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SchlüchtermMituns

Kreis-Amtsblatt * Myemeinee amtlicher ftnznyerfiir Ken. Kreis Ächlüchtem

öemkunb Verlag -. Y. Steirrfelö Söhnen Geschastsst: Bahnhofstr.6 ck fernspv.Nr.l^g ^ Postphttt^^nkpn^aM.rrr^

Nr. 112

Dienstag, den 21. September 1926

78. Aahrg.

Amtliche Bekanntmachnnge«.

Landratsamt.

Der Saatenstand Anfang September.

Regierungsbezirk Cassel, Kreis Schlächtern.

Begutachtungszifsern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = Mittel (durchschnittlich), 4 = gering, 5 = sehr gering.

Fruchtarten

Durchschnibts- noten für den

Anzahl der von den Vertrauensmännern des Kreises abgegebenen Noten

usw.

Staat

Regs.- Bezirk

1

-

2

23

3

3-4

4

4-5

5

Wer

Scmcnge aus Som­mergetreide

Buchweizen u. Hirse

Erbsen u. Futter- erbsen aller Art (Peluschken)

Speisebohnen (Stan­gen-, Buschbohnen)

Acker-(Sau-,Pscrde») bohnen

Linsen u. Wicken

Lupinen zur Körner- gewinnung

Gemenge auSHülscn- srüchten aller Art ohne Actreide

Gemenge »uSHülsewl hätten aller Art mit Getreide

Kartoffeln

Zuckerrüben

Futterrüben lRunk.s

Klee, auch mit Bri- mischung v. Gräsern

Luzerne

Wiesen m. Bc- oder EntwäfferungSanla- gen (Riesclwicscn)

Andere Wiesen

2,7

2,8

3,2

3,2

2,8

2,7

2,9

2,7

2,9

2,9

3,3

2,9

2,8

2,7

2,5

2,5

2,7

2,4

2,6

5,0

2,9

2,9

2,5

2,8

3,1

2,7

2,7

2,9

2,9

2,8

2,5

2,6

2,4

2,4

2

2

1

1

1

1

1

1

1

1

1

1

1

1

2

1

2

2

1

2

1

1

Der Präsident

Statistischen Landesamts.

Preußischen

des

Dr. Saenger.

Kreisausschutz.

J.-Nr. 5063 K. A. An die Gemeindevorstände und Gc- meinderechner der Landgemeinden.

Betr. Einziehung staatlicher Steuern.

Wiederholt sehe ich mich veranlaßt darauf hinzuweisen, daß die Gemeindeverwaltungen verpflichtet sind, die Grund­vermögens- und die Hauszinssteuer pünktlich zum Fällig­keitstage einzuziehen und an die Staatssteuererhebungs- Rlle abzuführen. Bei der Ablieferung ist ein genaues Ver­zeichnis vorzulegen, aus welchem die Nahmen und Beträge der Restanten hervorgehen, und ferner, was zur Beitreibung der Rückstände im Einzelfall geschehen ist, ob das Kataster­amt Stundung erteilt hat, oder ob fruchtlose Pfändung ers W ist. Zutreffendenfalls muß das Pfändungsprotokoll vorgelegt werden.

Nochmals mache ich darauf aufmerksam, daß zur Stun­dung von Staatssteuern nur das Preußische Ka­rste r a m t zuständig ist. Der Gemeindevorstand kann Etundungen nur für Gemeindegelder bewilligen.

Schlächtern, den 15. September 1926.

Der Vorsitzende des Kreiöausschusses.

Die neuen Vordrucke zu Anfall-Anzeigen

des SektionsvorstandeS der Heff.-Naff.

Kanbro. Berufsgenossenschaft, Sektion Schlächtern, können auch hier bezogen werden.

