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Rr. 99 (1. Blatt) Samstag, den 21. August 1926 78. Jahr«.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

J.-Nr. 7908. Am Montag, dem 30. August und Montag, dem 6. September d. Js. vormittags 9 Uhr findet in der Stadt Schlüchtern Kleinkinderschule die Impfung bezw. Nachschau der Erstimpflinge von Schlüchtern, Kloster­höfe und Niederzell sowie der Wiederimpflinge von Niederzell und der Anstalt Hof-Reith statt.

Schlüchtern, den 18. August 1926.

Der Landrat. I. V.: Dr. Hausmann.

A IV. 2059. In letzter Zeit ist es noch mehrfach vor« gekommen, daß Städte und Gemeinden die Hälfte der Ver- waltungsgebühren, die sie für die kraft staatlichen Auftrages vorgenommenen Amtshandlungen vereinnahmt haben, an die Staatskasse abgeliefert haben.

Ich sehe mich daher veranlaßt, auf den Artikel IV des Gesetzes zur Aenderung des Preußischen Ausführungsgesetzes zum Finanzausgleichsgesetze vom 27. November 1925 (GS. S. 162), sowie den dazu ergangenen Ministerialerlaß vom 12. Januar 1926, betreffend Verwaltungsgebühren, 11. C. 106. II. (Preuß. Besoldungsblatt 1926, Nr. 2, S. 5) hin­zuweisen. Sämtliche Gebühren, welche für nach dem 1. Januar 1926 vorgenommene Amtshandlungen vereinnahmt sind, fließen in die Kasse der amtlichen Stelle, welche die gebührenpflichtige Amtshandlung vorgenommen hat.

Cassel, am 6. August 1926.

Der Regierungs-Präsident.

J.-Nr. 1019 V. Den Herren Bürgermeistern und Guts­vorstehern geht in den nächsten Tagen ein Schreiben der Landesversicherungsanstalt Hessen-Nassau zu Cassel vom 2. d- Mts. (Druckbogen) zu, auf dessen Inhalt ich besonders aufmerksam mache. Ich ersuche hiernach die schwebenden und später noch anhängig werdenden Rentenanträge sorgfältig zu prüfen. Sofern Fälle bekannt find, in denen für .niuc.i doppelte Kinderzuschüsse gezahlt werden, z. B. wenn Vater und Mutter gleichzeitig Rente beziehen, ersuche ich mir davon Mitteilung zu machen.

Schlüchtern, den 17. August 1926.

Vorsitzende des Versicherungsamts. J. V.: Schultheis.

J--Nr. 1035 V. Nach Mitteilung der Landesversicherungs- anstalt Hessen-Nassau zu Cassel sind die Herren Bürgermeister und Gutövorsteher zu Breitenbach, Klosterhöfe, Marborn, Reustall, Niederzell, Sarrod, Scidenroth, Sterbfritz, Linden- berg, Hundörück, Oberförsterei Oberzell und Oberförsterei ^almünfter mit der Einsendung der bei ihnen im Laufe des vorigen Jahres und früher umgetauschten Quittungskarten >m Rückstände. Ich ersuche sofort das Weitere zu veran­lassen und über das Geschehene mir bis zum 1. September Js. zu berichten.

Schlüchtern, den 18. August 1926.

Vorsitzende des Versicherungsamts. I. V.: Schultheis.

Stadt Schlüchtern.

Bekanntmachung.

In der Zeit vom 25. August bis einschl. ii. September erfolgt die Reinigung der Schornsteine in der Brücke- nauerstraße, Braugasse, Elmer- unb Ahlersbacherlandstraße, Dospitalstraße, Elmweg, Graben-, Kaiser-, Kronprinzen-, Garten-, Dreibrüder-, Kurfürsten-, Ludovika von Stumm-, guldaer-, Breitenbacher-, Alte- und Lotichiusstraße, Linsen-, Schmieds- und Neugasse und Bahnhof.

