Schlüchtemer Zeitung
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M 105 (1. Blatt)
Samstag, den 4. September 1926
78. Aahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
J.-Nr. 84!8. Im Monat August d. Js. wurden
■ folgenden Personen Jahresjagdscheine erteilt:
1 Dr. Kraft, Bürgermeister, Steinau,
Zündel, Otto, Scbulamtöbewerber, Schlüchtern,
Lotz, Georg, Auszüger, Hintersteinau,
Geymcier, Christian, Kaufmann, Frankfurt a. M.
Rappe, Apotheker, Steinau, Sommer, Justizinspektor, Schlüchtern.
Schlüchtern, den i. September 1926.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Diehsenchenpolizeiliche Anordnung.
J.-Nr. 8456. Zum Schutze gegen die Maul- und Klauen- ■ I feuche wird auf Grund der §§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes M vom 26. Juni 1909 (R.G.Bl. S. 519) mit Ermächtigung
7 der Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten folgendes bestimmt:
§ 1.
Infolge Erlöschens der Maul- und Klauenseuche in der l Stadt Soden wird die viehseuchenpolizeiliche Anordnung vom 31. v. Mte. — Schlüchterner Zeitung Nr. 104 — hiermit wieder aufgehoben.
Schlüchtern, den 3. September 1926.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Gefahren für den Völkerbund.
Leben oder Tod.
i Der diplomatische Berichterstatter der „Morning Post" schreibt, man sei in Völkerbundskreisen der Ansicht, daß die Wahl Deutschlands in den Völkerbund ein Ereignis von groß, ter Bedeutung für den Völkerbund selbst sei. Deutschlands Eintritt in den Völkerbund könne Leben oder Tod für diesen bedeuten, und viel würde davon abhängen, wie Deutschland selbst die bestehende Lage ausnehme und wie es seine Stellung innerhalb des Völkerbundes gebrauchen werde. Es werde anerkannt, daß noch zahlreiche schwierige Fragen ungelöst seien, die Takt auf allen Seiten erforderten und daß infolge der Stellung Deutschlands in der europäischen Politik die Lage doller Möglichkeiten sei. Nach Artikel 1 der Völkerbundssatzung könne jeder sich selbst regierende Staat Mitglied des Völkerbundes werden. Artikel 10 setze fest, daß die Mitglieder des Völkerbundes d:e territoriale Integrität und die bestehende kritische Unabhängigkeit aller anderen Mitglieder des Völkerbundes achten sollen.
könne jeder
Der Vertrag von Locarno, der der eigentliche Anlaß für Deutschlands Wahl sei, werde erst wirksam, wenn Deutschland m den Völkerbund auf dem Fuße der Gleichberechtigung mit den übrigen Mitgliedstaaten eingetreten fei. Aus deutscher Seite geltend gemacht, daß technisch gesprochen, Deutschland »em Völkerbund unter vollkommen verschiedenen Bedingungen im Vergleich mit allen anderen Staaten beitreten werde, da un großer Teil deutschen Gebietes weiterhin vom fremden «latzungshecr besetzt sei. Diese alliierten Truppen, so werde von deutscher Seite erklärt, hielten nicht, wie allgemein an- gcnommen werde, das Rheinland als Sicherheitsmaßnahme Ng-n Deutschlands Angriff besetzt, sondern als Bürgschaft für angeincssenc Reparationszahlungen. Die Reparationsver- Auchtungen würden nach dem Dawes-Plan genau erfüllt. K Die Sicherheit gegen einen deutschen Angriff werde durch ..^ deutsche Entwaffnung erzielt folvie durch die entmilitari- 3onc zwischen Frankreich und Deutschland. Die Ent- $ to^0 durchgefühort unter der Aufsicht der Alliierten ^EvHwmmission, deren Funktionen, wie erwartet werde, Qn ^wschlands Eintritt in den Völkerbund von einer anderen mmission des Völkerbundes, wie im Falle von Oesterreich, und Bulgarien, übernommen werden. Der Korrespon- m legt gegenüber diesem deutschen Standpunkt den alliierte:» Endpunkt dar und fahrt fort, man glaube, daß ein großer nützlichen künftigen Autorität des Völkerbundes von mist r ^ ■ n8 dieser Streitfrage abhängen werde. Die Pessi- Inns vollkommen darauf gefaßt, zu sagen, daß Dcnlsch- den Völkerbund innerhalb eines Jahres verlasse, wenn der Besatzung ein Ende gemacht werde. Ein solcher Zu- Völkert'm d^s b"dc ^ Pessimisten das Ende des
politische Terrorakte.