Verlag der Schlüchterner Zeitung

Landtagsveginn am 6. Oktober.

stenr^"n, 20. Septbr. Auf Beschluß des Aclte- Bollsiü», i Preußischen Landtages wird die erste Wh^L"^ "es Landtages nach der Sommerpause am rage nZ'^b. Oktober, stattfinden. Für die ersten die Wiedcrzusammentritts sollen vor allem auch SroK^M?^llänge in Magdeburg im Rahmen der nisten ,^"fragen der Sozialdemokraten und Kommu- erHärt r . ren Beantlvortnng sich die Regierung bereit ehidein^ . -' ^^^ die Interpellation über die Thphus- In Hannover zur Besprechung gestellt werben.

Sttesemann und Vriand.

Auffassungen über eine Gesamtlösung."

Die Aussprache zwischen Stresemann und dem friuzö- E Außenminister Briand in der Umgegend von Gens e nicht weniger als fünf Stunden und ihre Volltom- mene Vertraulichkeit war dadurch sichergestellt, daß hier außer den beiden Ministern lediglich ein Dolmetscher beiwohnte und daß der Ort der Zusammenkunft, über den ein Teil der Aus­landspresse die verschiedenartigsten Kombinationen angestellt hatte, streng geheimgehalten worden war. Verschiedene ameri­kanische und französische Journalisten versuchten vergebens durch Abstreifung der ganzen Umgegend den Ort der Zu- sammenkunst ausfindig zu machen.

Die Unterredung betraf alle zwischen den beiden Ländern bestehenden Fragen, die bisher der Lösung harren. Das Schwergewicht bei dem in dem vereinbarten Kommunique dargestellten Ergebnis liegt vielleicht in der Betonung des Einklanges, der zwischen den beidenAuffassungen über eine Gesamtlösung" der Fragen erzielt wurde. Es ist bekannt, daß die Auffassung Dr. Stresemanns stets dahin ging, daß nicht die Lösung von Einzelfragen, sondern nur eine Gesamtlösung zu den angestrebten Zielen führt.

Das Verfahren für die weitere Behandlung der erörterten Ausgaben wird dahin gehen, daß zunächst die beiden Minister ihren Regierungen über ihren Gedankenaustausch und die dabei gewonnenen Resultate Bericht erstatten. Das wird bei Briand, der einen kurzen Urlaub antritt, etwa Ende Sep­tember der Fall sein, also ungefähr gleichzeitig mit dem Termin, zu dem auch in Berlin nach Rückkehr der deutschen Delegation die Erörterung dieser Frage gegenständlich wird. Jedenfalls besteht die Absicht, wenn die Billigung der beider­seitigen Kabinette erlangt ist, auf die sowohl Briand wie auch Stresemann hoffen, sofort in die weitere Bearbeitung einzu- treten, da eine Gesamtlösung, wenn sie überhaupt angestrebt wird, sobald als möglich erzielt werden muß.

Reichsminister Dr. Stresemann selbst schilderte seinen Eindruck von der Zusammenkunst dahin, daß »r bei Briand wie stets bisher starkes Verständnis dafür gefunden habe, daß die ganze Situation eine europäische Verständigung fordert, deren Kernstück die deutsch-französische Verständigung sei. Wenn ein Zusammenwirken auf den verschiedenen Ge­bieten angestrebt werde, so dürften keine Streitfragen zwischen den beiden Ländern offenbleiben, welche fortgesetzt die An­näherung hemmen. Als seinen Gesamteindruck bezeichnete der Minister den einer außerordentlichen Befriedigung über den ganzen Lauf der Besprechungen.

Auch Briand, der Genf verläßt, um ebenso wie der nach Genua abgefahrene Chamberlain, sich eine kurze Er­holung zu gönnen, empfing im Laufe des Abends für einige Minuten die Presse, um ihr in ähnlicher Weise wie Dr. Stresemann seine Eindrücke und Empfindungen mit Bezug auf die Zusammenkunft von Thoiry auszusprechen. Auch er hat es natürlich vermieden, auf Einzelheiten einzugehen, für deren Erörterung der Zeitpunkt heute noch nicht gekommen sei.

Presseempfang bei Stresemann.