Schlüchtern, den 18. August 1926.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

2,1,1 nächsten Sonntag, den 22. August d. 3s., ^achmittags von 3 Uhr ab veranstaltet derVater- "ndische Frauenverein" auf dem Acisbrunnen in Schlüchtern einen

Rote Kreuz Tag

®crMännerverein" erhielt hierzu besondere Einladung, ^dem wir unseren Mitgliedern hiervon Kenntnis geben, itten wir sie, der Einladung recht zahlreich Folge zu leisten.

Wir sind überzeugt, daß der edle Zweck der Vcran- "»ltung allein zum Besuch derselben verpflichtet.

Schlüchtern, den 20. August 1926.

Der Männerverein vom Roten Kreuz.

I. A.: Schaefer.

Beratungen über die Rüstungen.

Maßnahmen gegen den Giftkrieg.

Die militärische Unterkommission der Völkerbundskom- mission für die Vorbereitung der Abrüstungskonferenz hat in dieser Woche die Behandlung des belgischen Vorschlages, der den Abschluß einer Konvention zur Kontrolle der für einen Giftkrieg in Frage kommenden Erfindungen anregt, fortgefetzt.

Die aus Grund dieser Konvention einzusetzende Organisa­tion soll Strafkompetenzen erhalten, wie sie z. B. auf Grund der Artikel 411420 des Versailler Vertrages vorgesehen sind.

Nach lebhafter Debatte, bei der der Gegensatz zwischen dem französischen Standpunkt und demjenigen besonders der angel­sächsischen Staaten zum Ausdruck kam, wurde die Schaffung einer Enquetekommission, die in dem belgischen Vorschlag vor­gesehen ist, mit einer Stimme Mehrheit bei mehreren Stimm­enthaltungen angenommen.

Die wirtschaftliche Seite des belgischen Vorschlages wurde in der ersten Sitzung der Unterkommission behandelt, wo vor allem die technischen Fragen, ob und in welcher Zeit die chemi­schen und Farbenfabriken sich auf

die Produktion für giftige Mittel umstellen könnten, und ob und wie man dies verhindern könne, gelöst werden sollen. In dieser Kommission ist Deulsch- land durch Staatssekretär von Möllendorf und den Berliner Professor Just vertreten.

Keine militärische Bewertung der Handelsschiffe.

Wie aus Genf gemeldet wird, wurde in der Sitzung des Unterausschusses für Marinef^agen der Abrüstungskommission die militärische Bewertung der Handelsflotte mit 7 gegen 5 Stimmen bei 5 Stimmenthaltnngen abgelehnt. Dafür stimmte Frankreich mit seinen engeren Verbündeten, während die englischen, die amerikanischen und die deutschen Sachver­ständigen dagegen waren.

Amerika zur Abrüstung.

Staati^iKK»* Kttlog zur amerikanische« Politik in Sm;

In seiner Rede anläßlich der Enthüllung eines Denkmals für den Kommodore Mac Donough gab Staatssekretär Kcllog einen Ueberblick über die amerikanische Politik in Genf und sagte u. a.:

Wir haben es in der Landabrüstungsfrage als wünschens­wert bezeichnet, zunächst mit örtlichen Abkommen den Anfang zu machen, durch die das Hauptproblem der Welt insofern be­rührt wird, als die Furcht vor dem Angriff eines unmittel­baren Nachbarn damit zum Verschwinden gebracht wird. Es erscheint fast unmöglich, irgend einen für alle Völker annehm­baren Abrüstungsplan zu entwerfen, und es ist dies auch gar­nicht möglich.

Wenn wir aber jede Tätigkeit so lauge hinauszögern müßten, bis überall in der Welt für die Abrüstungsfrage ideale Bedingungen geschaffen werden. fo müßten wir jede Hoffnung auf irgend welche Rüstungsbeschränkungen aufgeben. Wir hoffen, daß sich aus den Erörterungen in Genf

eine Beschränkung der Rüstungen zu Lande und zu Wasser ergeben wird. Hinsichtlich des Wunsches verschiedener Mächte, die Abrüstung zu Lande, Wasser und in der Luft als ein un­teilbares Ganzes zu betrachten, glaubt Amerika, daß die Frage der Abrüstungsbeschränkungen mit allen Mitteln vereinfacht werden muß.