Scharfe Maßnahmen der preußischen Regierung.
GrTr?Cr Amtliche Preußische Pressedienst veröffentlicht eine «ung des Ministeriums des Innern, in der es nach dem botim^ die bedenkliche Häufung von Terrorakten gegen tiitfai Andersdenkende u. a. heißt: Bei zahlreichen poli- toirb Ansammlungen, namentlich DemonstrationSzügen, die ohnehin erregte Stimmung durch die Mit- , "kt von Plakaten sowie symbolischen Darstellungen in s verletzender Art absichtlich gesteigert. Miß- Andersdenkender oder auch nur das Bc° das ^ 3" einer anderen politischen Auffassung, z. B. durch "^-C'"^ politischen Abzeichens, werden als Provo- flenn».«etott und zum Anlaß täglicher Ausschreitungen wen. Wiederholt richteten Angriffe in letzter Zeit sich
sogar gegen die Polizeibeamten. Statt der verbotenen Stöcke verwenden die Angreifer neuerdings nicht minder gefährliche Werkzeuge wie Gummiknüppel, Schlagringe, Dolche und Schußwaffen, die erfahrungsgemäß häufig auf Lastkraftwagen versteckt mitgeführt werden.
Der Minister des Innern richtete deshalb einen Runderlas; an alle Polizeibehörden, in dem diese ersucht werden, gegen alle Terrorakte in jedem Fall mit Entschlossenheit und Nachdruck einzuschreiten. Die Schuldigen sind festzunehmen und der Bestrafung zuzuführen. Zur Erfassung von Waffen usw. sind möglichst zeitige und häufige Durchsuchungen etwa verwendeter Lastkraftwagen vorzunehmen. Das Mitsühren von Plakaten, Schildern oder bildlichen Darstellungen der beschriebenen Art ist zum mindesten als großer Unfug anzu- sehen, sofern nicht direkte Verstöße gegen das Strafgesetz vorliegen. Der Begehung strafbarer Handlungen muß nach Möglichkeit vorgebeugt werden.
Zweckmäßig wird eine weitere polizeiliche Nachschau auf den Sammelplätzen für die Veranstaltung erfolgen. Sollten trotzdem strafrechtswidrige Schilder benutzt werden, so sind sie zu beschlagnahmen. Wird dabei Widerstand geleistet, so ist die Versammlung aufzulösen. Wo etwa im Hinblick auf die starke politische Spannung in der Bevölkerung oder die schwierige Wirtschaftslage eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit vorliegt, sind öffentliche Versammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel zu verbieten. Sofern Vereinigungen ihr störendes Treiben, und zwar unter Umständen auch nur seitens einzelner Mitglieder, fortzusetzen versuchen, ist die sofortige Auflösung der beteiligten Ortsgruppe durchzuführen und dem Minister zu berichten, damit geprüft werden kann, ob etwa die Vereinigung in ihrer Gesamtheit aufzulösen ist.
Unsere Reparationszahlungen.
Pünktliche Ablieferung.
Der Generalagent für die Reparationszahlungen teilt mit, daß mit der soeben erfolgten Zahlung von 45 000 000 Goldmark durch die Deutsche Reichsbahngesellschaft Deutschland den vollen Betrag der im Sachverständigenbericht für das zweite .Jahr vorgesehenen Jaluesza. iuiig oon 1220 O0OO00 Goldruar! bezahlt hat mit Ausnahme eines kleineren Betrages von etiva 8 000 000 Goldmark aus der Transportsteuer, der erst am 21. September 1926 fällig ist. Die von der Deutschen Reichsbahngesellschaft geleistete Zahlung stellt den am 1. September fälligen Zinsenbetrag für die Reparationsbonds für das zweite Jahr dar. Deutschland kommt demnach seinen Verpflichtungen pünktlich nach und hat während des zweiten Jahres des Dawes- Planes die fälligen Zahlungen pünktlich geleistet
Abd el Krims-Erinnerungen.
Wie es zum Bruch mit Spanien kam.
