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Schlüchterner Zeitung

Kreis-Amtsblatt * Myememer amtlich erKnzeiyer für -en, Kreis Ächlüchtem

KruwunS Verlag: ss.SteinfÄd Söhne* SesthastsfkVahahofstr.b * fecnspr.lte.W * fwststh«kk.ssi»nkstu!taM.rrroo

Rr. 100 Dienstag, den 24. August 1926 78. Fahr«.

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^^res vom Tage.

Pestalozziliebe.

Von Franz Mahlke, Berlin-Neukölln. Mit Zeichnung von Wolfg. Vogt-Dilseck ir München.

Wenn ich noch einmal studieren müßte, würde ich Dors- schullehrer werden. Ein Dorfschullehrer, wie ich ihn in meiner letzten Sommerfrische kennen lernte. Aber ich habe nicht das rechte Vertrauen zu mir; denn was ich an dem Dorfschul­lehrer so bewunderte und liebte, glaube ich, läßt sich nicht lernen. Das muß man haben. Das muß ein Wiegengeschenk fein vom lieben Gott.

Ich saß unter der Bergwieseneiche und träumte in den vommermorgen hinein, als ich den feinen, stillen Mann sah. Er stieg den Bergpfad hinan, lustig umsummt von Buben und Mädeln. Es war ein necktardurstiges Bienenoölkchei^ das den dunklen Korb im Tal, das Schulhaus verlasse» hatte, und den Pfad hinan mir entgegenschwärmte:

Wem Gott will rechte Gunst erweisen, Den schickt er in die weite Welt, Dem will er seine Wunder weisen In Berg und Wald und Strom und Feld.

tiebes Kinderstinimchen war ein flatterndes Freudenfähn- lein, und der liebe Dorfschullehrer war ein liederumklungener Kinderkönig.

Äus der Bergwiesc schlief das Taugenichtslied ein.

Der Lehrer ließ feine blauen Sonnen einmal herumgehen, feinem seidenweichen Haar spielte der Bergwind. Es mag auch des lieben Gottes segnende Hand gewesen sein. Jedes ^nd war eine große Wiesenblume. Er war von einem atmen- °en Blumenkranz umblüht. Sein Herz wurde ein Brunnen, der wußte zu sagen und zu singen, und seine Blumen rings- um erschlossen die Kelche und tranken tranken--

"Seht, der gute Taugenichtsdichter Eichendorf ist nicht tot, ~ fein Leib, ja. ' Aber das hat nichts zu sagen. In leinen Geschichten und Gedichten lebt sein Geist. Der ist unser -Vorspann. Wie wären wir sonst so lustig den Bergpfad hin- angekommen I Unser Dorf da unten und unsere Bergmiese mer ist unsere weite Welt. Und der liebe Gott wirft die rot- goldenen Lichtgarben seiner Sonne in unser fernes Tal, in unsern grünen Bergwald, in dem so viele Blumenkinder mem An jedem Wegrain zündete er uns Königskerzen an. l"rchen läßt er über dem grünen aufgeschlagenen Noten»

1111 an silbernen Sonnenbändern hüpfen. Darum können

Frankreich hat nicht in dem Maße seinen Truppen« rstaud vermindert, wie englische und belgische Truppen

neu hinzukamen.

m,,,^ der Note der Botschaftcrkonfercnz vom 14. 1925 durften wir auf einefühlbare" Ver- noerung der Truppenstärken rechnen, und zwar aus

sie so schön tirilieren. Und den gelben Schmetterlingen schenkt er rote Mohnblüten, in die sie sich hineinnesteln können, wenn sie müde sind. Ueberall geht der liebe Gott herum, erzählt den Käsern und Gräsern himmlische Geschich­ten, und auch den Kieseln und Quarzkörnern und den aller- zartesten Spinnenfädchen.

Nun wollen wir unser Herz, die kleine, liebe Harfe, recht fein stimmen und sie stumm durch unsere Heimat tragen, damit wir gut die Melodien verstehen, die nun alle Dinge um uns darauf spielen wollen. Es wird so wunderselig in uns widertönen, alles, was in der Welt ist, denn unsere Hei­mat ist die Welt! Und nun kommt!--"

Ein paar Kinder hingen sich an seine Arme. Der Lehrer ging wie ein Evangelist der Güte über den grünen Wiesen- teppich in den Waldtempel hinein.