Die Frage der Rüstungen zur See wird nach unserer An­sicht zwischen denjenigen Seeinächtcn zu regeln sein, die haupt­sächlich interessiert sind. Das Bestreben verschiedener Mächte, das Maß der Abrüstung von den wirtschaftlichen Quellen eines Landes abhängig zu machen, würde die Vereinigten Staaten in Anbetracht ihrer großen natürlichen Hilfsquellen jeder Armee oder Marine vollständig berauben. Die einzig

praktische Grundlage

für eine Begrenzung der Rüstungen sollte in der Berücksich­tigung der militärischen Machtmittel und der sichtbaren und greifbaren Rüstungen bestehen.

*

Schwedens Standpunkt in Genf.

Deutschlands Anspruch aus einen Ratssitz.

Svenska Morgenbladet", das offizielle Organ der Re­gierung Ekman, wendet sich scharf gegen die in einem Teil der schwedischen Presse zur Schau getragenen pessimistischen Beurteilung der Aussichten der kommenden Völkerbundstagung. Schweden werde seine im März verfolgte Politik auch bei der kommenden Tagung voll unb ganz in die Bresche werfen und zu seinem Teil'dafür sorgen, daß das Recht über die Jntrige siege. Man könne allerdings scststellcn, daß die Entwicklung der parlamentarischen Lage in Frankreich den polnischen Anspruch auf einen ständigen Ratssitz wieder erheblich gestärkt habe. Dagbiet Allahauda" glaubt ebenfalls keine allzu großen Hoff­nungen auf eine den kleinen Staaten günstigere Entwicklung in der Ratsfrage setzen zu dürfen. Das Großmachtprinzip müsse beibehalten werden. Deutschland habe allein Anspruch auf einen ständigen Ratssitz und Schiveden werde in diesem Punkt seinen Standpunkt vertreten.

In Estland sollen alle vom Staate und von den Kom- mniicn unterhaltenen deutschen Schulen tu die deutsche Kultur- Verwaltung übernommen werden.

Internationaler Friedenskongreß.

Im Freilichttheater in Boissy-la-RiNiere trafen die Teil­nehmer des internationalen demokratischen Friedenskongresses zu einer Vollversammlung zusammen. Der Vorsitzende des Internationalen Arbeitsamtes, Arthur Fontaine, erklärte: Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen ehemaligen Verbün­deten und ehemaligen Feinden. All das ist verschwunden. Wir sind hier ein einzig Volk, das Volk des Friedens.

Der frühere italienische Ministerpräsident Nitti, der hierauf das Wort ergriff, bekannte sich als entschiedener An­hänger des Friedensgedankens. Er erwähnte, daß seine erste Regierungsverhandlung die V e r m e i d u n g eines Krieges mit Rußland gewesen fei. Er habe auf die von seinem Vor­gänger geplante militärische Expedition nach Georgien, das man Italien habe überlassen wollen, verzichtet, obwohl mau ihn deshalb scharf angegriffen habe. Aber die Ereignisse hätten ihm recht gegeben, denn zwei Monate später seien die Bolsche- wisten in Tiflis eingerückt. Nitti verwies dann auf das Bei­spiel, das die Schweiz, aus Deutschen, Franzosen und Italienern bestehend, während des ganzen Krieges seine Un­abhängigkeit zu wahren, gewußt habe, für Europa biete. Europa werde gedeihen, wenn es ein Bund wie die Schweiz sein werde. Nitti wies darauf hin, daß vor dem Kriege in Europa 25 Staaten bestanden und daß deren Zahl jetzt auf 35 gestiegen sei. Dadurch seien überall Zollschranken entstanden. Diese Schranken müßten wieder fallen. Also ebenso wichtig wie den Frieden bezeichnete Nitti die Freiheit. Das schlechteste Parlament sei immer noch besser als gar keins. Ohne die Freiheit, ohne das parlamentarische Regime sei es unmöglich, dem Frieden aufrichtig zu dienen.