Im Anschluß an seine Unterredung mit Briand empfing Stresemann die Presse, der er einige Mitteilungen über die heutigen Verhandlungen mit Briand machte. Stresemann erklärte zunächst, daß zwischen ihm und Briand die Verein­barung getroffen worden sei, keine näheren Mit­teilungen über die heutigen Verhandlungen zu machen. Aus diesem Grunde könnte er nur einige allgemeine Gesichts­punkte hervorheben. Die Verhandlungen zwischen ihm und Briand hätten fünf Stunden gedauert. An den Verhand­lungen hätte niemand außer Professor Ayuard als Dol­metscher teilgcnommen. Während dieser Beratungen seien hintereinander alle zwischen den beiden Staaten schwebenden und noch der Lösung harrenden Fragen durchberaten worden. Der zweite Teil des Kommuniques weise richtig darauf hin, daß die beiden Minister einig geworden seien, nicht eine Lösung von einzelnen Fragen zu erzielen, sondern eine Ge­samtlösung herbeizuführen. Die nunmchr beschlossene Proze­dur sei folgende: Ueber die Fragen, über die eine grundsätz­liche Einigung erzielt worden sei, würden nach Rückkehr der beiden Minister die Verhandlungen ausgenommen werden. Briand trete jetzt einen Urlaub an und werde Ende Septem­ber, also ungefähr, wenn er in Berlin sein werde, in Paris sein. Er hoffe und nehme bestimmt an, daß die beiden Kabinette die Verhandlungen billigen würden, so daß in ab­sehbarer Zeit die Zusammenarbeit durchgeführt werden könnte. Der Rcichsaußcnministcr Dr. Stresemann betonte, er habe bei Briand ein starkes Verständnis für die Auftccht- erhaltung des europäischen Friedens gefunden, dessen Kern­stück die deutsch-französische Zusammenarbeit sei. Daher dürfe dieses Zusammenarbeiten zwischen den beiden Ländern nicht durch irgendwelche Schwierigkeiten behindert werden, die die allgemeine Verständigung erschweren würden. Der Reichs- außenmirMer erklärte zum Schluß, daß er über die Be­ratungen sämtlicher Fragen außerordentlich zu­frieden sei

Weitere Verhaftungen und Haussuchungen in Italien.

Rom, 20. Septbr. Die Polizei verhaftete im Zu­sammenhang mit dem letzten Mussolini-Slttcntat wie­derum 571 Personen, und nahm etwa 1000 Haus­suchungen vor. Auch in 300 Restaurants und an­deren öffentlichen Anstalten wurden Haussuchungen durchgeführt.

Neues vom Tage.

General Primo de Rivera und die übrigen Mitglieder der spanischen Regierung sind nach San Sebastian abgcreist.

Am Samstag Nachmittag ist das Mischhaus der Sprengstoffabrik in Würgendorf bei Haiger in die Luft ge­flogen. Ein Arbeiter war sofort tot, einer wurde schwer verletzt.

In Sodingen bei Herne sind am Samstag und Sonn­tag über 50 Personen nach dem Genuß von Hackfleisch an paratyphusartigen Erscheinungen erkrankt und in die Kran­kenhäuser eingeliefert worden.

In den Orten Clewiston und Moorehaven im Staate Florida, die nur noch Trümmerhaufen sind, hat ein Orkan 140 Menschen getötet.

Durch einen schweren Wolkenbruch wurde in Nord- west-Nebraska die Ernte in einem Gebiet von 30000 Acres vollständig vernichtet.

Schicksalswendung?

(Von unserem Berliner Mitarbeiter.)

Die deutsch-französische Besprechung von Thoiry beherrscht heute die internationale Politik. In allen diplomatischen Kreisen, politischen Klubs und in der Presse des In- und Auslandes wird die Unterredung zwischen Stresemann und Briand als schicksalwendendes Ereignis von historischer Bedeutung angesehen. Das im Anschluß an die Konferenz von Thoiry ausgegebene gemeinsame deutsch-französische Kommunique ist trotz seines knappen Inhaltes doch so bindend und in seinen Andeutungen richtunggebend, daß kaum noch mit einem völligen Rückschlag der angebahnten deutsch-französischen Verständigung gerechnet werden kann. Es ist selbstverstnädlich, daß die beiden Minister nicht ins einzelne gehende Abmachungen abschließen sonnten; dazu ist der zwischen Deutschland und Frankreich bestehende Fragenkomplex viel zu umfangreich und zu schwerwiegend und die zu treffenden Beschlüsse und anzuordnenden Maß- nahmen zu weitreichend, als daß hier ohne Mitwirkung der Kabinette gehandelt werden könnte.