Ich saß unter der Bergwieseneiche und träumte ihm und seiner kleinen Gemeinde nach Wenn ich noch einmal stu­dieren müßte, würde ich Dorfschullehrer werden. Ich würde den lieben Gott um ein Pestalozziherz bitten und mir recht große Mühe geben mit dem kleinen Völklein.

Ueber meiner Schulstubentüre müßten leuchtende Lettern an das heilige Land gemahnen: Ziehe deine Schuhe aus Mein Lehrtisch in der Dorfschule wäre eine kleine Kanzel. Wenn manchmal irgend woher giftige Pfeile kämen und mich verwundeten, ich würde immer lächeln können, weil ich in einem atmenden Blumengarten sitze.

Richtige Dorfschullehrer glaube ich sind Lieblinge Gottes.

Das Gastmahl der Alten.

Von F. G e b h a r d t, Berlin-Tegel.

Die Mißachtung des Alters, die im heutigen Geschlecht sich sehr zu dessen Schande bemerkbar machtz ist allemal ein Fehler solcher Generationen, die den Lebensgenuß als Hauptzweck des Seins auf ihre Fahne geschrieben haben. Und so hat es denn schon früher solche Zeiten gegeben, in denen die Ueberheblichkeit der Jungen den Alternden undAlten das Leben schwer, sie zur Zielscheibe des Spottes machten. Das gilt auch von dem galanten Zeitalter des Rokoko.

Der sächsische Oberhofmarschall Baron von Löwendal ärgerte sich weidlich über das Gebaren der Jugend den alten und verdienten Herren gegenüber, wenn sie bei einer Gesellschaft einander begegnen mußten. Er beschloß daher, ein Gastmahl nur für die Alten zu geben und wählte dazu den Tag, an welchem er 62 Jahre alt wurde, den 12. März 1722. Gleich der erste, den einzuladen er besuchte, wollte ihm eine Absage geben, ein Herr von Trütschler.Mein lieber Baron, was soll ich mit meinen 82 Jahren auf einem Feste? Die jungen Leute werden mich alten Schneesicher schön ver­spotten."

Keine Sorge darum, Sie werden nur Ihresgleichen bei mir finden," versicherte der Baron, und der Geladene ver­sprach endlich zu erscheinen.

Als er das Festaemach betrat, fand er in der Tal noch dreizehn Gäste bei Löwendal, die alle im Alter über 60, meist bis 80 Jahre zählten; zusammen waren die 15 Herren 1050 Jahre alt.

Die Tafel war glänzend hergerichtet. Als Prunkstück sah man in ihrer Mitte eine Zuckertorte, die den Lebensberg dar- stellte. Schlängelwege führten zu dem tempelgekrönten Gipfel, und 15 Pilger wanderten auf ihnen empor. Sie sollten Wirt und Gäste bedeuten.

Als man Platz nahm, fand sich zwischen den Sitzen je ein leerer Stuhl.

Was soll das bedeuten?" fragte man betreten.Sollen wir mit Geistern dinieren?"

Löwendal lachte:Alte Damen wollen wir nicht zu unsrer Gesellschaft, und junge mögen uns nicht. Also denken wir uns die schöneren Hälften und machen bunte Reihe."

Kaum aber saßen die Gäste, so klatschte Löwendal in die Hände. Und unter dem Tische hervor schlüpften kleine, zier­lich gekleidete Mädchen, keines unter drei und über 5 Jahre alt:Nehmen Sie diese künftigen jungen Fräulein als Ihre Tischdamen, meine Herren," rief Löwendal, und die Kinder nahmen denn unter dem Lachen der Gäste die leeren Stühle ein.

9TO^TTUlUlll!ll jbin roiuiul.

Zwölf Bankiers Hingerichtct.

