. Külz eine Rede, die sich mit der außen- und innenpolitischen Lage befaßte.

In Alteneffen kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Mitgliedern des Stahlhelms und des Roten Front­kämpferbundes, bei dem scharfe Schüsse gewechselt wurden. Sieben Personen wurden durch Schüsse verletzt, ein Achter erhielt einen Beilhieb.über den Kopf.

Während die Südstaalen der amerikanischen Union noch von Stürmen und Gewittern heimgesucht werden und die östlichen Staaten unter einer außerordentlichen Hitze leiden, ziehen östlich und westlich ^d« Rocky-Mountains gewaltige Schneestürme dahin, die Sach- und Ernteschäden in Höhe von mehreren Millionen Dollar anrtdneten. __

Brauns über die Silverberg-Aede.

Gewerkschaftstagung in Köln.

Auf einer Vertreterversammlung der Christlichen Gewerkschaften in Köln hielt Reichsarbeitsminister Dr. Brauns eine Rede über das Thema:Die Arbeit­nehmer in Staat und Wirtschaft der Nachkriegszeit". Dabei kam er auch auf die bekannte Rede Dr. Silver- bergs zu sprechen, in der sich dieser für den Eintritt der Sozialdemokratie in die Reichsregierung ausge­sprochen hatte. Im einzelnen ftihrte der Minister u. a. aus:

Wir stehen jetzt in einer Ucbergangszeit, sodaß sich der deutsche Arbeitnehmer und Arbeitgeber not- wendigerweise umstellen muß. Rein äußerlich gesehen haben sich die Verhältnisse weiter seit der Nationalver­sammlung wesentlich umgestellt. Man wird ungefähr das richtige treffen, wenn ein Rückgang der Arbeiter­gewerkschaften um etwa 40' Prozent gegenüber dem Jahre 1920 festgestcllt wird. Trotz der verminderten Gefamtbevölkerungszahl ist die Ziffer der Erwerbstä- tigen gegenüber der Vorkriegszeit um etwa 3,5 Mil­lionen gestiegen. Zur Steigerung der Erwerbstätig­keit und der Vermehrung der proletarischen Schichten kommt erschwerend eine Verminderung der Arbeits­gelegenheiten. Lediglich die Inflation verschleierte zeit­weilig diese trübe Lage. Nach Stabilisierung unserer Währung trat eine schrittweise Abhilfe ein; die Löhne der ungelernten Arbeiter haben die Kaufkraft der Nor- kriegslöhne erreicht, in mandjen Fällen sogar über­schritten. Auch die Löhne der gelernten Arbeiter sind unter gewissen Vorbehalten nicht mehr wesentlich von der Kaufkraft der Vorkriegszeit entfernt. In manchen Fällen werden sie erreicht sein. Diesen Ergebnissen steht die traurige Entwicklung des Arbeitsmarktes ge­genüber.

Die Gesamtzahl der von der Arbeitslosigkeit be­troffenen Schichten stellte sich im Frühjahr dieses Jah­res auf vier bis fünf Millionen. Am 15. September zählten die unterstützten Vollerwerbslosen 1 483 000.

Zur Rede Dr. SilverbergS

erklärte der Minister u. a.:

Die Rede ist sehr erfreulich in ihrer freimütigen Art, in der Herr Dr. Silverberg die Probleme behan­delt. Wir wollen hoffen, daß, von Ausnahmen abge­sehen, das gesamte Unternehmertum Silverberg folgen wird, aber in Einigem geht die Silverberg'sche Rede St. Ich meine die Stellen der Rede zur Sozialpolitik, t dieser Stelle muß es genügen, kurz darauf hinzu­weisen, daß Vorwürfe wie Ueberspannung der sozialen Fürsorge nur auf einzelne Fälle zutreffen mögen, in der Allgemeinheit aber unberechtigt sind. Die soziale Fürsorge hat sich in der Nachkriegszeit notgedrungen erweitern müssen. Je größer die Not, desto größer auch die Fürsorge."

Der Minister betonte dann die Notwendigkeit, den Ritz zu überbrittfen, der heute Arbeitgeber und Arbeitnehmer trennt. Dazu müßten beide Teile mit­helfen. Die Arbeitgeber sollten vorangehen. Die Ar­beitnehmer aber sollten ihr Mißtrauen beiseitesetzen.