Das „Echo de Paris" veröffentlicht heute weitere 9tit teilnngcn aus den Erinnerungen Abd el Krims. Dieser er- wähnt, daß seine Familie bis zum Jahre 1920 auf der Seite Spaniens gestanden habe. Sein Bruder habe in Madrid in der Bergbauakademie studiert und habe dort Beziehungen zu einflußreichen Politikern angeknüpft. Er selbst sei nach Beendigung seiner Koranstudien an der Universität in Fez mit den spanischen Kreisen in Tctuan in Verbindung getreten und habe sich durch seine Kenntnis des Landes und der spanischen Sprache sehr bald das Vertrauen der Generale Berenguer und Jordana erworben und vor allem das des Obersten Morales. Nach 1919 sei es in der spanischen Armee oft zu Konflikten gekommen. Außerdem hätten die Soldaten und ihre Führer sich in Marokko wie in Feindesland benommen. Er habe das bedauert, weil er seine Zukunft mit derjenigen Spaniens verbunden hatte. Spanien habe ihm für den Fall der endgültigen Befriedigung des Landes die Würde eines Statthalters des Sultans für das ganze Gebiet in Aussicht gestellt. Zu einem Bruch mit Spanien sei es im Jahre 1920 gekommen durch die Schuld des Generals Sylvestre, des späteren Besiegten von Annnal. Dieser habe ihm einen heftigen Schlag in? Gesicht versetzt, als er zur Herbeiführung der Unterwerfung eines Stammes 100 000 Peseten forderte. Er habe damals ausgerufen: „Verfluchter, du sollst erfahren, lvas es kostet, das Blut eines Uriagel vergossen zu haben!" Spanien habe ihn daraufhin auf den Befehl des Generals ins Gefängnis geworfen, aus den: er erst nach 10 Monaten (1920/21) entfliehen konnte.
Drohender Streik der polnischen Grubenarbeiter.
Warschau, 2. September. In Dombrowa fand ein von 66 Delegierten beschickter Kongreß der Grubenarbeiter sämtlicher polnischen Kohlenreviere einschließlich Oberschlesien statt, auf der einstimmig der Beschluß gefaßt wurde, ab 6. September in allen Revieren in den Ausstand zu treten, sofern die Arbeit- aebcrvcrbände die Lohnforderungen der Kohlenarbeiter btS zum 4. September nicht berücksichtigen sollten. Das sozialistische Blatt „Robotnik" fordert, daß die polnische Regierung auch eventuell einen entsprechenden Druck ausübc.
Spanien macht nicht mehr mit.
Genf, 2. September. Der Vertreter der Agentur Havas in Genf erklärt in der Lage zu sein, mitzuteile«, daß die Ma- beider Regierung, ohne den Beschluß des Völkcrbundsrates über die vom Ratsausschuß ausacarbcitctcn Vorschläge betref. send die Sitze abzuwarten, beschlossen habe, bereits letzt bc- kannt zu geben, daß sie sich an den Arbeiten bc8 Völkerbundes desinteressiere. Binnen 24 Stunden werde der Generalsekretär des Völkerbundes eine a m t l i ch e N 0 t e der Madrider Regierung erhalten, die diesen Beschluß bekannlgebc.
Neues vom Tage.
— Nach einer Berliner Blättermeldung trifft der Generalbevollmächtigte des Hauses Hohenzollern am Samstag in Berlin ein, um dem preußischen Staatsministerium einen neuen Vorschlag zu unterbreiten.
— In Rheine (Westfalen) erkrankte nach dem Genuß von Pilzen eine Familie. Drei Kinder und die Eltern sind gestorben.
— In Erwitte (Westfalen) ist eine Ruhrepidemie ausgebrochen. 30 Personen sind erkrankt. Zehn Kinder sind bereits gestorben.
— Botschafter v. Hösch hatte Donnerstag nachmittag in Genf eine längere Unterredung mit dem französischen Außenminister Briand. Die Besprechungen bezogen sich auf technische Einzelheiten über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und behandelten verschiedene laufende Fragen, darunter auch die Verminderung der Besatzungstruppen im Rheinland.
— Zwischen dem Reichsfinanzminister und dem Generalagenten der Reparationen ist vereinbart worden, daß statt der 500 Millionen Mark, die nach dem kleineren Befferungs- schein als Zusatzleistungen in den Wintern 1927 und 1928 Zu zahlen wären, vom Oktober 1926 an 300 Millionen Mk. gezahlt werden und zwar in 12 Monatsraten von 18 Millionen steigend bis zu 34,8 Millionen. Diese Zusatzleistungen werden nicht in bar transferiert, sondern in Sachlieferungen geleistet.