Die beide Länder interessierenden Fragen sind in den letzten Monaten, Wochen und Tagen so oft und so scharf in der Presse, in den Parlamenten, in politischen Unter­haltungen und nicht zuletzt in diplomatischen Verhandlun­gen bezeichnet worden, daß man auch ohne Angaben von Einzelheiten in dem deutsch-französischen Komunique wissen kann, um welche Fragen es sich hier handelt. Auf deutscher Seite stehen im Vordergrund der deutsch-französischen Besprechungen die Fragen des R h e i n l a n d e s , des Saargebiets, der Militärkontrolle, der Investigationsregelung und die Frage von E-upen-Malmedy.

Briand hat es im Verlauf einer Pressebesprechung nach der Zusammenkunft mit dem deutschen Außenminister für richtig gehalten, ausdrücklich zu betonen, daß er von seinen Unterhaltungen mit Stresemann stets befriedigt sei und daß er immer seine Loyalität und seinen Freimut in den Unterhaltungen bewundert habe. Daraus läßt sich ent­nehmen, daß Stresemann Herrn Briand über das, was das deutsche Volk billigerweise als Ausdruck eines neuen Geistes von Frankreich erwartet, rückhaltlose Auskunft gegeben hat. Wenn es wahr ist, daß Briand von ganzem Herzen eine restlose Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich erstrebt, dann wird man nicht überrascht sein, wenn er die deutschen Forderungen für berechtigt hält.

Aber die Endgestaltung der deutsch-französischen Bezie­hungen entscheiden jedoch nicht Stresemann und Briand. sondern sie haben zu versuchen, ihre Vereinbarungen in ihren Kabinetten und Parlamenten zur Geltung zu bringen. Es läßt sich durchaus nicht voraussehen, ob Briand vor allem die Unterstützung P 0 i n c a r 6 s finden wird. Wenn Poincars sich seit seiner neuen Ministerpräsidenten- schaft auch in außenpolitischen Dingen zurückgehalten hat, so ist er dennoch derjenige Vertreter der französischen Po­litik, der dem V e r s a i l l e r V e r t r a g in der Versailler Auslegung als u n a n t a st b a r e s Heiligtum be­trachtet, und der die einzelnen Bestimmungen durch eine neue Auslegung nicht erschüttern lasten will. In der Poin- carö nahestehenden Presse hat man gerade in den letzten Tagen lesen müssen, daß eine Zurückziehung der franzo-

Tagen lesen mt,,..., , _

fischen Truppen aus der zweiten und dritten Zone vor Ablauf der vorgesehenen Fristen nicht in Frage kommen könne, da Deutschland auf den verschiedensten Gebieten mit seinen Verpflichtungen im Rückstand sei. Andererseits sind die WährungsVerhältnisse Frankreichs noch keineswegs als stabilisiert zu betrachten, so daß eine Per- quickung der Besatzungsfrage mit gewissen geschäftlichen Singen die Stellung Poincarös als Stabilisierungs- präsident nur befestigen könnte.

Wie im Reichskabinett die Vereinbarungen von Thoiry aufgenommen werden, läßt sich nicht vorher sagen, solange man nicht weiß, welche Gegenleistungen Stresemann in Aussicht gestellt hat. Die Andeutung jedoch, daß es nicht ausgeschlossen ist, daß der Reichsfinanzminister Dr. Rein- Hold auf der Rückreise von seinem Urlaub in Spanien in Paris wichtige finanzpolitische Besprechun­gen haben könnte, läßt schon erkennen, daß man sich mit den in Thoiry besprochenen Fragen in Berlin bereits ernst­lich beschäftigt.