London, 22. August. Aus Tokio wird gemeldet, Marschall Chaug Tsv li» Ixibc zwölf chinesische Bankiers, darunter viele Millionäre, bin richten lassen, weil sie seinen Befehl, das; Banken in der sehr entwerteten mandschurischen Wahrung nicht spekulieren dürfen, nicht befolgt hatten.

nzler Dr. Marx ist in Breslau zur Teilnahme am olikentag eingetrofsen. In seiner Begleitung be- badische Staatspräsident Trunk und der Zentrums­old.

n Vertretern der deutschen und polnischen Regic- !lbkommen über die Odcrgrcnzstrecke unterzeichnet

direktorium des Verwaltungsrats der Deutschen lschaft hat beschlossen, ohne Berücksichtigung der chtigte Schadenersatzansprüche aus den Folgen der rophe bei Leiserde zu befriedigen.

neralrat des Gewerkschaftskongresses und der Berg- hat einen Ausruf für die Unterstützung der gleute erlassen.

i 7 Jahre Zuchthaus verurteilte Krankenschwester i eingelegte Revision wieder zurückgezogen.

m unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik Ninisterrat wurde als Nachfolger des französischen der Reparationskommission Barthou Senator nt.

erste Teil des Sparprogramms Poincares ist vom iten unterzeichnet und bereits veröffentlicht worden. lgischen Eiscnbahntarise sind für den Personen- und wiederum um 10 Prozent erhöht worden.

inem Brüsseler Bericht desEcho de Paris" sind die n über Eupcn-Malmedy vollständig gescheitert.

Einnahmen der englischen Eisenbahngesellschaften «folge des Generalstreikes und der Arbeitsruhe im Mai gegenüber der gleichen Zeit im Vorjahre um nd Sterling vermindert.

den Budapester Europameisterschaftskämpfen im errang der Magdeburger Erich Rademacher den Titel :-Brustschwimmen.

nglische Botschafter hatte am Sonntag mit dem .mfterpräftoeiirtn und öwwjKmiiier «.ec- *niyein Besprechung, die sich auf die Tangerfrage bezog, n dem italienischen Hasen Spezia sich aufhal- se Marinedivision ist eiligst nach Barcelona be- I.

el Krim wird am 28. 8. nach der Insel Reuni-

cm bei Hannover gelegenen Rcgencrierwcrk der Kautschuk und Gulapercha Eo. brach Feuer aus, b ganz kurzer Zeit das ganze Werk, mit AuS- :r weniger Gebäudeteile bis auf die Umfassungs-

e Frage Eupen-Malmedy.

amtliche deutsche Erklärung.

,»ständiger Seite wird zu der Frage Eupen :ine längere Erklärung veröffentlicht, in der eitzt:

ie Deutsche Regierung ist der Tatbestand sehr r läßt sich mit wenigen Worten wiedergeben: eutschen und belgischen Finanzmännern sind längerer Zeit Besprechungen in Gang ge- ie sich auf eine dentsche Mitwirkung bei den «tlen Plänen zur Sicherung der belgischen bezogen. Ohne daß es einer besonderen Initiative bedurft hätte, ist dabei auch der rörtert worden, ob nicht die Möglichkeit bc- dentsch-belgisches Zusammengehen auf finan- «d wirtschaftlichem Gebiete dadurch zu för- gleichzeitig eine Verständigung über das Schicksal der Kreise Eupen und Malmedh Her- würde. Es bedarf keiner Begründn,rg, daß nigung dieser Frage auf dem Wege vcrständ- gegcnseitigcn Entgegenkommens wesentlich zu tiefung der gesamten Beziehungen zwischen id und Belgien beitragen würde.

in belgischen Kreisen schien man sich dieser s keineswegs zu verschließen. Das zeigte die c Haltung maßgebender belgischer Blätter. Klont werden, daß diese Besprechungen nicht akter offizieller Bcrhandlnngen von Regie- Regierung angenommen haben. Sclbstvcr- Hat die Reichsrcgicrnng von den Nntcrhal- cnntnis gehabt. Ebenso selbstverständlich ist r die Entwicklung der Dinge mit dem größten verfolgt hat.

esichts des geschilderten Sachverhaltes kenn- ich der Versuch der französischen Zeitungen, ltung der ReichSregierung den Vorwurf der politik zu machen, ohne weiteres als w i ö ö r f t n n i g. Für Deutschland konnte und kann nichts anderes in Frage kommen, als eine Verständi­gung, die die Gewähr der Dauer dadurch erhält, daß sie in völlig gleicher Weise den Interessen beider Län­der entspricht, nicht aber eine Verständigung, die für den einen Teil nur ein Notmittel sein würde, um über derzeitige Schwierigkeiten hinwegzukommen.