— Bei der Reichsregierung ist eine Note Angegangen, wonach das Lustfahrtkomitee auf Grund der Pariser Luftfahrtverhandlungen vom Mai dieses Jahres mit dem 1. September seine Tätigkeit einstellt.
— Reichskanzler Dr. Marx hat an die Konserenz für curo- päischc Verständigung ein Telegramm gesandt, in dem er namens der Reichsregierung dem Bestreben der Koefe-enz das grötzte V ".je entgegenbringt und der Tagung He Besten Wünsche für einen gedeihlichen Verlaus übermittelt.
— Wie amtlich bekannt wird, wird die französische Delegation für Genf von Außenminister Briand, dem ständigen Vertreter Frankreichs im Völkerbund, Paul Boncour, und den früheren Minister de Jouvcnel und Louchcur geführt werden.
— Nach einer Havasmeldung aus San Sebastian hat der spanische Anßenmiuister Aanguas neuerdings erklärt, die Haltung Spaniens bleibe unverändert. Die spanische Regierung sei fest entschloffen, ihren Anspruch auf einen ständigen Ratssitz aufrecht zu erhalten. Jedes andere Kompromiß interessiere sie in keiner Weise.
— Die „Daily News" meldet aus Athen, unter den Osfi- zicren der Garnisonen von Athen und Saloniki herrsche allgemeine Unzufriedenheit und Unruhe infolge der Nichtbildung eines Koalitions-Kabinetts durch Kondylis.
Der spanische Ralssiß.
Im Studicuausschuß für tue Zusammensetzung des Völkerbundsrates gaben sämtliche Anwesenden Erklärungen zu der spanische:: Forderung auf einen ständigen Ratssitz ab, in denen allgemein mit Worten lebhafter Sympathie die Verdienste Spaniens um den Völkerbund und seine Mitarbeit im Völkerbundsrat gewürdigt wurden. Trotz der großen Anerkennung Spaniens, der insbesondere auch Botschafter v. Heosch Ausdruck gegeben hat, sind diese Erklärungen, abgesehen von Deutschland, das, wie Botschafter v. Hoesch begrimdete, im gegenwärtigen Augenblick sich seiner Stellungnahme enthalten will, und von Polen und China, die ihre eigenen Ansprüche auf einen ständigen Ratssitz in diesem Znsannnenhang noch einmal für den Fall der Zuteilung eines ständigen Ratssitzes an Spanien geltend machten, teils wegen grundsätzlicher Erwägungen, die sich aus dem Völkerbundspakt ergeben, teils ans politischen Gründen dahii: ausgefallen, daß es, wie Präsident Motta am Schluß der Sitzung feststcllte, nicht möglich erscheint, bem spanischen Anspruch Rechnung zu tragen.
Der Vorsitzende ließ nach Abgabe der Erklärungen über den spanischen Anspnich nicht abstimmen. Der spanische Delegierte Palacios, der zu Beginn der Sitzung sich auf die Erklärung beschränkt hatte, daß seine im Mai für den spanischen Anspruch vorgebrachten Arguniente anch heute unverändert weiter gelten, dankte am Schluß der Aussprache für die Wür- diguug, die Spanien im Ausschuß zuteil geworden sei. Die Aussprache habe zu einer ganz klaren und deutlichen Kundgebung geführt, die es seiner Regierung ermöglichen werde, entsprechend bem noch vorzulegenden Bericht die Lage und die in der Sitzung von allen Seiten zum Ausdruck gebraßten lebhaften Wünsche auf weitere Mitarbeit Spaniens zu prüfen. Er Persönlich werde mit aller Loyalität seine Regierung über die int Ausschuß vorgebrachten Erwägungen und Wünsche unterrichten.
Wie der Vorsitzende mitteilte, soll dem Völkerbundsvat mit bem Bericht über die Frage der nichtständigen Ratssitze das Protokoll mit den im Ausschuß abgegebenen Erklärungen zum spanischen Anspruch zugel)eu. Präsident Motta schloß die Sitzung mit der Bemerkung, daß die Aus>zabc des Ausschusses nunmehr für abgeschlossen angesehen werden könne und fügte die Erklärung hinzu, daß es außer Zlvcifel stehe, baf; Deutschland im Augenblick seines Eintritts in den Völkerbund einen ständigen Ratssitz erhalten soll.