Nach Nitti ergriff der französische General V e r r a u x das Wort. Er wandte sich zunächst scharf gegen den Krieg und den Kriegsgeist. Er erklärte, vor die Wahl gestellt zwischen Napoleon, der Hunderttausende von Menschen habe umkommen lassen, und Pasteur, der unendlich viel Leben gerettet habe, kenne er kein Zögern. Pasteur habe den größeren Anspruch auf Ruhm.

Der demokratische Reichstagsabgeordnete Bergsträßer /.rklörre in seiner Ansprache das ü .Alc Mittel, die ' - Kit l)ewOrtbcteiwe Pazifist:, ,. ? , .'»$ zu untersagen, sei die Forderung der A ch t u n ^, bk die Nationen vor­einander haben müßten. Sie müßten erkennen, daß jedes Volk für seinen Teil zu der gemeinsamen Entwicklung der Zivilisation und des menschlichen Geistes in der Welt beitrage. So werde sich der Geist der internationalen Gerechtigkeit, wie er in der Schweiz herrsche, entwickeln. Abg. Bergsträßer ver­wies sodann auf das in Deutschland angenommene Gesetz, das den Minderheiten die notwendigen Rechte, insbesondere den Gebrauch ihrer Muttersprache gewährleistet. Er betonte, daß die Völker, die während des Krieges und nach dem Kriege alle gleichermaßen gelitten hätten, sich bemüht haben, die zwischen ihnen errichtete Mauer des Hasses niederzureißen. Aber man müsse sich auch hüten, nach dem Niederreißen der ersten Mauer eine zweite durch Zollschranken aufzubauen.

Bergsträßer trat für den Freihandel ein, da nur da­durch die Völker zum wirtschaftlichen und technischen Fortschritt der Welt beitragen können. Er hob hervor, man wisse wohl, daß die Idee des europäischen Friedens in erster Linie von den ixutsch-ftanzösischen Beziehungen abhänge. Im Jahre 1919 hätte niemand in Deutschland einen solchen Zustrom von Deutschen nach Frankreich anläßlich eines Friedenskongresses für möglich gehalten. Trotzdem sei es Wirklichkeit, und das ganze Verdienst hierfür gebühre den französischen Linksparteien und dem Geiste der Gerechtigkeit, den sie unablässig gegenüber Deutschland, insbesondere im besetzten Gebiet, bewiesen hätten. Schließlich gab der Abg. Bergsträßer der Hoffnung Ausdruck, daß gerade um der Sache des Friedens willen der Frage der Besetzung deutschen Gebietes bald soweit wie irgend möglich die Schärfe genommen werde.

Es bleibt nun zu wünschen, daß diese so friedlich und versöhnlich klingenden Ausftihrungen nicht im Winde verhallen, Sonbern bei den leitenden Staatsmännern in allen Ländern »k nötige Beachtung und den nötigen Widerhall finden.

Anschlag auf einen D-M

Die Lokomotive und sechs Wagen entgleist

19 Tote, zahlreiche Verletzte.

Berlin, 19. August. Der um 10.37 Uhr abends nach Hannover abgehende 0-Zug 8 ist gegen 2 Uhr nachts zwischen Jsenbüttel und Lehrte entgleist. Zehn Personen wurden getötet, die Zahl der Verletzten steht noch nicht fest. Das Unglück ist wahrscheinlich auf einen Bahnsrcvcl zurück- zuführcn.

Kaum sind die letzten Trümmer des Eisenbahnunglücks bei München beseitigt, noch liegen einige Verletzte in den Krankenhäusern, ba kommt schon wieder die erschütternde Nachricht von einer Katastrophe, die durch ruchlose Verbrecher- Hand hervorgerufen ist und der so viele Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Die Staatsanwaltschaft hat sofort die Umersuchung ausgenommen und man kann nur wünschen, daß es bald gelingt, die Verbrecher zu fassen und der gerechten Bestrafung auSzuliefern.'

Ueber die Katastrophe teilt bk Reichsbahndirektion fol­gende Einzelheiten mit:

Der Zug fuhr auf gerader Strecke mit fahrplanmäßiger Geschwindigkeit. Plötzlich entgleiste die Lokomotive und die